Wirtschaftskammer: Harry Mahrer & der mysteriöse Leuchtturm - FALTER.morgen #347

Versendet am 17.06.2022

Die Wirtschaftskammer buttert 5,2 Millionen Euro in eine seltsame Lernplattform. Warum? >> Wie die Stadt Wien radlerfreundlichen Änderungen der Straßenverkehrsordnung die Luft rauslässt >> Vor Gericht: Die engste Chat-Partnerin von Thomas Schmid >> Im Grundkurs Kochen gibt's heute Spargel-Tempura

Wetterkritik: Das Wetter übt sich in Steigerungsformen. Heute Sommer (26 Grad), morgen Hochsommer (30 Grad) und übermorgen Hitzetag (31 Grad).


Guten Morgen,

heute erzählte ich Ihnen etwas über einen einigermaßen teuren Leuchtturm. Er kostet offiziell 4,3 Millionen Euro und ist ein Zukunftsinvestment” in die Digitalisierung Österreichs, eine interaktive, multimediale Lernumgebung, etwas völlig Neues im deutschsprachigen Raum.

Also etwas ganz Tolles. Zumindest, wenn man der Wirtschaftskammer glaubt: Von einer Art Netflix für die berufliche Aus- und Weiterbildung”, spricht WKO-Präsident Harald Mahrer.

2019 hatte die WKO eine großangelegte Bildungsoffensive angekündigt, um digital sowie sozial kompetente Fachkräfte in ausreichendem Maße für unsere Unternehmerinnen und Unternehmer bestens auszubilden”. 80 Prozent des dafür veranschlagten Budgets von knapp sechs Millionen Euro gehen dabei an Wîse Up" – erraten: das eingangs erwähnte Leuchtturmprojekt”.

Anfang Jänner hat die virtuelle Lernplattform dann gestartet. Heute hat das Projekt 900 User und Video-Tutorials wie Bildergeschichte: Aufbau und Beispiele”, Geometrische Formen und Figuren einfach erklärt” und Erfolgreich verhandeln mit dem Harvard-Konzept” im Angebot.

Bleibt nur die Frage: Was bringt die Plattform? Und vor allem: Wofür wurde das ganze Geld ausgegeben? Diesen Fragen bin ich nachgegangen. Die Antworten gibt's gleich unten.

Außerdem berichtet mein Kollege Josef Redl von einem Prozess wegen falscher Zeugenaussage – und zwar gegen eine frühere Mitarbeiterin des Finanzministeriums-Generalsekretärs und Heavy-Handy-Users Thomas Schmid (dem wir die ganzen Chats aus der türkisen ÖVP zu verdanken haben). Soraya Pechtl beschreibt, wie die Stadt Wien radlerfreundiche Änderungen der Straßenverkehrsordnung in ganz Österreich verhindert. Und rezeptmäßig wagen wir im allwöchentlichen Grundkurs Kochen heute eine gastrokulturelle Aneigung: Es gibt Spargel, der in japanischem Tempura-Mehl außabochen (für unsere zahlenmäßig nicht unbeträchtlichen bundesdeutschen Leserinnen und Leser: das heißt soviel wie herausgebacken, also frittiert) wurde.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Eva Konzett

PS: Normalerweise freuen wir uns ja, wenn in der Früh die Mailbox überquillt – am Mittwoch war das aber eher weniger der Fall: Zahlreiche Leserinnen und Leser haben uns zurecht darauf hingewiesen, dass die kalte Progression nicht – wie mehr als flapsig formuliert – dazu führt, dass man netto weniger bekommt als zuvor (auch wenn sich das so anfühlen mag). Es ist vielmehr so, wie es Leserin Sabine Schulmeister auf den Punkt bringt: „Man bekommt netto ZU WENIG im Verhältnis zur Inflation, die Lohnerhöhung kann aufgrund der höheren Steuern (auf diesen Teil des Lohnes) die Inflation in Bezug auf Kaufkraft also nicht abdecken. Die ,Abschaffung' der kalten Progression würde bedeuten, dass dieser Steuersatz entsprechend angepasst damit und das Verhältnis wieder passt.“ Wir sagen sorry und danke für die prompte Korrektur!


