Streuner in Wien: Die Stadt der wilden Katzen - FALTER.morgen #382

Versendet am 05.08.2022

Bis zu 5.000 Streuner dürfte es in Wien geben: Tierliebhaber haben in einem Park eine Siedlung für sie errichtet, Expertinnen warnen vor einer unkontrollierten Vermehrung des Bestands >> Cooling Center als Notmaßnahme gegen Hitze und Einsamkeit >> Grundkurs Kochen mit einem Sommerrezept – kalter Auflauf

Wetterkritik: Durchhalten – heute dürfte der Höhepunkt der aktuellen Hitzewelle erreicht werden: Bis zu 37 Grad im Stadtgebiet. Morgen wird es dann gewittrig bei bis zu 28 Grad. Das ist die gute Nachricht, vorgestern waren Prognosen nämlich noch von 33 Grad ausgegangen. Die nicht so gute: Der Samstag dürfte sehr schwül ausfallen. Die etwas bessere: Ab Sonntag sind dann bis auf Weiteres „normale“ Sommerwerte um die 27 Grad angesagt.


Guten Morgen!

Jetzt mal ehrlich: Wie weit würden Sie für Ihre flauschigen Mitbewohner gehen? Katzenhalter sind bekanntlich sehr angetan von ihren Schützlingen und räumen die blutigen Geschenke, die ihre Tiere manchmal nach Hause bringen, wortlos weg. Viele Experten und Expertinnen beginnen das aber nun problematisch zu sehen: Der Blutzoll in Form von Vögeln - denen es ohnehin schlecht geht - und anderen Tieren sei zu groß. Soll man die Tiere deshalb einsperren? Und wie viele Katzen streunen überhaupt durch die Straßen Wiens? 

Ich wollte wissen, wie das mit den Wiener Katzen ist und wie wie Katzenfänger, Vogelschützer und felinophile Menschen darüber denken. Eine große Geschichte darüber finden Sie im aktuellen FALTER (ohne Abo kostenpflichtig). Für einen besonderen Aspekt des Themas war dort aber kein Platz – die wilden Katzen Wiens, die durch die Stadt streunen und in einem Park eine neue Bleibe gefunden haben. Mehr dazu lesen Sie gleich unten.

Außerdem im heutigen FALTER.morgen: Magdalena Riedl hat eine neue Sozialeinrichtung besucht, die durch den Klimawandel notwendig geworden ist – das Cooling Center. Und im Grundkurs Kochen gibt's ein Rezept, das ebenfalls den hohen Temperaturen geschuldet ist: Auflauf, aber kalt.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Katharina Kropshofer


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Auf samtharten Pfoten

In Wien streifen freilaufende Hauskatzen und etliche Streunerkatzen durch die Straßen. Kastriert man sie nicht, können sie sich rasend schnell vermehren – und ihrer Umwelt reichlich schaden. 

Der Ammoniak beißt sich langsam in der Nase fest. Wie eine kleine Schrebergartensiedlung reihen sich kleine Häuschen hier in der Katzenstadt eines großen Wiener Parks (welcher, wird hier nicht verraten, um die Tiere nicht zu stören).

Die Tiere hier sind wild, wurden als Junge nicht an den Menschen gewöhnt und würden sich deshalb in ihren Wohnzimmern auch nicht wohlfühlen. Stattdessen leben sie hier inmitten der Großstadt, Tierliebhaber füttern sie ehrenamtlich, haben ihnen Spielzeuge in den Ästen der Bäume aufgehängt, Hütten gebaut – manche Luxusbuden mit Mückengitter und Stroheinlage, andere provisorisch aus Holzspanplatten, von Gaffer Tape zusammengehalten und mit Moosbewuchs am Dach. Den Katzen hier ist das egal, bewohnt sind die Hütten hier alle.

Hier leben wilde Katzen: Streuner-Unterkünfte in einem Wiener Park © FALTER/Kropshofer

Dann schießt plötzlich ein schwarzer Blitz aus einem der Hauseingänge, streift noch an den Knöcheln, bevor sie unter einem Busch verschwindet. Katze zwei ist weniger misstrauisch: Das weiße Fell gepflegt, die grünen Augen leicht zusammengedrückt sitzt sie plötzlich auf einem der Dächer und hält intensiven Blickkontakt, damit der Eindringling es sich ja nicht zu gemütlich macht. 

