Freunderlwirtschaft in der Hofreitschule - FALTER.morgen #216

Versendet am 02.12.2021

Die Spanische Hofreitschule als Schauplatz eines sehr österreichischen Skandals >> Wird die Verkehrshölle Reinprechtstorferstraße in Margareten zur Einbahn? >> Der Fassadenleser über einen Lichtblick im Sonnwendviertel

Wetterkritik: Die Sonne gegen den Hochnebel, das ist derzeit ein ungleicher Kampf: Heute gibt es kaum eine Chance”, dass sich die Bewölkung lichtet, meldet der ORF gestern. Das gute Wetter hat seinen Endgegner gefunden, aber es bleibt mild bis bis zu 8 Grad.


Guten Morgen,

wenn ich den Skandal, um den es heute geht, als „sehr österreichisch” bezeichne, dann ist das alles andere als bloß dahingesagt. Nicht nur, weil er in einer Institution spielt, die auf's mozartkugel- und sängerknabenhafteste mit dem zuckersüßen Bild verbunden ist, das Österreich weltweit immer noch abgibt – der Spanischen Hofreitschule. Sondern auch, weil seine Ingredienzien so landestypisch: Es geht um G'schaftlhuberei, G'schäftlmacherei, Freunderlwirtschaft und Papa-wird's-scho-richten-Chuzpe, und das alles noch vor prunkvoller Kulisse mit durchaus eleganten Haupt- und Nebendarstellern.

Ausländische Journalistenkollegen beneiden uns geradezu um die heitere Note, die bei unseren Skandalen mitschwingt, glauben Sie mir: Egal, wie anrüchig und ungustiös es wird – man kann darauf vertrauen, dass der Unterhaltungswert gegeben ist. Mehr darüber erzähle ich Ihnen gleich.

Danach gibt's noch das Neueste über die Entscheidung von Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne), den Lobautunnel ungegraben zu lassen, und über eine Verkehrshölle im 5. Bezirk.

Einen schönen Tag wünscht

Eva Konzett


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Schwarzer Schimmel

Der Aufsichtsratschef der Spanischen Hofreitschule lässt den Hengst seiner Tochter auf Staatskosten zum Spitzenpferd ausbilden. Über einen sehr österreichischen Skandal.

Auf den ersten Blick unterscheidet diesen Hengst nichts von den anderen in der Spanischen Hofreitschule: Maestoso Fantasca-67, ein Grauschimmel, im Februar 2008 im Bundesgestüt in Piber geboren; so reinrassig, dass sein Stammbaum bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgt werden kann; und ausgebildet bis in die höchsten reiterlichen Weihen: Maestoso Fantasca beherrscht die sogenannte „Schule über der Erde“ – die Sprünge Levade, Kapriole und Courbette und damit kurz gesagt das, was die Spanische Hofreitschule von einer gewöhnlichen Dressuranstalt unterscheidet.

Und doch ist Maestoso Fantasca anders. Denn als einziges Pferd in der Spanischen Hofreitschule steht er nicht im Eigentum der Republik Österreich. Sondern gehört ausgerechnet der Tochter des Aufsichtsratschefs Johann Marihart.

Für manche offenbar ein Selbstbedienungsladen: Die Spanische Hofreitschule © renevanbakel.photo/Spanische Hofreitschule

Die Spanische Hofreitschule, beheimatet im Barock und im Michaelertrakt der Hofburg, sieht sich als Hüterin der höchsten Reitkunst. Seit mehr als 450 Jahren gibt es sie. Sie hat Napoleon, zwei Kriege und eine Seuche in den 1980er-Jahren überstanden. Sie steht für Anmut, übertrieben Schönheit, tröstlichen Prunk. Die Tourismusbetriebe danken der Hofreitschule ihre Magnetwirkung. 431.000 Menschen haben sich die Vorführungen in Wien und das Bundesgestüt in Piber im Jahr 2019, dem letzten vor der Pandemie, angeschaut. Für Pferdeafficionados ist sie der letzte Hort einer uralten Reitertradition. Und für manche war sie offenbar ein Selbstbedienungsladen. 