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Zusammen in den Sommer starten!

Tausende Angebote der Wiener Volkshochschulen warten von Juni bis August darauf, Ihnen Weiterbildung, Spaß und Inspiration zu bieten!

Ob sie für den Urlaub eine neue Sprache lernen, mit einem Bewegungskurs den Winterpfunden den Kampf ansagen oder durch kreativen Ausdruck glücklicher werden wollen:

Ab sofort starten die Sommerkurse, viele davon auch im Freien! Wer sich im Sommerloch beruflich weiterbilden möchte, findet eine große Auswahl an Kursen und Lehrgängen.

Alle Informationen und Kurse unter www.vhs.at/sommer

Turmbau zu Mahrer

Die WKO will mit einem kostenpflichtigen digitalen Bildungsangebot die österreichischen Unternehmen fit machen. Dafür legt die Kammer mehr als fünf Millionen Euro auf den Tisch. Zahlt sich das aus? Und vor allem: Für wen?

14,90 Euro im Monat kostet das Abo für Wîse Up". Die ersten 30 Tage sind gratis. Die Seite ist nach Themen gegliedert, hinter den Rubriken stehen die insgesamt 15.000 Lerninhalte. Die wenigstens davon hat die WKO selber produziert, sie bedient sich bei externen Anbietern. 

Gegenüber dem FALTER.morgen schreibt die WKO von Aus- und Weiterbildungsinhalten, die für den österreichischen Markt maßgeschneidert” seien. Die meisten Lernvideos stammen aber von LinkedIn Learning, Studyflix und Anton, drei Lernplattformen aus Deutschland. Nur LinkedIn Learning ist dabei kostenpflichtig. Die Lernapp Anton zum Beispiel wurde von der EU-Kommission gefördert. 

„Eine Art Netflix für die berufliche Aus- und Weiterbildung”: WKO-Chef Harald Mahrer © APA/Herbert Neubauer

Die WKO weist die User dann auch darauf hin, dass manchmal beim Abspielen externer Inhalte Werbung erscheinen kann. Andere Inhalte müssen trotz des Abos bezahlt werden, wie zum Beispiel der 60-minütige Kurs Führung der Generationen Y & Z – Wie Next Generation Leadership gelingt”.

Auf der WKO-Seite werden die Inhalte zu Lernpfaden (Pathways”) zusammengewürfelt und abgemischt. Wer sich zum Beispiel für ein Zukunftsthema wie Nachhaltige Unternehmen” interessiert, bekommt einen Lernpfad vorgeschlagen, der zwei Videos von LinkedIn mit PDF des Gründerservices der WKO (wären ansonsten gratis) und Inhalten der WKO-Seite kombiniert. Es gibt Journeys” und Smartcards”, schnell verliert man sich in den ständigen Weiterverlinkungen, oder überhaupt im Nirgendwo: Hier entsteht bald ein brandneuer Inhalt für dich”, steht dann da.

Im Dezember 2020 hatte das Präsidium der Wirtschaftskammer die Gründung der Plattform beschlossen. Nach einer umfassenden Machbarkeitsstudie und einer breit angelegten Entwicklungsphase” - so schreibt die WKO, ist Wîse Up" Anfang des Jahres in einer Pilotphase” an den Start gegangen. Vor allem Lehrlinge wolle man vorerst damit unterstützen. Dazu passend loben auf der Webseite fünf Unternehmenstestimonials das Projekt. 

Der FALTER.morgen hat die Unternehmen kontaktiert. Vier haben geantwortet. Fazit: Grundsätzlich begrüßen sie die Idee der Plattform, vor allem, da die Unternehmen für die Lehrlinge eigene Lernpfade kuratieren können. Mit der Umsetzung und dem Umfang der Inhalte sind nicht alle zufrieden. Die Vorarlberger Illwerke zum Beispiel würden sich 3D- bzw. VR-Content mit Gaming-Charakter” wünschen, wollen Wîse Up" aber trotzdem für 100 Lehrlinge abonnieren. Der IT-Spezialist Markus Reitshamer von Re-Systems vermisst passende Lehrinhalte für seine Branche. Der Umwelttechnikspezialist Fronius wartet noch mit der Einführung.

