Corona: Infektionszahlen steigen, Impfpflicht fällt – geht das gut? - FALTER.morgen #352

Versendet am 24.06.2022

Immer mehr Menschen stecken sich mit dem Virus an, die Politik bleibt tatenlos. Wie lange geht das gut? >> Exzessive Nächte am Gürtel-Würstelstand >> Grundkurs Kochen: Ein Oma-Rezept für Teufelskerle

Wetterkritik: Tagsüber durchhalten, in der Nacht aufpassen – vorerst fönt uns ein heißer Wind aus Südost schweißnass, gegen Abend kann es dann heftig gewittern. Morgen, Samstag, mit 26 statt 29 Grad etwas kühler, dafür aber auch schwüler. Am Sonntag wieder hochsommerlich, am Montag noch höhersommerlich: Die nächste Hitzewelle rollt heran.


Guten Morgen!

Geht es Ihnen auch so? Beinahe wöchentlich sagen Bekannte und Freunde Verabredungen ab, weil sie mit einer Corona-Infektion darniederliegen. Wen es in den vergangenen zwei Jahren nicht erwischt hat, der kommt jetzt zum Handkuss. Ein Blick auf die Statistik bestätigt diesen Eindruck: Die Zahlen steigen wieder. Und zwar besorgniserregend schnell. Experten warnen vor dieser Entwicklung.

Die Politik wirkt dagegen relativ gelassen. Gestern hat Gesundheitsminister Rauch die Impfpflicht ein für alle mal abgesagt. Was ist da los? Warum steigen die Zahlen so rasant? Wo ist der saisonale Effekt? Und wie gefährlich sind die hohen Inzidenzen bei der milderen Omikron-Variante überhaupt? Wir versuchen die wichtigsten Fragen zu beantworten.

Außerdem: Der Würstelstandler Peter Esterwitsch hat meiner Kollegin Anna Goldenberg über seine Nächte am Gürtel erzählt – inklusive Käsekrainern, balzenden Gockeln und verlorenen BHs. Lisa Kiss versorgt Sie mit Veranstaltungstipps für das Wochenende. Und im Grundkurs Kochen geht es diesmal um einen etwas anderen Pudding.

Ein erholsames Wochenende und bleiben Sie gesund!

Soraya Pechtl


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Der Zuwachs ist ganz schön heftig”

Die Corona-Inzidenzen steigen rasant, die Krankenhäuser füllen sich. Gleichzeitig sagt die Regierung die Impfpflicht ab und will vorerst keine schärferen Maßnahmen setzen. Was ist da los? Die wichtigsten Fragen und Antworten zur aktuellen Corona-Lage. 

In den vergangenen Jahren war der Sommer relativ entspannt. Warum steigen die Zahlen jetzt schon? 

Innerhalb der vergangenen drei Wochen hat sich die Inzidenz in Wien und allen anderen Bundesländern verdrei- bis vervierfacht. Statistiker Erich Neuwirth spricht von einem gewaltigen Zuwachs. „Das ist ganz schön heftig”, sagt er und ist überrascht, wie früh sich die Corona-Welle diesen Sommer aufbaut. 

Grund für den Anstieg dürften die Omikron-Subvarianten BA.4 und BA.5 sein. Sie sind offenbar infektiöser als je zuvor und machen in Wien bereits über 70 Prozent der Fälle aus. „Das Virus ist sehr leicht und schneller übertragbar”, sagt Virologin Janine Kimpel im Journal Panorama auf Ö1. Die Impfung schütze bei BA.4 und BA.5 auch nicht mehr so gut vor der Ansteckung, nach wie vor aber vor schweren Verläufen: Ein Grund, warum die Zahlen in den Krankenhäusern derzeit noch nicht so stark steigen.  

Außerdem wurde unser Verhalten mit dem Ende der Maskenpflicht im Juni deutlich risikoreicher, schreibt Epidemiologe Robert Zangerle in Armin Thurnhers Seuchenkolumne. Wenn Sie eine tiefergehende Erklärung wollen, sei Ihnen diese Lektüre ans Herz gelegt.

