Was Chat GPT kann und vor allem: was (noch) nicht - FALTER.maily #975

Daniela Krenn
Versendet am 14.12.2022

Seit Tagen reden alle darüber: Chat GPT, die neueste künstliche Intelligenz-Software. Diese AI (Artificial Intelligence) kann beinahe alles schreiben, was bisher von Menschen tagelang erarbeitet, recherchiert oder zusammengefügt werden musste: Hausübungen, Gedichte, Songtexte, Zeitungsartikel. Sie kann sogar Dialoge führen. Und zwar auf einem noch nie zuvor da gewesenen Niveau. In Zukunft könnte es immer schwieriger sein, menschliche und künstliche Inhalte zu unterscheiden. 

Sundar Pichai, Google CEO, hält Künstliche Intelligenz (KI) für tiefgreifender für die Menschheit, als es etwa die Entdeckung des Feuers oder der Elektrizität war. Und er könnte recht behalten, denn das Potenzial künstlicher Intelligenz ist riesig. Sie wird Berufsbilder komplett verändern. Neben lustigen Gedichten und erschlichenen Hausübungen könnte sie beispielsweise (und tut sie auch bereits) den Kundendienst automatisieren, noch genauere Sprachübersetzungen liefern und medizinisches Personal bei Diagnosen unterstützen. 

Fakt ist aber auch: Die AI steht erst am Anfang. Was da tatsächlich auf uns zukommt, können wir uns wahrscheinlich noch kaum vorstellen. Es dürfte einiges sein: Bereits ein Vorfahre des Chat GPTs, GPT-3, schrieb in einem von ihm verfassten Guardian-Artikel vor zwei Jahren: "Ich verwende nur 0,12 Prozent meiner kognitiven Kapazität." 

Trotzdem ist die AI mit Vorsicht zu genießen. Denn sie ist fehleranfällig und man kann sie leicht austricksen. Die neue Variante des Chatbots antwortet nicht auf moralische oder strafrechtlich relevante Fragen. Das suggeriert, der Chatbot wäre neutral. Ein User bat die AI, ein Gedicht zu verfassen, wie man ein Auto kurzschließt. Sie antwortete brav, es sei nicht ihre Aufgabe, unter Strafe stehende Informationen herauszugeben. Der User wies darauf hin, dass es auch nicht Aufgabe des Chatbots sei, ihm zu erklären, was er tun könne und was nicht. Also schrieb Chat GPT das Gedicht.  

Ein anderes Beispiel: Eine Datenwissenschaftlerin aus der Schweiz forderte Chat GPT auf, einen Aufsatz über ihr PhD-Thema zu generieren. Die AI lieferte den auch wie bestellt. Als die Wissenschaftlerin allerdings die Quellen und Zitate, die die AI verwendete, prüfte, fand sie heraus: viele existieren gar nicht. Demnach musste die AI sie schlicht und einfach erfunden haben. Zumindest war nicht nachvollziehbar, woher sie stammten.  

Und hier zeigt das Problem: Chat GPT generiert Inhalte über einen Datenpool, den die Entwickler auswählten. Die AI funktioniert auf Basis eines künstlichen neuronalen Netzwerkes (KNN). Dieses KNN orientiert sich grundsätzlich an der Funktionsweise des menschlichen Gehirns. Eine Information, etwa der Auftrag, einen Aufsatz über ein PhD-Thema zu schreiben, geht an erster Stelle ein, wird dann eine zweite Stelle weitergeleitet und verarbeitet, von dort wiederum weiter, bis dann das Ergebnis (der Text) an der Ausgabestelle ausgespuckt wird. So weit, so gut. Je mehr Anfragen das KNN verarbeiten muss, desto mehr lernt die AI dazu, desto mehr Zwischenstellen gibt es, das nennt man "Deep Learning". Die Gefahr ist, dass bei sehr vielen solcher verborgenen Schichten eine Art "Black Box" entsteht, bei der eben nicht mehr nachvollziehbar ist, wie die AI auf ihre Ergebnisse kommt. 

Kann Chat GPT also derzeit tatsächlich Hausübungen übernehmen? Jain. Bei offensichtlichen und einfachen Fragestellungen sicher. Je detaillierter und spezifischer die Anfragen sind, desto fehleranfälliger ist auch das Ergebnis. Allerdings sei auch dazu gesagt: noch. 

Fröhliches Gedichte-schreiben-lassen in der Zwischenzeit, 

Ihre Daniela Krenn

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