Ausgebimmelt: Das Ende einer Straßenbahn-Ära - FALTER.morgen #355

Versendet am 29.06.2022

Übermorgen wird die Straßenbahn-Type „Emil 1“ endgültig aus dem Verkehr gezogen – damit verstummt auch der charakteristischen Klingelton, dem die Wiener Öffis ihren Spitznamen verdanken >> Vogel der Woche, Special Edition: Die Nachtigall, Teil 2 >> Film-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Die vergangenen Tage waren nur der Anfang, jetzt wird's so richtig heiß – heute bis 35 Grad, am Freitag noch mehr. Also: Möglichst wenige bewegen und verschiedene Versionen von Summertime ausprobieren, sei's von von Janis Joplin, Ella Fitzgerald oder Norah Jones.


Guten Morgen!

Woran würden Sie Wien mit geschlossenen Augen erkennen? Gar nicht so einfach zu sagen. Also ich vermutlich an der raffinierten Odeur von Pferdemist rund um den Stephansdom. Am Geschmack von Schlagobers an Kaffeehauskaffee (wenn ich gut drauf bin auch an dem des Hochquellleitungswassers). Und wahrscheinlich am Bimmeln der Straßenbahnen.

Wobei: Der Sound ist je nach Typ ja durchaus unterschiedlich. Die neueren Modelle machen durch ein fast keifendes Schrillen auf sich aufmerksam, Marke Exekutor an der Wohnungstüre. Die ganz alten – für Kenner: der Typ E1, unter Straßenbahnern auch Emil 1 genannt – hingegen klingeln so sanft wie eine Ministrantin bei der Wandlung: Bim, bim. Genau – daher der Spitzname der Wiener Öffis.

Dieses Geräusch verstummt am Freitag jedoch. Da wird der letzte Emil 1 aus dem Verkehr gezogen, und damit endet eine Ära. FALTER.morgen-Autor und Schienenverkehrskenner Bernhard Odehnal hat aus diesem Anlass einen schönen Nachruf verfasst, den Sie in erweiterter Form auch im gedruckten FALTER finden.

Wenn Sie noch einmal mit der Ur-Bim fahren möchten, haben Sie dazu noch drei Tage Gelegenheit auf der Linie 30 ab S-Bahnhof Floridsdorf. Und für alle, die das Bim-Bimmeln nicht missen wollen, hat mein Kollege Philipp Dietrich aus Aufnahmen von Odehnal ein kleines Video zusammengestellt, das Sie hier finden.

Außerdem gibt’s heute wie versprochen den zweiten Teil von Klaus Nüchterns Opus Magnum über die Nachtigall. Und, wie jeden Mittwoch, die besten Filmtipps von Michael Omasta.

Einen schönen Tag wünscht

Martin Staudinger

PS: Unsere Serie „Dafür kämpfen wir“ ist diese Woche ausgelaufen. Künftig werden wir an dieser Stelle jeden Montag ausgewählte Mails von FALTER.morgen-Leserinnen und -Lesern veröffentlichen. Schreiben Sie uns also bitte weiterhin so oft und engagiert wie bislang – ob mit Lob, Tadel oder Anregungen.


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Emil fährt aufs Abstellgleis

Die Wiener Linien mustern ihre ältesten Straßenbahnen aus. Damit verstummt auch der charakteristische Klingelton. Ein Nachruf von Bernhard Odehnal.

„Bim, Bim“ hallt es über den Vorplatz des Bahnhofs Floridsdorf. Und gleich nochmal der kennzeichnende Glockenschlag: „Bimmm“. In der Haltestelle eine Menschentraube, die Straßenbahnfahrerin muss bei der Einfahrt Warnsignale abgeben. So ist das oft hier, die Tramlinien über die Brünner Straße nach Stammersdorf gehören zu den am stärksten frequentierten der Stadt.

Ausgebimmelt: Ein Emil 1 der Linie 30 auf der Fahrt durch Floridsdorf © Bernhard Odehnal

Doch das „Bim, Bim“, Spitzname der Wiener Tram, wird nicht mehr lange zu hören sein. Denn die Straßenbahn-Type „E1“, von den Straßenbahnern auch „Emil Eins“ genannt, tritt mit 1. Juli ihre letzten Fahrt an. Statt dem charakteristischen Bimmeln hören Fahrgäste dann das elektrische Klingeln der modernen Fahrzeuge, oder ein abgespieltes mp3-File in den Niederflurstraßenbahnen ULF.