Und warum wurde die Impfpflicht abgesagt, wenn eine Impfung vor schweren Verläufen schützt?

Die Impfpflicht wurde eingeführt, als die Delta-Variante in Österreich noch dominant und die Intensivstationen voll waren. Das seien andere Voraussetzungen gewesen, sagte Gesundheitsminister Johannes Rauch gestern. Außerdem habe die Impfpflicht „keine zusätzlichen Menschen zum Impfen gebracht."

Die Impfpflicht ist Geschichte: Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) und ÖVP-Klubchef August Wöginger wollen vom „Katastrophenmodus" hin zu einer „Phase des Lebens mit dem Virus" © APA/HELMUT FOHRINGER

Was kommt da auf uns zu?

Die Inzidenz könnte österreichweit schon bald auf über 1.000 steigen. Komplexitätsforscher Peter Klimek geht im Gespräch mit PULS 24 für den Juli von bis zu 30.000 Neuinfektionen pro Tag aus. 

Auch die Belegung in den Spitälern steigt wieder. Das Covid-Prognosekonsortium erwartet in den kommenden zwei Wochen eine Verdreifachung der Patienten auf den Normalstationen und eine Verdoppelung auf den Intensivstationen. Derzeit sind die Hospitalisierungs-Zahlen noch relativ niedrig: In Wien liegen 144 Corona-Patienten auf den Normalstationen und 20 auf Intensiv, Anfang Mai waren es doppelt so viele. 

Lungenfacharzt Arschang Valipour warnt in der ZiB2 aber vor einer Überlastung des Personals – auch weil viele Mitarbeiter im Sommer auf Urlaub sind und zusätzliche Ärztinnen und Pfleger coronabedingt ausfallen könnten. 

Wann die Spitäler an ihrer Grenzen stoßen, ist nur schwer vorauszusagen. „Das Verhältnis von Inzidenz und Leuten, die ins Spital kommen, hat sich von Welle zu Welle verändert. Auch die Impfung mildert den Verlauf. Die Sache ist zu komplex, um einfache Antworten zu geben”, sagt Statistiker Neuwirth.

Gibt es keinen saisonalen Effekt mehr? 

Doch, sagt Virologin Kimpel. Der sei aber nicht mehr so stark: „Weil das Virus relativ fit geworden ist, lässt es sich dadurch nicht mehr so stark beeindrucken, und wir kommen im Sommer nicht mehr so stark runter wie früher.”

Es klingt paradox: Wien ist das einzige Bundesland mit Maskenpflicht (wenn auch nur in den Öffis), trotzdem hat es mit über 850 mit Abstand die höchste Inzidenz. Warum? 

Wien ist ein „gefährliches Pflaster”, zumindest was Pandemien betrifft. Denn: „So viele Zufallskontakte wie in der Hauptstadt hat man sonst in keinem anderen Bundesland”, sagt Neuwirth. „Wenn man will, dass Wien ähnlich gut fährt wie die anderen Bundesländer, muss man sich überlegen, wie viel schärfer die Maßnahmen sein müssen”.

Anfang März war Wien noch das Bundesland mit den niedrigsten Inzidenzen. Nachdem die Maßnahmen gelockert wurden, hat sich der Trend gedreht. 

Und warum hat die Politik bisher nicht reagiert?

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) sagte am Mittwoch, die Regierung werde vorerst keine neuen Maßnahmen verhängen. Man setze weiter auf „Eigenverantwortung". 

„Offensichtlich reagiert die Politik vorwiegend auf Hospitalisierungszahlen, und die steigen erst seit einigen Tagen wieder. Wir müssen uns die Entwicklung in den nächsten Tage genau anschauen. Aber wenn sich der Trend fortsetzt, werden wir es uns nicht leisten können, keine Maßnahmen zu setzen”, sagt Neuwirth.

