Ludwig und die Putin-Clowns: Das Klitschko-Protokoll - FALTER.morgen #357

Versendet am 01.07.2022

Was beim Termin zwischen dem Wiener Bürgermeister und den Kreml-Propagandandisten besprochen wurde >> Das Westend, eines der traditionsreichsten Cafés der Stadt, steht vor dem Aus >> Wochenend-Tipps von Lisa Kiss >> Grundkurs Kochen: Melanzani im Backteig

Wetterkritik: Wem die derzeitige Hitze zu schaffen macht (also eigentlich eh fast allen), der kann sich auf heute Abend freuen – da dürfte Westwind aufkommen, der die heiße Stadtluft vertreibt. Aber Achtung auf Balkonpflanzen, Gartengarnituren etc.: Es könnte durchaus stürmisch werden. Am Samstag dann wolkenlos, aber etwas kühler. Allerdings nur kurz, am Sonntag wird's schon wieder sehr heiß.


Guten Morgen!

Sie haben gestern vermutlich Besseres zu tun gehabt, als sich auf fragwürdigen russischen Video-Plattformen herumzutreiben (es sei denn Sie sind beim Geheimdienst oder so) – wobei: auf einer davon, sie heißt rutube, war für den Abend eine besondere Lustbarkeit mit Wien-Bezug angekündigt: Aufnahmen von Bürgermeistern europäischer Hauptstädte, die durch gefakte Gespräche mit ihrem Kiewer Amtskollegen Vitali Klitschko reingelegt worden waren. Unter den Gelackmeierten befindet sich auch der Michael Ludwig.

Promis mit falschen Anrufen reinzulegen hat eine gewisse Tradition, und es gibt durchaus ein Publikum, das derlei lustig findet. In diesem Fall war das aber weder witzig, noch harmlos – sondern Teil der russischen Propaganda.

Der FALTER hat ausführlich über den sogenannten „Prank“ gegen Ludwig berichtet und bereits angedeutet, was die Tagesschau dann bestätigte: Zwei russische Comedians, die dem Putin-Regime nahestehen, haben sich zu der Video-Falle bekannt: Vladimir Krasnov und Alexei Stolyarov. Sie treten in Russland unter den Künstlernamen „Vovan“ und „Lexus“ auf, legen regelmäßig Promis aufs Kreuz, um sie als dekadent vorzuführen  (etwa den ehemaligen US-Präsidenten George W. Bush oder Harry-Potter-Autorin J.K. Rowling). Sie kündigten für Donnerstag abend an, die „besten Scherzen“ aus den Gesprächen mit den europäischen Bürgermeistern online zu stellen.

Bei Redaktionsschluss war das Video noch nicht online. Ein dem FALTER vorliegendes Protokoll des Gesprächs zwischen Ludwig und dem falschen Klitschko gibt aber erstmals Einblicke, wie es abgelaufen ist. Der Fake-„Klitschko" hat Ludwig offenbar mehrmals in eine peinliche Situation zu locken versucht – der wehrte aber ab, so das Rathaus. Mehr darüber erzähle ich Ihnen gleich unten.

Außerdem: das legendäre Café Westend am Gürtel sperrt zu. Das teilte mir gestern der Cafetier Hans Diglas junior mit. Wird die Stadt zulassen, dass das schönste Kaffehaus Wiens für immer schließt?

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Florian Klenk


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Das vertrauliche Rathaus-Protokoll des Telefonats

Wer hat die Bürgermeister von Wien, Madrid und Berlin aufs Kreuz gelegt? Wer steckt hinter dem kompromittierenden Gespräch zwischen Wiens Landeshauptmann Michael Ludwig und dem falschen Kiewer Bürgermeister Vitali Klitschko? Und vor allem was hat Ludwig mit dem Fake-Klitschko besprochen? 

