Generation Opposition: Was sich Jugendliche von der Stadt wünschen - FALTER.morgen #331

Versendet am 20.05.2022

Was sich Wiener Jugendliche von der Stadtpolitik wünschen >> Inseratenkorruption? Neue Verdachtsfälle vor dem ÖVP-U-Ausschuss >> Thurnher kocht (hier vorerst zum letzten Mal)

Wetterkritik: Also, Hochsommer muss jetzt echt noch nicht sein – heute bis 31 Grad. Am Wochenende dann nicht mehr ganz so heiß, dafür aber sehr windig. Können wir bitten den Frühling zurückhaben?


Guten Morgen!

Selten wurde ich so oft aufgrund meines Alters verwechselt wie vergangenen Mittwoch. „Suchst du auch deine Gruppe?”, wurde ich bestimmt siebenmal gefragt. Meine Antwort war dann immer dieselbe: „Nein, ich berichte für den FALTER.morgen und schaue mich nur ein wenig um.” 

Sie können es sich vermutlich schon denken: Der Ort der vielen Verwechslungen war eine Schule (ich habe vor drei Jahren das letze Mal die Schulbank gedrückt). Genauer gesagt, der neu erbaute Christine-Nöstlinger-Campus im 2. Bezirk. Dort fand nämlich das erste Wiener Jugendparlament statt. Was es damit auf sich hat, erzähle ich Ihnen gleich. 

Dann geht's noch um den äußersten Westen Österreichs – um Vorarlberg. Aber das liegt der ÖVP-Bundesparteizentrale in Wien und dem Regierungsviertel derzeit näher, als Karl Nehammer lieb sein kann: Der Skandal um mutmaßliche Inseratenkorruption im Ländle wird demnächst Thema beim ÖVP-U-Ausschuss im Parlament sein. Barbara Tóth hat in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Kollegen von Ö1 und Standard neue Details dazu recherchiert, die ganz und gar nicht „ghörig“ sind (so nennt man in Vorarlberg alles, was rechtschaffen ist).

Und schließlich gibt's noch einen kleinen Abschied zu vermelden. Seit der ersten Ausgabe des FALTER.morgen, also länger als ein Jahr, hat Armin Thurnher Sie und uns jeden Freitag hier bekocht. Jetzt sind die Texte seines Buchs „Thurnher auf Rezept“, auf dem die Serie basierte, „ausgeschöpft, aber nicht erschöpft“, wie er in seinem Schlusswort (siehe unten) schreibt. Wir bedanken uns bei ihm und Irena Rosc, von der die feinen Fotos stammen – und hoffen, dass sich die beiden irgendwann überreden lassen, eine zweiten Band von „Thurnher auf Rezept“ zuzubereiten. Bis dahin ist aber für Ersatz gesorgt: Ab kommender Woche finden Sie im freitäglichen Morgen Tipps und Tricks aus dem „Grundkurs Kochen“.

Ein schönes Wochenende wünscht

Paul Sonnberger


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Verhandlungstag

Im ersten Wiener Jugendparlament können Jugendliche ihre Forderungen an die Stadtpolitik richten. FALTER.morgen war bei der ersten Sitzung dabei. 

Diskutieren, verhandeln, mitbestimmen. Rund 100 Jugendliche versammelten sich Mittwochnachmittag im neu erbauten Christine-Nöstlinger-Campus im 2. Bezirk. Anlass war der erste Plenumstag des Jugendparlaments. Im Rahmen der Wiener Jugendstrategie wurden dafür 250 Projekte eingereicht, die von den Jugendlichen an drei Sitzungstagen debattiert und nach ihrer Wichtigkeit gereiht werden. Für die Umsetzung der Projekte stehen eine Million Euro zur Verfügung. 

Nach einer schnellen Begrüßungsrunde im großen Turnsaal des Campus teilten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer in Unterausschüsse ein. Zur Auswahl standen Themen wie Freizeit, Infrastruktur oder Umwelt. Los ging es mit dem Thema Sicherheit: Schon auf dem Weg zum Sitzungssaal tauschten sich zwei Ausschussteilnehmer eifrig über die Sicherheitslage in der Stadt aus. Der 17-jährige Mahmoud erzählt von seinen Erfahrungen mit der Wiener Polizei. Schon des öfteren sei er grundlos von Beamten angehalten und durchsucht worden. Dabei wohne er in Neubau; am Bezirk könne es also nicht liegen. Als wahren Grund vermutet Mahmoud seine Hautfarbe. Wünschenswert wären für ihn sensibilisierte und besser ausgebildete Beamte. 