Zwischen 2.000 und 5.000 Streunerkatzen soll es in Wien an mindestens 120 solcher Plätze geben. Das schätzen Forscher der Vetmeduni Wien in einer Studie. Wie viele es wirklich sind, sei unmöglich zu sagen. Dazu kommen die Hauskatzen, die von ihren Besitzern ins Freie gelassen werden. 250.000 Katzen gibt es womöglich in Wien, aus Schätzungen weiß man, dass 50 bis 80 Prozent von ihnen auch raus dürfen. Das Problem: Ihr Sexualverhalten.

Bis zu dreimal im Jahr tragen Katzen Junge. Kastriert man sie nicht, kann ein einziges Katzenpaar in fünf Jahren 12.000 Kätzchen produzieren – auch wenn es dafür perfekte Umstände bräuchte. Die Zahl der Katzen in Wien würde exponentiell steigen, die Gesundheit der Streunerkatzen leiden, schließlich wandern Keime leicht von Tier zu Tier, wenn diese aus derselben Schüssel essen. Und auch ihre Umwelt würde Schaden tragen.

In Deutschland schätzt der Naturschutzbund, dass Katzen zwischen 20 und 100 Millionen Vögel pro Jahr töten - nach der Kollision mit der Glasscheibe die zweitgrößte Todesursache.

In Australien haben Katzen bereits 99,8 Prozent der Landesfläche erobert und bedrohen die letzten 500 Individuen der Schmalfußbeutelmaus. Bis 2020 plante der Inselstaat deshalb, zwei Millionen wilde Katzen von den Straßen zu entfernen - sprich: zu töten

Und in Österreich? Rechnet die Organisation Birdlife hoch, dass die zwei Millionen Hauskatzen zwischen zehn und 25 Millionen Vögel im Jahr umbringen. Eine sehr grobe Schätzung. „Katzen sind gebietsweise ein Artenschutzproblem – vor allem wenn sie Arten jagen, die ohnehin schon bedroht sind wie das Rebhuhn oder das Braunkehlchen”, meint Johannes Hohenegger von Birdlife.

Wiener Katzen verfolgen eher Amsel, Spatz und Meise, also Vögel, die nicht auf roten Listen stehen. Sie fressen auch Nager, Insekten wie Libellen oder Reptilien, letztere stehen in Österreich alle unter Schutz. 

Schon lange ist die Katze nicht mehr nur Nutztier, um lästige Mäusevölker in den Griff zu kriegen. Sie ist Freund, Therapietier, keine zweimal muss man in sozialen Medien für ein ungefragtes, süßes Katzenvideo scrollen. Und die hemmungslose Liebe zur Mieze lässt die ökologischen Nachteile ausblenden. Dabei debattieren manche Länder bereits, wie man die Katzenplage am besten eindämmt. Australien beschränkt die Katzenanzahl auf zwei Stück pro Haushalt. Niederländische Juristen wollen Katzen nicht mehr frei umherstreifen sehen, und die Gemeinde Walldorf in Baden-Württemberg verhängte im Mai ein Freilaufverbot für Katzen. Eine Allgemeinverfügung zum Schutz der seltenen Haubenlerche, die dort vorkommt – eine der am stärksten bedrohten Vogelarten Deutschlands. 

In Österreich müssen Katzenhalter ihre Schützlinge laut einer Gesetzesnovelle aus 2016 kastrieren, kontrolliert wird das nur bei Tierarztbesuchen. Die Tierschutzombudsstelle hat eigene Leute, die auch Streunerkatzen fangen, zum Tierarzt bringen, wo sie kastriert werden. Das dämmt die Populationsexplosion ein. 

Und die Katzenhalter? Die könnten zumindest den Freilauf beschränken, indem man Stubentiger etwa nur in den Stunden rauslässt, in denen besonders viele Vögel unterwegs sind, empfehlen Experten. Oder sie gar im Haus behalten. 

Katze Zwei im Wiener Park blickt weiterhin skeptisch, nur von einem Schmetterling lässt sie sich kurz ablenken. Katze drei liegt neben einem Sportplatz, die Trillerpfeife und der Jubel aus dem Publikum stört sie null. Und Katze vier kriecht unter eine Palette und beobachtet von dort weiter. Von der Diskussion, die hinter ihrem Katzenbuckel geführt wird, wissen die wilden Katzen nichts.

Das Wilbur Shirt

Abstand halten und trotzdem nicht zu vereinsamen, keine leichte Aufgabe. Tex Rubinowitz und sein Schneemann Wilbur haben die Lösung: In der Nähe von Wilbur wurde nur Wilbur gesehen.

Das T-Shirt aus 100% Bio-Baumwolle hat einen Rundhalsausschnitt für Herren und einen V-Ausschnitt für Damen.