Dem FALTER liegen exklusiv die Ermittlungsakten über den Fake-Anruf der Putin-Clowns im Wiener Rathaus vor. Sie zeigen, wie die Komiker versucht haben, Ludwig aufs Glatteis zu führen. Er sollte mit einer Ukraine-Flagge wacheln, einen ukrainischen Gruß in die Kamera sprechen und die Beschlagnahme russischer Vermögenswerte in Wien fordern. Offenbar ist der Bürgermeister aber der Peinlichkeit ausgewichen. Zumindest steht es so in dem Protokoll des Rathauses mit dem Titel: „Videocall mit Kiew, am 22. Juni 2022“. 

Was hat Michael Ludwig mit dem Fake-Klitschko besprochen? @ APA/EVA MANHART

Ludwig soll dem Dokument zufolge im Beisein seines Pressesprechers und einer hohen Beamtin sowie zweier technischer Assistenten mit Klitschko konferiert haben. Das Protokoll über das Gespräch wurde von Mitarbeitern der Stadt erstellt und unterfertigt. FALTER.morgen dokumentiert daher das Rathaus-Protokoll im O-Ton – unter ausdrücklichem Hinweis darauf, das Video der Comedians noch nicht gesehen zu haben.

„Eingangs bedankt sich `Klitschko‘ für die erfolgten Hilfsleistungen der Stadt Wien. Er erkundigt sich bei HBGM Ludwig über die Situation der ukrainischen Flüchtlinge in Wien. HBGM Ludwig betont die Solidarität mit der Ukraine und nennt Beispiele, was seitens der Stadt Wien im In- und Ausland getan wurde und wird (Hilfslieferungen, Ankunftszentren, Benefiz-Konerte, Schulplätze etc.) „Klitschko“ behauptete schließlich, dass Wien eine russland-freundliche Stadt sei.

„Klitschko“ fragt HBG Ludwig, wann Besitz russischer Oligarchen in Wien enteignet und dem ukrainischen Volk zugeführt werden könne. HBGM verweist darauf, dass dies nicht im Kompetenzbereich der Stadt Wien liege, verweist auf die Europäische Union und betont stattdessen nochmals welche Hilfeleistungen bereits erfolgt sind“.

Dann vermerkt das Protokoll, dass der „Gesprächston von „Klitschko“ mit der Zeit fordernder“ wurde, „was HBGM Ludwig als Folge der außergewöhnlichen Stressbelastung des Bürgermeisters von Kiew in Kriegszeiten wertete.

Abschließend fordert Klitschko Herrn Bürgermeister dazu auf, mit der ukrainischen Tischfahne in der Hand – diese wurde, wie bei jedem internationalen Gespräch gemeinsam mit der Fahne des Landes Wien als Zeichen der Freundschaft aufgestellt – einen ukrainischen Gruß in die Kamera zu zitieren“. Doch Ludwig, so das Protokoll, lehnte ab „unter dem Hinweis, das Wiener Rathaus sei ohnehin mit der Ukrainischen Flagge dekoriert“.

Wieso Ludwig überhaupt glaubte, dem echten Klitschko gegenüber zu sitzen, lesen Sie hier.

Jazz im Südbahnhotel

Der Bursche ist wie Sprengstoff, meinte Frank Sinatra, nachdem er den jungen Pianisten Monty Alexander gehört hatte. Aus Jamaika nach New York gekommen, war er bald mittendrin im Jazzgeschehen. Sein Handwerk hat er in Rhythm’n‘Blues-, Calypso- und Ska-Bands gelernt, er gilt als begnadeter Virtuose, dessen Spielfreude und Draht zum Publikum auf Anhieb überwältigen.

Hervorragender (Unterhaltungs-)Jazz, der gute Laune verspricht.

Termin: 22. Juli, 19.30 Uhr – Südbahnhotel Semmering

TICKETS ONLINE oder 02664 2690 200

Worin unterscheidet sich der Wiener Dudler vom Tiroler Jodler?

1. Der Dudler wird hauptsächlich in geschlossenen Räumen gesungen.

2. Der Dudler wird mit Kopfstimme gesungen, der Jodler mit Bruststimme.

3. Ein Dudler dauert mindestens 5 Minuten, ein Jodler kann auch nach einer Minute vorbei sein.

Auflösung von gestern: Kaiser Franz Josef gewährte in seinem Leben 260.000 Personen eine Audienz (nicht 90.000 oder 1.050.000). Ob Bundespräsident Alexander Van der Bellen bis zum Ende seiner Amtszeit ähnliche viele Angelobungen schafft?

