Wiener Tempolimits: 30 ist das neue 50 - FALTER.morgen #358

Versendet am 04.07.2022

Auf zwei Drittel der Wiener Straßen gilt bereits Tempo 30 – jetzt kommt fast die gesamte Josefstadt dazu >> Neue Regeln für den Kinderfußball könnten dazu führen, dass in Wien hunderte kleine Kicker aus dem Meisterschaftsbetrieb fallen >>

Wetterkritik: Eine neue Woche, ein neuer Hitzetag. 35 Grad sollen es heut wieder werden. Wenn das den ganzen Juli so weitergeht, finden Sie mich in Zukunft nur mehr im kühlen Stiegenhaus.


Guten Morgen!

Gilt er bei Ihnen auch schon, der 30er? Bei mir im Grätzel dürfen Autos fast nirgends mehr 50 km/h fahren. Auch die Josefstadt soll schon bald flächendeckend zur 30er-Zone werden. Damit reiht sich der Bezirk in einen Trend ein. In immer mehr Bezirken müssen Autos ihre Geschwindigkeit drosseln. Wird 30 schon bald das neue 50?

Wir haben uns genauer angeschaut, wo in der Stadt Sie bereits vom Gaspedal gehen müssen, was das bringt und warum ein flächendeckender 30er in Wien trotzdem unwahrscheinlich ist. 

Außerdem: Lukas Matzinger erzählt Ihnen, wie der ÖFB den Kinderfußball reformieren will – und warum das dazu führten könnte, dass in Wien hunderte kleine Kicker aus dem Meisterschaftsbetrieb fallen.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Soraya Pechtl


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Entschleunigung

Die Josefstadt beschließt eine flächendeckende 30er-Zone und folgt damit einem wienweitem Trend. Ist das die Zukunft? 

Neubau macht es, Mariahilf macht es, Margareten ebenfalls und bald wird auch die Josefstadt nachziehen. Die Rede ist von einer flächendeckenden 30er Zone. Die Bezirksvertretung im Achten hat erst vorige Woche einen entsprechenden Antrag der SPÖ mehrheitlich angenommen.

Ein allzu großer Schritt ist das allerdings nicht. In zwei Drittel aller Wiener Straßen gilt bereits ein 30er. Auch in der Josefstadt fehlen nur ein paar Straßen (welche das sind sehen Sie hier). 

In den rot markierten Zonen gilt bereits Tempo 30 © wien.gv.at

Trotzdem: SPÖ und Grüne freuten sich. Die Temporeduktion führe schließlich zu einer „Verringerung der Unfälle mit Personenschäden und eine Reduzierung der Unfallschwere”, heißt es auch auf der Homepage der Stadt. Sicherer für die Radler ist es auch. Und laut dem Verkehrsclub Österreich sinkt zusätzlich die Feinstaubbelastung. Klingt nach: Win, win, win. 

Die Stadt will den 30er auch in allen Wohngebieten in Wien umsetzen. Dieses Ziel ist seit 2003 im Masterplan Verkehr verankert.  

Aber warum fehlt dann immer noch ein Drittel? Müsste längst nicht ganz Wien eine 30er Zone sein, wie beispielsweise Paris?  

Flächendeckend ist nicht gleich flächendeckend. Autobahnen, Schnell-, und Bundesstraßen sind ausgenommen. Eh klar. Zieht man sie ab, bleiben in Wien dann noch 2.100 Kilometer Straße übrig. Das entspricht etwa 75 Prozent vom Hauptverkehrsnetz. Sonderregeln gibt es aber auch für Hauptverkehrsrouten wie den Gürtel und für Straßen, auf denen Bim-Schienen verlaufen. Man wolle den Öffi-Verkehr nicht einschränken, sagt etwa Sanja Drazic, SPÖ-Klubobfrau in der Josefstadt. Mit dieser Begründung erteilte Verkehrsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) im Vorjahr auch einer wienweiten 30er-Zone eine Absage. 