KINO WIE NOCH NIE

Open-Air-Kino Augarten

23.6.–21.8.2022

Das Garten-Areal des Filmarchiv Austria verwandelt sich wieder an 60 Abenden zur cineastischen wie kulinarischen Oase mitten in der Stadt. Mit unserem Sommerkino KINO WIE NOCH NIE präsentieren wir wieder eine bewährte Mischung aus beliebten Filmklassikern und spannenden Neuentdeckungen aus Österreich und aller Welt.

Was tun, wenn man die Kinder eigentlich mit dem Rad in die Schule bringen oder gar alleine hinschicken möchte – das aber mangels sicherer Rad- und Fußwege auf der Strecke lieber nicht riskiert? In dieser Situation findet sich Katharina Hemmelmair von der Initiative „Radeln in Döbling“: „Kinder in Österreich können im Alter von 10 Jahren zwar eine Radfahrprüfung ablegen und sind berechtigt selbstständig mit dem Rad zu fahren. De facto ist ihnen das aber nicht möglich, da es viel zu gefährlich ist“, sagt sie.

Deshalb organisierte die Initiative heute den „ersten Döblinger Bici-Bus“. Das ist aber kein motorgetriebenes Fahrzeug, sondern eine gemeinsame Fahrt von Eltern und Kindern zur Schule.

Die Idee stammt usprünglich aus Barcelona. Dort ist der Bici-Bus inzwischen fix etabliert.

Bici-Bus-Fahrt in Barcelona © Twitter

Jeden Freitag in der Früh dürfen Kindergarten- und Schulkinder für eine Stunde ausgewählte Straßen als Radweg nutzen. Die Autos müssen warten oder einen anderen Weg wählen. Inzwischen absolvieren hunderte Kinder einmal pro Woche ihren Schulweg auf diese Art und Weise.

Treffpunkt ist heute um 7:20 Uhr am Sieveringer Spitz/Grinzinger Allee 8, Abfahrt um 7:30 Uhr.

Eine ähnliche Aktion ist heute auch im Sonnwendviertel geplant. Dort radeln Kinder und Eltern zu den Schulen in der Waltergasse im 4. Bezirk, um für breitere Radwege und eine sicherere Gürtel-Querung zu demonstrieren.

Treffpunkt: 7:10 Uhr im Helmut-Zilk Park, Ecke Sonnwendgasse/Gudrunstraße.


Wenn heute Abend das Donauinselfest (hier geht's zum Programm, siehe auch unsere Wochenend-Events ein bisschen weiter unten im FALTER.morgen) startet, dann gilt das Prinzip Vorsicht: Angesichts der steigenden Corona-Infektionszahlen appelliert die Festivalleitung, vorab einen Schnell- oder PCR-Test zu machen. Masken sind zwar nicht Pflicht, im Gedränge aber dringend empfohlen. Wer Symptome wie Halsweh, Schnupfen und Fieber hat, darf das Gelände eigentlich nicht betreten – da eine Kontrolle aber schwer möglich ist, wäre Eigenverantwortung angesagt.


264 Berichte und 1.000 Empfehlungen – das ist die Bilanz des Stadtrechnungshofes für das Jahr 2021, die Werner Sedlak, Direktor der kommunalen Kontrollbehörde, am Mittwoch präsentiert hat.

Unter die Lupe genommen wurden dabei unter anderem Theater, Wohnbaugesellschaften, Vereine und die Bestattung. Einige der Ergebnisse haben wir im vergangenen Jahr auch im FALTER.morgen präsentiert (weil man oft ein bisschen zwischen den Zeilen lesen muss: Hier geht’s zu einer Ausgabe mit einem Kurzlehrgang unter dem Titel „Verstehen Sie Rechnungshof“).

Das Jahr 2021 sei aufgrund von Corona sehr herausfordernd gewesen, so Sedlak. Als positiv vermerkte er, dass 95 Prozent der von seiner Behörde ausgesprochenen Empfehlungen von den geprüften Unternehmen und Institutionen angenommen wurden.

Der Tätigkeitsbericht des Stadtrechnungshofes kann hier downgeloaded werden.

In welcher Funktion wurde die Wienerin Franziska Donner in den 1950-er und 1960-er Jahren bekannt?