Florian Klenk

The End of Westend

Energiekrise, hohe Kosten: Das Westend, eines der schönsten und traditionsreichsten Wiener Kaffeehäuser, muss nach 127 Jahren seine Pforten schließen.

Dort wo sich die Wiener Vorstadt und die Innenstadt treffen, am Gürtel, vor den Toren des Westbahnhofs, am Beginn der Mariahilfer-Straße, da steht seit 1895 das schönste Kaffeehaus Wiens: Das Westend. Oder besser gesagt: Da ist es gestanden.

Hier eröffnet bald ein Supermarkt (wenn nicht ein Wunder geschieht) © Café Westend

Das Westend, auch für viele Stadtbesucher der erste Ankunftsort vor einem Bummel, schließt völlig unerwartet seine Pforten, wie Geschäftsführer Hans Diglas jun. dem FALTER.morgen „schweren Herzens“ bestätigt.

Die Entscheidung kommt überraschend, denn der junge Diglas – Spross einer engagierten Wiener Kaffeesieder-Familie – hat das einst abgeranzte Café mit den charakteristischen Spiegeln, Stukkaturen, Midcentury-Lustern und Logen erst vor vier Jahren vom Grind befreit, die Wände „entfettet“ und hunderttausende Euro in die liebevolle Renovierung gesteckt, um herrliche Mehlspeisen und wirklich guten Kaffee auf neu aufgepolsterten Plüschbänken zu servieren (was in Wien mittlerweile eine Seltenheit ist).

Die Übernahme durch die Diglas-Gruppe war auch ein schönes Lebenszeichen für die Wiener Kaffeehauskultur. Denn die Familie betreibt ja nicht nur das Diglas in der Wollzeile, sondern hat auch das ehemalige Café Haag in der Schottengasse (das kurzzeitig ein Pizza-Hut war) wiederbelebt.

Der Grund für die Sperre? Diglas will es diplomatisch formuliert wissen: Die Kosten. Also vermutlich die Miete, die er in Zeiten von Corona-Krisen und Energiepreissteigerungen nicht mehr einspielen kann. Und nicht zuletzt auch das Ausbleiben des Publikums, das dem Kaffeehaus nun nachtrauert.

Ob das - immer noch nicht unter Denkmalschutz stehende - Café von einem Kaffeesieder übernommen und weiter betrieben wird oder doch einem Supermarkt weichen muss, ist unklar. Die Stadt Wien, so ein Sprecher, legt Wert auf den Fortbestand von Cafés. So sei erst kürzlich das legendäre Café Ritter in der Ottakringer Straße mit Mitteln der Stadt in der Corona-Krise gerettet worden. Hans Diglas aber winkt ab, seine Entscheidung sei endgültig, die Kündigung abgeschickt. 

In Wiens Wäldern herrscht wegen den hohen Temperaturen und der anhaltenden Trockenheit akute Brandgefahr. Der Forst- und Landwirtschaftsbetrieb der Stadt hat deshalb ein Grillverbot an öffentlichen Plätzen verhängt. Wann Sie wieder die Kohlen anheizen können? Sobald's kräftig geregnet hat.


Ein letztes Mal Protestradeln vor den Sommerferien? „Radeln For Future“ und „Parents For Future“ fahren heute vom Votivpark nach Meidling und Liesing. Sie fordern eine bessere Radverbindung, damit „Eltern ihre Kinder sorgenlos mit dem Fahrrad auf den Weg in die Schule schicken können”. Der Demozug fährt um 17:30 vom Votivpark los, dann geht’s über den Gürtel, die Breitenfurter Straße, Altmannsdorfer Straße, Grünbergstraße, Wienzeile und zurück über die Ringstraße zum Votivpark. 


Das Popfest ist nach zwei Pandemie-Ausgaben wieder zurück. 2020 gab es keine Opena-Air-Konzerte, im Vorjahr fand das Gratis-Festival dann in reduzierter Form und teilweise an einer anderen Location statt (still war es im Sommer im Resselpark trotzdem nicht). 

