Energiekrise: Wie sparen Ministerien, das Rathaus und städtische Betriebe? - FALTER.morgen #381

Versendet am 04.08.2022

Was tun öffentliche Einrichtungen und städtische Betriebe gegen die Energiekrise? Zum Beispiel ihre Klimaanlagen zurückdrehen – aber nicht alle gleich weit >> Warum Sabine Beinschab in der ÖVP-Inseratenaffäre Kronzeuginnenstatus bekommt >> Wir schicken Sie raus … zum Sternschnuppen-Staunen >> Der Fassadenleser entdeckt ein Dach wie eine Frisur

Wetterkritik: Hitze und kein Ende in Sicht – gestern heiß (32 Grad), heute heißer (34 Grad), morgen brüllheiß (bis zu 37 Grad). Erst am Samstag „kühler” bei bis zu 33 Grad. Wer kann, flüchte Richtung Westen (vielleicht mit dem Klimaticket, das seinem Namen in diesem Fall ganz akut gerecht wird): Jenseits des Wiener Beckens sind für das Wochenende angenehme 24 Grad angesagt.


Guten Morgen!

Wenn Sie den FALTER.morgen in aller Früh lesen, dann geht's ja vielleicht noch mit der Hitze. Aber der Wetterbericht lässt keinen Zweifel: Wir werden heute und in den kommenden Tagen viel schwitzen – die Klimakrise macht sich bemerkbar. Gleichzeitig bahnt sich in Europa eine veritable Energiekrise an. Da Russland mit fadenscheinigen Begründungen kaum mehr Erdgas nach Europa liefert, könnte es im Winter knapp werden.

Und das heißt schon jetzt: Sparen – nicht nur symbolisch, auch konkret. In Berlin werden Sehenswürdigkeiten wie die Marienkirche, das Schloss Bellevue oder der Reichstag nachts nicht oder nur mehr eingeschränkt beleuchtet. Die spanische Regierung hat für staatliche Gebäude eine Untergrenze von 27 Grad bei Klimaanlagen eingeführt.

Wir wollten wissen, ob auch in Wien schon mit dem Energiesparen begonnen wurde und haben Anfragen an verschiedene öffentliche Einrichtungen verschickt – unter anderem mit der Frage, auf wie viel Grad sie ihre Klimaanlagen eingestellt haben. Was dabei herausgekommen ist, erzähle ich Ihnen gleich.

Außerdem: Die Oberstaatsanwaltschaft und das Justizministerium haben der Meinungsforscherin Sabine Beinschab den Kronzeugenstatus zuerkannt. Wir erklären, was sich dadurch in der ÖVP-Inseratenaffäre ändert. Und mein Kollege Simon Steiner hat für Sie die besten Tipps, wo Sie in den kommenden Tagen den Meteoritenregen der Perseiden bestaunen können.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Paul Sonnberger

PS: Das sollte einem Wien-Newsletter natürlich nicht passieren: Wir haben die Senioren Residenz Josefstadt in unserem gestrigen Bericht aus dem 8. in den 7. Bezirk verlegt – die Hitze (o.k., Ausrede). Sorry jedenfalls!


Sie lesen den FALTER.morgen, den Früh-Newsletter aus der FALTER-Redaktion. Melden Sie sich hier an:

Liebe FALTER.morgen-Leser:innen – lesen Sie jetzt Reportagen gratis probe.

Reportagen ist ein mit Herzblut produziertes, unabhängiges Magazin, das sich ganz dem erzählenden Journalismus verschrieben hat.

Reportagen schickt die besten Autorinnen und Autoren um die Welt. Für Geschichten, die in andere Realitäten entführen.

Zur Gratislektüre geht es hier.

Unverbindlich und ohne automatische Verlängerung.

Hochgradig unterschiedlich

In Ministerien, Behörden und öffentlichen Einrichtungen wird neuerdings auch aus Energiespargründen geschwitzt – aber nicht überall gleich viel.

Große Unterschiede zeigen sich bei den Energiesparmaßnahmen in öffentlichen Einrichtungen. Am ambitioniertesten geht es das Amtsgebäude des Klimaschutzministeriums in der Radetzkystraße an. Die Klimaanlage ist dort auf tropische 28 Grad programmiert. Wem das zu schwitzig ist, der kann die Temperatur individuell um drei Grad anpassen. 

