Hofreitschule: Wirbel um Untreue und Prüfbericht - FALTER.morgen #241

Versendet am 14.01.2022

Wirbel um ein sündteuer ausgebildetes Privatpferd in der Spanischen Hofreitschule: Die Staatsanwaltschaft ermittelt, die interne Aufklärung bleibt dürftig >> Wie eine ärgerliche Ampel die Leute zusammenbringt >> Stadtstraßen-Zoff im Gemeinderat >> Thurnher kocht Erdäpfel in vielen Formen

Wetterkritik: Schon wieder so ein Zwischenfrühling – heute extrem mild bei bis zu 10 Grad und starkem Wind. Am Wochenende dann regnerisch und etwas kühler, das aber auch nur vorübergehend. Was für ein klimatisch verhatschter Jänner!


Guten Morgen!

Was ist das doch für ein schönes Pferd, das Sie ein bisschen weiter unten sehen werden! Herausfordernd blickt es dem Betrachter entgegen, mit wachen Augen und graumeliertem Haar: Maestoso Fantasca-67, ein Schulhengst der Spanischen Hofreitschule. Die Aufnahme stammt aus dem Sommer 2019, zwei Monate, bevor die Rechnungsprüfer kamen, monatelang in die Bücher schauten und einen skandalösen Fall aufdeckten – seinen nämlich.

Jahrelang hatten Bereiter der Hofreitschule dieses Privatpferd mit zweifelhaften Besitzverhältnissen zum Schulhengst, der höchsten Stufe der Dressur-Reitkunst, ausgebildet. Gezahlt hat dafür die Allgemeinheit - vielleicht erinnern Sie sich daran, wir haben Anfang Dezember bereits im FALTER und hier im FALTER.morgen über den Fall berichtet.

Seit Monatsbeginn ermittelt in dieser Causa nun die Staatsanwaltschaft, vermutet wird Untreue. Währenddessen wird in einem vom Eigentümer der Hofreitschule, dem Landwirtschaftsministerium, in Auftrag gegebenen Prüfbericht der Eindruck erweckt, an den Vorwürfen sei eh nicht viel dran. Ein zweiter Blick auf das Papier zeigt freilich: Darin wird eher Weißwaschung betrieben als Aufklärung.

Was es damit auf sich hat, schildere ich Ihnen gleich. Außerdem gibt’s noch einen Bericht über den Stadtstraßen-Zoff im gestrigen Gemeinderat, den mein Kollege Florian Kappelsberger geschrieben hat. Martin Staudinger entdeckt eine nervige Ampel, die Passantinnen und Passanten miteinander ins Gespräch bringt. Und Armin Thurnher zaubert heute mit Erdäpfeln.

Mahlzeit und ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Eva Konzett


Da kommt Stimmung auf! Wenn sich die Sonne hinter dem Grafenegger Märchenschloss senkt, steigen die schönsten Melodien vom Wolkenturm zum Himmel auf. Das Programm des heurigen Sommers kann sich sehen und vor allem hören lassen.

Genießen Sie unvergessliche Momente in eindrucksvoller Naturkulisse. Karten sind ab 10 Euro erhältlich (Rasenplätze). Jugendliche bis 26 Jahre bekommen eine Ermäßigung von 50 Prozent.

Das kommt einem doch spanisch vor

 In der Causa um das Privatpferd in der Hofreitschule ermittelt jetzt die Staatsanwaltschaft. Der Versuch einer internen Aufklärung fällt enttäuschend aus.

Maestoso Fantasca, geboren am 25. Februar 2008 im steirischen Bundesgestüt Piber, als Fünfjähriger 2013 an eine niederösterreichische Ärztin um 12.000 Euro verkauft. „Im Rücken sehr lang und überbaut, kurzer Hals“: Mit diesen Worten hatten die Beurteilungskommission den Hengst ausgemustert, außerdem habe Maestoso Fantasca gelahmt. Also „zuchttechnisch nicht relevant“ – und das heißt: Weg damit.

Maestoso Fantasca verblieb aber auch nach der Veräußerung in der Spanischen Hofreitschule, eine Bereiterin bildete ihn gemäß der hauseigenen, nur mündlich überlieferten „Directiven“ aus und gab der Besitzerin zudem Reitstunden in ihrer Dienstzeit. Auf Kosten der Steuerzahler. Maestoso Fantasca war sodann der einzige in der Equipe, der nicht der Republik Österreich gehörte. Das ist das erste Problem. 

