Teenstar, revisited - FALTER.maily #970

Barbara Tóth
Versendet am 08.12.2022

"Mama, weißt Du, was wir in Biologie in der Schule gerade machen?" Mein 13-jähriger Sohn kichert verlegen. Alles klar, die Kinder haben mal wieder Aufklärungsunterricht. Diesmal geht es um Pubertät, Stimmbruch, Haare, die an verschiedenen Stellen wachsen. "So als wären wir Werwölfe!", sagt er.

Mich beruhigt zu hören, dass das Thema im Unterricht besprochen wird, von Lehrern:innen, denen ich vertraue. Vor ziemlich genau vier Jahren meldete sich nämlich eine Mutter bei mir, der beim Elternabend eine ganz andere Art von "Aufklärungsunterricht" vorgestellt wurde. An ihrer Schule war der selbsternannte Aufklärungsverein "Teenstar" aktiv. Klang cool, dahinter verbarg sich aber eine fundamentalistisch-christliche Vereinigung, die Homosexualität in ihren Workshops als "heilbar" predigte, Rollenbilder aus den 1950er-Jahren vertrat und jungen Frauen statt Pille und Kondom eine natürliche Empfängnisverhütung nahelegte. Sex? Sowieso erst in der Ehe, dafür solle man sich aufheben.

Die Geschichte, die ich damals schrieb, gemeinsam mit Recherchen von Patrick Gruska vom ORF, trugen dazu bei, dass das Bildungsministerium Teenstar im Frühjahr 2019 fürs Erste von den Schulen verwies und versprach, die Sexualpädagogik an Schulen neu zu regeln. Und dann? Passierte erst mal gar nichts.

Schon klar. Der Ibiza-Skandal fegte die damalige türkis-blaue Regierung weg, es folgten Neuwahlen, Türkis-Grün, dann die leidige Pandemie. Da hatte das Bildungsministerium andere Probleme zu lösen.

Nun hat Bildungsminister Martin Polaschek eine neue Sexualpädagogik-Verordnung vorgestellt, die noch vor Weihnachten in Kraft treten soll. Wer - wie ich - gehofft hatte, dass sich das Ministerium durchringt, klare Kriterien und eine Akkreditierung für externe Vereine festzulegen, die an Schulen Aufklärungsarbeit leisten dürfen, wurde enttäuscht. Die konservative Kirchenlobby in der ÖVP hat sich wieder einmal durchgesetzt.

Es wird nur eine "Datenbank" geben, bei der man sich eintragen und begutachten lassen kann. Für die "Begutachtung" wird eine externe Geschäftsstelle namens "Qualitätssicherung Sexualpädagogik" beim Roten Kreuz eingerichtet, mit fünf Expert:innen, beschickt vom Bildungs-, Familien- und Gesundheitsministerium. Alle dürfen sich begutachten lassen, auch Teenstar, die beteuern, dass sie inzwischen im 21. Jahrhundert angekommen sind. Warum das Rote Kreuz zur - schwachen - Instanz für schulische Aufklärungsarbeit wird, versteht niemand. Eine verbindliche Qualitätssicherung schaut anders aus.

Ihre Barbara Tóth


Alarmierende Bilder

Drogen und psychische Erkrankungen zeigen ein alarmierendes Bild von Jugendlichen, die abstürzen. Brennpunkt ist dabei die düstere Drogenszene im Wiener Stadtpark. Über Problemstellungen und mögliche Auswege sprechen in der neuen Folge des FALTER Radio die Psychologin Beate Wimmer-Puchinger ("Gesund aus der Krise"), der Drogenkoordinator der Stadt Wien, Ewald Lochner, der Rechtsanwalt und Vertreter der Eltern der ermordeten Leonie, Florian Höllwarth, die Stadträtin Judith Pühringer (Grüne) sowie FALTER-Journalist Lukas Matzinger und Moderator Raimund Löw.


Korrupte Praxis

Wir haben schon einmal darauf hingewiesen, diese Folge ist aber so besonders, dass wir das nochmal tun müssen: Florian Scheuba interviewt in seinem FALTER-Podcast "Scheuba fragt nach" mit niemand geringerem als Peter Hochegger. Die beiden sprechen über Hocheggers „Drehbuch für Korruption“, den „Masterplan Novomatic“ und wie verdeckte Parteienfinanzierung in der Praxis funktioniert. Außerdem berichtet Scheuba von einem „Krone“-Kolumnisten, der Klimaaktivisten „lustvoll in die Fresse hämmern“ und per Schneefräse beseitigen lassen will. Die fast schon historische Folge hören Sie hier.


Schönes Geschenkpapier

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