Heuer gibt es wieder volles Programm mit 14 großen Konzerten. Vom 28. bis 31. Juli spielen Euroteuro, Kerosin95, Friedberg, ANTHEA, Schapka und viele weitere Künstler auf verschiedenen Locations rund um den Karlsplatz. Zum Programm geht's hier.

Russland und die ukrainische Tragödie

Irina Scherbakowa, Historikerin und Mitbegründerin der verbotenen russischen Menschenrechtsorganisation Memorial, zieht im Gespräch mit Moskau-Korrespondentin Carola Schneider nach vier Monaten Krieg düstere Bilanz für den Aggressor Russland.

Ab Samstag hier zu hören.


Die Rückkehr des Gestern. The Return of Yesterday

Misha Glenny, neuer Rektor des Instituts für die Wissenschaften vom Menschen (IWM), und Shalini Randeria, neue Rektorin der Central European University (CEU), über die Herausforderungen für akademische Vielfalt in Europa.

Ab Sonntag hier zu hören.

Lisa Kiss

Musik

Heute eröffnet die Gratis-Veranstaltungsreihe Kultursommer Wien mit einem großen Prater-Picknick der Wiener Symphoniker. Rein klassisch wird das Open Air auf der Kaiserwiese trotzdem nicht: Neben beschwingten Operettenmelodien geht es auch poppig zu. Jungstar Allegra Tinnefeld singt und geigt, Lisa Pac bringt ein eigenes „Lisa Pac Symphonic“, und Marco Wanda singt „Ein letztes Wienerlied“. (Miriam Damev)

Kaiserwiese, Fr 19.00 (Eintritt frei)

Musik

Zum zweiten Mal lädt die Sommerkonzertreihe „Musik am Fluss“ zu Auftritten junger Musikschaffender unter freiem Himmel. Bis 23. Juli finden die kostenlosen Open-Air-Konzerte jeweils donnerstags im Stadtpark, freitags am Wienfluss und samstags auf der Donauinsel statt. Heute etwa spielt die vielseitige Künstlerin Christl auf der Bühne bei der Reichsbrücke. 

Donauinsel, Sa 19.00

Theater

Drei Forscher seilen sich in eine Höhle ab, verzehren Jausenpakete und nehmen Tiktok-Videos auf. Jan Philipp Stanges und Jakob Engels im Lockdown entstandenes Stück „Die Odyssee“ ist das Gegenteil einer Odyssee und ein schrulliger Abend in einem beeindruckenden Bühnenbild. Normalerweise geht das Schauspielhaus mit Ende Juni in die Sommerpause, heuer läuft das Programm mit diesem verspielten Antitheater noch bis in den Juli hinein. (Sara Schausberger)

Schauspielhaus, Fr, Sa 20.00

Kinder

Es war im Sommer 1972, als das erste Ferienspiel Kindern, die während der Ferien in Wien geblieben sind, ein breites Gratisangebot machte. 50 Jahre Wiener ­Ferienspiel werden nun ordentlich gefeiert: mit einer Schnitzeljagd am Karlsplatz und vielen Mitmachstationen, dazu noch ein buntes Bühnenprogramm mit Kasperltheater und Konzerten.

Karlsplatz, Resselpark, Sa, So ab 12.00 (Eintritt frei)

Musik

Die geplante Tour zu ihrem Akustik-Album fiel 2020 der Pandemie zum Opfer. Nun kehren Die Toten Hosen auf die Bühne zurück und feiern den Sommer über ihr 40-jähriges Bestehen. Zur Jubiläumstour gibt es auch eine neue Werkschau, „Alles aus Liebe“. Neben Hits aus vier bewegten Dekaden unterstreicht eine Handvoll neuer Stücke, dass Abschiednehmen vorerst kein Thema für die Düsseldorfer Rockstars mit Punkvergangenheit ist. Die Wiener Geburtstagsparty wurde von der Krieau kurzfristig ins Praterstadion verlegt. (Gerhard Stöger)

