Affäre um die Wien Energie: Rotes Blackout - FALTER.morgen #399

Versendet am 31.08.2022

Wie konnte die Wien Energie mit mehreren Milliarden Euro in die Miesen geraten? Das Rathaus geizt mit konkreten Erklärungen dafür – wir haben eine mögliche gefunden >> Was passiert, wenn in Wien der Strom ausfallen sollte. Und wie Sie sich darauf vorbereiten können >> Film-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Ein Hauch von Herbst, wie schön – kühler, windiger, wolkiger. Nachmittags beginnt es zu regnen, in der Nacht können die Niederschläge sogar kräftig sein.


Guten Morgen!

Blicken Sie schon durch, wie es sein kann, dass die Wien Energie urplötzlich mit ein paar Milliarden Euro in die Miesen geraten ist? Nein? Na geh! Dabei hat Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ) nach einer Schrecksekunde von zwei Nächten gestern doch klar und deutlich gesagt, dass es nichts zu verbergen gibt und alles ganz normal läuft, warum also die Aufregung bitte?

Eine wirklich gute Erklärung, wie die bedenkliche Schieflage zustande gekommen ist, geruhten aber weder Ludwig, noch Finanzstadtrat Peter Hanke oder die zuständigen Stadtwerke- und Wien Energie-Chefs anzubieten (einen Link zur Version der Wien Energie finden sie ein bisschen weiter unten).

Ich habe versucht, mir durch Gespräche mit Experten einen Reim darauf zu machen und das System auf eine mir selbst verständliche Ebene herunterzubrechen. Und bin als ökonomisch simples Gemüt auf Erdäpfel gekommen.

Die Energieversorgung von Wien sei jedenfalls gesichert, beteuern Ludwig und Co. ein um’s andere Mal – aber da wir inzwischen vorsichtig mit Versprechungen aller Art geworden sind, lassen wir das nicht so einfach stehen: Paul Sonnberger erzählt Ihnen gleich unten, was passieren würde, wenn in Wien der Strom ausfällt, und zwar flächendeckend und tagelang. Das kann nach Meinung von Experten jederzeit passieren. Und Simon Steiner hat eine Liste zusammengestellt, was Sie für diesen Fall im Haus haben sollten. Filmtipps von Michael Omasta gibt’s aber trotzdem. Schlimmstenfalls müssen Sie halt auf Kopfkino umstellen.

Einen energiegeladenen Tag wünscht Ihnen

Martin Staudinger


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Von Erdäpfeln, Strombörsen und dem bösen S-Wort

Wie die Wien Energie mit Milliardenbeträgen in die Miesen geraten sein könnte – ein Erklärungsversuch.

Also, stellen wir uns folgendes vor: Sie sind ein Erdäpfelbauer mit Kunden aus der Nachbarschaft, die Ihnen die Ernte übers Jahr in kleinen Mengen abkaufen – während der große Rest Ihrer Lagerbestände schlecht zu werden droht. Glücklicherweise gibt es nebenan einen Gemüsehändler, der Leute im ganzen Bezirk beliefert.

Am Beispiel der Erdäpfel: Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), die Wien Energie und ein plötzlicher Milliarden-Finanzbedarf © APA/Hans Punz

Daher bieten Sie dem Gemüsehändler an, ihm nächstes Jahr Ihre gesamte Ernte auf Kommission zu überlassen – und nennen einen Preis, sagen wir (der Einfachheit halber) zehn Euro pro Tonne. Der Gemüsehändler informiert daraufhin seine Kunden, und die bestellen auf Vorrat.

Jetzt haben Sie selbst aber keine Erdäpfel für Ihre Nachbarn mehr und müssen daher bei Bauern in anderen Bezirken zukaufen. Was kein Problem zu sein scheint, im Gegenteil: Momentan kosten die Erdäpfel dort nämlich nur acht Euro pro Tonne. Sie vermuten zudem, dass die Preise nächstes Jahr auf fünf Euro fallen werden. Dann können Sie Ihre eigenen Kunden billig beliefern und nebenbei einen netten Gewinn machen, weil Sie ja gleichzeitig zehn Euro pro Tonne von den Abnehmern des Gemüsehändlers bekommen.