1) Als erste österreichische Botschafterin im Vatikan

2) Als First Lady der Republik Korea

3) Als erste Frau, die in einem Einhand-Segelboot die Beringstraße überquerte

Auflösung von gestern: Die Sängerin Helene Winterstein-Kambersky erfand in den 1920-er Jahren die erste wasserfeste Wimperntusche (weder einen Notenständer mit Fußpedal zum Umblättern, noch eine aufladbare Taschenlampe).

Mit hundert Käsekrainern durch die Nacht

Peter Esterwitsch grillt seit drei Jahren Würstl beim Leo am Gürtel. Wie begegnet er den Exzesshungrigen aus allen Schichten?

Der Exzess schmeckt nach Käsekrainer. Vor allem Freitag- und Samstagnacht, wenn der Würstelstand Leo beim Döblinger Gürtel bis fünf Uhr morgens geöffnet hat. Über hundert Stück der gebratenen Brühwurst gehen dann locker weg, sagt Peter Esterwitsch, dunkelblaues Langarm-Poloshirt und gleichfarbige Schirmkappe, beide mit einem leicht verwaschenen türkisen Logo des Betriebs. Ob aufgeschnitten, als normaler Hotdog oder als Gourmet-Hotdog, also in einem der Laugenstangerl serviert, die in Reih und Glied auf dem Glasregal neben der Kasse auf Kundschaft warten – Käsekrainer sind das beliebteste Gericht.

„Männer verlieren Jacken, Brieftaschen und Handys, Frauen Unterwäsche und Schlüssel“: Würstelstandler Peter Esterwitsch über die Nächte am Gürtel © Best of Vienna/Anna Goldenberg

Möglicherweise spielt dabei ein wissenschaftliches Rätsel eine Rolle: Alkoholkonsum macht hungrig, obwohl das Zeug hochkalorisch ist. Ein großes Bier hat etwa so viele Kalorien wie zwei Eier. Warum gibt der Körper das Sättigungsgefühl nicht an das Hirn weiter? Experimente mit Mäusen im Jahr 2017 zeigten, dass Alkohol Zellen im Hirn aktiviert, die sonst nur feuern, wenn der Körper hungert. Im Menschen wurde dieser Mechanismus bislang nicht nachgewiesen. Er könnte aber erklären, warum gerade deftige Speisen eine durchzechte Nacht perfekt abzurunden scheinen. Wie zum Beispiel Käsekrainer.

Der Würstelstand Leo, eröffnet 1928, ist nächtens der wichtigste Nahversorger für Besucher*innen der Gürtellokale rund um die Nussdorfer Straße. Sonntags sperrt er um Mitternacht, Montag und Dienstag um zwei Uhr, Mittwoch und Donnerstag um vier Uhr morgens zu. Während der Fortgehnächte überdauert „der Leo“ die anderen Imbissstände, die sich rund um die U6-Station angesiedelt haben. Nachts ist das Publikum jung, im Loco gibt es vor 20 Uhr Cocktails um 1,90 Euro, bei Shishita werden Wasserpfeifen wahlweise mit (vereistem) Bazooka-Schlauch serviert.

„Vom Uniprofessor bis zum Müllmann kommen alle her“, sagt Esterwitsch, 60, der wie seine drei Kollegen im Verkauf sowohl Tag- wie Nachtdienste schiebt. „Man muss jeden separat einstufen, wie er tickt.“ Ob der Stammkunde, der um elf Uhr vormittags eine Dose Gösser bestellt und plaudern will, oder der Mann, der erzählt, er sei Bankdirektor, aber von der Sozialhilfe lebt, Esterwitsch bemüht sich, den richtigen Ton zu treffen. Damit hat der gebürtige Niederösterreicher Erfahrung, arbeitete er doch seit Jahrzehnten in der Gastronomie, als Kellner in einem Fünf-Sterne-Hotel und später auf einem Expeditionsschiff. Seit drei Jahren ist er nun beim Leo. Hier plant er in Pension zu gehen.

