Der Triumph der Tischlampe in Venedig - FALTER.maily #826

Barbara Tóth
Versendet am 09.06.2022

Ich schreibe Ihnen aus Venedig, also fast. Ich war vergangene Woche dort, knapp bevor über Pfingsten die Massen in die Lagunenstadt einfielen. Es war wie immer wunderschön. Die Kunst-Biennale war inspirierend, vor allem die Ausstellungen in den Pavillons Serbiens und Koreas schwingen nach. Die Jasminhecken blühten am Lido, der Duft war betörend.

Den besten Kaffee-Pausen Moment erlebte ich auf der Halbinsel San Pietro, etwas abseits hinter dem Arsenal. Schottland hatte dort seine Ausstellung. Daneben auf einer kleinen Terrasse zum Kanal, im Schatten eines Lastenkrans, gab es ein improvisiertes Kaffee mit ein paar Stühlen und einem großen Sonnenschirm.

Nach Venedig oder generell nach Italien fahren, das hieß früher, einen Blick in die Zukunft der schönen Oberflächlichkeiten zu werfen. Was Italiener:innen an Füßen oder Armgelenken trugen oder aus ihren Aperitifgläsern schlürften, schlug wenig später auch bei uns auf. Aperol, Averna Sour und dergleichen. Inzwischen verschwimmen die Geschmacksgrenzen, die Italo-Uniform besteht nach wie vor aus Golden Goose-Sneakern, Rolex oder Apple-Watch.

Aber in den Gastgärten habe ich etwas gesehen, was ich mir für Wien auch wünschen würde: das Comeback der Tisch-Schirmlampe. Ok, werden Sie jetzt einwenden. Haben wir ohnehin, im Volksgarten Pavillon etwa, dem Wiener Tanzcafé-Schmuckstück aus den 1950er-Jahren. Stimmt. Aber leider auch nur dort.

In Venedig hat gefühlt jedes Lokal die Glühbirnenketten, Neonröhren, Lampions und sonstige Beleuchtungskörper gegen dimmbare LED-Tischlampen getauscht. Zafferanos Poldina Pro ist der ästhetische Standard, es gibt unzählige Kopien. Lichtverschmutzung gibt es auch im Kleinen, blendende Gastro-Lichter sind ein Teil davon. Es verändert nicht nur die Stimmung im Lokal (viel romantischer), sondern auch auf Plätzen und entlang der Kanäle oder Gassen, wenn Tischen mit kleinen Lichtkegeln illuminiert und nicht von oben angestrahlt werden. Bitte mehr davon auch bei uns!

Ihre Barbara Tóth

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