Nun passiert aber etwas Unvorhergesehenes: In den anderen Bezirken fällt die Ernte schlecht aus, es gibt zu wenige Erdäpfel und die Bauern dort verlangen plötzlich 20, 50 oder gar 100 Euro pro Tonne. Damit haben Sie nicht nur das Problem, sauviel zahlen zu müssen, um Erdäpfel für Ihre eigenen Kunden zu kaufen. Auch der Gemüsehändler beginnt, sich Sorgen zu machen. Er hat seinen Abnehmern ja versprochen, dass sie über ihn Erdäpfel bekommen, und zwar für die vereinbarten zehn Euro pro Tonne. Er ruft an und verlangt, dass Sie vorsorglich Geld auf den Tisch legen – als Sicherheit, falls die Preise so hoch bleiben und Sie Schwierigkeiten bekommen sollten, Ihren Lieferverpflichtungen nachzukommen.

Das Geld haben Sie aber nicht und gehen daher zur Bank, um sich zu erkundigen, ob diese notfalls mit einem Kredit aushelfen würde. Dort sagt der Mensch am Schalter (falls es dort noch einen Menschen und einen Schalter gibt) aber: Na servas, Du hast ja eh schon zwei Kredite laufen, also leider nein.

Worauf Sie in Ihrer Verzweiflung beim Gemeindeamt anklopfen und hoffen, dass man Ihnen dort finanziell aus der Patsche hilft, weil es ja ein Schmarrn wäre, wenn die Leute im Ort keine Erdäpfel mehr bekommen würden. Da trifft es sich gut, dass der Bürgermeister Ihr Papa ist und das tatsächlich tut, und zwar ohne den Gemeinderat zu informieren – mit einer Summe, die das ganze Gemeindebudget sprengen würde.

Wenn man jetzt den Erdäpfelbauern durch die Wien Energie ersetzt, die Erdäpfel durch Strom, den Gemüsehändler durch die Strombörse und der Bürgermeister der Bürgermeister bleibt, dann ist in Wien wohl genau das passiert.

Das System hat einen Namen, nämlich Termingeschäft – und es kann ebenso dem so genannten Hedging dienen (Käufer schützen sich gegen mögliche künftige Preissteigerungen, Verkäufer gegen Preisrückgänge), als auch der Spekulation.

Das böse S-Wort will bei der Stadt Wien aber niemand hören. Dadurch würde das eigene politische Geschäftsmodell ganz grundsätzlich ins Wanken kommen – man verurteilt in flammenden Worten die Methoden der Finanzindustrie, nutzt diese (zum Teil gezwungenermaßen) aber gleichzeitig selbst, weil man anderenfalls nicht sozial auftreten und dadurch an der Macht bleiben könnte.

Für die Wien Energie hat sich die Situation inzwischen insofern etwas entspannt, als die Strompreise gestern so plötzlich gefallen sind, wie sie am Freitag gestiegen waren. Vorerst zumindest, das kann sich auch wieder ändern. Von den 1,75 Milliarden Euro, die als Sicherheit an der Strombörse hinterlegt werden mussten, hat das Unternehmen 800 Millionen jedenfalls bereits wieder zurückbekommen.

Die Wien Energie hat gestern beteuert, keine so genannten „Leerverkäufe“ zu tätigen – sprich: nicht mit Strom zu handeln, den sie nicht selbst besitzt. Es bestehe „absolutes Spekulationsverbot“. Dass das Unternehmen laut Finanzbericht der Stadtwerke 2021 fast die dreifache Menge ihrer Jahresproduktion verkauft hat, sei „rein bilanziell und zeigt die Handelsbewegungen auch für die Jahre 2022/2023“ (hier geht es zur Presseaussendung). Viele Fragen bleiben aber dennoch offen.