Erhältlich auf faltershop.at

Kampfeinsatz Tierschmuggel

© FALTER/Corn

Wie der österreichische Zoll versucht, die Artenvielfalt zu verteidigen: Gerhard Marosi, Artenschutzexperte des Finanzministeriums, über Elefanten-Elfenbein, Papageieneier und Wildtierkriminalität. Das Gespräch mit FALTER-Natur-Chef Benedikt Narodoslawsky gibt's ab Samstag hier zu hören.

Magdalena Riedl

Gut gegen Hitze … und Einsamkeit

Cooling Center kommen ursprünglich aus den USA. Weil uns die Hitze auch in Wien im Griff hat, gibt es sie inzwischen auch hier. Viele, die hierher kommen, suchen nicht nur nach Abkühlung, sondern auch nach Zuspruch.

Zwischen zwei rot-weißen Fahnen steht Karin* im dunkelblauen Rot-Kreuz-Poloshirt an einem ebenso rot-weißen Stehtisch und bewacht ihre Oase. Es ist zwölf Uhr mittags, der Tag heiß und das Spiel immer dasselbe. Schlendert jemand an ihr vorbei und blickt nur einen Augenblick zu lang in ihre Richtung, fragt sie mit breitem Lächeln: „Grüssie, darf ich Ihnen ein Glas Wasser oder ein Yakult anbieten? Oder wollen Sie sich hinsetzen?“ Mit einladender Handgeste bedeutet sie Interessierten, in einem der sieben bunten Liegestühle Platz zu nehmen.

„Fast wie in Bibione“: Das Cooling Center des Roten Kreuzes im Shopping Center Nord © FALTER/Riedl

Jeden Stuhl ziert ein hellgelber Sonnenhut, den sich manche selbst aufsetzen. Und bei den anderen hilft Karin nach. „Fast wie in Bibione“, scherzt eine junge Mutter mit Buggy und Kleinkind an der Hand. Bloß, dass man nicht auf‘s Meer blickt, sondern in einen grellbeleuchteten Gang des Shopping Center Nord, in dem man Bummlern beim Einkaufen zusehen kann. Und statt Limoncello gibt es Joghurtdrinks, die die Verdauung anregen – das soll bei dieser Hitze wichtig sein.

Schon das dritte Jahr in Folge hat das Rote Kreuz hier im Einkaufszentrum am Stadtrand ein Cooling Center eingerichtet. Es soll laut Webseite für alle, die sich eine Weile von der Hitze erholen wollen, ein kühler, konsumzwangfreier Treffpunkt sein.

Es ist das einzige vom Roten Kreuz betriebene Zentrum – aber nicht die einzige Initiative ihrer Art. Die Caritas hat etwa die Gärten von zwölf Wiener Pfarren in sogenannte Klimaoasen umfunktioniert. Die Stadtregierung will laut Klimaaktionsplan wiederum bis 2023 eigene Cooling Zones einrichten.

Aber zurück ins Shopping Center Nord. Auf 24 Grad klimatisiert, kostenlos und kinderfreundlich wird hier die Hitze bekämpft. „Und auch die Einsamkeit“, weiß Karin. Denn neben denjenigen, denen es beim Einkaufen zu heiß geworden ist, nutzen vor allem ältere Leute das Angebot. „Die freuen sich über Gespräche, weil sie oft seit Tagen niemanden zum Reden hatten. Sowas tut mir im Herzen weh“, erzählt die Pensionistin, die mit ihrem Ehemann Otto* nun schon das zweite Jahr ehrenamtlich für das Rote Kreuz aktiv ist. Wenn es heiß ist, bis zu dreimal die Woche im Cooling Center.

Die Halle ist hell, von den Wänden blättert der Putz ab, über den graugrünen Boden ziehen sich schwarze Schlieren. Die Juchzer der umhersausenden Kinder hallen und durchbrechen die üblich gemütliche Einkaufscenter-Atmosphäre. Otto wirft zwei kleinen Mädchen mit schwarzen Zöpfen einen orangefarbenen Wasserball zu, den sie ihm sofort zurückkicken. Währenddessen bläst Karin blassblaue Einweghandschuhe auf und malt ihnen Eddinggesichter. „Ich möchte einen Himbeersaft“, vermeldet ein junger Bub. Hydrieren hat hier einen hohen Stellenwert.

