Nachhilfe-Abzocke? Vorwürfe gegen Wiener Startup GoStudent - FALTER.morgen #356

Versendet am 30.06.2022

Zockt das Nachhilfe-Startup GoStudent Eltern ab? Ein ehemaliger Mitarbeiter packt über dubiose Verkaufspraktiken aus >> Wir schicken Sie raus ins Familienbad >> Fassadenleser Klaus-Jürgen Bauer über ein auffallend symmetrisches Hochhaus am Donaukanal

Wetterkritik: Durchhalten, heißt die Devise – heute wieder sehr heiß, morgen anfangs auch nochmal. Aber gegen das Wochenende hin sollte starker Westwind eine spürbare Abkühlung bringen.


Guten Morgen,

auch wenn Sie keine schulpflichtigen Kinder haben, wird Ihnen nicht entgangen sein, dass die Sommerferien kurz bevorstehen – und da füllt sich die Stadt traditionell mit Schülergruppen. Am Hohen Markt warten täglich dutzende Teenies mit hochroten Köpfen in der Mittagshitze, um die Figuren der Ankeruhr um Punkt 12 paradieren zu sehen. Und in den Öffis in der Innenstadt ist es noch lauter und noch gedrängter als sonst.

Mit dem Ende des Schuljahres endet für viele Schülerinnen auch die lästige und teure Nachhilfe. Der Sommer gehört schließlich dem Freibad (wir haben weiter unten die passenden Tipps für Sie).

Aber was, wenn man ein Nachhilfe-Abo abgeschlossen hat, wie es beim Wiener Startup GoStudent üblich ist? Da kommt man so schnell nicht wieder raus, berichtet ein ehemaliger Mitarbeiter. GoStudent gehe es nämlich nicht um den Lernerfolg der Kinder, sondern nur darum, Geld zu verdienen. Mit miesen Verkaufstricks würden die Mitarbeiter versuchen, Kunden zu ködern. Wie das funktioniert und was Konsumentenschützer zu den Praktiken sagen, lesen Sie gleich im Anschluss.

Außerdem: Florian Klenk geht der Frage nach, ob der Bauernbund von der Bundesregierung 300.000 Euro an Inseraten bekommen und der ÖVP im Gegenzug ein Darlehen erlassen hat. Und Fassadenleser Klaus-Jürgen Bauer hat ein modernistisches Gebäude am Donaukanal entdeckt, das eigentlich besser nach Berlin passen würde.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl


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Wenn man Einblick in das Unternehmen hat, wird einem schlecht”

Das hochgelobte Nachhilfe-Startup GoStudent soll versuchen, seine Kunden mit dubiosen Verkaufstricks abzuzocken. Der Lernerfolg der Kinder? Angeblich völlig egal. Ein ehemaliger Mitarbeiter packt im FALTER.morgen-Interview aus.

Sechs Monate lang hat Chrissi* im direktem Kundenkontakt bei dem Nachhilfe-Startup GoStudent gearbeitet (wir haben über die niedrigen Qualifikationsanforderungen bei den Nachhilfelehrern berichtet) und dabei hautnah Verkaufspraktiken erlebt, die mehr als dubios zu sein scheinen: „Man glaubt, das gibt es nur im Film, aber so läuft das dort wirklich". Im FALTER.morgen-Interview packt Chrissi aus.

Wir haben GoStudent bereits Anfang der Woche mit allen Vorwürfen konfrontiert, die im Folgenden zur Sprache kommen – eine Antwort des Unternehmens ist aber bislang ausgeblieben.

Sie sagen, die Verkaufspraktiken sind dubios. Wie läuft das ab? 

Alles beginnt mit der Gratis-Probestunde, die der Kunde auf der Website buchen kann. Hat er das getan, ist er ein Lead, so werden die Interessenten genannt. Ab diesem Zeitpunkt haben die Sales-Mitarbeiter seine Kontaktdaten und sie haben ihn. 

Wie geht es weiter?

Bei der Probestunde bekommt man kompetente Tutoren, die gut mit Kindern können. Dann wird der Lernplan erstellt. Da geht es aber nicht darum, den besten Lernerfolg für das Kind zu erzielen, sondern dem Kunden einen Vertrag für 48 Monate anzudrehen. Mitarbeiter, die einen anderen Ansatz verfolgen, etwa einen optimalen Lernplan zu erstellen, werden aussortiert und in die Kundenbetreuung geschickt. 