Esterwitsch ist ein großer, breiter Mann und bewegt sich behände durch den winzigen Raum. Probleme gibt es hier auch nachts so gut wie nie. Wenn einmal jemand nicht aufhört zu schimpfen, sagt Esterwitsch, tritt er hinaus und baut sich vor der Person auf. „Bei meiner Statur überlegt man sich’s dann“, sagt er und demonstriert seine Deeskalationstaktik. Er hat recht.

Richtig vorsichtig ist er eigentlich nur bei Pärchen. Warum? „Man darf nicht zu nett zum Weiberl sein, sonst werden die Gockel manchmal aggressiv.“ Esterwitsch erlebt nicht nur den Exzess und das menschliche Balzverhalten bei Nacht, er kümmert sich auch um die Spätfolgen. Einmal, erzählt er, kam eine junge Frau, die sich erkundigte, ob er einen BH gefunden habe. Sie sei am Vorabend fortgegangen und ohne Busenhalter nach Hause gekommen. Nein, der tauchte nicht bei ihm auf.

Esterwitsch ist ein vornehmer Mann, er will hier keine Theorien zum Wäscheschwund am Wiener Gürtel verbreiten, sondern nur seine Beobachtung teilen: „Männer verlieren Jacken, Brieftaschen und Handys, Frauen Unterwäsche und Schlüssel.“ Vielleicht ist es auch einfach die Lage des türkisen Häuschens an der großen Kreuzung von Nussdorfer Straße und Gürtel, bei der U6, zwei Straßenbahnen und eine Buslinie halten, die es zum Fundbüro gemacht hat. Die Lade mit den Fundsachen ist schräg unter der Brotschneidemaschine. Aktuell liegt darin nur eine Geldbörse. Aber wer weiß, was die nächste Partynacht bringt.

Dieser Text stammt aus der aktuellen Ausgabe von „FALTERs Best of Vienna“, die man unter faltershop.at bestellen kann.

Lisa Kiss

Festival

Denkt man an die Donauinsel, denkt man an „Reif für die Insel” und natürlich an die große Gratis-Party, das Donauinselfest. Den Song über die Sehnsucht nach Sonne, Stand, Urlaub von Peter Cornelius können Sie übrigens live erleben, wenn der Schlagersänger mit Blueseinschlag am Samstag ebenda auftreten wird. In der Aufmacherstrecke der aktuellen Falter:Woche finden Sie die weiteren musikalischen Highlights des Inselfestivals, zusammengestellt von Gerhard Stöger. 

Donauinsel, Fr ab 16.00, Sa ab 11.00, So ab 12.00


Kabarett

Die Kabarettistin, Poetry-Slammerin und Kolumnistin Hazel Brugger ist „die böseste Frau der Schweiz“ und Deutschlands „beste Komikerin 2020“. Der Lockdown hat aber auch der deutschamerikanischen Schweizerin zugesetzt, die sich in ihrem neuen Programm „Kennen Sie diese Frau?“ im Chaos zwischen YouTube, Shitstorms, eigener Firma, älter werdender Eltern und bankrotter Künstlerkolleginnen die Frage stellt: Was will ich eigentlich wirklich – und inwiefern ist das weiblich? (Sara Schausberger)

Theater im Park, Fr 16.00


Theater

Das passt dem englischen Schriftsteller Andrew Wyke überhaupt nicht: Seine Frau, mithin sein „Besitz“, will ihn für einen jüngeren Emporkömmling verlassen! Also lädt er den Rivalen zu einem Gespräch auf seinen Herrensitz ein. Und dann beginnt ein grausames Spiel, das mit – mindestens – einem Toten endet. Der Mystery-Comedy-Thriller „Revanche - Mord mit kleinen Fehlern“ („Sleuth“ im Originaltitel) erschien 1970 und wurde 1972 mit Laurence Olivier und Michael Caine in den Hauptrollen großartig verfilmt. Obwohl der erste Akt ein bisserl zu lang geraten scheint, entschädigt der zweite, abschließende Akt absolut kolossal dafür. (Martin Lhotzky)

Scala, Fr, Sa 19.45

Dagmar Weidinger: Unterwegs im weiten Land. Gespräche über die Psyche

Die Seele ist ein weites Land, die Psychotherapie eine vielgestaltige Landschaft. Journalistin Dagmar Weidinger durchstreift sie mit Ortskundigen wie Verena Kast, Eugen Drewermann, Ingrid Riedel und Walter Ötsch. In 19 Interviews eröffnet sie Perspektiven und baut Brücken zu Religion, Philosophie, Soziologie, Feminismus und Politik.