Schon 2016 kündigten die Wiener Linien die Ausmusterung von Emil Eins an. Doch der Abschied erfolgt auf Raten: Mit mehr als 50 Dienstjahren auf dem Buckel fahren noch die letzten an Werktagen auf der Linie 30 vom Schnellbahn-Bahnhof Floridsdorf nach Stammersdorf. Mit Ende des Schuljahres mustern die Wiener Linien auch diese sieben Züge aus. Das „Bim, Bim” verstummt.

Als im Jänner 1967 das erste Fahrzeug in Betrieb ging, war das für die Stadt der Anbruch einer neuen Ära. Dass Ende der 1960er Jahre überhaupt in neue Straßenbahnen investiert wurde, grenzt an ein Wunder. Damals sollte Wien autogerecht umgebaut werden, mit Autobahnen bis ins Zentrum. „Verkehrskonzept für Wien: Straßenbahn zum Tod verurteilt“ titelte der Kurier im Dezember 1970. Bürgermeister Felix Slavik und sein Nachfolger Leopold Gratz (beide SPÖ) änderten den Kurs, verwarfen Autobahnprojekte, der öffentliche Verkehr bekam mehr Stellenwert.

Erst hatten diese Züge noch eigene Schaffner. Die Bewegung der Fahrgäste war streng geregelt: Einstieg nur ganz hinten oder mit Zeitkarte ganz vorne. Ausstieg bei den beiden mittleren Türen. Mit dem schaffnerlosen Betrieb wurden die Regeln gelockert.

2009 bekamen die Emils sogar Rückspiegel. Jahrzehntelang hatte sich die Personalvertretung gegen Außenspiegel gewehrt. Sie fand es den Fahrerinnen und Fahrern nicht zumutbar, auch einen Blick zurück zu werfen. Schließlich sollten sie nicht verantwortlich sein, wenn etwa Fahrgäste in Türen eingeklemmt wurden.

Mit dem Emil Eins verschwinden in Wien auch die letzten Straßenbahnen, bei denen man die Fenster und nicht nur Luftschlitze öffnen kann. Wenn die letzten E1 parallel zur Brünner Straße mit 60 Stundenkilometer brausen, gibt das einen schönen Luftzug. In den ULFs müssen Fahrgäste hingegen ordentlich schwitzen: Die erste Generation dieser Niederflurzüge hat weder öffenbare Fenster, noch eine Klimaanlage.

Mit seinen größeren Rädern bot der Emil auch mehr Fahrkomfort. Er rumpelt nicht wie der ULF, er gleitet elegant. Und die Sitze mit brauner Holzmaserung wirken heute moderner als die roten Plastikschalen der jüngeren Tramgenerationen.

Wenn der letzte Emil dann in die Remise Floridsdorf einzieht, wird nicht nur der Klang der Glocke Geschichte sein. Zu Ende geht in Wien die Ära der schwarzen, runden Liniensignale aus Blech – neuere Trams haben LED-Anzeigen. Allerdings fährt auch heute ein einziger E1 mit den charakteristischen Blechtafeln, die anderen Züge haben provisorische Liniensignale aus Karton. Zu groß ist die Begehrlichkeit von Tramwayfans und Souvenirjägern: Sie montieren die Tafeln heimlich ab, hängen sie auf, oder verkaufen sie auf Flohmärkten.

Auch wenn Emil Eins bald Geschichte ist, leben Hochflurzüge wie er weiter: Sein Nachfolger E2 ist noch höher gebaut, hat eine dritte, ausfahrbare Stufe. Weil sich die Auslieferung der neuen Niederflurtrams vom Typ „Flexity“ verzögert, fährt Emil Zwei wohl noch bis 2025 durch Wien.

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Die Ukraine und Moldau sind jetzt also EU-Beitrittskandidaten. Das ist gut und wichtig – aber zu wenig. Denn es fehlt eine glaubhafte Mitgliedschafts-Vision.