Das zweite sind die Besitzverhältnisse von Maestoso Fantasca. Die niederösterreichische Ärztin ist die Tochter von Johann Marihart: Er war jahrzehntelang Chef des Zuckerkonzerns Agrana, ist seit 2009 auch Aufsichtsratsvorsitzender der Hofreitschule und damit der oberste Kontrolleur des Geschäftsgebarens dieses Unternehmens. Das hat ihn nicht davon abgehalten, im Namen seiner Tochter den Kauf von Maestoso Fantasca einzufädeln. 

Im Privatbesitz, aber auf Kosten der Steuerzahler um viel Geld zur höchsten Stufe der Dressur-Reitkunst ausgebildet: Maestoso Fantasca-67 © Spanische Hofreitschule

Und weil die Spanische Hofreitschule nicht nur eine altehrwürdigen Institution mit 350-jähriger Geschichte ist, sondern formal eine Gesellschaft öffentlichen Rechts und damit im Eigentüm der Republik, deckten die Prüfer des Rechnungshofs Ende Oktober die fragwürdigen Vorgänge um das Privatpferd auf.

An einer Aufarbeitung zeigten die Verantwortlichen wenig Interesse. Die Spanische Hofreitschule hat zwar auf Geheiß der Eigentümerin, also des Landwirtschaftsministeriums, im Namen der Republik eine interne Prüfung durch eine Rechtsanwaltskanzlei und einen Wirtschaftsprüfer angeregt. 

Doch das Ergebnis ist lediglich ein dürrer Bericht, der binnen weniger Tage ausgearbeitet wurde, mit 2. Dezember datiert ist und Mitte der Woche der Presse präsentiert wurde.

Die Rechtsanwaltskanzlei Dorda sieht darin keine groben Rechtsverstöße, eher nur Schlampereien. Auch die Wirtschaftsprüfer wollen keine Probleme erkennen. Alles sei, soweit überprüfbar, „marktüblich“ abgelaufen. Sie meinen damit den Kaufvertrag und den Einstellungsvertrag in den Stallungen der Hofreitschule. Dass es für die Ausbildung eines Pferd zur Hohen Reitschule und die damit einhergehende Wertsteigerung keinen Markt gibt, haben sie geflissentlich übersehen. Dass Marihart als Aufsichtsratschef sehr wohl in den ganzen Deal involviert war, ebenfalls. 

Ihre Erzählung geht so: Eine junge, ehrgeizige Bereiterin habe während ihrer Ausbildung das Pferd und sein Potenzial entdeckt und eigenmächtig ausgebildet. Als die Arbeit Früchte trug, habe sie die Geschäftsführung – damals die ehemalige Sacher-Chefin Elisabeth Gürtler und der immer noch amtierende Erwin Klissenbauer – verständigt. Diese hätten das gutgeheißen. Genaueres hat man vertraglich nicht festgehalten. So viel Österreich muss doch möglich sein. In 171 offiziellen Aufführungen ist Maestoso Fantasca als Mitglied des Hengst-Ensembles seit 2016 aufgetreten. 

Unterlagen, die dem FALTER.morgen vorliegen, zeigen allerdings, dass die Bereiterin sowohl zur Ausbildung des Hengstes, als auch zur Erbringung der Reitstunden von der Geschäftsführung beauftragt wurde.

Die Staatsanwaltschaft jedenfalls glaubt die Aschenputtel-Geschichte nicht. Sie ermittelt nun wegen Untreue. Und Aufsichtratschef Johann Marihart ist zurückgetreten, „um Schaden vom Unternehmen“ abzuwenden.

von Florian Kappelsberger

Die Wiener Stadtstraße sorgt weiterhin für Zoff – auch im Gemeinderat. Dieser trat am Donnerstag auf Verlangen der Grünen zusammen, um über das Großprojekt und den Widerstand der Klimabewegung zu debattieren.

Gemeinderat Kilian Stark (Grüne) bezeichnete das Bauvorhaben als klimaschädlichen Anachronismus. Der Stadtregierung warf er vor, die Aktivisten mit Millionenklagen einschüchtern zu wollen und eine klare Kante gegen den kürzlichen Brandanschlag auf das Protestcamp vermissen zu lassen: „Zuerst wird juristisch, dann verbal gezündelt – und dann brennt es wirklich.“

Von da an hagelte es Kritik: Anton Mahdalik (FPÖ) verwies darauf, dass die Grünen das Projekt bis zu ihrem Ausscheiden aus der Stadtregierung mitgetragen hätten und forderte eine sofortige Räumung der besetzten Baustellen. Stefan Gara (NEOS) betonte das Engagement der rot-pinken Koalition, etwa im Hinblick auf den Erdgas-Ausstieg bis 2040, ÖVP-Gemeinderat Manfred Juraczka das entschiedene Engagement seiner Partei für den Bau der Umfahrung.