2013 hat Mariharts Tochter Maestoso Fantasca-67 um 12.000 Euro erworben. Die Hofreitschule hatte den Hengst im ersten Drittel der anspruchsvollen Ausbildung ausgemustert. Als einziges Privatpferd konnte Maestoso Fantasca gegen eine Einstellgebühr weiterhin in der „Spanischen” verbleiben. Er stand zunächst in einer Box der Zweigstelle im niederösterreichischen Heldenberg, danach aber auch in der Stallburg in der Wiener Innenstadt. Bereiter trainierten das Pferd weiter, gaben der Tochter Reitstunden, alles auf Kosten des Steuerzahlers. Ab 2016 setzte man Maestoso Fantasca offiziell bei Vorführungen ein. 

Spätestens da hätte die Geschäftsführung, die damals aus der ehemalige Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler und ihrem Kompagnon Erwin Kisselbauer bestand, die Reißleine ziehen müssen. Und in seiner Funktion als Aufsichtsrat hätte auch Marihart spätestens da aufschreien müssen. Es passierte: Nichts. Auch nicht, als Gürtler ihren Posten 2019 an Sonja Klima, die Ex-Frau des ehemaligen SPÖ-Bundeskanzlers Viktor Klima, weitergab. 

Inzwischen hat aber ein ehemaliger Bereiter die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) wegen Untreue und Geschenkannahme von Machthabern angerufen, Landwirtschaftsministerin Elisabeth Köstinger (ÖVP) regte als Eigentümervertreterin die Prüfung der Vorwürfe an.

Die Spanische Hofreitschule bestätigt den Sachverhalt nur sehr knapp. Begründung: Man wolle der Untersuchung nicht vorgreifen. Johann Marihart war zumindest bei den ersten Treffen zur Aufklärung dabei, sein Mandat im Aufsichtsrat hat er vorerst nicht ruhend gestellt. Dass seine Tochter auf Kosten der Allgemeinheit in der Kunst des Reitens unterrichtet und ihr Ross mit Steuergeld zu einem Dressurpferd der höchsten Kategorie ausgebildet wurde, sieht Marihart nicht als Problem. Der Hofreitschule seien dadurch keinerlei finanzielle Nachteile entstanden, schreibt er in einem Statement. „Diese war vielmehr in der glücklichen Lage, ein von meiner Tochter privat finanziertes Pferd, ohne zu bezahlen, in sehr vielen Aufführungen einsetzen und damit Geld verdienen zu können.“

Eine ausführliche Geschichte dazu finden Sie im aktuellen FALTER.

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Fünf Minuten und 43 Sekunden hat Umweltministerin Leonore Gewessler (Grüne) bei der gestrigen Pressekonferenz gebraucht, bis sie das Ende des Lobau-Tunnels verkündete. Zwar dürfte kaum jemand wirklich überrascht von der Entscheidung gewesen sein, am Vorabend waren ja bereits Infos an einige Medien durchgesickert.

Dennoch gingen die Emotionen hoch: Das Rathaus ist sauer, das Bundeskanzleramt und diverse ÖVP-Zentralen sind es ebenso, im Grünen Klub und in den Protestcamps herrschte hingegen Feierstimmung. 

Die „Lobau bleibt" und die Aktivisten auch © FALTER/Pechtl

Wenn Sie das Dramolett gestern nicht en detail verfolgt haben, hier eine kurze Zusammenfassung: 

  • Die Lobauautobahn samt Tunnel durch das Naturschutzgebiet kommt vorerst nicht. „Unberührter Boden in einem einzigartigen Naturschutzgebiet” würde zubetoniert werden, begründete Gewessler die Entscheidung. 

