Der Bauer im Gartenbau - FALTER.maily #786

Florian Klenk
Versendet am 20.04.2022

Ich gebe zu, ich bin heute ein bisschen nervös. Das liegt daran, dass mir Kurt Langbein gestern geschrieben hat, dass ich mich mit Christian Bachler heute um 19:30 Uhr auf einem "Red Carpet" einzufinden habe - vor dem Gartenbaukino.

Langbein, der Regisseur, präsentiert nämlich heute Abend im vollbesetzten Kinosaal seinen Dokumentarfilm "Der Bauer und der Bobo", Bachler und ich sind die Hauptdarsteller. Wir stapfen über seine Alm, wir suchen Yaks und wir fahren Hochschaubahn in Wien. Und jetzt also stehen wir zwei am "Red Carpet".

Falter-Leser keinen meine Lieblingsgeschichte, ich habe ihr im Herbst ein Buch gewidmet (einen Text von Armin Thurnher dazu finden sie hier).

Der Bauer (Bachler) und der "Oberbobo aus Wien" (ich) geraten über das Kuhurteil in Streit, Bachler beschimpft mich auf Facebook, ich absolviere bei ihm ein Praktikum in der Steiermark und Bachler öffnet mir die Augen, was Fleischindustrie, Klimawandel und Agrarpolitik für Bergbauern wie ihn, aber auch für das ganze Land bedeuten. Schließlich gerät Bachler in Not und eine große Spendenaktion rettet seinen Hof. Dann absolviert er ein Praktikum beim Falter.

Langbein hat über unsere Freundschaft, aber vor allem über obige Themen, einen Dokumentarfilm gedreht. Und es ist wirklich eine Freundschaft geworden, nicht nur im Film. Immer wieder schalten Bachler und ich unsere Computer ein, machen uns ein Bier auf und plaudern via Zoom abends über Politik, Medien und Landwirtschaft. Ich sitze in Wien und er in seinem Hof.

Es lohnt sich, Bachler zuzuhören. Denn er ist nicht nur ein fantastischer Erklärer, er macht die großen umweltpolitischen Themen bei vielen nicht sehr grün-affinen Menschen anschlussfähig. Vorige Woche tourten wir durch den Westen und Bachler bekam danach immer wieder tosenden Applaus. Er spricht vor allem vielen alternativ wirtschaftenden Bäuerinnen und Bauern aus dem Herzen.

So sagt er etwa der industriellen Landwirtschaft für den Herbst immense Probleme voraus. Die Kosten von Futtergerste und Düngemitteln explodieren, die Bauern, die ihre riesigen Ställe mit Gas und Öl beheizen, würden nicht mehr kostendeckend produzieren können. Sie werden, so fürchtet Bachler, wieder ihre Acker verkaufen müssen, die Gemeinden würden die Flächen dann umwidmen, um sie in Gewerbeparks umwandeln zu können. Es werde zu einem fürchterlichen, aber vielleicht auch heilsamen Schock in der Szene der Fleischindustriellen und Milchproduzenten kommen.

Bachler, der als kleiner alternativer Bauer lange belächelt wurde, weil ihn die Schulden erdrückten, ist nicht schadenfroh, im Gegenteil. Aber er glaubt, dass nachhaltig wirtschaftende Kleinbetriebe mit engem Kundenkontakt besser durch die Ukraine-Krise kommen werden als jene, die am Weltmarkt mithalten wollen. Das spannende Gespräch lesen sie hier.

Die Termine für unsere gemeinsame Tour durchs Land finden Sie hier. Schauen Sie sich das an.

Florian Klenk

Was Bachler erzählt, beschäftigt den Falter seit Jahren. Immer wieder haben wir uns der Notwendigkeit der Agrarwende angenommen. Benedikt Narodoslawsky sprach vor einiger Zeit mit dem Pestizid-Forscher Johann Zaller über die vernichtende Kraft von Pestiziden. Wenn Insekten sterben, dann sterben schließlich auch Vögel, etwa die Blauracke. Der Niedergang kleiner landwirtschaftlicher Betriebe wiederum führt zu einer Vereinsamung von Bauern, die zunehmend an Depressionen erkranken, wie Juliane Fischer und Katharina Kropshofer hier beschrieben haben. Wie ein Hühnchen um 3,4 Euro das Kilo heutzutage produziert wird, hat Gerlinde Pölsler einmal hier akribisch recherchiert. Es vergeht einem der Appetit. Und meinen Besuch bei einer Schweinefarm in Niederösterreich werde ich nie vergessen.

Sie können die Welt übrigens auch vor ihrer Haustüre retten, etwa wenn sie einen kleinen Garten haben. Die Tierärztin Sandra Engelmann schickte mir kürzlich ein paar schlaue Tipps, wie man richtig gärtnert und wie man Eichhörnchen vor dem Gifttod bewahrt. Sie finden die Ratschläge hier.

Nach der Wahl am Wochenende könnte Frankreich mit Marine Le Pen eine rechtsextreme Präsidentin bekommen. Rechte Intellektuelle spielen dabei eine erstaunlich wichtige Rolle. 35 Prozent der Französinnen und Franzosen haben im ersten Wahlgang ihre Stimme einer rechtsextremen Partei gegeben, zum zweiten Mal kommt Marine Le Pen in die Stichwahl. Und diesmal stehen die Chancen für sie gut, die erste Präsidentin Frankreichs zu werden. Dass gut ein Drittel der Franzosen gar nicht erst zur Urne geht, verdeutlicht den Grad an Verdrossenheit. Nicht nur in den Talkshows, sondern auch in der Realpolitik mangelt es an Alternativen. Unsere neue Kollegin Lina Paulitsch schreibt hier über den französischen Wahlkampf.


Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.maily-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!