Ist das tatsächlich passiert?

Ja. Ich hatte eine Kollegin, die wollte sich intensiver mit den Kunden beschäftigen und ihnen einen passenden Lernplan vorstellen. Ihr wurde dann nahegelegt, in die Kundenbetreuung zu gehen. Das ist dann auch passiert. Ich habe sie im Customer-Service eingeschult. 

„Bei der Probestunde bekommt man kompetente Tutoren, die gut mit Kindern können." © GoStudent

Was ist, wenn ein Schüler die Nachhilfe nicht für 48 Monate, sondern nur für kurze Zeit braucht?

Es wird immer versucht, das längste und teuerste Abo anzubieten. Wenn du das als Kunde nicht brauchst, versuchen dich die Verkaufsmitarbeiter sukzessive zum Abschluss zu bringen. Die Verkäufer sind darauf geschult, Verträge über mindestens 12 Monate abzuschließen. Das geringste Abo wäre sechs Monate. Aber das akzeptiert fast kein Verkäufer. Wenn man einen Einblick in das Unternehmen hat, wird einem schlecht.

Wie bringt man einen Kunden zum Abschluss?

Die ganze Kommunikation ist auf’s Telefon beschränkt. Es gibt keine schriftlichen Vereinbarungen. Wenn jemand etwas Schriftliches anfordert, wird er vertröstet. Man sende die Verträge nachträglich zu, heißt es dann. Also nach dem Verkaufsabschluss. Es geht nur darum, dass die Kunden einen mündlich bindenden Vertrag eingehen. Da kommen sie dann nicht mehr raus.

Es gibt ein gesetzlich vorgeschriebenes Widerrufsrecht im Fernabsatz. Das sieht eine 14-tägige Rücktrittsfrist vor.

Ja, das ist gesetzlich vorgeschrieben. Aber darauf weist die Kunden niemand hin. Das steht nur irgendwo kleingedruckt in den AGBs. 

 Sie sagen, dass die Verträge automatisch nach Laufzeitende verlängert werden. Wie funktioniert das?

Das ist die größte Schweinerei. Die Verträge verlängern sich automatisch um die volle Laufzeit – und zwar zu dem Zeitpunkt, an dem man abgeschlossen hat. Wenn ich also im Mai einen dreijährigen Vertrag eingehe und nicht kündige, verlängert sich der Vertrag automatisch um drei weitere Jahre. Die Verkaufsmitarbeiter machen sich darüber lustig, dass den Leuten jeden Monat Geld von ihrem Konto abgebucht wird und sie es nicht merken. Ich habe persönlich genug Fälle bearbeitet, wo sich die Kunden darüber beschwert haben. 

Was sagen die Kunden bei so einem Gespräch?

Das sind sehr emotionale Calls. Einmal hat ein Mann angerufen, der gerade ein Haus gebaut hat. Er hatte einen Vertrag für 48 Monate abgeschlossen. Nach zwei Wochen rief er an und sagte, er kann nicht mehr, er hat sich beim Hausbau verkalkuliert. Auf seinem Konto sei nichts mehr drauf. Der hatte einen Vertrag mit einer monatlichen Abbuchung von 140 Euro. Ich habe mir dann den Sales-Call angehört. Das war echt grenzwertig. Er hat nicht einmal genau gewusst, was er da bestätigt. Ihm wurde das Blaue vom Himmel erzählt, man wolle das Kind mit den besten Lernplänen unterstützen und so weiter. Er hat sich schließlich bequatschen lassen und abgeschlossen. Du kannst ihm dann nichts anderes sagen als, du bist an den Vertrag gebunden. Es geht nicht darum, dem Kind eine Lernhilfe zu bieten. Es geht nur darum auf tiefste Weise zu keilern. Ob der Kunde eine andere Sprache spricht, ist relativ egal. 

Die Verkäufer nutzen es aus, wenn der Kunde nicht Deutsch spricht?

Ja. Ich hatte in der Kundenbetreuung eine Frau am Telefon, die sich über ihren Vertrag gewundert hat. Sie hat behauptet, sie hätte nie ein Abo abgeschlossen. Unser Gespräch fand auf Englisch statt, weil sie kein Deutsch gesprochen hat. Ich habe mir den Verkaufs-Call dann selbst angehört und es war definitiv klar, dass sie nicht wusste welche Verpflichtung sie eingeht. Da müsste der Sales Mitarbeiter eigentlich Stopp sagen. Aber er hat abgeschlossen. 