Hier wird schwitzend gespart: Die Kühlung im Klimaministerium ist auf tropische 28 Grad programmiert © BMK/Petra Grasel

Nachts wird das Licht in den Stiegenhäusern und der Garage des Ministeriums ausgeschaltet. Die Betriebszeiten der Allgemeinbeleuchtung wurde von 24 auf 17 Stunden pro Tag reduziert. Vor der Heizsaison will das Ministerium die Radiatoren effizient einstellen lassen. Geheizt wird mit Fernwärme. „Der jährliche Wärmeverbrauch wird so um elf Prozent und der Stromverbrauch um 15 Prozent gesenkt”, sagt ein Sprecher von Ministerin Leonore Gewessler (Grüne)

Die Büromitarbeiter der Wiener Netze haben es da schon angenehmer. Der Smart Campus (die Bürozentrale der Wiener Netze) in Simmering wird im mittels Wärmepumpe auf 25 Grad gekühlt. Im Winter wird die Wärmepumpe zum Heizen verwendet. Betrieben wird die Pumpe ausschließlich mit Ökostrom. Die Warmwassererzeugung am Smart Campus erfolgt über eine Solaranlage. Darüber hinaus stellen die Wiener Netze ihren Fuhrpark auf E-Autos um. 

Bei den Wiener Linien will man keine Angaben zur Temperierung der Klimaanlagen machen. Man setzt vor allem auf Photovoltaik-Anlagen auf den Dächern der U-Bahn-Stationen. Das Fahrpersonal wird auf energieeffizientes Fahren geschult. Fast alle Gebäude der Wiener Linien werden mit Fernwärme oder Wärmepumpen beheizt. Bei Neubauten wird umweltfreundlicheres Baumaterial wie Holz und Recyclingbeton verwendet.

Ob das Wiener Rathaus Klimaanlagen hat und diese voll aufgedreht durch die Räume blasen, will man uns nicht sagen. Auch sonst ist man dort bezüglich von Bestrebungen, Energie zu sparen, wenig auskunftsfreudig. Eine Anfrage von FALTER.morgen an Energie- und Umweltstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ) wurde nur recht dürftig beantwortet. Eine Sprecherin lässt ausrichten, dass „das Gebäudemanagement des Rathauses nach den Grundsätzen der Energieeffizienz und Nachhaltigkeit erfolgt.” Als Beispiel wird die schrittweise Umrüstung auf LED-Leuchten genannt. Mehr aber auch nicht. 

Was Anlass zur Vermutung gibt, dass im Rathaus nicht viel geschwitzt wird.

Wanderbares Land

In Wandern in Ostösterreich, Band 3 stellt der Wanderprofi Bernd Orfer 35 Touren vor. Es geht vom waldreichen Mariazeller Land bis zu den sanften Hügeln des Weinviertels, von den felsigen Wänden des Hochkars und der Rax bis in die Donauauen östlich von Wien und in das Burgenland.

Erhältlich auf faltershop.at

„Bereit zur umfassenden Aufklärung“

Sabine Beinschab hat in der ÖVP-Inseratenaffäre gegenüber der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) 65 Stunden lang ausgepackt – dafür bekommt sie jetzt Kronzeugenstatus. Was bedeutet das?

Beschuldigte in der ÖVP-Inseratenaffäre: Ex-Generalsekretär Thomas Schmid, Ex-Familienministerin Sophie Karmasin, Meinungsforscherin Sabine Beinschab, Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz, Pressesprecher Johannes Frischmann und Pressesprecher Gerald Fleischmann © APA/FORCHER/GRUBER

  • Was wird Sabine Beinschab vorgeworfen?

Im Oktober vergangenen Jahres durchsuchten Ermittler die ÖVP-Parteizentrale, das Bundeskanzleramt und die Wohnungen von Beinschab und ihrer Geschäftspartnerin Sophie Karmasin (2013 bis 2017 Familienministerin mit ÖVP-Nähe).