Für gewöhnlich gilt im Cooling Center: Je später es wird, desto voller wird es, desto höher steigt das Durchschnittsalter und desto seltener kommt die für Jüngere eingerichtete Malstation zum Einsatz. Dass es heute schon 16:30 Uhr und beinahe leer ist, überrascht auch Karin. Bei ihrem letzten Dienst waren über den Nachmittag verteilt 75 Leute hier – insbesondere ältere Hitzegeplagte, zum Plaudern. Weil die fehlen, plaudert Karin heute einfach mit allen, die am Cooling Center vorbeiflanieren.

Um 17:00 Uhr ist Schluss. Und jetzt macht es sich Otto selbst in einem Liegestuhl bequem: Angenehm kühl bleibt es hier ja weiterhin.

*Namen geändert

Simon Steiner

Beachvolleyball am Heumarkt

Ab heute geht der Beachvolleyball Nations Cup in die K.o.-Phase. Gespielt wird seit Dienstag am Heumarkt. Je zwei Teams pro Land treten als gemeinsame Mannschaft an.

Katharina Schützenhöfer und Lena Plesiutschnig im Duell gegen Italien © APA/EXPA/JFK

Die Konkurrenz ist groß: Für Norwegen gehen die frisch gekrönten Weltmeister Anders Mol und Christian Sørum auf den Platz. Deutschland schickt die WM-Dritten Svenja Müller und Cinja Tillmann ins Rennen. Österreichs Damen und Herren konnten sich für die Eliminationsrunde bereits qualifizieren. 

Samstagabend steigt dann das Finale der Frauen vor 2.800 Zuschauern. Am Sonntag folgt das Endspiel der Herren. Die Arena ist komplett ausverkauft, gute Stimmung gewiss. Der ORF überträgt alle Partien live. 

Der Nations Cup ist als Format in Wien übrigens eher unüblich: Bisher war die Hauptstadt Schauplatz für große Turniere wie die EM. Heuer gingen diese Wettbewerbe an andere Austragungsorte. 2023 soll der Weltklasse-Beachvolleyball dann wieder in bewährter Form auf die Donauinsel zurückfinden. 

Heute ist der 15. internationale Tag des Bieres. Weltweit belegt Österreich beim Pro-Kopf-Konsum weit hinter Tschechien den zweiten Platz. Das fermentierte Getränk kann man übrigens auch sehr gut alkoholfrei genießen. Nun aber zur Frage: An wie vielen Standorten wird in Wien heute noch Bier gebraut?

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Auflösung von gestern: Mit einer Länge von 50,63 m und einer Höhe von 2,61 m ist das Emailgemälde von Susanne Zemrosser in der U-Bahnstation Praterstern das größte seiner Art und als solches von Guinness World Records beglaubigt.

© Gugerell/Wikipedia

Lisa Kiss

Kindertheater

Das Theater Asou zeigt das poetisches Erzähltheater „Rapunzel frisch frisiert“, frei nach den Gebrüdern Grimm: Auf einer Zugfahrt erzählt eine ältere Dame die Geschichte ihrer Tochter Rapunzel; eine Hexe, ein hoher Turm, ein Prinz und ein Vogerlsalat kommen darin vor. Ursula Urban als Rapunzels Mutter schlüpft in verschiedene Rollen und wird von der Musikerin Fiona Thausing-Wang begleitet. Ab fünf Jahren. 

Herderpark, Fr 10.30 


Festival Niederösterreich

Zum ersten Mal überhaupt wird der zauberhafte Garten des Schloss Prugg in Bruck an der Leitha zum Schauplatz des Paradies Garten Festivals. Zwischen uralten Platanen bringen namhafte DJs wie Koze aus Hamburg und der Wiener Lokalheld Wolfram (zuletzt mit Naomi Campbell hinter den Turntables) die altehrwürdigen Schlossmauern zum Beben. Insgesamt 50 Artists feiern an drei Tagen auf drei Stages eine große Party. (Barbara Fuchs)

Schloss Prugg, Fr–So, ab 12.00


Festival Burgenland

Reggae-Feeling in Wiesen: Neben internationalen Größen wie Julian Marley, Third World  & Max Romeo finden sich auch heimische Acts wie Mono & Nikitamann oder die House of Riddim Band im Line-up des One Love Festivals. Workshops, ein großes Kinderprogramm sowie ein vielfältiges kulinarisches Angebot bilden das Rahmenprogramm; das Park- und Campingareal reicht vom Kirschgarten bis zum Nusswald und zur Märchenwiese.  

Festivalgelände Wiesen, Fr 16.00, Sa 14.00


Tanz

Zum Abschluss des Festivals Impulstanz zeigt der US-amerikanische Choreograf Trajal Harrell eine Choreografie für sieben Tänzer:innen zu Keith Jarretts „The Köln Concert“, der erfolgreichsten Soloklavier-Jazzaufnahme aller Zeiten. Mehr zu dieser Performance lesen Sie auf Seite 7 der aktuellen Falter:Woche. 

