Tourismus und Extremismus - FALTER.maily #857

Nina Brnada
Versendet am 20.07.2022

In Österreich gibt es so manche fragwürdige Förderung, jene, die in Wels dieser Tage Stadtthema ist, ruft gerade erzürnte antifaschistische Organisationen auf den Plan. Der Grund: FPÖ-Bürgermeister Andreas Rabl subventioniert die Mittelschüler-Burschenschaft Gothia Wels mit 5.000 Euro, FPÖ und ÖVP hatten im Stadtsenat für die Zahlung gestimmt, SPÖ und Grüne dagegen.

Hintergrund ist das 100-jährige Jubiläum der Gothia Wels, bei der auch FPÖ-Landeshauptmann-Stellvertreter Manfred Haimbuchner Mitglied ist. Die Feier soll im Rahmen des "Burschentags" von 16. bis 18. September abgehalten werden. Diesen "Burschentag" veranstaltet der Österreichische Pennäler Ring (ÖPR) jedes Jahr, zu ihm gehört laut seiner Homepage neben 59 anderen Vereinen auch die Gothia Wels.

Die Burschenschafter der ÖPR-Verbindungen würden immer wieder durch rechtsextreme und antisemitische Inhalte auffallen, kritisiert das Mauthausen Komitees Österreich (MKÖ), die Welser Initiative gegen Faschismus (Antifa), dem Netzwerk gegen Rassismus und Rechtsextremismus.

Um nur zwei Beispiele zu nennen: 

Die Burschenschafter der "Germania Ried" luden den deutschen Neonazi-Liedermacher Fylgien alias Sebastian Döhring zu einem Geheimkonzert ins Innviertel ein. Döhrings Lieder werden vom Verfassungsschutz Brandenburg als "rechtsextremistische Hass-Musik" eingestuft. 

Die pennale Burschenschaft Germania Wiener Neustadt wiederum gab ein Liederbuch heraus, das Texte beinhaltet, die den Holocaust verharmlosten und Kriegsverbrechen der Wehrmacht glorifizierten – Falter-Chefreporterin Nina Horaczek hatte dies Anfang 2018 aufgedeckt

Welche Geisteshaltung in diesen Reihen herrscht, zeigt etwa ein Blick ins Junge Leben, Zeitschrift des Österreichischen Pennäler Rings. In dieser wurde eine Rede vom "Burschentag" aus dem Jahr 2016 abgedruckt, gehalten vom weitgehend unbekannten Felix Müller; er war FPÖ-Kandidat für den Linzer Gemeinderat 2009 und trat als Flüchtlingsexperte des rechtsextremen Onlineportals Info-Direkt im russischen Fernsehen auf, wie die Zeit berichtete.

Da huldigt er den rechtsextremen Identitären, lobt die Arbeit der Burschenschafter in Österreich "zum Wohle Deutschlands", da schwadroniert er vom "Kampf der Kulturen" und steigert sich in Umsturz- und Rachefantasien, hier ein kleiner Auszug: "Wenn der Wind sich dreht, dann werden jene, die ihrem Volk zu Spott dort oben sitzen, sich zu verantworten haben; vor uns und vor dem Volk, welches sie so schändlich verraten haben. Möge es ihnen nicht vergessen, welch nachhaltigen Schaden sie verursacht haben, möge es ihnen nicht vergessen, wie schamlos sie die Gesetze und den Willen des Volkes ignoriert haben, möge es ihnen nicht vergessen, mit welcher Selbstverständlichkeit sie auf unsere Traditionen und Werte gespuckt haben, möge es keinen Einzigen und keine Einzige vergessen, die unter ihrer verantwortungslosen Politik zu leiden hatten; und möge es ihnen nicht vergeben!”

Derlei Veranstaltungen und Reden könnte man wohl getrost als Spinnereien von Leuten aus den hintersten Reihen abtun, wären da nicht ebenso Namen prominenter Politikerinnen und Politiker vertreten. Bei derselben Veranstaltung im Jahr 2016 war Manfred Haimbuchner übrigens ebenfalls Redner; zugegen auch die mittlerweile ehemalige FPÖ-Abgeordnete Anneliese Kitzmüller, sie wurde später dritte Nationalratspräsidentin.

Angesprochen auf die Kritik gibt sich der Welser FPÖ-Bürgermeister Andreas Rabl im Gespräch mit dem FALTER mehr als eine Art Stadtmanager denn als Politiker. Der "Burschentag" 2022 sei eine Großveranstaltung, gut für die Stadt und würde die "Nächtigungszahlen nach oben schrauben und den Handel beleben". Es sei nicht seine Aufgabe, die Inhalte zu kommentieren.

Im Übrigen kenne er die Reden nicht, die im September gehalten würden, sagt Rabl. Die Gothia Wels seien jedenfalls "anständige Leute, die kein Gesetz gebrochen haben. Ich habe keinen Zweifel, dass dort alles ordnungsgemäß ablaufen wird." Sie würden so wie alle gefördert, die nicht kommerziell sind und sich an Gesetze halten. 

Auf die Frage, ob er auch eine Erdoğan-Fanparty der AKP unterstützen würde, sagt Rabl: "Ich beschäftige mich nicht mit Was-Wäre-Wenn-Fragen."

Die Burschenschafter werden ihre Veranstaltung in der Welser Stadthalle abhalten, dafür haben sie auch den vollen Preis bezahlt.

Den Empfang, der in der Burschenschafter-Zeitschrift Junges Leben im Februar angekündigt war, werde es im Rathaus nicht geben, sagt Rabl. Aber sehr wohl werde er die Burschenschafter treffen. Das sei bei Großveranstaltungen so üblich, sofern er eingeladen werde, sagt Rabl. Wann und wo er allerdings die Burschenschafter treffen wird, das "geht niemanden etwas an," sagt der Welser Bürgermeister. "Ich bin aus Datenschutzgründen nicht bereit, meinen Terminkalender offenzulegen." 

Nina Brnada

Ausgerechnet ein konventioneller Putenmäster und ÖVP-Vizebürgermeister in Oed bei Amstetten ist frühzeitig aus dem russischen Gas ausgestiegen. Vor zwei Jahren wagte er den Schritt zu den Erneuerbaren. Es war damals eine Zukunftsentscheidung, die er vor allem für seine Nachkommen, konkret für seinen Sohn getroffen hat, der sonst den Hof nicht hätte übernehmen wollen. Rückblickend hat ihn dieser Schritt wirtschaftlich gerettet. Wolfgang Rössler hat für den aktuellen FALTER die Geschichte einer visionären Entscheidung aufgeschrieben.

Alkohol gehört in Österreich zum Alltag und zum guten Ton. Insofern war Karl Nehammers "Alkohol oder Psychopharmaka"-Sager ein für ihn vergleichsweise kleiner Ausrutscher (warum er dennoch kein Kanzlerformat hat, haben Josef Redl und Barbara Tóth hier aufgeschrieben). Wie gefährlich allerdings die Trinkfreude der Österreicherinnen und Österreicher tatsächlich ist, wollten Eva Konzett und Katharina Kropshofer in Gesprächen mit Ärztinnen, Suchtkranken und Kulturwissenschaftlern herausfinden.

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Grüner Pfeffer wird noch unreif vom Strauch geerntet und dann schonend luftgetrocknet. Deshalb seine Farbe und das milde, pfeffrige Aroma. Bei uns klassisch und auch in einer leicht geräucherten Version.

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