Auch abgesehen davon ist längst nicht jeder ist begeistert von der Geschwindigkeitsreduktion. Der ÖAMTC befürchtet etwa Staus, wenn Tempo 30 auf Hauptverkehrsrouten eingeführt wird. „Dieses Netz muss leistungsfähig sein, damit Schleichverkehre durch Wohngebiete vermieden werden, die Verkehrssicherheit in diesen Bereichen nicht vermindert und der öffentliche Verkehr nicht verlangsamt wird”, sagt David Nosé vom ÖAMTC in der Kleinen Zeitung

Die 30er-Zone beantragen können die Bezirke übrigens mit einer einfachen Mehrheit. Dass die nicht immer fix ist, zeigte sich auch vergangene Woche. In Hietzing haben ÖVP und eine NEOS-Mandatarin einen Antrag für Tempo 30 in der Spohr- und der Wolkersbergenstraße abgelehnt.

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Oder eher Verkehrsnachrichten: Die Straßenverwaltung der Stadt nutzt den Ferienbeginn für Bauarbeiten. Ein Überblick.

  • Ab morgen wird der Äußere Gürtel im 4., 5., 12., 15. und 19. Bezirk saniert. Während der Arbeiten bleiben zumindest zwei Fahrstreifen für den Verkehr frei. (Geplantes Bauende: 2. September). 

  • Im 23. Bezirk wird ab morgen die Breitenfurter Straße umgebaut. Zwischen Gerbergasse und Gastgebgasse entsteht ein baulich getrennter Zwei-Richtungs-Radweg, die Einfahrt zur Nebenfahrbahn ist in diesem Abschnitt gesperrt. Bei der Kreuzung Breitenfurter Straße/Gerbergasse wird der Verkehr stadtauswärts über den Linksabbiegestreifen umgeleitet. Die Gastgebgasse wird abschnittsweise als provisorische Einbahn geführt. (Geplantes Bauende: 31. August)

  • Die Wagramer Straße im 22. Bezirk bekommt zwischen Arbeiterstrandbadstraße und Siebeckstraße einen 800 Meter langen einen „Radhighway". Außerdem werden die Fahrbahn und der Kagraner Steg saniert. Auf der Kagraner Brücke müssen Fußgänger deshalb ab morgen auf den gegenüberliegenden Gehsteig ausweichen. Der Radverkehr wird ab Arbeiterstrandbadstraße über Fischerstrand und Florian-Berndl-Gasse umgeleitet. (Geplantes Bauende: 23. Dezember)

Lukas Matzinger

Alle Kinder sitzen auf der Bank

Der Österreichische Fußball-Bund revolutioniert seine Nachwuchsligen. Im dichten Wien fehlen dafür aber Plätze und Trainer. Schon bald werden hunderte Kinder aus dem Meisterschaftsbetrieb fallen.

Der Österreichische Fußball-Bund (ÖFB) revolutioniert seine Kinderligen – und zwar in Richtung kleiner, kürzer, weniger: Ab September spielen die unter Achtjährigen aller österreichischen Ligen in Dreier- statt in Fünferteams, die U10 in Fünfer- statt in Siebenerteams, die U12 zu siebt statt zu neunt, erst die 13-Jährigen dürfen als Elf aufs große Feld.

Ein U8-Spieler von Rapid Oberlaa. 28 Kinder trainiert der Verein in dieser Altersklasse, für die Liga ist nur ein Team aus drei Spielern gemeldet. © FALTER/Heribert Corn

Kleinere Teams bedeuten mehr Teilhabe des Einzelnen und sollen, wie einst im Fußballfortschrittsland Belgien, die Aussteigerrate senken (mehr als die Hälfte von Europas Fußballkindern begeht ihr letztes Bewerbsspiel vor dem 18. Geburtstag). Die Neuordnung in Österreich ist scheinbar profan, aber verspricht so viel.

Wenn es da nicht Wien gäbe. Sobald man diese Reform auf alle Wiener Felder und Vereine anwendet, betont sie unvorteilhaft die großen Probleme des städtischen Vereinsfußballs: zu wenige Plätze, zu wenige Trainer.