Und an der grundsätzlichen Problematik ändert sich auch nichts: Die besteht nicht zuletzt in einer Stadtregierung, die existenzbedrohende Probleme bei hochriskanten Finanzgeschäften nicht nur vor der Öffentlichkeit, sondern auch vor dem Gemeinderat zu verheimlichen versucht.

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Vor Gericht

Doch ein Sieg für Heinz-Christian Strache? Das Oberlandesgericht Wien hat am Montag das Urteil gegen den ehemaligen FPÖ-Chef und in der Causa um den Privatkrankenanstalten-Finanzierungsfonds (Prikraf) aufgehoben. Die erste Instanz habe entlastende Chatnachrichten nicht ausreichend gewürdigt, so die Begründung des OLG.

Zur Erinnerung: Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) hatte Strache und seinem Mitangeklagten, dem ehemaligen Privatklinikbesitzer Walter Grubmüller Gesetzeskauf vorgeworfen (die wichtigsten Punkte zur Causa können Sie hier nachlesen, eine Einschätzung von Florian Klenk lesen Sie hier). Strache wurde in erster Instanz zu 15 Monaten, Grubmüller zu zwölf Monaten Freiheitsstrafe verurteilt. Ein Freispruch ist die jetzige Aufhebung aber nicht. Das Verfahren muss nun am Straflandesgericht neu verhandelt werden. 

Das Verfahren in der Causa Asfinag (Strache und der Unternehmer Siegfried Stieglitz wurden vom Vorwurf der Bestechlickeit/Bestechung freigesprochen) geht währenddessen in Berufung. Strache musste sich wegen des Vorwurfs verantworten, Stieglitz einen Aufsichtsratsposten gegen eine Spende verschafft zu haben. Das Gericht hat beide in aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Die WKStA hat Berufung angemeldet.


Falter Radio

Europas Notpläne für Strom und Gas

© Screenshot Löw

Aus aktuellem Anlass: EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und Deutschlands grüner Wirtschaftsminister Robert Habeck zeichnen Antworten auf die Energiekrise, befragt von ZDF-Korrespondentin Anne Gellinek. Das Gespräch hören Sie hier.


Stadtrecherche

Paul Sonnberger

Schwarzstart gegen Blackout

Was in Wien passiert, wenn es zu einem Österreich- oder europaweiten Stromausfall kommt.  

Stellen Sie sich vor, plötzlich ist alles dunkel. Ihr Handy (mit dem Sie vielleicht gerade diesen Artikel lesen) funktioniert nicht mehr, die Türen in Supermärkten bleiben zu und die U-Bahnen stehen still. So in etwa würde ein österreichweiter Blackout aussehen. 

Bei einem Blackout handelt es sich nicht um lokale Stromausfälle, die zumeist durch atmosphärische Einwirkungen wie Sturmschäden ausgelöst werden, sondern um ein überregionales Ereignis. Österreichweit oder sogar in ganz Europa bricht das Stromnetz zusammen. „Eine wahrscheinliche Ursache ist dabei eine Frequenzstörung”, sagt Alfons Haber, Vorstand der E-Control. Dazu kann es kommen, wenn in einem Bereich des Energienetzes plötzlich zu wenig Strom vorhanden ist (etwa durch den Ausfall eines Kraftwerks) oder zuviel (etwa durch den Wegfall eines Großverbrauchers) – und dadurch die normale Frequenz (zwischen 49,8 bis 50,2 Hz) über- oder unterschritten wird. Es muss also immer gerade so viel Strom ins Netz eingespeist werden, wie verbraucht wird. 