4,3 Millionen Euro hat die WKO dafür offiziell ausgegeben, aus internen Unterlagen geht hervor, dass es schon 5,2 Millionen Euro sind – bezahlt aus Pflichtbeiträgen. Die exakten Budgetposten wollte die WKO nicht auflisten. Die Plattform läuft über den amerikanischen Softwareanbieter Edcast, einer Art Wordpress für Bildungsangebote, die allerdings kostenpflichtig ist. Wie hoch die Lizenzgebühren dafür und für die eingewobenen Inhalte von LinkedIn Learning ausfallen? Keine Antwort. Nur so viel: Acht WKO-Mitarbeiter sitzen an dem Projekt. Und: Das Projektbudget sei von Wirtschaftsprüfern als marktüblich” testiert worden.

Für die Qualität der Inhalte steht das Institut für Bildungsforschung der Wirtschaft gerade, das 1975 von der WKO gemeinsam mit der Industriellenvereinigung gegründet worden ist. Man prüft sich also selber.

Im Sommer 2020 hatte die damalige Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) in ihrem Ministerium das Kaufhaus Österreich” initiiert und die WKO an Bord geholt. Was eine digitale Antwort auf Amazon hätte werden sollen, wurde zum Bauchfleck und musste nach drei Monaten seine Türen schließen.

Es ist zu befürchten, dass hier noch weitere Millionen an Pflichtbeiträgen für Aufträge an ÖVP-Freunde ausgeschüttet werden und dann am Ende - wie beim Kaufhaus Österreich - ein Angebot steht, das keinen Mehrwert für die Unternehmen bietet”, sagt Michael Bernhard, Bundessprecher der Unos, der Wirtschaftsorganisation der Neos. 

Das Projekt Wîse Up" stehe für einen verantwortungsbewussten und effizienten Einsatz öffentlicher und privater Mittel für Bildung”, heißt es hingegen in einer Projektpräsentation.

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Tagebücher aus der Hölle

Drei Monate lang haben Menschen aus der Ukraine und Russland für den FALTER Tagebuch über ihr Leben im Krieg geführt. Jetzt haben ihnen Schauspielerinnen und Schauspieler des Wiener Burgtheaters ihre Stimmen geliehen und ihre Schilderungen vertont.

Den Podcast gibt es ab Samstag, 18.06 hier zu hören.


Die deutsche Rockband Tote Hosen wird 40

Der Sänger Campino spricht mit FALTER-Journalist Gerhard Stöger über die Pandemie, Glücks- und Katastrophenmomente und die Fußball-WM in Katar.

Ab Sonntag, 19.6.2022 hier zu hören.

Josef Redl

„Ein Grenzfall”

Der WKStA ist es gelungen, die engste Vertraute von Ex-ÖBAG-Chef Thomas Schmid der Falschaussage zu überführen. Verurteilt wurde sie dennoch nicht.

Bis auf den FALTER.morgen und die Eltern der Angeklagten gibt es am Mittwoch keine Zuseher in Verhandlungssaal 303 des Wiener Landesgerichts für Strafsachen. Hier findet der Prozess wegen falscher Zeugenaussage gegen Melanie L. statt. Melanie L. war die engste Vertraute und die intensivste Chatpartnerin von Thomas Schmid, dem früheren Generalsekretär im Finanzministerium. Sie lästerten über Kollegen und schmiedeten Intrigen, vor allem aber bastelten sie an der gemeinsamen Karriere im Windschatten von Sebastian Kurz.

Thomas Schmid, ehemaliger Generalsekretär im Finanzministerium und später Alleinvorstand der ÖBAG © APA/HANS PUNZ

Das war ihr großes gemeinsames Ziel: Thomas Schmid als Alleinvorstand in die Chefetage der ÖBAG zu manövrieren. Jener Beteiligungsgesellschaft, die für die Republik Österreich milliardenschwere Beteiligungen an OMV, Post, Telekom Austria oder Verbund verwaltet. Melanie L., Kabinettsmitarbeiter im Finanzministerium, unterstützte Schmid wo sie nur konnte. Gemeinsam tüftelten sie sogar am Ausschreibungstext, damit dieser maßgeschneidert auf den Lebenslauf von Thomas Schmid passte. 