  • Die S1-Spange (Anschluss der S1 zur geplanten Stadtstraße) könnte trotzdem gebaut werden, wenn die Stadt Wien an der Errichtung der Stadtstraße feshält. Auch für den Nordabschnitt der S1 werden Alternativen geprüft. 

  • Von der Stadtregierung kommt heftige Kritik. Die Entscheidung sei „ein Schlag gegen die Wiener Bevölkerung”, wetterte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). Die Umfahrungsstraße sei notwendig, weil sie der Bezirksbevölkerung eine Entlastung von Verkehr und Lärm bringen würde. Ludwig will jetzt rechtliche Schritte gegen Gewesslers Entscheidung prüfen.

  • Die ÖVP unterstützt den Schritt der Rathaus-SPÖ. Finanzminister Gernot Blümel pocht darauf, dass man mit dem grünen Koalitionspartner „einen gemeinsamen Weg als Bundesregierung findet.”

  • Die Aktivistinnen und Aktivisten werden die Besetzung der Baustellen in der Donaustadt nicht beenden. „Wir haben den Kampf gegen den Lobautunnel gewonnen, aber die Stadtstraße ist noch nicht abgesagt, deshalb werden wir weiter protestieren”, sagt Ida Ploner von Fridays for Future.

  • Und welche Alternativen gibt es? Es brauche eine starke Verhaltensänderung, wenn Wien den Autoverkehr reduzieren will, sagte Günter Emberger, Verkehrsplaner an der TU Wien, im Ö1 Mittagsjournal. Dafür müsste man die Rad-, Fußgänger- und Öffi-Infrastruktur ausbauen. Das seit mindestens genauso schnell möglich wie der Bau einer Autobahn. 


Und schon wieder: Wir sind spitze! Bei einer Umfrage unter Expats, also hier lebenden Ausländern, hat sich Wien als die unfreundlichste von 57 untersuchten Städten erwiesen.

43 Prozent der Expats empfinden die Wienerinnen und Wiener generell als abweisend, 39 Prozent haben den Eindruck, dass sich die Unhöflichkeit gezielt gegen Fremde richtet. Am anderen Ende der Skala landete übrigens Kuala Lumpur, die Hauptstadt von Malaysia: Die dortige Bevölkerung ist besonders entgegenkommend gegenüber Ausländern.


Im Lockdown kann einem schon mal die sprichwörtliche Decke auf den Kopf fallen. Vor allem, wenn man Kinder daheim hat, die vor unbändiger Energie nur so strotzen. Die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche WIENXTRA verrät Ihnen deshalb „Insider-Tipps” mit coronakonformen Aktivitäten. Außerdem können Sie - natürlich für die Zeit nach dem Lockdown - zum 20. Jubiläum von WIENXTRA eine Geburstagsparty gewinnen. 

Wie rechtsextrem sind die Corona-Demonstrationen?

Über die Polarisierung in der Pandemie diskutieren Ex-Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne), Europaabgeordnete Sophie In’t veld (D66, Niederlande), Autor Robert Misik und FALTER-Chefredakteur Florian Klenk – und sind bei Raimund Löw allesamt durchaus besorgt. Hier geht's zum Podcast.

Soraya Pechtl

Einbahnstraße

Die Reinprechtsdorfer Straße soll endlich umgebaut werden. Aber die zugrundeliegende Verkehrsanalyse ist ernüchternd.

Es war ein langes Hin und Her. Das erste Bürgerbeteiligungsverfahren zur Umgestaltung der Reinprechtsdorfer Straße liegt mittlerweile sieben Jahre zurück. Mehr Grünflächen und einen Stopp des Durchzugsverkehrs wünschten sich die Anrainer damals. Passiert ist aber lange nichts.