Schwarzstart in Simmering: Im Notfall versorgt das Kraftwerk Simmering die Wiener Bevölkerung mit Strom © APA/Hans Punz

Doch ist ein Blackout überhaupt wahrscheinlich oder wird das Thema medial aufgebauscht? „Grundsätzlich ist es im Bereich des Möglichen, aber wir sind sehr gut auf eventuelle Frequenzstörungen vorbereitet. Bei zu wenig Strom wird die Produktion erhöht, ist die Frequenz über dem Soll, wird die Produktion zurückgefahren oder die Last beispielsweise über Pumpspeicher erhöht”, sagt Haber. 

Sollte Wien dennoch von einem Blackout betroffen sein, kommt es zu einem so genannten Schwarzstart – so wird das Hochfahren eines Kraftwerks bei einem großflächigen Stromausfall bezeichnet – in Simmering. Das dortige Kraftwerk wird dann durch einen Generator hochgefahren. Wien wird dann zu einer unabhängigen regionalen Versorgungsinsel. „Sollte es also zu einem Blackout kommen, ist es bloß eine Frage von ein bis zwei Tagen, bis Wien wieder mit Strom versorgt ist”, sagt Manuela Gutenbrunner, Sprecherin der Wiener Netze

Die Wasserversorgung ist im Großteil von Wien übrigens auch während eines Stromausfalls gegeben. Das Wiener Wasser fließt aus den steirisch-niederösterreichischen Alpen im natürlichen Gefälle in die Stadt. Bloß die höher gelegenen Gebiete von Wien (Jubiläumswarte, Wilhelminenberg, Buchberg, Wolfersberg, Schafberg, Cobenzl, Kahlenberg, Bisamberg, Hinterhainbach) werden über Wasserreservoirs versorgt, die über ein Pumpwerk befüllt werden. Im Falle eines Blackouts halten Notstromaggregate diese Pumpen am Laufen. 

Der österreichische Zivilschutzverband empfiehlt, einen Lebensmittelvorrat anzulegen und Taschenlampen greifbar zu halten. Mit einem Kurbelradio (es geht auch ein batteriebetriebenes Gerät) kann man sich auch ohne Strom weiterhin informieren, mit einem Campingkocher weiterhin kochen.

Was Sie im Falle eines zuhause haben sollten:

Wasser steht nicht auf unserer Liste, da Wien auch im Notfall über ein Pumpwerk versorgt wird © Simon Steiner

Online finden sich auf unzähligen Prepper-Seiten Blackout-Starterpakete für viel Geld. Ab 199 Euro gibt es ein bisschen Dosenessen, Wasseraufbereitungstabletten und Klopapier – mit der Angst vor einem Blackout lässt sich wohl auch gut Geld verdienen.


Frage Des Tages

Was passierte 1929 in Wien aufgrund anhaltender Minusgrade?

1. Es war so kalt, dass die Leitungen einfroren und die Heizungen eine Woche nicht mehr funktionierten

2. Die Donau war so dick zugefroren, dass Fußgänger sie überqueren konnten

3. Hunderte Vögel sind gestorben

Auflösung von gestern: Als ältester Markt Wiens gilt der Hohe Markt (nicht der Brunnenmarkt oder der Naschmarkt). Er wurde 1233 erstmals erwähnt.


Event Des Tages

Lisa Kiss

Kabarett

Der Schauspieler und Komiker Elon Gold (52) tritt heute erstmals in Wien auf. Hier hält sich seine Bekanntheit eher in Grenzen, das heißt, er muss richtig gut sein. Neben der Mitwirkung in Krimiserienfolgen und einem Stand-up-Programm auf Netflix kann Gold vorweisen, einmal mit Pamela Anderson gedreht zu haben. Das schlicht „Elon Gold Live“ betitelte Programm wartet mit klassisch jüdischem Galgenhumor auf. Der Künstler imitiert außerdem seine Helden in Sachen Entertainment, Howard Stern und Jay Leno. Expats, aufgepasst: Jetzt wird’s wieder heimelig amerikanisch. (Martin Pesl)

Globe Wien, 19.30 


Buchtipp

Das unterschätzte Tier

Müssen wir Mücken das Recht auf Leben zusprechen? Braucht es ein Urheberrecht für Menschenaffen-Selfies? „Kommt Strolchi in den Himmel?“ Und ist Robbenschutz Kulturimperalismus? „Das unterschätzte Tier“ regt zum Weiterdenken an: Es liefert Fakten dazu, „was wir heute über Tiere wissen und im Umgang mit ihnen besser machen müssen".

