Die Heldinnen - FALTER.maily #799

Nina Brnada
Versendet am 05.05.2022

Ich persönlich bin wenig anfällig für Heldenverehrung jeglicher Art – wenn es allerdings um Hebammen geht, muss ich unweigerlich eine Ausnahme machen. Heute ist Internationaler Hebammentag und ich möchte diese (vornehmlich) Frauen bei dieser Gelegenheit feiern. Bevor ich Mutter wurde, hatte ich wenig Vorstellung davon, was Hebammen alles tun und wie wichtig das ist, was sie tun, für die Mütter und dadurch auch für ihre Kinder, ja für die gesamte Familie.

Der Kreißsaal ist eine magische Sphäre von gewaltiger Schönheit. Wer dort landet, ist in einer der verwundbarsten Phasen seines Lebensweges angelangt. Was dort passiert, vergisst man nicht, weder das Beängstigende noch das Tröstende. Jedes freundliche Gesicht, jedes Wort der Zuversicht bleibt für immer. Ärztinnen und Ärzte in Ehren, ebenso wie anderes medizinisches Personal, aber es sind die Hebammen, die einen durch diese Stunden tragen.

Doch die Arbeit der Hebammen beginnt schon viel früher, wenn der Bauch noch da ist und man sich fragt, was brauche ich, wo stehe ich, was wird mir helfen – materiell wie mental. Genauso sind sie da, wenn die Wohnungstür hinter einem zufällt und die Babyschale am Boden abgestellt ist, wenn das neue Leben beginnt, das einen ausstülpt und einem alles abverlangt, just nachdem man den Trip seines Lebens hatte. Sie helfen zu verstehen, was man braucht, was das Baby braucht und wie man selbst auf seine ganz eigene Weise dorthin kommt.

Diese Zeit auf dem dünnen Eis an der Hand von jemand kundigem, wohlmeinenden dahinzugleiten ist unendlich wertvoll und prägt die Gesundheit von Frauen, Kindern und auch natürlich die der Väter.

Doch das Gesundheitssystem will das nicht kapieren. Die Arbeit der Hebammen, die die Vor- und Nachbetreuung machen, diese medizinische Notwendigkeit, wird als Luxus verbucht – man muss ihn sich jedenfalls leisten können. Die allermeisten Hebammen arbeiten in freier Praxis, vergleichbar mit Wahlärztinnen und Wahlärzten. Die Kassenverträge sind schlecht und es sind wenige.

Natürlich gibt es da auch noch Kassenhebammen, da zahlt man nichts. Allerdings sind die Chancen, so eine zu bekommen mit einem Lottogewinn vergleichbar; in der Metropole Wien beispielsweise gibt es lediglich 33 Kassenhebammen, landesweit sind es 273 – bei jährlich insgesamt 85.000 Geburten.

Hoffentlich sind die Zahlen nächstes Jahr besser. Es wäre Müttern, Kindern und Vätern zu wünschen.

Nina Brnada

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Karten sind ab 10 Euro erhältlich (Rasenplätze). Jugendliche bis 26 Jahre bekommen eine Ermäßigung von 50 Prozent.


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