Borgen - FALTER.maily #825

Nina Brnada
Versendet am 08.06.2022

Gestern schickt mir eine Freundin eine kurze Nachricht: "Borgen ist so traurig, es deprimiert mich." Die vierte Staffel der dänischen Polit-Serie Borgen ist endlich zu sehen, und die Freundin ist, genauso wie ich, ein richtiger Fan. Sie hatte die Veröffentlichung der neuen Netflix-Folgen dermaßen sehnsüchtig erwartet, dass sie sich sogar vorab, quasi zum Aufwärmen, die ersten, nahezu ein Jahrzehnt alten Staffeln zum wiederholten Male angeschaut und natürlich auch schon die neuesten Episoden sogleich inhaliert hat.

Ich bin erst bei Folge vier, aber ich muss jetzt schon sagen, ich bin ganz ihrer Meinung. Eskapismus war einmal. Die neue Staffel ist so düster wie die Zeit, in der wir leben.

Aus heutiger Perspektive wirken die alten Staffeln wie ein Kindergeburtstag: Da ist die Figur der fiktiven dänischen Politikerin Birgitte Nyborg, eine aufstrebende Mitte-links-Vertreterin, die es zur ersten Premierministerin Dänemarks bringt (der auch in der Realität tatsächlich bald eine folgen sollte); die um die Macht kämpft, um ihren Mann, ihre Kinder, gegen die Medien und manchmal trotz allem auch noch für ihre Ideale.

Interessante Ausgangslage, vor allem wegen der herausragenden Protagonistinnen – schließlich gibt es nicht so viele Serien, die Frauen an der Staatsspitze zeigen. Oder um es mit den Worten meiner Freundin zu sagen: "Die eine coole Frau, die wir hatten." 

Was ist passiert? In den letzten nahezu zehn Jahren ist Birgitte Nyborg zu einer verdorbenen und skrupellosen Figur gereift. Sie steht aber nicht nur für die Verkommenheit einer Politikerin, die sich mit allen Mitteln an die Macht klammert. Die Figur ging mit der Zeit und ist heute ein präzises Spiegelbild jener Wirklichkeit, in der wir alle, die wir vor den Schirmen sitzen, uns tatsächlich befinden.

Auch deshalb, weil ihre Geschichte getragen wird von den realen politischen Gegebenheiten, dem Ukrainekrieg, der Klimafrage, den Interessen der USA, Chinas und Russlands und dem Lavieren des kleinen Dänemarks. Traurig, ja, aber auch sehr genial, möchte ich hinzufügen.

"Ich muss aus Detox jetzt alte Folgen schauen", schreibt die Freundin am Nachmittag. Mein Plan für heute ist Folge fünf.

Ihre Nina Brnada

Eine weitere geniale Serie ist "Novine" – es geht um Macht, Medien und Kriminalität in Kroatien, zu sehen auf Netflix. Im FALTER-Interview erzählt Drehbuchautor Ivica Đikić von Medienfreiheit und Zensur in Kroatien.

Journalismus in der illiberalen Welt war auch das Thema eines Panels beim Journalismusfest Innsbruck, das Kollegin Nina Horcaczek moderiert hat. Im FALTER-Radio können Sie die Diskussion über den Überlebenskampf unabhängiger Medien in Ungarn, Tschechien und Rumänien mit Márton Gergely (Wochenzeitung HVG, Budapest), Alex Gröblacher (Radio International, Bukarest) und Tomáš Lindner (Wochenzeitung Respekt, Prag) nachhören.

"Fliegen sollte nicht normal sein", sagt die Reisejournalistin Maria Kapeller. Früher ist sie extrem viel gereist, sie sei regelrecht "reisesüchtig" gewesen, sagt sie, und natürlich ist auch sie oft geflogen. Was sie zum Zweifeln brachte, wie die Zukunft des Reisens aussehen könnte und warum dies eine bessere Zukunft für alle wäre, hat sie Gerlinde Pölsler im aktuellen FALTER erzählt.

Wenn Sie heuer auch am Boden bleiben möchten, können Sie sich hier sich zu fluglosen Reisen inspirieren lassen: Der Reiseführer "Hotel Paradiso" von Matthias Dusini bringt Sie mit der Bahn an 13 besondere Ort in Mitteleuropa; Kunst und Geschichte-Insights inklusive. Und "Auf Schiene" von Othmar Pruckner hat gleich 33 empfehlenswerte Bahnreisen in Österreich auf Lager.

Wer sportlicher unterwegs ist, kann sich natürlich auch aufs Rad schwingen: "Grenzenlos Radeln 1" lockt mit den schönsten Touren zwischen Österreich und Tschechien, "Grenzenlos Radeln 2" zeigt Ihnen die schönsten Plätze am Weg in die Slowakei.

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