Als Melanie L. am 3. März 2020 im Zuge der Casinos-Ermittlungen von der WKStA einvernommen wird, erzählt sie davon nichts. Dort behauptet sie, bis zuletzt nichts von Thomas Schmids Absicht, sich für den ÖBAG-Job zu bewerben, gewusst zu haben. Was sie damals noch nicht weiß: Der WKStA ist es gelungen, die gelöschten Chats von Thomas Schmids Handy wiederherzustellen. Gleich mehrfach sagt L. im März 2020 die Unwahrheit - und wird durch die Handy-Chats überführt.

„Ich hab nicht vollständig und unrichtig ausgesagt”, bestätigt L. am Mittwoch das Offensichtliche. Melanie L. hat ihre Geschichte auf ein paar DIN-A4-Blättern aufgeschrieben, wichtige Stellen ordentlich mit dem Textmarker in gelb, grün und orange angestrichen. Während sie ihre spricht, greift sie mehrfach zum Taschentuch und tupft sich Tränen aus den Augen. Sie sei bei ihrer Aussage in einem Ausnahmezustand” und „in Panik” gewesen, behauptet die ehemalige Nachwuchspolitikerin aus der Jungen ÖVP. Sie bittet um eine Diversion.

Ankläger Gregor Adamovic fordert - auch aus „generalpräventiven Gründen” - eine Verurteilung. 

Richter Florian Wallner ist milde und findet, „die Voraussetzungen für eine diversionelle Erledigung liegen gerade noch vor. Es ist ein Grenzfall.” Melanie L. nimmt den Vorschlag des Gerichtes an. Sie muss 240 Stunden gemeinnützige Arbeit leisten, dafür bleibt sie unbescholten. 

Für die 32–jährige Juristin ist das nicht unerheblich: Sie absolviert gerade ihr Gerichtsjahr am Oberlandesgericht Wien.

Mavi Phoenix am Donauinselfest (26.6), Alt-J beim Metstadt-Open-Air (16.7), das Science-Fiction-Epos „Dune” beim Freiluft-Kino am Dach (23.7), die Sommerspiele Perchtoldsdorf (30. Juni bis 30. Juli), … wir könnten noch lange so weiter machen. Im Sommer ist Hochsaison für die Kulturbranche: Zahlreiche Musikfestivals, Lesereihen, Theaterstücke und Kinderaktionen warten auf Sie. 

FALTER:Woche-Chefin Lisa Kiss und ihr Team haben über 50.000 Veranstaltungen ausgewählt und in eine übersichtliche Form geklopft. Das ganze Programm gibt es in der Kultursommer-Beilage im aktuellen FALTER. Kostenlose Veranstaltungen finden Sie hier.

Soraya Pechtl

Die angekündigte große Wurf wird die neue Straßenverkehrsordnung (StVO) für die Radler-Community nun doch nicht. Von umfassenden Verbesserungen für aktive Mobilität” sprach Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) noch im April. Auch der Verkehrsclub Österreich (VCÖ) lobte das Vorhaben im Frühjahr. Am Mittwoch hat der Ministerrat dann die Novelle beschlossen.

Der VCÖ schrieb in einer Stellungnahme, die Novelle sei lediglich ein erster Schritt, aber: Österreich hinkt bei rechtlichen Regelungen für das Radfahren im europäischen Vergleich hinterher.”

Seit der Ankündigung im April wurden zwei zentrale Punkte gestrichen.  

© APA/TOBIAS STEINMAURER

Was ist passiert? 

Die Stadt Wien hatte in ihrer Begutachtung zwei grundlegende Punkte der Novelle beanstandet, wie Der Standard vorgestern berichtete:

  • Das generelle Öffnen der Einbahnen für Radfahrer

  • Die Verbreiterung des Sichtbereichs an Kreuzungen (derzeit müssen vier Meter freigehalten werden, in der Novelle waren neun Meter vorgesehen).