Das gesamte Interview lesen Sie hier.

Sowohl beim Verbraucherschutz (VKI) als auch bei der Arbeiterkammer in Oberösterreich und der Steiermark sind Beschwerden über die Praktiken von GoStudent eingegangen. Der VKI hat in einem Fall die unzulässige Vertragsverlängerung gerichtlich bekämpft und Recht bekommen. Man habe das Gefühl, dass Druck ausgeübt wird, um Geld zu verdienen, heißt es vom Verbraucherschutz.

* Seinen Namen, Dienstort und sein Geschlecht will Chrissi aus Angst vor Konsequenzen nicht öffentlich machen. FALTER.morgen liegt sein Dienstvertrag vor.

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Gentechnik, Pestizide, Fleisch und Soja – Disput um die nachhaltige Landwirtschaft

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In der aktuellen Podcast-Folge bei Raimund Löw: Buchautor Matthias Krön („Eine Bohne rettet die Welt“) versus Agrarwissenschaftler und Autor Timo Küntzle („Landverstand“) samt Input von FALTER-Journalistin Gerlinde Pölsler.

900 freie Plätze gab es in den Sommerdeutschkursen für geflüchtete ukrainische Schulkinder. Die Termine für die Onlineanmeldung waren aber schnell vergeben. Wer noch keinen Platz ergattert hat, kann sich heute ohne Termin von 15 bis 19 Uhr im Bildungszentrum in der Tegetthoffstraße 1 anmelden.

Teilnehmen können ausschließlich schulpflichtige Kinder bis zur 8. Schulstufe, die bereits eine österreichische Schule besucht haben.

Florian Klenk

Steuergeld für Propaganda

Die Bauernbund-Affäre demonstriert, wie ein schwarzes Handerl mit Steuergeld das andere wäscht – auch auf Kosten der eigenen Klientel.

Hat der Bauernbund von der Bundesregierung 300.000 Euro an Inseraten für die Bauernzeitung bekommen und dann – quasi als Kickback – der ÖVP 300.000 Euro Darlehen erlassen? Vergangene Woche ließ der SPÖ-Abgeordnete Kai Jan Krainer mit einer doch sehr erstaunlichen Recherche aufhorchen. Die Opposition wollte wissen, wie viel Geld über die Bauernzeitung an den Bauernbund geflossen ist. Man konnte – um diese Frage zu beantworten – die Transparenzdatenbank konsultieren, die die Regierungsinserate verbucht. Dort waren es zwischen 123.000 und 190.000 Euro pro Jahr. Rund 100.000 Euro machte der damalige Sprecher von Elisabeth Köstinger, Daniel Kosak, als Inseraten­volumen freihändig aus. Doch die Datenbank zeigt nicht die ganze Wahrheit.

Tatsächlich floss weit mehr Geld vom Landwirtschaftsministerium an den Bauernbund, wie Krainer mithilfe des Rechnungshofes herausfand. Im Wahljahr 2017 waren es 511.000 Euro, die der dem Bauernbund zugehörige Österreichische Agrarverlag laut Rechnungshof erhielt. Zum Vergleich: In den Jahren zuvor flossen zwischen 64.000 und 154.000 Euro. Diese Summen lukrierte der Bauernbund-Verlag (die Gesellschafter sind NÖ-ÖVP-Abgeordnete, die ihre Anteile treuhänderisch halten) nicht für Inserate, sondern für das Sonderheft „Landreport“. Der damalige Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter hatte das Hochglanzmagazin ins Leben gerufen, europaweit ausschreiben lassen und dann den Auftrag dem Bauernbund-Verlag zugesprochen.

Bauernbund-Magazin „Landreport“: Kanzler, Landeshauptleute, Minister abgefeiert © Screenshot

Das Ganze diente der Eigenvermarktung Rupprechters – und es spülte wohl auch satte Gewinne in die Kassen der ÖVP-Vorfeldorganisation. Eine Win-win-Situation. Köstinger ließ das Magazin – das auch Sebastian Kurz und Johanna Mikl-Leitner abfeierte – dann einstellen, aber da der Vertrag mit dem Bauernbund-Verlag gültig war, produzierte dieser jedes Jahr ein paar „Bildungsreports“, die bis zu 70.000 Euro kosteten.