Kritik an der „Reparaturwerkstatt der Gesellschaft" bekommt Raum. Getragen wird das Buch aber von der Überzeugung, dass Psychotherapie und Psychologie mit ihrem „Wissen über Gefühle, Bewusstseinszustände und neurowissenschaftliche Zusammenhänge [ ] ein vertieftes Verständnis für die Welt, die Umwelt, die Mitmenschen" ermöglichen. Mehr als um Wege zu individuellem Glück geht es daher um einen Beitrag zur Lösung kollektiver Fragen: Populismus und Neoliberalismus auf die Couch! (Felice Gallé) 

Mehr über das Buch unter faltershop.at

Wer sitzt dort auf dem Sofa? Ein Gast oder eine Schauspielerin?

Finden Sie es heraus, am Eröffnungswochenende im Südbahnhotel, beim Stationentheater durch das ganze Haus. Sie begegnen Angelika Niedetzky, Philipp Hochmair, Anita Eberwein, Florian Teichtmeister, Eckart Runge uvm.

Am Abend gibt Starviolonist Eckard Runge ein Konzert.

140 JAHRE SÜDBAHNHOTEL SEMMERING

KONZERT DUO RUNGE&AMMON

16. & 17. Juli

TICKETS ONLINE oder 02664 2690 200

Omas Nachspeise für Teufelskerle: Pudding aus der Tapioka-Perle

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Es gibt Nahrungsmittel, die sind weniger ein gustatorisches Erlebnis als vielmehr ein sensorisches. Man könnte auch sagen, sie beeindrucken mit ihrer Konsistenz und nicht mit großartigem Geschmack. Diverse Brausepulver etwa, die im Mund schäumen, platzen oder springen – wobei das schon eher ein Gruß aus der Hardcore-Abteilung der Action-Esswaren ist, die wohl kaum als wirkliches Nahrungsmittel durchgehen. Ein harmloseres Beispiel von geschmacklos, aber irgendwie trotzdem geil sind Tapioka-Perlen. Man kennt die durchsichtigen oder bunt eingefärbten, gummiartigen Stärkekügelchen spätestens seit dem Bubble-Tea-Hype Anfang der 2010er-Jahre oder in Kokosmilch schwimmend vom All-you-can-eat-Sushi.

Tatsächlich waren die Perlen aber bereits lange zuvor in der heimischen Küche in Verwendung: Seit Portugiesen die Kügelchen aus dem Mark der Sagopalme im 16. Jahrhundert aus Neuguinea nach Europa brachten, wurde mit den Sattmachern gekocht. Pudding hauptsächlich. Und der geht so: Für vier Portionen einen Dreiviertelliter Milch mit ca. 40 g Zucker und einem TL geriebener Zitronenschale in einem Wasserbad erhitzen. Langsam 50 g Tapioka-Perlen (gibt’s im Asia-Shop) einrühren. Bei schwacher Hitze etwa 20 bis 30 Minuten garen, bis die Perlen glasig sind. (Häufig umrühren, sonst verklumpen sie!) Topf vom Herd nehmen. Ein Eigelb mit einem EL Milch verquirlen. Einen EL vom heißen Tapioka in das Eigelb einrühren, dann mit dem Rest im Topf vermischen. Beiseite stellen.

Nun ein Eiweiß zu steifem Schnee schlagen und unter die Tapioka-Mischung heben. Pudding in Formen füllen, kaltstellen und mit Kompott oder Früchten essen.

Der Text stammt aus der Serie „Grundkurs kochen". Das gleichnamige Buch von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 112 Seiten, 4,90 Euro) ist im faltershop erhältlich.


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