Erich Valentin (SPÖ) wies Starks Anklage entschieden zurück und unterstellte den Grünen, sich auf das aktuelle Thema der Stadtstraße zu stürzen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Zwar sei der vor wenigen Tagen erfolgte Brandanschlag zu verurteilen, das mache aber „eine illegale Besetzung nicht legaler“.

Die Fronten sind also klar – es bleibt abzuwarten, wie sich der Konflikt im Gemeinderat und darüber hinaus weiterentwickelt. Inzwischen versammeln sich die Stadtstraßen-Aktivisten heute um 15:00 Uhr zu einem Protest vor dem Rathaus. Geplant ist auch die Übergabe einer Petition gegen die Schadenersatzforderungen an die zuständig Stadträtin Ulli Sima (SPÖ).

Im aktuellen FALTER gibt's übrigens ein ausführliches Porträt von Lena Schilling, der Galionsfigur des Protests gegen die Stadtstraße.

Hier geht's zum Inhalt (kostenpflichtig) und hier zum Abo.


Elektroniker, ein klassischer Männerberuf? Von wegen! Das sieht man auch bei den Wiener Linien so, die den Ausbau ihres Programms für Facharbeiterinnen ankündigen.

Bereits seit 2019 wird in Kooperation mit dem AMS eine zweijährige Ausbildung angeboten, die Frauen im zweiten Bildungsweg in angewandter Elektronik schult. Der erste Lehrgang zählte neun Absolventinnen, im Moment befinden sich zwölf Elektronikerinnen in Ausbildung. Zudem sollen Frauen auch auf der Führungsebene gezielt gefördert werden.

Dieses Engagement zeigt bereits erste Wirkung: Lag der Frauenanteil in allen Bereichen des Unternehmens im Jahr 2015 noch bei 12 Prozent, ist er inzwischen auf 15 Prozent gestiegen.

Nun soll das Programm ausgebaut werden – mit weiteren Kooperationen, Frauennetzwerken und Schnuppertagen. Stadtrat Peter Hanke (SPÖ), zuständig für Finanzen und den öffentlichen Nahverkehr, begrüßt dies Entscheidung: „Das ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung.“


Zum Abschluss noch ein Kuriosum aus dem 1. Bezirk: In der Nacht von Dienstag auf Mittwoch sollen zwei Männer (35 und 55) eine Tankstelle in der Wiener Innenstadt überfallen haben, bewaffnet mit einer Pfefferspraydose und einer Spritze. Damit bedrohten sie mutmaßlich zwei Angestellte und verließen die Tankstelle anschließend fluchtartig, allerdings nicht ohne Beute: mehrere Dosen Bier. Bei der Flucht wurde zudem die Eingangstür der Tankstelle beschädigt.

Die beiden Männer wurden kurz darauf von der Wiener Polizei in der Nähe der Tankstelle aufgegriffen und festgenommen. Im Verhör leugneten die beiden, miteinander bekannt zu sein: Man habe sich rein zufällig in der Tankstelle getroffen. Demnach habe der jüngere gerade sein Bier bezahlen wollen, als der ältere sich zufällig mit einem Pfefferspray in der Hand wiederfand. Bedroht worden sei dabei aber niemand; in der Hektik habe man lediglich vergessen, für die Bierdosen zu zahlen.

Eine schicksalshafte Begegnung an der Tankstelle, Zufall, Aufregung – klingt fast wie das Drehbuch einer mittelmäßigen Liebeskomödie. Bis diese Verkettung aufgeklärt ist, gilt wie immer die Unschuldsvermutung.

von Martin Staudinger

Wo man zwischen Rot und Grün grau wird

Eine Ampel im 20. Bezirk sorgt für einen amüsanten Dialog zwischen genervten Wartenden.

Wer in der Stadt wohnt, hat fast zwangsläufig eine tägliche Begegnung, die sich nicht vermeiden lässt – auch wenn man das gerne hätte, weil sie einen aufhält, und zwar (gefühlt) viel zu lange. Nein, die Rede ist nicht von nervigen Leuten, die kann man ja meistens irgendwie umgehen. Nervige Ampeln hingegen kaum: Sie stehen jeden Tag im Weg, 24 Stunden lang, 365 Tage im Jahr, und man könnte fast auf die Idee kommen, sie hätten eine Persönlichkeit, wenn man nicht wüsste, dass sie von irgendeinem Algorithmus in irgendeiner Leitzentrale gesteuert werden.