Ende 2018 förderte der Niederösterreichische Bauernbund laut Buchhaltungsunterlagen, die dem FALTER vorliegen, die ÖVP, indem man auf ein Darlehen verzichtete.

Eine Straftat? Nein. Den Zahlungen stehen tatsächlich produzierte Hefte gegenüber, die wohl auch einen Wert haben. Aber wirklich gebraucht werden die Zeitungen vermutlich nicht. In Wahrheit wäscht ein schwarzes Han­derl das andere, und der Finanzier des Ganzen sind der Steuerzahler und die Bauernschaft, die statt kritischer Medien ein ÖVP-Magazin nachhause geschickt bekommt, das die ­Bauernstuben mit Propaganda zumüllt, statt mit Berichten über ihre Lage zu versorgen. Es ist an der Zeit, dass solche Deals verboten werden.

Auch für die SPÖ, wohlgemerkt. Sie treibt das gleiche Spiel, allerdings weniger durchsichtig.

Die legendäre FALTER Wuchtelwette geht in die nächste Runde. Dieses Jahr können Sie erstmalig bei der Frauen-Fußball-EM mittippen. Los geht's mit dem Spiel England gegen Österreich am 6. Juli. Also höchste Zeit, sich zu registrieren.

Jeder richtige Tipp wird mit einem von 6.200 6er-Tragerln FALTER Wuchtel Bräu belohnt. Zu gewinnen gibt es zudem weitere Sachpreise, darunter einen Aktivurlaub in der AlpenParks Hagan Lodge in Altaussee im schönen Salzkammergut oder ein Vintage Citybike von PBIKE.AT.

The Wine Rebellion

Vor drei Jahren machte der junge Kärntner Sommelier Felix Neubauer am Ruth-Klüger-Platz, der damals noch nicht so hieß, seinen kleinen Weinhandel namens The Wine Rebellion auf: biologische und biodynamische Weine von kleinen, individuellen Betrieben mit großer Philosophie. Und als voriges Jahr daneben die bezaubernde, aus der Zeit gefallen wirkende Blumenhandlung Raphacla de’ Martin zumachte, griffen Neubauer und der mittlerweile dazugestoßene Timo Muliar zu.

Das Innere der Bar wird nicht unbedingt einen Designpreis gewinnen, wirkt etwas provisorisch. Der Schanigarten ist großartig, mit der kleinen Einschränkung, dass Felix Neubauer da alte Kirchenbänke reinstellte – originell, aber bequem ist anders. Wurscht, denn erstens hat der junge Mann echt tolle Weine auf seiner Karte, Flaschen, die er über Jahre für den richtigen Moment aufhebt, je experimenteller, desto besser.

Und zweitens reaktivierte er seinen alten Kumpel Florian Schagerl, der bei Mraz & Sohn und im Aend war. Von ihm werden Sachen wie ein Grilled-Cheese-Sandwich im Sando-Style serviert, gefüllt mit zwei verschiedenen Käsen und Frühkraut, dazu eine Chili-Kimchi-Mayonnaise – kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal so tollen Käsetoast hatte (€ 9,–).

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

Wie vielen Personen gewährte Kaiser Franz Josef im Laufe seines Lebens eine Audienz?

1) 90.000

2) 260.000

3) 1.050.000

Auflösung von gestern: Die Secession wurde im Volksmund wegen ihrer markanten, floralen Kuppel auch „Krauthappel“ genannt (nicht „Spinatschädl“ oder „Moosdachl“).

Heiß ist es, heiß wird es, heiß bleibt es. Und das trifft besonders hart alle, die nicht gleich mit Ferienbeginn in die Sommerfrische abrauschen können – oder vielleicht gar nicht. Und da wieder vor allem die Kinder. Deshalb schicken wir Sie heute raus in die elf Wiener Familienbäder.

Wer darf dort pritscheln? Kinder unter 8 Jahren mit einer erwachsenen Begleitperson (ab 18 Jahren); Jugendliche von 15 bis 18 Jahren nur gemeinsam mit einer erwachsenen Person und einem Kind unter 15 Jahren als Familie. Für Badegäste bis zum Alter von 14 Jahren ist der Eintritt gratis, Begleitpersonen zahlen 3,40 Euro. Die Familienbäder sind die ganze Woche von 10 bis 19.30 Uhr geöffnet (bei Schlechtwetter.