Der Vorwurf lastet schwer. Karmasins Meinungsforschungsinstitut „Research Affairs“ soll auf Wunsch von Thomas Schmid (damaliger Generalsekretär im ÖVP-geführten Finanzministerium) im Sinne des seinerzeitigen Bundeskanzlers Sebastian Kurz Meinungsumfragen frisiert haben. Durchgeführt wurden diese von Karmasins Mitarbeiterin Sabine Beinschab. Die mit Steuergeld bezahlten Umfragen erschienen im Boulevardblatt Österreich

  • Was ändert sich durch Beinschabs Kronzeugenstatus? 

Sechs Tage nach den Hausdurchsuchungen wurde Sabine Beinschab verhaftet. Kurz darauf erklärte ihr Anwalt in einem Schreiben, dass seine Mandantin „bereit sei, freiwillig ihr Wissen über Tatsachen und/oder Beweismittel zu offenbaren“, das „die umfassende Aufklärung (…) über ihren eigenen Tatbeitrag hinaus“ fördern würde. In mehr als 65 Stunden Einvernahme lieferte Beinschab den Behörden wohl so viele neue Informationen, dass die Oberstaatsanwaltschaft und das Justizministerium dem Kronzeugenstatus zustimmten. Die Behörden sehen damit vorerst davon ab, im Zusammenhang mit den Studien und Geschäftsbeziehungen zu Karmasin weiter gegen Beinschab zu ermitteln.

Journalismus im Krieg

© Stanislava Harkotova

Die Journalistin Olga Tokariuk berichtet für internationale Medien aus der Ukraine. Sie beschreibt im Gespräch mit Tessa Szyszkowitz die Rolle der Oligarchen in der ukrainischen Medienwelt, warum es so viele arbeitslose Reporter gibt und wie objektiver Journalismus unter den Bedingungen der russischen Aggression funktioniert.

Es ist 50,63 Meter lang, 2,61 Meter hoch, das größte seiner Art und lässt sich in Wiens Öffentlichkeit bestaunen. Was ist es?

  1. Ein Holzrelief

  2. Eine Anzeigetafel

  3. Ein Emailgemälde

Auflösung von gestern: Die Pasetti-, Wehli-, Wex- und Engerthstraße sowie die Fännergasse sind alle nach Mitgliedern der Donauregulierungskommission benannt. Diese war für die erste Donauregulierung im 19. Jahrhundert zuständig.

Soraya Pechtl

Kostendruck 

Die Inflation bringt viele Menschen in finanzielle Schwierigkeiten. Seit kurzem springt für Bedürftige die erste gemeinnützige Bundesstiftung Österreichs ein – und stößt dabei an ihre Grenzen.

Zahlreiche Anfragen wie diese erhalten Hilfseinrichtungen derzeit:

  • Ich habe eine Rechnung für meinen Autoservice zu begleichen und weiß nicht, wo ich das Geld hernehmen soll. Ich habe schlaflose Nächte aus Angst, dass der Exekutor an der Tür klopft” – Mutter von drei Kindern

  • Mein Lebensgefährte ist 62 Jahre alt, bekommt vom AMS € 590,-. Ich bin 36 Jahre alt, arbeite Vollzeit in der Hotellerie-Gastronomie als Zimmermädchen, und mein Lohn beträgt € 1.100,-. Wir haben zwei schulpflichtige Kinder im Alter von sechs und zwölf Jahren.
    Wir bezahlen monatlich Miete € 525,- Strom derzeit € 100,-. Staatliche Hilfe erhalten wir nicht! Wir wissen nicht mehr ein und aus”
    – vierköpfige Familie

  • Bisher musste ich mein Geld sehr genau einteilen, aber nun kann ich wegen der auf das Doppelte gestiegenen Energiepreise nicht mehr überleben!” – Mindestpensionistin

Schlägt Alarm: Común-MItbegründerin Veronika Bohrn-Mena © Facebook/Bohrn-Mena

Der Befund ist klar: Viele Menschen können sich das tägliche Leben nicht mehr leisten. Oft springen Vereine, soziale Organisationen und seit Jahresanfang auch die erste gemeinnützige Bundesstiftung Österreichs ein: Común hat laut Homepage das Ziel, einen „gesellschaftlichen Wandel” zu erzeugen. Erreichen will man das mit vier Fonds, die verschiedene ökologische Projekte und Menschen in Notlagen unterstützen. Finanziert wird die Stiftung über Spenden. Aber warum braucht es dafür eine Stiftung, hätte man nicht einfach einen Verein gründen können? „Eine Stiftung wird für die Ewigkeit gegründet. Ein Verein verschwindet, wenn er aufgelöst wird. Der Fonds wird von der Republik verwaltet”, sagt Mitbegründerin Veronika Bohrn-Mena