Eine, die besonders nervt (ich weiß das aus eigener Erfahrung) regelt den Verkehr an der Brigittenauer Lände nahe dem Siemens-Nixdorf-Steg. Genauer gesagt: Sie regelt es, dass der Kraftfahrzeugverkehr möglichst ungehindert Richtung Norden aus der Stadt hinausfließen kann, während Fußgänger und Radfahrer vor dem Zebrastreifen beim Warten auf ihre Grünphase ein beträchtliches Stück an ihr Regelpensionsalter herangeführt werden.

Dass es nicht nur mir so geht, hatte ich schon vermutet – jetzt wird es durch einen amüsanten Dialog bestätigt, den Passantinnen und Passanten seit ein paar Tagen auf aufgeklebten Zetteln führen.

„Ich warte hier 2 Wochen pro Jahr. Habe hier meinen Mann kennengelernt und 2 Kinder gezeugt“, schreibt eine genervte Passantin. © Oskar Schmid

Weil man es auf dem Foto möglicherweise nicht so gut erkennen kann, hier die Texte zum Lesen:

„Diese Ampel ist immer ROT. Ich warte hier 2 Wochen pro Jahr. Habe hier meinen Mann kennengelernt und 2 Kinder gezeugt. Danke, Stadt Wien!“

„Diese Ampel wird alle 100 Sekunden grün, wenn man drückt, dann haben die Autos eine grüne Welle. Ich habe meine Freundin auf Tinder kennengelernt und wir haben keine Kinder.“

„Auch ich verbringe jährlich zwei Wochen an dieser Ampel. Das sind ungefähr 20160 Minuten jedes Jahr und 161280 Minuten, seitdem ich hier arbeite. Leider habe ich noch keinen Mann kennengelernt und bin auch nicht über Tinder fündig geworden. Zum Glück habe ich noch keine Kinder.“

„Seit ich meinem Gspusi (welchen ich auf Tinder kennengelernt habe) erzählt habe, dass die Ampel immer rot ist, ist die Ampel immer grün, sobald ich mit ihm in die Nähe komme. Ich habe keine Kinder, nur einen Hund und eine furzende Mitbewohnerin. GaLiGrü“

Mutmaßlich ist die Ampel an der Brigittenauer Lände nicht die einzige, die so viele Leute nervt. Haben Sie auch eine? Geben Sie uns Bescheid – und wir porträtieren die drei mit den meisten Nennungen.

Wie viele Unternehmen wurden in Wien im Jahr 2020 gegründet (2019 waren es 9.131)?

1. 7.653

2. 8.514

3. 9.672

Auflösung von gestern: Der Wiener Eislaufverein wurde am 3. Februar 1867 gegründet (nicht 1719 und auch nicht 1814). Quelle: Wiener Eislaufverein

ausgewählt von Lisa Kiss

Wochenende 14. bis 16.1. 

Kindertheater

Das Schaf leidet unter Motten, die Katze hat sich beim Yoga verknotet, und der Hund bittet um Asyl: Dr. Dolittle (Futurelove Sibanda) hilft ihnen, denn er kann sie alle verstehen. Im Stück „Dr. Dolittle“, das Corinne Eckenstein mit ihrem vierköpfigen Ensemble sehr frei nach Hugh Loftings Kinderbuch für Kinder ab vier Jahren inszeniert hat, sprechen die Tiere unterschiedliche Dialekte, singen mehrstimmige Lieder und ärgern sich gegenseitig. (Sara Schausberger) 

Dschungel Wien, Fr 10.00, 14.30, Sa, So 16.00


Theater

Das großartige Aktionstheater Ensemble unternimmt eine gnadenlose Reise in die Untiefen der österreichischen Seele: Schauspielerin Susanne Brandt will ihren 60. Geburtstag mit einem fulminanten Fest feiern, ihre Kollegin Michaela Bilgeri hilft ihr dabei. In einer Zeit der egomanen Politik-Darsteller treten sie im Stück „Die große Show“  in wechselnden Abendkleidern vors Publikum und erzählen von sich, begleitet etwa von einer Band, einem Zauberkünstler sowie dem Autor Elias Hirschl. (Sara Schausberger)

Werk X, Fr, Sa 19.30


Konzert

Der österreichische Musiker Ernst Tiefenthaler hat ein Händchen für schöne Lieder, ein größeres Publikum erreichte er damit nie. Das war schon so, als er englischsprachige Bands hatte, und seit der traditionsbewusste Songwriter auf Deutsch respektive im Dialekt schreibt, ist es nicht anders. Das einmal mehr hörenswerte aktuelle Werk heißt „Luna Park“. Die Liveumsetzung erfolgt zu viert, Tiefenthalers Begleitung hört auf den schönen Namen Das kleine Herzkammerorchester. (Gerhard Stöger)