Kristof Bender, stellvertretender Leiter der Europäischen Stabilitätsinitiative (ESI), in einem Gastkommentar auf falter.at über die kaputte Ost- und Balkanpolitik der EU.

Erinnern Sie sich an Fußgängerampel 02/034 beim Siemens-Nixdorf-Steg an der Brigittenauer Lände? Die, an der man gefühlt so lange warten musste, dass Passanten begonnen haben, Zettel mit Wutbotschaften an den Ampelmast zu picken?

© Oskar Schmid

Wir haben das vor ein paar Monaten zum Anlass für eine FALTER.morgen-Serie über die Wiener VLSA (Verkehrslichtsignalanlagen) genommen. Ein Teil des Problems von 02/034 bestand darin, dass Fußgängerinnen und Fußgänger nicht automatisch Grün bekamen – sie mussten dafür erst den Bedarfsknopf drücken. Die MA 33, die unter dem charmanten Namen Wien leuchtet für alle öffentlichen Lichter Wiens zuständig ist, hat damals bereits angekündigt, das zu ändern. Und siehe da: Inzwischen ist das tatsächlich auch passiert.

„Die VLSA wurde umgestellt – und im Zuge der Arbeiten auch gleich die ein Stück entfernte VLSA bei Obere Donaustraße ONr 29“, schreibt uns die MA 33 auf Nachfrage. „Beide VLSA haben inzwischen tagsüber eine sogenannte Daueranmeldung. Das heißt, zwischen 06:00 und 24:00 Uhr müssen Zufußgehende bei Querungswunsch nicht mehr drücken, denn die Grünphase kommt nun automatisch in jedem Umlauf.“


Das gab es schon lange nicht mehr: Im Austria Center Vienna stehen derzeit wieder dutzende Menschen für eine Corona-Impfung an. Am Montag musste die Stadt die Kapazitäten sogar um drei Ärztinnen und zehn Mitarbeiter aufstocken. Der Grund: Viele wollen sich vor den Ferien den vierten Pieks holen. Den bekommt man allerdings frühestens vier Monate nach der dritten Impfung (Grundimmunisierung).

Ein Überblick, wann Sie welche Teilimpfung bekommen:

© Stadt Wien


Kennen Sie das? Sie verlassen das kühle Treppenhaus und vor der Tür schlägt Ihnen die 35 Grad heiße Luft wie eine Watsche ins Gesicht. Mir schnürt es beinahe täglich die Kehle zu, wenn ich die zubetonierte Reinprechtsdorfer Straße in Margareten betrete. 

Wenn Ihnen jetzt ein Ort einfällt, der sich im Sommer besonders stark aufheizt, können Sie diesen Hitze-Hotspot hier eintragen – am besten mit Beschreibung und Fotos. Der Verkehrsclub Österreich will dadurch feststellen, wo sich die Hitze in der Stadt staut beziehungsweise welche Grätzeln am dringendsten Abkühlung bräuchten. 


Und wenn Sie dann noch Lust haben, können Sie den Politikern einen Vorschlag zur Umgestaltung Ihres Grätzels unterbreiten. Die Neos sammeln an vier Terminen im Juli Wünsche von Bürgerinnen und Bürgern und leiten diese dann an die Bezirksvorsteher weiter.

Wann & Wo:

06.07.2022 16:00 – 18:00 auf der Mariahilfer Straße/Neubaugasse

13.07.2022 16:00 – 18:00 im Donauzentrum U1 Kagran

20.07.2022 16:00 – 18:00 im Resselpark bei Karlskirche

27.07.2022 16:00 – 18:00 am Columbus-Platz

Wie wurde die Secession wegen ihrer markanten Kuppel im Volksmund genannt?

1) Spinatschädel

2) Moosdachl

3) Krauthappel

Auslösung von gestern: Einen Kanaldeckel haben Wiener Würstelstände zwar nicht im Angebot. Aber wenn man nach Kinderschas fragt, bekommt man Senf; und wenn man ein Krokodil verlangt, gibt's Essiggurkerl.