Begründung: Die notwendigen Änderungen seien zu teuer. Neue Bodenmarkierungen und Verkehrsschilder in den Einbahnen hätten 15 Millionen Euro, der Umbau der Kreuzungen rund 110 Millionen gekostet, außerdem müssten 2.400 Bäume gefällt werden. Also wurden die beiden Punkte gestrichen.

Wir waren leider gezwungen, die Öffnung der Einbahnen wieder aus dem Entwurf rauszunehmen, weil die Wiener SPÖ mit vorgeschobenen Kostenargumenten den Konsultationsmechanismus aktiviert hat. Diesen kann ein Bundesland aktivieren, wenn durch ein Bundesgesetz Mehrkosten entstehen”, schreibt der grüne Nationalratsabgeordnete Lukas Hammer auf Twitter. Hätte man auf die zwei Punkte bestanden, hätte sich die Novelle monatelang verzögert. 

Und was kommt jetzt?

  • Radfahrer dürfen in Zukunft auch bei Rot rechts abbiegen. Sie müssen aber vor dem Abbiegen anhalten (übrigens hat dieser Punkt im Vorfeld für die größte Kritik gesorgt)

  • Autofahrer müssen einen Sicherheitsabstand einhalten, wenn sie Radler überholen (1,5 Meter innerhalb des Ortsgebiets und zwei Meter außerhalb)

  • Erwachsene dürfen in Zukunft neben Kindern radeln, in 30-er Zonen alle Radler nebeneinanderfahren (ausgenommen sind Vorrang- und Schienenstraßen) 

  • Abgeschwächt wurde das Schrägpark-Verbot, welches das Hineinragen von Fahrzeugen auf Fußgängerwege verboten hätte. Mit dem Beschluss ist das Autos weiterhin in geringfügigem Ausmaß” erlaubt (1,5 Meter müssen frei bleiben).

In Kraft treten soll die Novelle am 1. Oktober. 

An der Ecke Argentinierstraße/Gußhausstraße befindet sich das Restaurant Haferpoint. Woran erinnert sein Name?

1. In dem Gebäude wurde bis zum zweiten Weltkrieg Hafer für die Fiaker-Pferde gelagert

2. Die Argentinierstraße hieß bis ins 19. Jahrhundert Haferpoint

3. In Wien wurde bis ins Spätmittelalter hauptsächlich Hafer angebaut

Auflösung von Mittwoch: Primus von Quack, Akademiker und Onkel von Donald Duck, wurde in Wien geboren, bevor er nach Entenhausen zog.

Lisa Kiss

Musik

Musikerinnen und Musiker der Wiener Philharmoniker, Wiener Symphoniker, des RSO Wien, des Orchesters der Volksoper Wien, der Vereinigten Bühnen Wien und des Tonkünstler-Orchesters Niederösterreich bespielen im Rahmen von „Orchester für alle“ den Dornerplatz in Hernals mit Melodien aus der goldenen Ära des Jazz, Hits von Mozart bis Abba, Klassik von Schubert bis Bednarik sowie Auszügen aus Opern und Operetten.

Dornerplatz, Fr 16.15


Musik

Auf drei Bühnen steigt am Freitag in der Spittelau das Festival Stromklang. Bei freiem Eintritt sind  hier einige der wichtigsten Exponenten der heimischen elektronischen Musik und Clubkultur mit Ausreißern Richtung Pop zu erleben, darunter Cid Rim, das Analog-Techno-Trio Elektro Guzzi und Pressyes.