Theater Drachengasse, Bar & Co, Sa 19.30


Ausstellung

Den „ganzen“ Josef Hoffmann (1870–1956) möchte die Jubiläumsausstellung zum 150. Geburtstag des Architekten und Designers im Mak ausbreiten. In der 1000 Exponate starken Schau wird sein Œuvre sowohl chronologisch als auch in Schwerpunkten aufgerollt. Neu erforscht wurden seine Pläne für Arbeitersiedlungen und Gemeindebauten sowie seine Anbiederung an das NS-Regime. (Nicole Scheyerer)

Mak, 10.00-18.00 (bis 19.6.)

Michel Houellebecq: Vernichten

Der Roman entpuppt sich als trojanisches Pferd. Er spielt zwar in der politischen Sphäre von Paris, sein Protagonist jedoch ist über weite Strecken mit ganz anderen Überlegungen beschäftigt - mit philosophischen Fragen, seiner Familie und dem überraschenden Neuerwachen seiner kaputten Ehe. Einige Passagen früherer Werke ließen es bereits vermuten, jetzt ist es amtlich: Michel Houellebecq ist ein Romantiker.

Sein neuer Roman ist nicht nur sein umfangreichster, sondern auch sein zärtlichster. Auch das Frankreich-Bild, das er zeichnet, ist versöhnlich. Dabei hebt alles gewohnt trostlos an. Paul Raison, Absolvent einer Eliteuni und einer der höchsten Beamten im Wirtschaftsministerium, ist ein Mann in mittleren Jahren, der sich von seiner Umgebung gründlich entfremdet hat. Freunde? Fehlanzeige. Sein einziger Umgang scheint der Minister selbst zu sein, ein beflissener Zahlenmensch, der viel auf Pauls Meinung gibt … (Sebastian Fasthuber)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Erdäpfelpalatschinke, Erdäpfelwedges

Erdäpfel in lappiger, griechischer und in geometrischer Form

© Irena Rosc

In der guten Küche kommt es nicht auf den Preis eines Lebensmittels an, sondern auf seine Qualität und auf die Qualität seiner Zubereitung. Eins ohne das andere ist nichts wert, zusammen aber ergeben sie Luxus. Den gibt’s auch ohne Kaviar. Nämlich als den Luxus der scheinbar überflüssigen Mühe, die es sich gerade auch an ein scheinbar unscheinbares Produkt zu verwenden lohnt.

Das Erdäpfelkochbuch schlechthin ist auf Deutsch leider vergriffen (auf www.zvab.com haben Sie vielleicht eine Chance, oder wenn Sie Französisch können, als französisches Taschenbuch erlebt es immer wieder neue Auflagen): Joël Robuchons „Kartoffelzaubereien“. Wir wollen hier auch ohne Robuchon zaubern und machen zuerst einmal eine Erdäpfelpalatschinke.

Dann wagen wir uns an Pommes frites heran. Erdäpfel in geometrischer Form erfreuen sich besonderer Beliebtheit, in Frankreich und Belgien sind sie von bester Qualität, und auch in den USA gibt es genügend Restaurants, die nicht Industrieware bieten, sondern handgefertigte Wedges, wie oben im Bild gezeigt.

Wir nehmen Erdäpfel einer halbfest kochenden Sorte, die wir schälen, der Länge nach sechsteln und in Wasser ein wenig vorkochen, bis sie höchstens halb durch sind. Dann pinseln wir die Erdäpfelschnitten mit Öl ein und backen sie bei 180 Grad auf einem Blech (Backpapier!), bis sie durch sind, wobei wir sie ein- bis zweimal wenden, damit sie gleichmäßig braun werden. Mit Meersalz bestreuen. Fertig.

Zutaten und Zubereitung für die Palatschinke finden Sie hier.

Der Text stammt aus dem Buch „Thurnher auf Rezept" von Irena Rosc und Armin Thurnher (Falter Verlag, 192 Seiten, 29,90 Euro). Erhältlich im faltershop.


Läuft etwas schief in der Stadt? Gibt es etwas, das Sie ärgert? Oder freut? Und vor allem: Wie gefällt Ihnen unser täglicher Newsletter? Flüstern Sie’s dem FALTER.morgen – Retour-Mail genügt.
Produktion: Julia Allinger
FALTER
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.morgen-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.