Aber Común hat ein Problem: „Beim Solidaritätsfonds rennen uns die Leute die Türe ein”, sagt Bohrn-Mena. Armutsbetroffene Menschen können sich an den Fonds wenden und bekommen dann rund 200 Euro ausbezahlt. Wer wie viel bekommt, entscheidet ein ehrenamtlicher Stiftungsbeirat (bestehend aus der Armutsaktivistin Daniela Brodesser, Andrea Czak vom Verein feministischer Alleinerzieherinnen und dem Soziologen Josef Weidenholzer).

Im Schnitt 100 Anfragen erhält der Soli-Fonds pro Tag. Als die Stiftung im Jänner gegründet wurde, waren es gerade mal ein bis zwei pro Woche. „Wir sind budgetär nicht für diesen Ansturm aufgestellt. Das ist der Grund, warum wir Alarm schlagen”, so Bohrn-Mena. Aktuell sind 320 Hilfsansuchen offen. Bohrn-Mena fordert deshalb Sofortmaßnahmen für armutsbetroffene Menschen: „Wenn der Regierung bewusst wäre, wie schlimm die Situation tatsächlich ist, dann würde sie mit weiteren Maßnahmen gegen die Teuerung nicht bis Herbst warten”, sagt sie. 

„Ich könnte viel über den Unglücksraben Nehammer sagen …“ 

Harry Bergmann ist in seiner aktuellen Kolumne ornithologisch unterwegs: Er sieht einen Raben, hört die Spatzen von den Dächern pfeifen und kommt von ihnen über die Tauben zu einem grünen Kakadu.

Napoleon

Das stadtbekannte Gastronomenpaar Bernd und Irmgard Querfeld (Café Landtmann) hat die Kagraner Institution Napoleon übernommen und mit April zum Ort für viele und vieles gemacht. Platz ist reichlich im ausladend bunten Inneren, Herzkammer ist aber der große Biergarten mit seinem mächtigen alten Baumbestand und jeder Menge Kies. Hier stemmen die Kellner literweise Bier, allen voran frisch gezapftes Hausbier, ein malzig-süffiges Spezialbier von Ottakringer, bestimmt Napoleons Haus- und Hofbrauerei. Bei den Hauptgängen gewinnt Gebackenes, wie eine eher trockene und bittere Hühnerleber mit Okay-Erdäpfel-Mayosalat (€ 13,–) oder überbackene Schinkenfleckerln, in Portionsgröße gratiniert, ziemlich gut, mit Gurken-Rahm-Salat, der mehr auf der Rahm-Seite daheim war (€ 13,–). Weil die Portionen groß geraten, bleibt für Desserts kein Platz, das Süße kennt man ohnehin aus Café Landtmann, Museum, Mozart, Schönbrunn usw. Die gebackenen Mäuse eben ein andermal.

Die gesamte Lokalkritik von Nina Kaltenbrunner lesen Sie hier.

Simon Steiner

Wir schicken Sie diese Woche in die Dunkelheit: Klingt komisch, birgt aber wunderschöne Ausflugsgelegenheiten, bei denen man zugleich der Hitze etwas ausweichen kann.

Perseiden bestaunen

Hätten Sie gerne einen Wunsch frei? Oder zehn? Oder hundert? Möchte man dem Aberglauben Gehör schenken, muss man dafür nur ein paar Sternschnuppen gesehen haben. Dafür bietet sich jetzt die perfekte Gelegenheit: Der Meteoritenregen der Perseiden steht kurz vor seinem Höhepunkt.

Jeden Sommer durchkreuzt unser Planet diese Staubspur aus Meteorresten, welche die Atmosphäre beim Auftreffen zum Leuchten bringen. Die immer häufigeren Tropennächte kann man so immerhin dahingehend nutzen, an einem lichtarmen Ort den Nachthimmel zu bestaunen. Am besten sucht man sich dafür Lagen, von denen man vor allem Richtung Norden einen Himmel mit wenig Lichtverschmutzung (siehe Grafik unten, die zeigt, wo besonders gute Bedingungen herrschen; nähere Informationen hier) genießen kann - je höher und abgelegener, desto besser!

