Entspannung auf Durchwahl 959 - FALTER.maily #915

Josef Redl
Versendet am 03.10.2022

Bei Telefonaten weiß ich immer sofort, ob mein Gesprächspartner am anderen Ende auf einen Bildschirm schaut. Ich hab da einen sechsten Sinn. Sollten Sie je bei mir im Büro anrufen (Durchwahl 959, bitte nicht an Montagen), haben Sie meine ungeteilte Aufmerksamkeit. 

Sobald ich den Telefonhörer in die Hand genommen habe, lehne ich mich weit in meinem Sessel zurück. So kann ich über Kopf durch mein Bürofenster ein Stück blauen Himmel sehen. Heute ist er zumindest blau, der Wind schiebt sogar ein paar dekorative Wolken an meinem Blickfeld vorbei. Am bequemsten kann ich diese Aussicht genießen, wenn ich die Füße auf den Tisch lege.

Ich glaube, es ist die entspannte Körperhaltung, die meiner Stimme dieses vertrauenswürdige, dunkle Timbre verleiht, das es mir möglich macht, meinen - mir oft gänzlich unbekannten - Gesprächspartnern am Telefon ihre intimsten Geheimnisse zu entlocken. 

Wie zum Beispiel Christian aus Kärnten, der mir heute gesagt hat, der FALTER möge endlich etwas über die 13 Milliarden Euro schreiben. Oder über die Ministerin. Ich habe ein beruhigendes "m-hmm" gebrummt und eine meiner gefürchteten Sprechpausen eingelegt. Ich konnte hören, wie Christian aus Kärnten kurz mit sich gerungen hat. Dann ist es aus ihm herausgeplatzt: "Ich lese Ihre Zeitung gar nicht, Sie Oasch."

Leider hat er dann aufgelegt. Ich hätte gerne gewusst, warum er so aufgeregt ist. Aber ich hab ja jetzt seine Nummer. Vielleicht rufe ich ihn einfach irgendwann die Woche mal an und verrate ihm den Trick mit dem Fenster. Er hat sich angehört, als müsste er dringend ein bisschen entspannen.

Josef Redl

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Kennen Sie diese schaurigen Szenen in Horrorfilmen, in denen Menschen erwachen und sich in einem Grab wiederfinden? Etwas Ähnliches erlebte der Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter in jungen Jahren, als er einen Leichenkühlschank öffnete, einer der Totgeglaubten sich aufsetzte und fragte: "Seids deppert?".

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