Ernst Happel Stadion, Sa 17.30

Musik

Er will nicht mehr der Tiger sein, Tom Jones ist 81. Sein Bariton ist tiefer geworden, aber die Kraft ist noch da. Das aktuelle Album „Surrounded by Time” setzt den zuletzt eingeschlagenen Weg fort: Jones singt nur mehr, was er will, ohne Kompromisse, etwa das neunminütige Epos „Lazarus Man“ (Original: Terry Callier), das ungewohnt zarte „I Won’t Lie“ (Michael Kiwanuka) oder den Blues „This Is The Sea“ (The Waterboys). Altersmild? Alterswild! (Sebastian Fasthuber)

Konzerthaus, So 20.00

Richard Schuberth: Die Welt als guter Wille und schlechte Vorstellung

Als sogenannter „alter weißer Mann" liefert Richard Schuberth ausgerechnet ein Kompendium zur sogenannten "Identitätspolitik". Sich des Dilemmas bewusst, fragt er: „Was rechtfertigte den Senf, den ich in den ohnehin randvollen Bottich des Diskurses abzusondern hatte?" Sein frecher Witz und die Hingabe an die schlagendste Formulierung mögen auch Skeptische überzeugen. Schuberth schafft es, gleichzeitig Kritik an der Identitätspolitik zu formulieren und sie gegen den rechtspopulistischen Mainstream zu verteidigen. Damit stellt dieses Lesebuch keine Anleitung zum Verrat an emanzipatorischen Bewegungen dar. Es ist vielmehr eine Rückschau auf das Œuvre eines geübten Ideologiekritikers und scharfen Senfdazugebers voll unbequemer, aber umso erhellenderer Gedanken. Ein Buch, das allen eins auf die Nase gibt, auch dem Autor selbst. (Olja Alvir)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Melanzani sollt ihr füllen und sogleich in Backteig hüllen!

© Archiv

Sie ist nun wirklich nicht Everybody‘ s Darling, denn wenn man nicht mit ihr umzugehen weiß, kann es schnell fett und bitter werden.

Weiß man jedoch Hand an sie zu legen, wird man zum Dank mit vielgestaltigem Genuss verwöhnt: die Melanzani, jene keulenförmige, elegant dunkelviolette bis schwarze Beere eines Nachtschattengewächses, die in ihrer ursprünglichen Heimat Asien auch Eierfrucht genannt wird.

Allen, die sie bislang ob ihres kapriziösen Wesens verschmäht haben, wollen wir sie nun auf niederschwellige Art nahebringen: als gefüllte Melanzanischnitzel in Backteig.

Dazu schneiden wir Melanzani im Abstand von maximal einem Zentimeter quer ein. Damit dies gleichmäßig gelingt, legen wir links und rechts von der Frucht je einen Kochlöffel, und schneiden so tief, bis uns der Löffelstiel vom völligen Durchtrennen stoppt. Danach trennen wir die Melanzani bei jedem zweiten Schnitt komplett durch. Das Ergebnis sind dann jeweils zwei zusammenhängende Querschnitte.

Da die Melanzani Bitterstoffe enthält, salzen wir sie nun ein und lassen sie in einer Schüssel ruhen, während wir zum Backteig schreiten. Dazu zwei Eier, einen kleinen Becher Joghurt, 50 Gramm geriebenen Käse (was auch immer der Kühlschrank gerade zu bieten hat), etwas Salz und 100 Gramm Mehl zu einem glatten Teig verrühren. Melanzanischeiben trockentupfen und füllen. Für Vegetarier eignet sich intensiver geräucherter Käse. Fleischesser nehmen Faschiertes oder Schinken. Veganer etwaige Käse-oder Fleischersatzprodukte.

Nun fest zusammendrücken, in Mehl wenden, durch den Backteig ziehen und in sehr heißem Fett knusprig braun braten. Und plötzlich ist sie doch noch Everybody’s Darling!

Der Text stammt aus der Serie „Grundkurs kochen". Das gleichnamige Buch von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 112 Seiten, 4,90 Euro) ist im faltershop erhältlich.


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