© Kuffner-Sternwarte

Die schlechte Nachricht für Wienerinnen und Wiener: Die Stadt und ihre Umgebung sind weder hoch, noch abgelegen – man muss also rausfahren (zum Beispiel in die Wiener Alpen). Die gute: Man kann das kosmische Spektakel auch in den Wiener Sternwarten genießen (Anmeldung und Reservierung hier).

Den Höhepunkt erreichen die Perseiden dieses Jahr zwischen 8. und 11. August. Die meisten Sternschnuppen sind allerdings erst deutlich nach Mitternacht zu sehen. Insgesamt dauert die Saison noch bis zum 24. August.

Lisa Kiss

Lesung

Geboren in Lubumbashi, einer Stadt im Süden des Kongo, kam Fiston Mwanza Mujila 2009 als Stadtschreiber nach Graz. Er ist geblieben. Auf das Debüt „Tram 83“ folgte heuer der zweite Roman „Tanz der Teufel“, aus dem er heute im Rahmen der O-Tönen liest. Die Handlung ist im Grenzgebiet von Angola und dem Kongo, in den Minen von Lunda Norte und in Lubumbashi angesiedelt. Hier treffen Frauen ohne Alter, Diamantensucher und Agenten aus alle Welt aufeinander. (Sebastian Fasthuber)

Museumsquartier, Haupthof, 20.00

Sabine Schiffner: Wundern

Das Treiben auf den Straßen, Krähen im nassen Winter und immer wieder ein lyrisches Ich, das alles vom Fenster aus beobachtet, ja, ausnahmslos alles Sichtbare wahrnimmt: Wie ein nie versiegender Bewusstseinsstrom stürzen sich Sabine Schiffners Verse mit Rasanz und Passion in die Welt. Vor unserem inneren Auge entsteht eine Seelenlandschaft. Was die Lyrikerin in ihr sucht, ist die manchmal zu übersehende, aber in Wirklichkeit große Schönheit.

Mal äußert sie sich im Zwiegespräch mit dem Herbst, mal im Genuss der Sonne, wenn ihre Strahlen die Schmetterlinge zum Glitzern bringen. Dass sich unter den vielen lebensbejahenden Gedichten in „Wundern“ mitunter auch einige finden, die von Furcht oder einem Albtraum vom vermeintlich gestorbenen Kind berichten, verleiht dem Band eine existenzielle Spannweite. Fazit: Berührend. (Björn Hayer)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Die ondulierte Welle

Das Design der Wiener U-Bahnen entstand um 1970 nach dem Vorbild des einheitlichen Corporate-Designs von Otto Wagner. Nach einem Wettbewerb formierte sich um Wilhelm Holzbauer und Heinz Marschalek die Architektengruppe U-Bahn, die für das Wiener System – strikte Trennung zwischen Fahrgast- und Gleisbereich – abgerundete Paneele entwickelte, in denen alles integriert werden konnte: vom Leitsystem bis zum Mistkübel: ein weltweit positiv kommentiertes Design.

Ein Dach wie eine Frisur: Die U6-Station Siebenhirten © Klaus-Jürgen Bauer

Beim Bau der U6 entstanden einige schöne Stationen wie die Station Siebenhirten aus dem Jahr 1995 außerhalb dieser Generallinie. Entworfen hat sie Johann Georg Gsteu, der mit Achleitner, Holzbauer und Friedrich Kurrent bei Holzmeister an der Akademie studiert hatte und immer fester Bestandteil der Wiener Avantgarde war.

In Siebenhirten verwendete er Aluminiumtrapezblech, das er mit blau lasiertem Beton und Glas kombinierte. Durch das sogenannte Einziehverfahren – damals eine neue Technologie – war es plötzlich möglich, ondulierte Formen und verschieden geformte Bögen wie etwa die oben abgerundeten Aufzugstürme herzustellen. Plötzlich konnte man mit harten Blechen verfahren wie Friseure mit Haaren. Genau das Richtige also für einen so entwurfstarken und materialinteressierten Architekten wie Gsteu. 


FALTER
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.morgen-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!