Mental Load - FALTER.maily #905

Barbara Tóth
Versendet am 21.09.2022

"Mental Load" beschreibt einen Zustand der geistigen Belastung an der Grenze zur Überlastung. Ich finde, dieser Begriff passt wunderbar für die Zeit, die Mütter und Väter (und mit ihnen natürlich auch ihre Kinder) Jahr für Jahr nach dem Schulstart durchleben.

Was es nicht alles zu unterschreiben, entscheiden, erledigen und mit der eigenen Anwesenheit zu adeln gilt. Erster Schultag mit Begrüßung durch den Direktor, Nachmittagsbetreuungsinformationsstunde, Schulbuffetanmeldung, Freigegenständeinfos, Schulmilchaktion, Obstkistendebatte am Elternabend, schlimmer ist nur noch die leidige Elternsprecherwahl.

Jodtabletten ja/nein, Corona-Testungserlaubnis, Jugendticketplus, Wandertag, Schullandwochen, Werkerziehungsbeitrag, Geografie-Atlas und English-Workbook-Bestellung, Reisepass, Meldezettel, Religionsbekenntnis, alle Zeugnisse aus den Jahren davor. Die Jagd nach Heften, Einbänden, Flügelmappen, Schnellheftern, Geodreiecken, Zirkeln, Häkelnadeln, Sticknadeln, Holzleim.

Und all das neben den sonstigen Alltagsthemen und was der eigene Job so an Herausforderungen bereithält. Ich hab schon wirklich knifflige Recherchen hinter mir, die waren ein Stadtspaziergang im Vergleich zur Material- und Unterschriften-Rallye nach dem ersten Schultag. Die Lehrer:innen in der Schule meiner Kinder sind inzwischen fast alle jünger als ich (nicht so schwer, ich bin Jahrgang 1974), aber merkwürdigerweise ist die ganze analoge Zettelwirtschaft aus den 1980er Jahren gleich geblieben. Von digitaler Schulbürokratie keine Spur. Wie kriegen das Menschen hin, die ihre Kinder alleine erziehen? Und daneben auch noch Vollzeit arbeiten?

Nein, ich will auf keine Lehrerer:innenkritik hinaus. Die Pädagog:innen, die ich kenne, sind echte Held:innen, Schulleiter:innen Meister:innen der Improvisationskunst. Ich möchte lieber ein Prosit auf alle Erziehenden aussprechen, die die ersten zwei Wochen Schulalltag heiter und gelassen überstanden haben. Vor allem auf die Alleinerziehenden.

Denn ich hab bei meinem Elternabend mitgezählt. Erste Klasse öffentliches Wiener Gymnasium, innerhalb des Gürtels. Anwesend: 23 Mütter, 3 Väter. Das mag nur eine Momentaufnahme gewesen sein, aber diese Art von Mental Load scheint mir in aufrechten Ehen wie bei getrennt lebenden Paaren nach wie vor eher ungleich verteilt zu sein.

Barbara Tóth

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