Das Werk, Fr 18.00


Musik

Ziemlich genau mit zweijähriger Verspätung holen die „Amore“-Prediger Wanda mit dem Schnaps- und Nikotinfaible die beiden großen Wien-Konzerte zu ihrem im Herbst 2019 erschienen vierten Album „Ciao“ nach, Karten sind noch erhältlich. Live funktioniert ihr eingängiger Strizzi-Rock nach wie vor ausgezeichnet, wie die beiden Auftritte bei den großen Wiener Ukraine-Benefiz-Konzerten vor einigen Monaten gezeigt haben. (Gerhard Stöger)

Wiener Stadthalle, Fr, Sa 20.00


Literatur

Die streitbare Wiener Autorin Stefanie Sargnagels lädt am Samstag zum „Pop Picnic“ in den Schubertpark. Damit ihr beim Lesen nicht fad wird, hat sie sich Euroteuro zur Unterstützung geholt, das sympathisch-verschrobenen Popprojekt von Florian Seyser-Trenk und Katarina Trenk. (Sebastian Fasthuber)

Schubertpark, Sa 17.30


Theater

Elfriede Jelineks Pandemiestück „Lärm. Blindes Sehen. Blinde sehen“ handelt von Après-Ski, Verschwörungstheorien, Sebastian Kurz und Schweinen. Die Autorin vermengt das Ganze zusätzlich mit der Geschichte von Odysseus, der zur Insel der Zauberin Kirke kommt, die alle seine Männer in Schweine verwandelt. Der Regisseur Frank Castorf haut noch andere Textversatzstücke dazu, inszeniert wild und überladend wie immer und reißt damit mit. (Sara Schausberger)

Akademietheater, So 18.00

Ana Schnabl: Meisterwerk

Es ist die Geschichte von Adam und Ana. Als junger Autor hat er einst eine schwere Niederlage erlitten und daraufhin eine Uni-Laufbahn eingeschlagen. 20 Jahre später versucht er es mit dem Roman „Meisterwerk" noch einmal. Er verliebt sich in seine deutlich jüngere Lektorin Ana. Es könnte so schön sein, aber es sind nur gestohlene Stunden, die sie miteinander verbringen. Beide sind verheiratet … (Sebastian Fasthuber)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Heiß frittiert und doch gesund: Ein Gedicht vom Spargelbund

© Archiv

Ein Blick in die Statistik belegt, was er in heimische Einkaufswagerln vermuten lässt: Der Österreicher reißt sich nicht ums Gemüse.

Im Jahr 2020 hat jeder im Land 115,3 Kilo Gemüse verspeist – aber auch 107 Liter Bier getrunken. An der Spitze des Wenns-unbedingtsein-muss-Rankings stehen Paradeiser (28 Kilo pro Nase), gegen Ende der Spargel mit 0,6 Kilo.

Das mag an der mit drei Monaten nur sehr kurzen Spargelsaison liegen. Zum anderen aber auch daran, dass Österreicher das Gemüse immer nur in Sauce hollandaise ersaufen, in Butter und Bröseln wälzen oder als Einlage in Risotto oder Pasta kennen.

Wir erweitern das Spektrum und schicken ein Rezept ins Rennen, das dem hiesigen Gaumen – trotz ein wenig Exotik – entsprechen dürfte: Spargeltempura, oder auf österreichisch: außebochana Spargel.

Dazu eignet sich vor allem der grüne Spargel. Die Stangen einzeln biegen und an der Sollbruchstelle brechen lassen. Enden wegschmeißen. Eine gute Kombi sind Shitake-Pilze, Brokkoliröschen, Zuckerschoten und was man sonst noch an Gemüse frittieren will.

Sämtliche Gemüse nacheinander in kochendem Salzwasser je 15 Sekunden blanchieren und in Eiswasser abschrecken. Gut abtropfen lassen!

130 Gramm Tempuramehl mit dem Schneebesen mit 220 Milliliter eiskaltem Wasser zu einem glatten, zähflüssigen Teig verrühren. Nun Öl in der Fritteuse auf etwa 170 Grad erhit zen. Gemüse nacheinander in Mehl wenden, durch den Teig ziehen, etwas abtropfen lassen und in mittelgrob gehackten Reisflocken wälzen.

Dann zwei bis drei Minuten knusprig frittieren, kurz auf Küchenpapier abtropfen lassen. Sofort essen. Die Gemüsestatistik dankt!

Der Text stammt aus der Serie „Grundkurs kochen". Das gleichnamige Buch von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 112 Seiten, 4,90 Euro) ist im faltershop erhältlich.


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