So viel Böses im Jahr 2022 - FALTER.maily #981

Barbara Tóth
Versendet am 21.12.2022

Wenn Sie das lesen, liegt das heurige Best of Böse (BoB) schon vor Ihnen, vorausgesetzt Sie haben ein FALTER-Abo (falls nicht, gleich hier entlang: unser Testabo läuft vier Wochen und endet automatisch und bringt Ihnen Bob nach Hause).

Best of Böse ist die Satire-Jahresendbeilage des FALTER. Sie wird von der Redaktion, Grafik und einigen der besten Satiriker und Satirikerinnen des Landes im Geheimen und unter Wahrung ihrer Anonymität geschaffen.

Unser Böse Nummer Eins ist heuer Raiffeisen-Chef Erwin Hameseder. Mit dieser Begründung: "Was macht ein Milizoffizier, wenn plötzlich Krieg ist? Gute Geschäfte! Der Raiffeisen-Boss ließ seine Banken in Russland weiter Geld scheffeln und half damit, die Kriegswirtschaft eines verrückten Despoten am Laufen zu halten. Der Gewinn: 1,4 Milliarden Euro. Der Gewinn in der BoB-Wertung: unbezahlbar! Auch an der Heimatfront setzt Hameseder auf das Böse unter dem Rubelkreuz und installiert wenige Wochen vor der niederösterreichischen Landtagswahl Richard Grasl an der Spitze von Profil."

Wenn Sie mehr darüber wissen wollen, was beim profil gerade passiert und warum das für Österreichs Medienlandschaft der nächste Tiefschlag sein könnte (nach dem Aus für die Wiener Zeitung und die dramatische Verpolitisierung des ORF), lesen Sie hier nach.

Heute denke ich mir, wir - damit meine ich wir Journalistinnen und Journalisten, vor allem, jene, die über Politik und Medien berichten - hätten die Ankündigungen aus dem Jahr 2018 des damaligen Medienministers Gernot Blümel viel ernster nehmen sollen, als er den ORF als "Steigbügelhalter" und "Schuhlöffel" für private Medien definierte. Auch die Pläne zur Zerschlagung der Wiener Zeitung wurden damals schon erfunden, inklusive der neuen, staatlichen Journalismusausbildungsagentur. Für all das gab es Vorbilder in Ungarn, an denen sich Blümel und Sebastian Kurz orientierten.

Nur dass 2022 zum Jahr wird, in dem die ÖVP das mit Hilfe der Grünen Realität werden lässt, das hätte ich nie gedacht. Dafür hat sich auch die grüne Mediensprecherin einen Eintrag in die Liste der Bösesten des Jahres verdient. Auf Platz 70:

"Die grüne Mediensprecherin hat zur staatseigenen Wiener Zeitung eine originelle Ansicht: Bevor ein Privater die Zeitung kauft und sie eingehen lässt, macht das die Republik lieber selber. Zu den schwarz-grünen Postenbesetzungen sagt sie: "Entweder sind wir die naiven Idioten oder die korrupten Idioten". Tertium non datur, Frau Wissenschaftssprecherin? Auf dem Unterschied zwischen Dodel und Zynikerin möchte BoB Klavier spielen können."

Sehen Sie? Mit BoB lassen sich die Irrsinnigkeiten des Jahres 2022 dann doch etwas leichter ertragen. Genießen Sie die Feiertage!

Ihre Barbara Tóth


Hinweis

So wie jedes Jahr habe ich im Ressort Medien ein ABC mit den Schlüsselwörtern des Jahres zusammengestellt, von A wie Armageddon, ein Begriff, den US-Präsident Biden gezielt benutzte, bis Z, das heuer zum Symbol für alle wurde, die Putins Invasion in der Ukraine unterstützen. 2022 verdrängten die Kriegs- die Pandemievokabel, vergleichen sie es einmal mit dem ABC des Jahres 2021. Ich mache dieses Jahresend-ABC wirklich gerne, nicht nur, weil es mir selbst vor Augen führt, wie viel heuer passiert ist. Sondern auch, weil es zeigt, wie rasant die öffentlichen Debatten geworden sind - und wie schnell wir viele Aufregungen auch wieder vergessen.


Hilfreich

Auch das FALTER-Feuilleton hat wieder einen Jahresrückblick beigesteuert: Diese Dinge sollte man 2022 gehört, gelesen und gesehen haben, finden die Kolleginnen und Kollegen aus der Kultur. Schauen Sie durch, lassen Sie sich inspirieren!


Interview

Ein sehr tief gehendes Gespräch konnte Klaus Nüchtern mit dem Autor Robert Menasse führen. Der Autor von "Die Hauptstadt" und "Die Erweiterung" spricht in diesem Interview über Krisen, Kriege und Kritik, übers Feiern und Fußball, Albanien und das Altern.


Kulinarik

Überlegen Sie noch, was Sie zu Weihnachten kochen sollen? Armin Thurnher to the rescue! Hier finden Sie seine alljährliche Empfehlung für ein rundes Weihnachtsmenü.


Tiertalk

Karpfen finden Sie in Thurnhers Rezept weit und breit keinen. Dafür hat es der fette Fisch in den illustren Kreis jener Tiere geschafft, mit denen Peter Iwaniewicz seine legendären (Selbst-) Gespräche führt. Hier gehts zu dem gleichermaßen informativen wie unterhaltsamen Stück.

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