Die Teilnehmer des Sicherheitsausschuss erzählten offen über ihre Sorgen und stellten klare Forderungen © FALTER/SONNBERGER

Die gleichaltrige Martha erzählt von ihrer Angst, nachts alleine nach Hause zu gehen. Mehr Beleuchtung und Sozialarbeiter auf den Straßen würden der jungen Frau ein sichereres Gefühl geben. Innerhalb der Diskussionsrunde entwickelt sich schließlich die Idee, ein kostenfreies und flächendeckendes WLAN-Netz für alle einzuführen. Schließlich müsse man auch Hilfe holen können, wenn das Handy-Guthaben mal verbraucht sein sollte.

Im Ausschuss zum Thema Gesundheit wird währenddessen ausgiebig über die psychische Belastung von jungen Menschen debattiert. Besonders an den Schulen sei der Bedarf an Psychologen um ein Vielfaches höher als das Angebot. Eine junge Frau erzählt von ihrer monatelangen Suche nach einem Gynäkologen, der noch Platz für neue Patientinnen hat. Die anderen Frauen im Ausschuss teilen die Erfahrung und wünschen sich außerdem kostenlose Binden und Tampons. Die Roten Boxen in einigen Bezirken seien schon mal ein guter Anfang. Jetzt ginge es darum, diese in ganz Wien aufzustellen. 

Mit dem Rad auf die Uni, in die Schule oder zur Lehrstelle zu fahren, ist für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Infrastrukturausschusses jedes mal aufs Neue ein Wagnis. Ein Ampelsystem mit Kameras, das Fußgängern und Radfahrern Vorrang geben würde, ist für den Ausschussteilnehmer Lukas schon längst fällig. Es brauche auch endlich Alternativen für die unsicheren Radwege inmitten der vielbefahrenen Straßen.

Am Ende des Tages ist klar: Das Bedürfnis junger Menschen an politischen Entscheidungen mitzuwirken, ist groß. Die nächsten beiden Ausschusssitzungen werden mit Sicherheit noch mehr Wünsche und Forderungen der Wiener Jugend sichtbar machen. Danach liegt es an den Erwachsenen, diese auch umzusetzen.

Balkan-Brass einer Kultfigur: Goran Bregović kommt am 24. Juni ins Wiener Konzerthaus! Die Konzerte des gebürtigen Sarajevaners und seiner Wedding and Funeral Band haben es in sich – sie sind mitreißend, temporeich und hochgradig tanzbar.

Ein wunderbarer Anlass den Großen Saal des Konzerthauses – von Stuhlreihen befreit – in eine große Tanzfläche zu verwandeln!

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Die Stadt klimafit machen – an und für sich ist dieses politische Bestreben und jede konkrete Maßnahme dazu ja absolut begrüßenswert: Ein Bäumchen ist besser als keines, daran gibt es keinen Zweifel. Allerdings wird das Prädikat „klimafit“ inzwischen so inflationär verwendet, das selbst der Gaspreis vor Neid erblassen würde. Für die Neugestaltung der Jörgerstraße an der Grenze zwischen dem 17. und 18. Bezirk beispielsweise, die gestern von Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ), dem Hernalser Bezirksvorsteher Peter Jagsch (SPÖ) und Währings Bezirksvorsteherin Silvia Nossek (Grüne) präsentiert wurde.

In der Poesie der Presseaussendung hört sich das Ergebnis so an: „Die Pflanzung 16 neuer Bäume samt großzügiger Baumscheiben und weitflächiger neuer Grünbereiche sowie der Einsatz heller Pflasterung bringen eine entscheidende Verbesserung des Mikroklimas“, „die ehemals betonlastige Jörgerstraße ist jetzt ein begrüntes und gekühltes Tor nach Hernals und Süd-Währing“. 

Was das beigefügte Pressefoto eindrucksvoll belegt.