Wien mag die lebenswerteste Stadt der Welt sein, beim Fußball hinkt die Metropolinfrastruktur der Provinz hinterher. Wer reinfährt ins Land, wird in fast jedem Dorf einen Sportplatz finden – in der Regel leer, weil die Zahl der Kinder in den meisten Bundesländern sinkt.

In Wien hingegen lebten zu Jahresanfang 332.194 Minderjährige, um 50.000 mehr als vor 20 Jahren. Und sie teilen sich im Wesentlichen noch dieselben 60 bis 70 Fußballplätze, die es schon in der Stadt vor ihrer Geburt gab. Wiens Sportplätze sind also heillos überbucht, Entwicklungsgebiete für 20.000 Menschen wie das Nordbahnhofviertel kommen selten mit neuen Fußballfeldern.

Beim Favoritner AC etwa müssen an einem Ligawochenende elf Altersstufen von Kindergartenkindern bis zur U18 auf zwei Feldern Platz finden. Und nun wünscht der Österreichische Fußball-Bund noch mehr Spiele: Wenn ab sofort nur mehr drei statt fünf Kindern im Wettkampfteam spielen, sollen die Vereine eben mehrere Mannschaften pro Jahrgang stellen. Auf einem Fußballfeld könnten locker drei U8-Mannschaften gleichzeitig nebeneinander antreten, dann wären im Falle des Favoritner AC auch alle 18 Kinder der Altersstufe beschäftigt.

„Aber woher soll ich Trainer nehmen, um drei Spiele gleichzeitig zu betreuen?“, zweifelt der Nachwuchsleiter des Vereins, Franz Rabi. „Und in welche Kabinen soll ich diese ganzen Teams stecken?“

Sein Favoritner AC hat für die kommende Saison zwei U8-Mannschaften genannt, er wird also jedes Wochenende zwei Felder mit je vier Toren markieren. Zwischen den Feldern werden zwei Trainer stehen und je ein Spiel coachen. So kommen immerhin zwölf von 18 Kindern zu Wettbewerbserlebnissen, und nur sechs müssen daheimbleiben.

Das ist die dunkle Seite der Nachwuchsreform, die fast nur das gedrängte Wien zu sehen bekommt: Die Kinder auf dem Feld mögen mehr Ballkontakte als zuvor bekommen, die Talentiertesten werden in Technik und Spielverständnis profitieren. Doch dagegen stehen womöglich Hunderte, die künftig mehr Samstage daheim verbringen und ihre Handys pflegen. „Ich glaube nicht, dass Wien das Ziel des Verbands erreichen kann“, sagt Franz Rabi, „dass sich möglichst viele Kinder die Freude am Spiel bewahren.“

In Wien droht die Reform ihr Ziel zu verfehlen, der Verbandsfußball gerade Kinder aus den Meisterschaften zu verlieren. „Es haben weniger Vereine Zweitmannschaften genannt, als ich gedacht hätte“, sagt Karl Katterbauer, der Jugendausschussleiter im Wiener Fußball-Verband. Fürs Spiel seien die kleineren Teams ein Segen, das stehe sportwissenschaftlich außer Zweifel.

Doch von der ersten Präsentation weg habe er das Projektteam gewarnt, wie schwierig das in Wien umzusetzen sei. Weil der vorgesehene Ligabetrieb zu viel Platz und Zeit braucht, behelfen sich Vereine nun offenbar mit unregelmäßigen Freundschaftsspielen. Aber schon bald, darauf besteht Katterbauer vom Wiener Verband, werde sich „alles einspielen.“

Welche dieser UNO-Organisationen hat ihren Sitz in Wien?

1) Die Internationale Arbeitsorganisation (ILO)

2) Das Büro der Vereinten Nationen für Weltraumfragen (Unoosa)

3) Der Internationale Fonds für landwirtschaftliche Entwicklung (IFAD)

Auflösung von Freitag: Der Dudler wird hauptsächlich in geschlossenen Räumen gesungen.