Bis zur Auswertung der Ergebnisse und dem Abschluss der Planungen dauerte es sechs Jahre. Im September 2020 verkündeten dann die ehemalige Vizebürgermeisterin Birgit Hebein und die damalige Bezirksvorsteherin Susanne Schaefer-Wiery (beide Grüne) den fertigen Plan: Eine 30er-Zone, eine Begegnungszone um den Siebenbrunnenplatz, mehr Grünflächen und breitere Gehsteige. Der Bau hätte im Frühjahr 2021 beginnen sollen. Aber dann kam die Wien-Wahl dazwischen, nach der sowohl Hebein als auch Schaefer-Wiery ihr Amt abgeben mussten. Aus dem Baubeginn 2021 wurde nichts. 

Hier, am Siebenbrunnenplatz, hätte eine Begegnungszone kommen sollen © FALTER/Pechtl

Die neue rote Bezirksvorsteherin Silvia Jankovic ließ die Pläne der Grünen evaluieren und gab eine Verkehrsanalyse beim Büro arealConsult in Auftrag. Darauf aufbauend will der Bezirk die Einkaufsstraße nunmehr umgestalten.

FALTER.morgen liegt ein Auszug aus der Analyse vor, für die Verkehrsplaner vier Szenarien berechnet haben. Die Reinprechstorfer Straße

  • als Einbahn im gesamten Verlauf

  • nur abschnittsweise als Einbahn (entweder im Norden oder im Süden) oder

  • durchgehend mit Gegenverkehr

Das Ergebnis: Eine durchgehende Einbahn mit Linksabbiegeverbot von der Wiedner Hauptstraße in die parallel liegenden Ramperstorffer Gasse würde die größte Entlastung für den Bezirk bringen. Dadurch könnte der Durchzugsverkehr in Margareten um 14 Prozent oder rund 6.000 Fahrzeuge täglich reduziert werden. Ausweichen würden die Autos vermutlich auf die Hauptstraßen B221 und B1, und nicht auf Nebenstraßen und Gassen im Bezirk. „Das wäre ein Gewinn für ganz Margareten und lässt viel Platz für die Menschen im Bezirk”, sagt Silvia Jankovic, die zusätzliche Grünflächen und Sitzmöglichkeiten schaffen will.

Klingt gut? Nicht so voreilig.

  1. Es ist wenig überraschend, dass der Verkehr abnimmt, wenn man den Autos quasi eine Straße (für den Gegenverkehr) wegnimmt. Ebensowenig, dass dieser Effekt stärker wird, wenn die ganze Straße und nicht nur Abschnitte als Einbahn geführt wird.

  2. Die Verkehrsplaner haben nicht geprüft, wie sich eine Begegnungs- oder Fußgängerzone auf den Verkehr ausgewirkt hätte (zumindest nicht im vorliegenden Auszug). 

  3. Die Reinprechtsdorfer Straße wird bereits seit zwei Jahren als provisorische Einbahn geführt. Kritik daran gibt es von den Händlern in der Einkaufsstraße. „Seit die Straße eine Einbahn ist, haben wir weniger Kundschaft”, sagt ein Mitarbeiter eines Handy-Shops. 

„Man hat also tausende Euro ausgegeben, um den Status quo zu erhalten. Mir kommt fast vor, als hätten die Roten Angst vor dem Wort Begegnungszone”, kritisiert Thomas Kerekes, stellvertretender Bezirksvorsteher der Grünen.

Sie wollen Gutes tun und feine Dinge gewinnen? Der FALTER veranstaltet auch heuer wieder die Aktion „Hilfe, Geschenke!“ zugunsten des Wiener Integrationshauses. Im FALTER.morgen zeigen wir Ihnen jeden Tag eine Geschenkidee.

Wie funktioniert's? Eine Spende von mindestens 10 Euro wird zum Los, mit dem man eines der vielen schönen Geschenke gewinnen kann, die uns von den Shops und Labels gespendet wurden. Aber schnell sein: Teilnahmeschluss ist der 8. Dezember.