„Begrüntes und gekühltes Tor nach Hernals und Süd-Währing“ © PID/Christian Fürthner


Mit einer pfiffigen Idee lassen die Wiener Linien aufhorchen (verzeihen Sie bitte das etwas unoriginelle Wortspiel): Sie haben für jede der fünf U-Bahnlinien eine eigene Playlist zusammengestellt, die auf Spotify abrufbar ist – themenspezifisch und auf die Fahrtdauer von Endstation zu Endstation abgestimmt. Auf der U1 gibt's Wien-Songs, auf der U2 Blues, auf der U3 Alternative-Music, auf der U4 Austropop und auf der U6 Rock, und zwar unter dem ein bisserl fiesen Motto „The dark side of the U-Bahn“ (der Wiener Alltagspoet, der ein Buch über die berüchtigtste Linie Wiens geschrieben hat, wird das zu schätzen wissen). Hier geht's zu den Playlists.

Barbara Tóth

West-Case-Szenario

Im ÖVP-U-Ausschuss stehen „Vorarlberger Tage“ bevor – es geht um mutmaßliche Inseratenkorruption im Ländle. Schon im Vorfeld verheißen Recherchen von FALTER, Ö1 und Standard verheißen den Ländle-Schwarzen nichts Gutes.

Ordentlich und solide, „ghörig“, wie es so schön heißt, schien alles stets in Vorarlberg. Damit ist es vorbei. Für ÖVP-Chef Karl Nehammer ist der Vorarlberger ÖVP-Chef Markus Wallner ein Korruptions-Problembär. In zwei Wochen wird es im ÖVP-Korruptionsausschuss im Parlament „Vorarlberger Tage“ geben. Dann stehen die Vorwürfe gegen Wallner und seine Partei im Zentrum. 

Wer es noch nicht mitbekommen hat: In Vorarlberg ist ein hochproblematisches Parteienfinanzierungsvehikel aufgeflogen. Der lokale Wirtschaftsbund hielt sich eine Zeitung („Vorarlberger Wirtschaft“), für die fleissig Anzeigen gekeilt wurden. Dabei schnitt nicht nur der inzwischen geschasste Wirtschaftsbund-Direktor Jürgen Kessler mit, auch Russmedia (Vorarlberger Nachrichten) waren an der Werbeagentur beteiligt. Damit nicht genug: der Wirtschaftsbund schob das so gewonnene Körberlgeld der Landespartei weiter. Und vergaß auch noch, es zu versteuern. Es geht um zumindest 900.000 bis zu vielleicht 1,5 Millionen Euro. Aufgedeckt haben das Ö1 und der Standard. Weil ghörig, das heißt in Vorarlberg auch, dass man sein Nest nicht beschmutzt.

© Facebook/Wallner/Archiv

Auch damit ist es vorbei. Bei Ö1, Standard und Falter meldete sich letzte Woche der Vorarlberger Verein „Bodenfreiheit“, dessen Vorstand sich die Mühe gemacht hat, alle Ausgaben der „Vorarlberger Wirtschaft“ seit 2017 nach Inseraten zu durchkämmen und mit umstrittenen Widmungsverfahren in der Landesgrünzone Vorarlberg abzugleichen. Weil einer der zentralen Verdachtsmomente der Affäre ist: Unternehmen, die „ghörig“ in der „Vorarlberger Wirtschaft“ inserierten, bekamen dafür auch „gefällig“ was zurück. 

Tatsächlich zeigt sich, dass vor allem im Jahr 2019 besonders viel von den Big Playern des Ländle geschalten wurde: Blum, Doppelmayer, Rauch, Rhomberg, Alpla. Es war nicht nur das Jahr der Landtagswahlen (und Nationalratswahlen), damals fand auch im Ort Ludesch eine Volksabstimmung (man müsste wohl eher schreiben: Dorfabstimmung) über eine Betriebserweitung für den Fruchtsaftkonzerns Rauch statt. Die Leute von Ludesch lehnten sie aber ab.

To cut a long story short: Alle von Ö1, Standard und Falter kontaktierten Unternehmen bestreiten natürlich jegliche Inseratenkorruption. Auch der neue Wirtschaftsbundobmann Karlheinz Rüdisser dementiert einen Zusammenhang zwischen Inseraten und Flächenwidmungen. „Die Inseratensteigerung 2019 erklärt sich durch den Relaunch, mehr Seiten und Akquise durch den damaligen Geschaftsführer Kessler.“ Jürgen Kessler, der Thomas Schmid der Vorarlberger ÖVP? Alles nur Machenschaften eines gierigen Einzelnen oder doch ein größeres System?

