Spooky - FALTER.maily #909

Lina Paulitsch
Versendet am 26.09.2022

Am Freitagabend erglühte die Rote Bar in rot. "Scream Queen!" lief in großen Lettern über den Ankündigungsscreen vor dem Wiener Volkstheater, das um 23 Uhr seine Pforten für das Slash Filmfestival öffnete. Das Festival widmet sich dem eher unösterreichischen Genre "Slasher" bzw. Horrorfilm. Es läuft noch bis 2. Oktober. 

Die Screaming Queens auf der Bühne versprühten dann auch internationalen Glamour. Gemeint sind Drag Queens, die in thematisch passender Couture jeweils eine kurze Show darboten. Zu den Highlights zählte ein weißäugiges Kindermädchen, das den Säugling erst sanft im Arm wiegte, dann Blut spritzend zerfleischte. Oder ein schwarzer Todesengel, der seine ledergelackten Flügel zitternd durch die Lüfte schwang. 

Moderiert wurde die poppige Show von Peaches Christ, einer der bekanntesten Drag Queens aus den USA. Sie war als Stargast des Slash-Festivals geladen und moderierte am nächsten Tag gleich weiter. Am Samstag lief im Rahmen des Festivals auch die "Rocky Horror Picture Show", ein frühes Beispiel einer Drag-Horror-Comedy. Ab den 80er-Jahren beeinflusste Drag die Genres Heavy Metal und Goth, etwa die Twisted Sisters oder Marilyn Manson. Bis heute ist das Horror-Genre wiederum ein fester Bestandteil der queeren Drag-Szene, die auch in Wien immer populärer wird, wie der FALTER kürzlich berichtete.

Das Slash Filmfestival findet seit 2010 in Wien statt und umfasst streng genommen alles, das dem "fantastischen", also in der Sphäre des Übernatürlichenspielenden Film zugeordnet werden kann. An elf Filmtagen kommen rund 15.000 Besucher, es werden sechzig österreichische Erstaufführungen gezeigt. Entstanden als Kooperation mit dem Wiener Programmkino Filmcasino, zählt das Festival mittlerweile drei weitere Spielstätten: das Metrokino Kulturhaus, das Gartenbaukino und das Schikaneder.

Falls Sie die Tagespolitik mit fantastischem Horror übertünchen wollen, dann sei Ihnen ein Kinogang empfohlen. Etwa heute Abend: "Sissy" – eine australische Slasher-Kömodie über eine rachelüsterne Influencerin. Oder am Freitag die "Night of 1000 Knives", bei der Hartgesottene vier Filme hintereinander ansehen können. 

Am Sonntag schließt das Festival mit "Triangle of Sadness", dem Gewinner-Film der Goldenen Palme in Cannes. Der schwedische Regisseur Ruben Östlund seziert darin die Welt der Schönen und Reichen, in gewohnt skurril-fantastischer Manier. Ich versichere: Es wird spooky!

Einen schönen Abend wünscht

Lina Paulitsch

Für alle Horrorfilmfans: Das Programm des Slash Filmfestivals finden Sie hier.

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