Norbert Sachser, Verhaltensbiologe an der Universität Münster, hat Kollegen aus Disziplinen wie Biologie, Philosophie, Recht, Geschichte und Religionswissenschaft versammelt: Wissenschaft für die Praxis, für ein besseres Miteinander über Artgrenzen hinweg, für mehr Gerechtigkeit. „Bereits jetzt hat die Revolution des Tierbildes zu einem Bewusstseinswandel in unserer Gesellschaft geführt. Nun muss sie auch zu einem verbesserten Umgang mit den Tieren führen!“ (Felice Gallé)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at


Film Tipps

Michael Omasta

Last Film Show - Das Licht, aus dem die Träume sind

Samay ist dem Kino verfallen. Er schwänzt die Schule um ins Galaxy zu laufen und Fazal bei der Arbeit zuzuschauen; der Vorführer macht den Buben mit den Feinheiten des Films vertraut, wofür dieser ihm die köstlichen, von seiner Mutter zubereiteten Lunchboxes überlässt. Später werden Samay und seine Freunde sich Filmrollen „borgen" und mit einem Projektor Marke Eigenbau in einem verlorenen Palast spielen; Musik und Geräusche improvisiert die Rasselbande live dazu. „Das Licht, aus dem die Träume sind“ des indischen Filmemachers Pan Nalin ist eine autobiografisch getönte Ode an das Kino: eine Feier der Farben, der Bewegung, des flirrenden Lichts.

Regie: Pan Nalin, F/IND 2021


Alcarràs - Die letzte Ernte

Alcarràs, „ein Glanzlicht dieses Kinojahres" © Verleih

Seit über 80 Jahren bearbeitet Familie Solé eine Pfirsichplantage, doch nun läuft die Pacht aus und die Bäume sollen Solaranlagen weichen. „Von einer Familie, deren Identität bedroht ist, von einer Welt im Wandel und der Krise kleinstrukturierter Landwirtschaft erzählt Carla Simón in 'Alcarràs – Die letzte Ernte'. Ein wunderbares Ensemble lokaler Laiendarsteller trägt das im titelgebenden katalanischen Ort angesiedelte Drama. Sorgfältig choreografiert, geben Simón und Kamerafrau Daniela Cajías allen Figuren Raum, zeigen ihre Arbeit, Feste, Konflikte, ihren Zusammenhalt, umfangen von einer sanften Sommerlandschaft. In seiner Schönheit, Vielstimmigkeit und unaufgeregten Zärtlichkeit ist ihr Film ein Glanzlicht dieses Kinojahres.“ (Sabina Zeithammer)

Regie: Carla Simón, E/I 2022


Die Känguru-Verschwörung

Klings filmischer Stellvertreter Marc-Uwe (Dimitrij Schaad) und das Känguru auf Mission Impossible in Bielefeld: Sie müssen Lisbeth, die Mutter von Marc-Uwes ewigem Love-Interest (Rosalie Thomass), aus der Parallelwelt von Verschwörungstheoretikern und Klimaleugnern holen. Leichter gesagt, als getan, denn die „Diesel-Liesel“ ist nicht bloß Mitläuferin, sondern Hauptrednerin bei der Conspiracy Convention. Subtilität ist hier fehl am Platz, frecher Wortwitz immer noch Kernkompetenz des mit Motion-Capture-Technik verlebendigten Kängurus. Sagen wir, der Beutel ist halbvoll.

Regie: Marc-Uwe Kling, D 2022


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