Ob das „Der Kessler ist schuld!“- Narrativ hält, wissen wir in spätestens zwei Wochen. Zum ÖVP-U-Korruptionsausschuss sind alle geladen: Landeshauptmann Markus Wallner, Finanzminister Magnus Brunner und Kessler natürlich. Ihr Kommen haben sie schon zugesagt. „Ghörig“ eben.

Atomare Aufrüstung weltweit – ein Überblick.

Was würde ein Atomwaffeneinsatz bedeuten? Der Risikoforscher Wolfgang Liebert spricht im Rahmen einer Veranstaltung des Instituts für Sicherheits- und Risikowissenschaften über die Nukleararsenale der Mächte.

Zu hören ab Samstag, 21.5.2022


H.C. Artmann und Wolfgang Bauer – eine Spurensuche

Über die zwei österreichischen Dichter und ihr Leben sprechen die Germanistin Daniela Strigl, Schauspieler Erwin Steinhauer und Sozialwissenschafter Max Gruber. Eine Wiener Vorlesung vom 10.5.2022

Zu hören ab Sonntag, 22.5.2022

Welche zwei Ereignisse geschahen am selben Tag?

1. Ex-Bundeskanzler Bruno Kreisky legt sein Amt zurück und die Abteilung Stadtentwicklung und Stadtplanung (MA 18) beantragt die Aufnahme der Stadtstraße in das Bundesstraßengesetz.

2. Die UNESCO setzt Wien auf die rote Liste des gefährdeten Welterbes und die SPÖ gewinnt die Gemeinderatswahlen mit absoluter Mehrheit.

3. Die Reichsbrücke stürzt ein und Niki Lauda hat einen Unfall am Nürnburgring.

Auflösung von gestern: In der Minoritenkirche hängt eine Kopie von von Leonardo da Vincis letztem Abendmahls (das jüngste Gericht von Michelangelo oder die Kreuztragung von Hieronymus Bosch sehen Sie dort nicht).

Lisa Kiss

Literaturfest

2020 und 2021 wurden Autorinnen und Autoren beim traditionellen Lesereigen „Rund um die Burg“ gefilmt, nun sind wieder echte Begegnungen möglich. Das Programm ist abwechslungsreich und bietet einige Highlights. Am Freitag liest Andrea Roedig aus ihrem fulminanten Buch „Man kann Müttern nicht trauen“, in dem sie davon erzählt, wie ihre Mutter die Familie verlassen hat (20 Uhr). Unmittelbar danach und nicht minder toll: Stefan Kutzenberger und sein wilder Romanritt „Kilometer null“. Bereits um 16 Uhr tritt Renate Welsh auf. Am Samstag ist Florian Scheuba dran (12 Uhr).

Landtmanns Bel-Etage, Fr 15.00 bis 21.30, Sa 10.00 bis 14.00 


Wissenschaft

An über 280 Standorten in ganz Österreich lädt die Lange Nacht der Forschung am Freitag zu Führungen, Vorträgen, Vorführungen und Präsentationen aus allen Forschungsrichtungen – von Gesundheit bis Technik, von Grundlagenforschung bis Energie. Der Eintritt in die weite Welt der Wissenschaft ist frei. Das umfangreiche Programm ist unter www. langenachtderforschung.at online abrufbar.

Lange Nacht der Forschung, Fr ab 17.00

Florian Scheuba: Wenn das in die Hose geht, sind wir hin

Es sei für die Arbeit eines Kabarettisten nicht zwingend notwendig, dass man auch beim Lesen laut lache, aber ein Qualitätskriterium sei es allemal: Das schreibt der Schriftsteller Daniel Kehlmann ins Vorwort von Florian Scheubas neuem Buch. Scheuba liefert mehr als das. Seine Sammlung an Betrachtungen über die meist türkise und noch ein bisschen bläuliche Welt und ihre Gepflogenheiten (man will ja nicht Machenschaften sagen) liefert den anekdotischen Bass für den derzeit laufenden U-Ausschuss, salopp ÖVP-Korruptions-U-Ausschuss genannt. (Eva Konzett)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Ausgeschöpft, doch nicht erschöpft

Ein paar Worte zum Ende der Serie „Thurnhers Freitagsrezept“ – und ihren Anfängen lang vor dem ersten FALTER.morgen.