Königin der Märchen und Mythen:

Die Nachtigall (Teil 2)

Fortsetzung von gestern

Dem US-amerikanischen Autor Ambrose Bierce zufolge gibt es nur zwei Instrumente, die schlimmer sind als eine Klarinette: zwei Klarinetten. Ob Klarinette und Nachtigall dem Ohr des Sarkastikers aus Ohio genau so teuflisch getönt hätten? Kipper war jedenfalls „not amused“, als der Jazzmusiker David Rothenberg seine Klarinetten-Duette mit der Nachtigall just an einem Abend angesetzt hatte, an dem auch sie ihre Playback-Versuche mit ebendieser durchführen wollte.

Nachtigallengesang ist, sorry, reine Männersache © FALTER/Nüchtern

Ursprünglich hatte sich Kipper tatsächlich „in die Methode verliebt“. Nächtens mit Mikro und Aufnahmegerät durch den Park zu schnüren, sich von misstrauischen Polizisten ansprechen zu lassen – „Darf ich fragen, was Sie da eigentlich treiben?“ – und die Sonagramme des Nachtigallengesangs auf meterlangen Papierstreifen auszuwerten, hat sie fasziniert. Die Ergebnisse, zu denen sie gelangt ist und die in ihrem Buch breiter Raum gewidmet ist, können hier leider nur in aller Kürze angedeutet werden. Zunächst aber ein genderpolitisch eventuell unliebsames oder enttäuschendes Fakturm: Sorry, aber Nachtigallengesang ist reine Männersache. Es ist freilich nicht so, dass sich die Männchen einfach einen abzwitschern, während die Weibchen sich um Küche und Kinder kümmern, sondern das emanzipierte Nachtigallenpaar macht bei der Kükenfütterung fifty-fifty. Ja, es kommt noch besser: Die Geordnetheit der Gesangssequenz korreliert mit erhöhter Kükenfütterungsbereitschaft seitens der sozialen Väter. Hammer, oder?!

Mit „sozialer Vaterschaft“ ist der Umstand gemeint, dass der Typ, der das Küken füttert, auch bei den Nachtigallen nicht derjenige sein muss, der es gezeugt hat. Die „Einjahresehe“ dieser Vögel wird besser als „funktionale Monogamie“ definiert, und das bedeutet, dass es schon mal vorkommen kann, dass von fünf in väterlicher Fürsorglichkeit versorgten Kiddies kein einziges vom fütternden Männchen abstammt.  

Jetzt aber endlich zu dem, wofür die (oder eigentlich: der) Nachtigall berühmt ist. Wobei die Nachtigall bekanntlich nicht „singt“, sondern „schlägt“, was meines Erachtens ein sehr zutreffende Beschreibung ist, hat der Nachtigallengesang doch nichts Schmelzendes und kennt kein Legato. Am leichtesten sind für mich die so genannten Pfeifstrophen zu identifizieren: eine Abfolge von nahezu identischen Pfiffen, die zu einem Crescendo anschwellen, was von vielen offenbar als „schmachtend“ und „sehnsüchtig“ empfunden wird. Ich finde, es klingt, als würde sich die Nachtigall aufpumpen.

Der „eigentliche Gesang“ besteht aus vier Sekunden dauernden Strophen, die ihrerseits aus vier Teilen bestehen und mit ebenfalls etwa vier Sekunden langen Pausen abwechseln. Insgesamt 180 Strophentypen hat ein Nachtigallenmännchen im Repertoire, und das Erlernen desselben funktioniert erstaunlich ähnlich wie beim menschlichen Spracherwerb. Was es darüber noch zu sagen gäbe, und wo, wie und warum Nachtigallen ihre Rap-Battles austragen, bitte ich Sie bei Silke Kipper nachzulesen. Dem FaVoWa bleibt nur noch nachzutragen, dass er im Treptower Park nicht nur Nachtigallengesang gehört, sondern endlich auch einmal eine Nachtigall gesehen und geknipst hat. Auch wenn das Foto nicht gerade National Geographic-Standards genügt, kann man sehen, dass die Nachtigall gar nicht so schlicht und unscheinbar ist, wie immer behauptet wird. Ich finde das Braun jedenfalls sehr hübsch. Und werde mich das nächste mal wieder deutlich kürzer fassen, versprochen! 