Flache Pools machen die Familienbäder besonders kleinkindgerecht © Stadt Wien

Und wo sind die Standorte der Familienbäder?

Tipps für alle, die in Wien mit Kindern zu tun haben, bietet auch der Stadtführer „Kind in Wien“, der gerade in einer aktualisierten Neuauflage im Falter-Verlag erschienen und unter faltershop.at zu beziehen ist.

Lisa Kiss

Literatur

Nach zwei Jahren pandemiebedingter Pause gibt es wieder „An Evening with David Sedaris”, natürlich „in english“. Die meisten Geschichten des Autors, der seiner Heimat den Rücken gekehrt hat und mit seinem Lebensgefährten mittlerweile in England und der Normandie lebt, sind ziemlich schamlos autobiografisch und sehr witzig. Sie handeln von seiner Familie, seinem griechischen Erbe, Drogensucht, Homosexualität und den Komplikationen, die sich für einen Amerikaner in Europa in kultureller Hinsicht zuweilen ergeben können. (Sebastian Fasthuber)

Gartenbaukino, 19.30


Musiktheater

Mit Ende des Monats übergibt Volksoperndirektor Robert ­Meyer das Zepter an Lotte de Beer. Doch bevor es so weit ist, findet zu Saisonende eine große Abschiedssause statt. Auf dem Programm von „Sag zum Abschied lautstark Servus!“ stehen Gustostückerl aus den vergangenen 15 Jahren, kurz und knackig präsentiert von Ensemble, Orchester, Chor, Ballett sowie dem Kinder- und Jugendchor, die den scheidenden Impresario noch einmal hochleben lassen. (Miriam Damev)

Volksoper, 19.00

Fabio Wolkenstein: Die dunkle Seite der Christdemokratie

Die sozial-und politikwissenschaftliche Forschung zeigte bislang wenig Interesse an der Christdemokratie. Die Bücherregale sind viel mehr gefüllt mit Literatur zu Populismus, konservative Parteien kommen dabei als verstärkende und normalisierende Kräfte in den Blick. Das angespannte Verhältnis zu Demokratie, Pluralismus und individuellen Rechten wurde bislang kaum systematisch untersucht. Das vorliegende Buch füllt dieses Vakuum. Eloquent geschrieben, beleuchtet es die Spannungslinien zwischen Demokratieentwicklung und Demokratiegefährdung -wobei Letzteres hier und heute die besondere Aufmerksamkeit verdient. (Sieglinde Rosenberger)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Der Hochpunkt

Der Architekt Josef Vytiska war eine politische Figur. Im Jahr 1935 nämlich baute dieser neben dem Gemeindebau Sandleitenhof die Kirche St. Josef, ein bedeutendes Statement der Zwischenkriegszeit und der Beginn eines Rekatholisierungsprogramms. Mithilfe solcher Behelfskirchen sollten aus gottlosen Marxisten in den Gemeindebauten des Roten Wien brave Katholiken des Schwarzen Wien werden. Als sich der gebürtige Wiener Vytiska im Jahr 1942 jedoch demonstrativ zur tschechischen Nation bekannte, erhielt er ein Berufsverbot.

Nach dem Krieg wurde er dann zu einem der meistbeschäftigten Architekten des Wiederaufbaus. Bei Vytiskas elegantem Wohnturm am Franz-Josefs-Kai 11 etwa spürt man deutlich den Einfluss seines Lehrers Peter Behrens.

Auffallend symmetrisch: Wohnturm am Franz-Josefs-Kai 11 © Klaus-Jürgen Bauer

Das auffallend symmetrisch und axial ausgerichtete, funktionalistische Gebäude mit seiner dunklen Sockelzone stammt aus dem Jahr 1951. Das Haus hat eigentlich keine wienerische Anmutung, sondern ist eher mit dem modernistischen Berolinahaus von Behrens in Berlin verwandt. Die Loggien sind geschickt in die Baumassen integriert und die verschiedenen Kuben nehmen die Höhen des Bestandes auf. Gleichzeitig aber schuf Vytiskas auch einen neuen Hochpunkt, der kurze Zeit später vom Ringturm übertrumpft wurde.


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