Wurde im März 2021 empfohlen, wäre jetzt wieder saisonal angesagt: Brennnesselkuchen (Rezeptlink im Text) © Irena Rosc

Vergangene Woche war Schluss. Dies ist sozusagen die Coda, der Schwanz, wie ihn manche Komponisten, die nicht aufhören konnten, zu komponieren, an ihre Werke anhängten, damit diese nicht aufhören. Haydn hat damit Witze gemacht, Beethoven hatte ein Problem, er komponierte, war er einmal im Furor, immer weiter, sodass man bei manchen seiner Stücke (die Fünfte!) wirklich nicht mehr weiß, wann Schluss ist.

Dieser Text hier ist ein Schlusszeichen, damit Sie es wissen. Schluss mit den Kochrezepten aus dem Kochbuch „Thurnher auf Rezept“, das Irena Rosc und ich gemeinsam vor zwölf Jahren im Falter Verlag herausbrachten und die hier jeden Freitag erschienen. Das Buch ist nun ausgeschöpft, wenn auch nicht erschöpft. Es hat den Vorteil, bilde ich mir ein, lauter kochbare Rezepten zu bringen, denn das war die Vorgabe, sie wir uns von Anfang an machten, als wir in die Sache mit den Kochrezepten hineinrutschten: nur nix Affiges.

Der Anfang ist noch viel länger her. Ein paar Leute wussten, dass ich gerne und auch nicht ganz schlecht koche, also verfielen sie auf mich als die nächstliegende Lösung, als die Stelle des Rezeptkolumnisten im damaligen Visa-Magazin zu besetzen war. Mit meiner Frau Irena Rosc entwickelte sich bald ein symbiotisches Schaffen. Wir befassten uns mit Basics, vor diese Serie noch erfunden war. Zeigten, wie man Löwenzahn richtig sticht (verdammt, das haben Sie schon wieder verpasst, aber der pikante Oberhöfleiner Brennnesselkuchen, Seite 83, ginge sich grad gut aus), wilde Hopfensprossen sammelt oder Eier korrekt rührt. Schraken vor Fisch, Fleisch und Krustengetier nicht zurück. Lehnten Studio-Tricks ab, um den Anblick der Speisen aufzupeppen. Versuchten, jedes Rezept als Geschichte zu erzählen und trotzdem praktisch zu bleiben.

Irena porträtierte ab 2008 Produzenten, die biologisch oder gar nach Demeter-Grundsätzen arbeiten, viele Jahre lang im damals noch als wenig bauernfreundlich geltenden FALTER. Nicht nur andere Medien folgten ihren Entdeckungen, auch Kontrollore diverser Organisationen, die angeblich nur bäuerliches Wohl im Sinn haben, besuchten nach Erscheinen der Porträts die beschriebenen Betriebe, oft Querköpfe und Außenseiter, um sie ein bisserl zu schikanieren. Mit ein Grund für sie, diese Porträts einzustellen.

Ihr Wissen und die bei ihren Porträts abgedruckten Rezepte flossen aber in unser Buch ein. Natürlich probierten, kochten und aßen wir jedes einzelne Gericht selber; ich kann also versichern, dass das Buch erstaunlicherweise nur einen einzigen mir bekannten Fehler enthält: bei der Schokotarte auf Seite 168 werden nicht 25 ml Milch, sondern 125 Milliliter oder ein Achtel benötigt; wer’s nachkocht, merkt’s eh.

Auch aus den selten nachgekochten, aber immer gern gelesenen Weihnachtsmenüs, die ich aus neu erschienenen Kochbüchern zusammenstelle und im FALTER publiziere, ist das eine oder andere Rezept ins Buch gewandert. Feedback auf Artikel wurde integriert, viele kleine Subrezepte und Zusatzgeschichten wurden ins Buch hineingestopft, die im Newsletter natürlich keinen Platz fanden.

Jetzt ist es aus mit der Serie, ein neues Kochbuch ist nicht in Sicht, das Äußerste an Trost, was ich Ihnen anbieten kann ist, dass die Seuchenkolumne in unregelmäßigen Abständen ein ungesundes Rezept veröffentlicht. Und dass Sie das Kochbuch als ganzes vielleicht noch im Verlag ergattern können.

Ich danke dem Morgen-Team für den perfekten Service und die Mise en place!

Es war mir ein Vergnügen, uns wiederzulesen, hoffentlich hat’s auch Ihnen geschmeckt.

Ihr Armin Thurnher

PS: Thurnher auf Rezept gibt's natürlich weiterhin im faltershop.at.


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