Lisa Kiss

Literatur

Im Frühjahr 2020 gründete die Autorin Barbara Zeman eine Internet-Literaturshow. Seit 2021 ist Der großartige Leseklub live – mit  abwechselnden Vorleserinnen, Musik und Kunst. Nun wird Veza Canettis Roman „Die Schildkröten” vorgestellt,  Burgschauspielerin Safira Robens liest. Dominik Louda zeigt Kunst. Sounds kommen von Sophia Blenda, dem Soloprojekt von Sophie Löw von der tollen  Band Culk. Sie spielt Lieder aus ihrem bald erscheinenden Album „Die neue Heiterkeit”. (Sebastian Fasthuber)

Literaturhaus, 19.00

Kaśka Bryla: Die Eistaucher

Es könnte ein Idyll sein: Eine junge Wiener Patchworkfamilie beitreibt einen Campingplatz im polnischen Naturschutzgebiet, in dem Wölfe gegen Saisonende ihre Scheu ablegen. Aber schon steht in Kaśka Brylas Roman die rachsüchtige Vergangenheit vor der Tür.

Zwei Zeitebenen laufen auf ein Ziel zu: einen Brandanschlag als fatale Vergeltung für ein gemeines Verbrechen, das einst in Wien verübt wurde. Der Rückblick beginnt mit dem ersten Schultag Igas, Sašas bester Freundin, in der Maturaklasse eines sauteuren Privatgymnasiums. Die hochbegabte Schulschwänzerin bleibt nicht lange Außenseiterin, bald bildet sich um die charismatische Longboardfahrerin eine Bande: zwei verwöhnte Lyrik-Schwärmer, die stilbewusste Jess sowie der talentierte, fresssüchtige Ras. (Dominika Meindl)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Michael Omasta

Memoria

Tilda Swinton spielt die Hauptrolle in Weerasethakuls neuem Spielfilm © Verleih

Jessica, eine an Schlafstörungen leidende Orchideenexpertin aus Schottland (quasi somnambul: Tilda Swinton), beginnt auf einer Reise in Kolumbien seltsame Geräusche wahrzunehmen: Ein Urton aus den Tiefen des Seins sucht sie gleich eines Tinnitus heim. Eigentlich wollte sie nur ihre mysteriös erkrankte Schwester besuchen, doch schon bald findet sie sich in einem unterbewussten Sinnesrausch wieder, der die Geschichte des Landes, eigene und fremde Erinnerungen sowie Träume zu einer metaphysischen Kinoerfahrung vermischt - und zuletzt buchstäblich ins Kosmische abhebt.

Regie: Apichatpong Weerasethakul, D/F/COL/MEX/QAT/THAI 2021


Cop Secret

Bussi ist der Supercop Reykjavíks. Ein richtiger Mann mit Pilotenbrille und Lederjacke, der ohne Alkohol nicht funktioniert, keine Regeln kennt und in Gewalt eine Lösung sieht. Als er bei einer mysteriösen Reihe von Banküberfällen nicht weiterkommt, stellt seine resolute Chefin ihm den pansexuellen Hördur im zu engen Slimfit-Anzug an die Seite. Die in Wahrheit verschlafene Hauptstadt Islands wird hier augenzwinkernd zum Hot Spot des Verbrechens und weil es 2022 ist, setzt Regisseur Halldórsson dem Buddy-Film noch ein queeres Hauberl auf. (Martin Nguyen)

Regie: Hannes Por Halldórsson, ISL 2021


Chiara

In der kalabrischen Hafenstadt Gioia Taura führt die 15-jährige Chiara das scheinbar normale Leben eines Teenagers: Bis ihr Vater plötzlich verschwindet und wegen Mitgliedschaft in der Ndrangheta polizeilich gesucht wird. In einem bedrückenden Klima des Schweigens beginnt das Mädchen eigene Nachforschungen anzustellen. Das fiebrig-intime Drama richtet den Blick auf die wenig beachteten Ränder familiärer Verstrickungen innerhalb der Mafia. (Filmdienst)

Regie: Jonas Carpignano, I/F 2021


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