Leopoldsgasse

© ARGE Karto

Die Leopoldsgasse strotzt vor Lebensfreude und Heiterkeit, vor Genuss und Urbanität. Auf nur 300 Metern zwischen Karmelitermarkt und Malzgasse befinden sich nicht nur mehr kulinarische Adressen, als in diesen Bericht passen, sondern auch ein paar, die Wiens Lokalszene definitiv stark beeinflusst haben.

Die Josefstädter Taqueria Los Mexikas machte hier vor vier Jahren eine Filiale auf, das Sortiment ist ident mit dem Lokal in der Langen Gasse: ein paar wirklich feine Tacos plus lässige mexikanische Hausmannskost abseits des Tex-Mex-Mainstreams.

Relativ neu ist die Öl Bar, die Bar schaut nicht nur sehr gut aus, der Kühlschrank ist voll mit feinen Bio- und Natural-Weinen, gezapft wird Mohrenbräu, es gibt tolle Whiskys, und der Toast erhält im Öl den Respekt, den er verdient.

Über die Schöne Perle muss man nicht viel sagen, außer dass sie immer noch eines der schönsten Gasthäuser Wiens ist.

2008 machte Maria Fuchs mit der Pizza Mari´ die erste puristische Pizzeria Wiens auf, die den strengen Regeln der neapolitanischen Pizza-Assoziation entsprach. Der Rest ist Geschichte, seither will jeder Pizza.

Okra Izakaya, eines der besten Restaurants der Stadt, wo man die wunderbare Alltagsküche Japans bekommt, wird im Herbst auch einen Shop für Sake und spezielle Sojasaucen aufmachen.

Gleich daneben startete Hanna Yrjölä vor zwei Jahren Wiens einziges finnisches Café namens Ihana.

Und schließlich Skopik & Lohn, 2006 aufgemacht und damals absolut stilprägend. Diesen Februar eröffnete es refurbished und ein wenig umkonzipiert: mehr Lounge als Bistro, mehr Drinks, weniger Küche, beziehungsweise weniger französisch als eher mediterran-kreative Kleinportionen.

Den gesamten Grätzelrundgang von Florian Holzer lesen Sie hier.

Lisa Kiss

Kinder, Literatur

Leseförderung sollte möglichst früh beginnen. „Lesen im Park”, die Ferienaktion des Instituts für Jugendliteratur, bringt Bücher im Sommer direkt zu den Kindern – auf den Spielplatz und in den Park. Bilderbücher, Kinderkrimis, Erstlese-Texte, Sachbücher und mehr können entliehen werden. Die Aktion startet heute und  läuft während der ganzen Ferien von Montag bis Donnerstag in der Zeit von 14 bis 18 Uhr, nur bei Regenwetter bleiben die Stationen geschlossen. (Sebastian Fasthuber)

Alfred Böhm Park, Allerheiligenpark, Alois-Drasche-Park, Auer-Welsbach-Park, Waldspielplatz im Augarten, 14.00 bis 18.00

Niki Popper & Ursel Nendzig: Ich simuliere nur!

Niki Popper hat mit Unterstützung der Journalistin Ursel Nendzig ein Buch geschrieben, das ihm und seinem Forscher und Rechnerteam gerecht wird. Denn Popper ist vieles: Mathematiker, Unternehmer, begeisterter Koch und Hobbyphilosoph. Um all das leben zu können, hat er sich einen eigenen Ort geschaffen, die „Drahtwarenhandlung“ in Wien-Neubau. Um ihre Entstehung geht es in den Kapiteln mit geraden Zahlen, in den ungeraden müssen die Leserin und der Leser mehr mitdenken. Da führt Popper seine Gedanken zu den Grundlagen der Simulationsforschung aus. Am Ende versteht man noch besser, warum Mathematiker und Philosophen einander nahestehen. Schließlich geht es um eine „Art Mindset, die es ermöglicht, offen an Probleme heranzugehen, ohne zu glauben, dass es nur eine Möglichkeit gibt, die Welt zu beschreiben“. (Barbara Tóth)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

An dieser Stelle veröffentlichen wir ab sofort jeden Montag ausgewählte Mails von FALTER.morgen-Leserinnen und -Lesern. Wir freuen uns, wenn Sie uns schreiben – ob mit Lob, Tadel, Hinweisen oder Anmerkungen.