Laufrad inklusive Helm

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Hier geht's zum heute vorgestellten Produkt und zum Losverkauf.

Frau Bernhard

Dorothee Bernhard beschloss im Lockdown auf die Schnelle, dass ein Takeaway-Popup vor ihrer Champagnerbar Frau Bernhard her muss. Sie stellte eine Budel vor die Türe des Lokals, auf der Flaschen mit Weitra-Bier, lustige Natural Wines und nachhaltige Limonaden im eisigen Wind auf Betriebstemperatur kommen – und drinnen macht Daniel Steinthal sagenhafte Sandwiches, eines oder zwei, immer was anderes und solange der Vorrat reicht. Vorige Woche war das etwa ein in der Pfanne gebratener Käsetoast, gefüllt mit Cheddar, Taleggio und Ziegenkäse, zusammengeschmolzen zu elastischkompakter Herrlichkeit, und dazu einer feurigen Kürbiscreme.

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

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Die Aktion ist gültig bis 10.12.2021 exklusiv für Newsletter Abonnent*innen mit dem Codewort: "Falter." (Am Spittelberg auch call&collect möglich)

Der Bau des Lobautunnel ist vorerst abgesagt. Die Aktivisten feiern. Die Stadtregierung kocht. Wir nehmen die Debatte zum Anlass und schicken Sie heute mal raus in den Nationalpark Donau-Auen. Noch mehr Infos und Wandertipps für Lobau und Umgebung finden Sie in dem im FALTER-Verlag erschienen Führer durch die Natur zwischen Wien und Bratislava von Christine Rademacher.

Naturlehrpfad Obere Lobau

Ebenso lehrreich wie dieser Rundweg ist sein Start- und Endpunkt: Im nationalparkhaus wien-lobAU gibt es Broschüren, Bücher und eine multimediale Ausstellung über den Wiener Teil des Nationalparks. Im angrenzenden Garten mit Abenteuerspielplatz kann man sich nach der Wanderung erholen. Über eine Heißlände, eine ehemalige, mit Orchideen bewachsene Schotterbank, kommt man zu einem schilfbewachsenen Altarm, über den der Josefsteg führt. Über Wiesen, wie sie ebenfalls typisch für den Wiener Teil des Nationalparks sind, und durch eine Kastanienallee führt der Lehrpfad zum Grundwasserwerk und weiter durch die Felder zum Nationalpark-Eingang Saltenstraße. Entlang des Waldrands gelangt man zur Aussichtsplattform am Tischwasser und kehrt von dort über eine weitere Heißlände und den Josefsteg zurück zum Nationalparkhaus.

Streckenläge ca. 5 km, Gehzeit 2 Stunden

Hinkommen: Bus 92B bis Raffineriestr./Biberhaufenweg


Königswarte

Zu einer Ruine im Wald, zur Aussichtswarte auf dem östlichsten Berg Österreichs und zur Flora und Fauna der Silikatfelstrockenrasen führt diese Rundwanderung mit Start und Ziel in Wolfsthal. Von der Bahnhaltestelle geht man entlang der Bundesstraße ostwärts und folgt dann der roten Markierung des Weitwanderwegs. Sie führt über den Zaun des Wildgeheges der Gutsverwaltung Konradsheim und vorbei an der Ruine Pottenburg zur Straße (dort links) der Bundesheer-Beobachtungsstation. Nachdem man über den Zaun gestiegen ist, folgt die nächste Kletterpartie hinauf auf die Königswarte. Zurück geht es entlang der grünen Markierung Richtung Südwesten über die Trockenrasen. Wo die grüne Markierung an einem Graben scharf nach links weist, biegt man dem Wegweiser Wolfsthal folgend rechts ab, übersteigt den Gehegezaun und folgt dem Weg Richtung Nordwesten, hält sich beim Jagdstand mit der Nr. 22 rechts und geht links vorbei an der Rohrwiese zum Nordrand des umzäunten Gebiets. Durch zwei Drehtüren gelangt man auf einen Feldweg, durch die Edelhofgasse geht es zurück zur Bahnhaltestelle.