Volkstheater, Fr, So 21.00


Theater/Lesung

Szenische Annäherung ans Vergessen bei der Lesung aus dem Roman „Nebel“ von Mario Schlembach: Die Nachricht vom Tod seines Vaters führt einen jungen Mann zurück an den Ort seiner Herkunft. Er hat viele Stunden am Friedhof verbracht und den Vater bei dessen Arbeit als Totengräber beobachtet. Jetzt tritt er seine Nachfolge an. In der Inszenierung von Sophie Resch lesen sie und der Autor Textauszüge und schaffen eine Atmosphäre, dass man selbst im Open-Air-Setting meint, die grauen Trauerschwaden ländlichen Nebels vorbeiziehen zu sehen. (Martin Pesl)

Janis Joplin Promenade, Sa 18.30 (Eintritt frei)

Bob Blume: Zehn Dinge, die ich an der Schule hasse

Dieser Titel ist eine Lüge. Und zwar von vorn bis hinten. Denn Hass? Nein, keineswegs, vielmehr handelt es sich bei dieser Neuerscheinung des deutschen Lehrers und Bildungsinfluencers Bob Blume eher um einen Liebesroman, zugegeben, einer in Sachbuchform. Anders gesagt: Man muss etwas liebhaben, um es auch hassen zu können. Und das tut Bob Blume eindeutig. Er liebt die Schule, Bildung und besonders jene Menschen, die hinter diesen abstrakten Begriffen stehen.

Blume hebt gleichsam Vorhänge hoch und lässt alle, die sich darauf einlassen, ein wenig tiefer hinter die Kulissen von Schule blicken. Anregungen zum Nachdenken wie zum konkreten Tun, immer wieder auch fast philosophisch anmutende Exkurse. Amüsant ironisierend, zutiefst betroffen und jedenfalls immer gut spürbar selbst bewegt. So findet sich für jede und jeden etwas. Keineswegs „nur“ für Lehrpersonen. Aber natürlich auch für diese. (Daniel Landau)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Auflauf im Sommer? Sehr vermessen! Deshalb wird er kalt gegessen

© FALTER/Archiv

Kaum ein Gericht schreit so laut „Winter“ wie der Auflauf. Dabei lässt er sich ganz leicht in ein Sommeressen verwandeln, und zwar, indem man ihn einfach auskühlen und am besten über Nacht stehen lässt. Dann kann man ihn wie einen Kuchen in Stücke schneiden und zum Baden, Wandern oder Picknicken mitnehmen.

Ganz wunderbar geht das zum Beispiel mit einem Erdäpfel-Karotten-Auflauf, nämlich so: Für zwei Portionen nehme man acht Stiele frischen Thymian und zupfe die Blätterchen ab. Nun ein viertel Kilo Karotten schälen und schräg in dünne Scheiben schneiden. Eine Zwiebel fein würfeln. Ein halbes Kilo Erdäpfel (am besten vorwiegend festkochende) – je nach Belieben mit oder ohne Schale -ebenfalls in dünne Scheiben schneiden.

Nun eine flache, ofenfeste Form mit Butter einfetten. Die Erdäpfel- und Karottenscheiben mit den Zwiebeln und dem Thymian vermischen, mit Salz, Pfeffer und etwas frisch geriebener Muskatnuss würzen und in der Form verteilen.

Ein getrocknetes halbes Vollkornweckerl grob reiben (geht natürlich auch mit einer Semmel oder einem Baguette, falls man Weißbrot bevorzugt) und mit circa 50 Gramm klein gehackten Haselnüssen vermischen.

100 ml Gemüsesuppe mit 150 ml flüssigem Schlagobers aufkochen und einen guten Käse in die Sauce bröseln und schmelzen lassen. Dazu eignen sich diverse Ziegenweichkäse; wer es intensiver mag greift zu Blauschimmelkäsen wie Gorgonzola oder Dolcelatte.

Nun die Sauce über den Auflauf gießen und das Ganze mit dem Brösel-Nuss-Gemisch bestreuen. Bei 180 Grad auf mittlerer Schiene etwa 30 Minuten im Rohr backen. Herausnehmen und ruhen lassen.

Der Text stammt aus der Serie „Grundkurs kochen". Das gleichnamige Büchlein von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 112 Seiten, 4,90 Euro) ist im faltershop erhältlich.


FALTER
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