@Ausgebimmelt von Bernhard Odehnal, FALTER.morgen #355

Im November 2011 waren wir sehr überrascht, als wir eine Wiener Straßenbahn in einer Endstation in Utecht, Niederlande, stehen sahen. Laut Info fuhr die nur zu Spitzenzeiten. Es war eindeutig eine Wiener Bim (ob der gleiche Typ, weiß ich natürlich nicht).

Biggi Mussil

© Biggi Mussil

Liebe Frau Mussil!

Es handelt sich dabei tatsächlich um Fahrzeuge aus Wien, allerdings von der ehemaligen Stadtbahn, der heutigen Linie U 6. Da fuhren früher solche Wagen, die bei den Wiener Linien die Bezeichnung E 6 hatten und sehr ähnliche wie die Straßenbahnen aussahen. Allerdings hatten sie Türen auf beiden Seiten, weil sie ja wenden mussten und nicht Schleifen fuhren, wie die Trams. 

Ich weiß nicht genau wann, aber irgendwann so um 2010 herum wurden diese E 6 von den Wiener Linien in die Niederlande verkauft. Und so konnten Sie dann in Utrecht Fahrzeuge aus Wien sehen, die früher entlang des Gürtels fuhren, von Heiligenstadt bis Meidling. In den Niederlanden behielten sie sogar noch das Wiener Logo und die Wiener Fahrzeugnummer, wie man auf Ihren Fotos sehen kann. 

Auch Straßenbahnzüge wurden von Wien ins Ausland verkauft. So fuhren z. B. in Krakau oder in Miskolc (Ungarn) lange Zeit Wiener Trams. Mittlerweile wurden sie aber dort auch schon ausgemustert. 

Bernhard Odehnal


@Reform des Petitionsausschusses, FALTER.morgen #353: 

Die angekündigten Neuerungen adressieren leider überhaupt nicht die massiven Defizite, die u.a. im Rahmen der „Platz für Wien“-Petition offensichtlich geworden sind: wichtige Adressaten der Petition werden gar nicht zu Stellungnahmen eingeladen (in unserem Fall der Bürgermeister und der Klimarat der Stadt Wien), idente Stellungnahmen mehrerer Bezirksvorsteher*innen werden vom Ausschuss einfach akzeptiert, selbst bei mangelhaften (z.B. SR Hanke, Czernohorszky) oder sogar klar falschen (BV Pfeffer) Stellungnahmen ist keine Aufforderung zu einer Neustellungnahme vorgesehen. So bleibt das Ganze ein Bürgerbeschäftigungsinstrument.

Ulrich Leth


@Vogel der Woche von Klaus Nüchtern, FALTER.morgen #354

Als Ergänzung zur berühmten Shakespeare'schen Nachtigall kann ich etwas Altkluges hinzufügen. Eigentlich ist der Dialog zwischen Julia und Romeo darüber, ob es sich beim Vogelgesang um Nachtigall oder Lerche handelt, im Kontext des Elisabethanischen Dramas eine, wohl sehr romantische aber doch sehr schlichte, „Regieanweisung“ oder „stage direction“, wie es damals geheißen haben mag.

Theater wurde am Sonntag bei Tageslicht gespielt, mit sehr spärlichen Utensilien, ohne Kulissen, auf einer Bühne, die weit in das Publikum hineinreichte. Künstliches Licht gab es natürlich überhaupt nicht, und das Tageslicht ließ sich natürlich nicht dimmen. 

Der Dialog erklärt dem „geschulten“ Publikum, dass die Morgendämmerung hereinbricht. Natürlich auch in herzzerreißender Form das tragische Ende antizipierend.

Nicht zufällig also, dass Elizabethanische Dramen auch heute noch zu fesseln mögen, so man sie zur Aufführung bringt. Ben Jonsons „Volpone“ und viele andere Dramen der Zeit stehen, nebstbei, qualitativ auf einer Stufe mit Shakespeare.

Erich Zonsics


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