Steckenlänge 8,5 km, Gehzeit ca. 3 Stunden, Route rot und grün markiert, keine Markierung im Wildgehege, gute Karte erforderlich!

Hinkommen: S7 bis Wolfsthal

Wie viel Prozent der Wiener Grünfläche wird landwirtschaftlich genutzt?

1. 25 Prozent

2. 30 Prozent

3. 45 Prozent

Auflösung von gestern: Die Wiener Stadtgrenze misst 136,5 Kilometer (nicht 164,8 oder 85,3 km).

Lockdown-bedingt können wir Ihnen heute leider keine Veranstaltungshinweise bieten.

Piatti für Kinder

Celestino Piatti dürfte Eltern und Großeltern ein Begriff sein. Der Schweizer Grafiker, Maler und Buchgestalter (1922-2007) hat mit seiner reduzierten Bildsprache jahrzehntelang die Ästhetik des Deutschen Taschenbuchverlags geprägt und über 6.000 Covers nach dem Prinzip weißer Hintergrund, schwarze Schrift und Illustration gestaltet. Sein Erkennungsmerkmal waren die dicken schwarzen Konturen der wenig filigranen, aber dafür umso lebendigeren Bilder.

Dass er für Kinder illustriert hat, ist weniger bekannt. Zu seinen schönsten Geschichten gehört „Eulenglück“. Das ist kein Zufall, denn Piatti war fasziniert von Augen - und Eulen verfügen über besonders eindrucksvolle Sehinstrumente. Während sich die Bauernhoftiere streiten, genießt das Eulenpaar das Leben. Die poetische Geschichte über Siebenschläfer ist Piattis Tochter Barbara gewidmet, die sein Werk verwaltet und auch das Nachwort zu diesem Prachtband geliefert hat. (Kirstin Breitenfellner)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

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Klaus-Jürgen Bauer

Ein Lichtblick

„Das haus sei nach außen verschwiegen, im inneren offenbare es seinen ganzen reichtum.“ Dieses zutiefst wienerische Verhaltensaxiom, das Adolf Loos bereits vor dem Ersten Weltkrieg formuliert hatte, wird im Wiener Sonnwendviertel beharrlich ignoriert. Ganz im Gegenteil: es herrscht dort geradezu eine Expressionismus-Orgie vor.

Es scheint, als gäbe es einen subkutaner Wettbewerb: Welcher Balkon kragt noch weiter aus, welche Farbe toppt das Nachbarhaus, welche überraschende Anordnung der übereinandergestapelten Standard-Wohnungen ist noch möglich. Die schlichte, blockhafte Gestaltung von Werner Neuwirths „Atelierhaus C21“ hebt sich davon deutlich ab.

Verschwiegen nach außen: Das Atelierhaus C21 © Klaus-Jürgen Bauer

Dieses Haus schweigt nach außen. Wer die Arbeitsweise von Werner Neuwirth kennt, der weiß jedoch, dass im Inneren des Blocks eine gewaltige, Tetris-hafte Stapelung von Raumstrukturen stattfindet, irgendwas zwischen dem Loos’schen Raumplan und Piranesis Carceri.

Das Atelierhaus ist aber nicht nur als Raumspiel richtungsweisend, sondern es formuliert auch - in der Tradition der Wiener Jugendstil-Gewerbehöfe stehend - neue Angebote. Die räumlichen Grenzen zwischen „Arbeiten“ und „Wohnen“ lösen sich hier auf. Der mächtige Block bietet Rahmenbedingungen für unterschiedliche Nutzungen zwischen Gewerbe, Wohnen und (künstlerischem) Arbeiten in verschieden großen Ateliers. Ein Lichtblick.


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