Sparschweine - FALTER.maily #968

Florian Klenk
Versendet am 06.12.2022

Ich möchte Ihnen diese Woche von der Supermarkt-Kette Spar erzählen, sie ist Marktführer in Österreich und versiegelt mit ihren riesigen Einkaufszentren das ganze Land. Offenbar verdient Spar sehr viel Geld. Das unterscheidet Spar nicht von anderen Supermarktketten, die ganze Dorfzentren zerstört haben. Das ist das eine Problem: Bodenfraß und Verdrängung der lokalen Nahversorgung. 

Aber da ist noch etwas und das betrifft nur Spar: die Einschüchterung von Kritikern mit SLAPP-Klagen (SLAPP steht für "Strategic Lawsuits against Public Participation", also Klagen, die öffentiche Kritik unterbinden sollen).

Das Management von Spar macht hier gerade sehr viel falsch, insbesondere der Spar-Vorstand Fritz Poppmeier. Es hat den Anschein, dass dieser Manager keine Kritik duldet, er lässt sie mit seinen Anwälten (Cerha Hempel) wegklagen. Spar ist bekannt dafür, auch Medien mit Inseratenentzug unter Druck zu setzen. Nun sind NGOs dran. 

Was ist geschehen? Die Aktivisten des "Vereins gegen Tierfabriken" (VGT) haben vor Sparfilialen demonstriert und zwar mit Transparenten, die das Sparlogo etwas verfremdet zeigen. "Spart Euch  die Vollspaltenboden-Tierquälerei!" steht auf den Bannern und vom Spar-Logo rinnt das Blut. 

Der VGT kritisiert den Umstand, dass Supermärkte wie Spar Schweinefleisch wie Ramschware verschleudern. Mit sogenannten "Fleischprospekten", werden Kunden angelockt. Der VGT verfremdete diese Flugblätter und druckte tote Ferkel darauf, auch solche, die man bei Fleischproduzenten zuhauf in der Kadavertonne findet. 

Mit solchen Schockbildern will der VGT die Öffentlichkeit aufrütteln, also uns, und uns einen Blick in die Hinterbühne jener Fleischindustriellen gewähren, bei denen das Billigfleisch produziert wird, das auch bei Spar in der Fleischtruhe liegt. Ja, das ist lästig und grauslich. Aber eine offene Gesellschaft muss das aushalten. Ein Riesenkonzern wie Spar auch. Bei den Legebatterie-Eiern ging die Awareness-Strategie auf. Sie sind aus den Regalen verschwunden. 

Spar hätte sich der Kritik nun stellen können – so wie es Rewe oder Hofer getan haben. Doch der Konzernchef schickt lieber seine Anwälte in die Meinungsschlacht. Sie klagten die VGT-Aktivisten auf Unterlassung, Kreditschädigung und wollen sogar bewirken, dass das Sparlogo nicht mehr mit Blutflecken gezeichnet wird. Das sei "grauslich". Spar will die Tierschützer und ihre Plakate weghaben. 

Ich habe mir auch einmal einen AMA-Schweinestall angesehen, dessen Betreiber dabei heimlich gefilmt wurde (dem VGT wurde das Video dann zugespielt), wie er Schweine quält. Ich werde den Besuch und den Ammoniak-Gestank unter dem Vollspaltenboden nie vergessen. Hier können Sie ein Gespräch, das ich mit VgT-Obmann Martin Balluch dazu führen durfte, nachhören. 

Man kann und soll die betroffenen Bauern für diese Quälerei kritisieren. Aber wirklich verurteilen muss man den Großhandel, der solche Produktionsbedingungen mit Dumpingpreisen erzwingt, indem er Qualfleisch wie Qualitätsprodukte anpreist und uns Konsumenten einredet, Fleisch müsse billiger sein als Kaugummi.

Wir Konsumenten werden ständig getäuscht. Eine ehrliche Kennzeichnung gibt es nicht. Wir glauben, das AMA-Gütesiegel-Fleisch sei von besonders hoher Qualität. Doch das stimmt gar nicht. Wir pressen die Bauern aus – und die Bauern schneiden den Schweinen die Ringelschwänze ab, weil die sich auf engem Raum sonst selbst verstümmeln. 

Nun geschah im August etwas Unerwartetes: das Handelsgericht Wien erließ gegen den VGT eine einstweilige Verfügung. Die Tierschützer müssen ihre Transparente einrollen und dürfen den Billigschweinefleischverkauf bei Spar damit nicht mehr kritisieren. 

Vergangenen Montag starteten die VGTler daher eine neue Aktion. Sie stellten sich mit verklebtem Mund vor den Spar. Und sie schwärzten – wie vom Gericht aufgetragen – ihre Transparente. Und weil das so wichtig ist, zeigen wir im Maily ausnahmsweise ein Foto. Hier bitte:

Foto: Heribert Corn

Ihr Florian Klenk

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