Heizen in Wien: Energiewende durch den Kamin - FALTER.morgen #402

Versendet am 05.09.2022

Ist es möglich, hunderttausende Wiener Wohnhäuser auf nachhaltige Beheizung umzurüsten? Ja – ein kleiner Dachboden im 2. Bezirk zeigt, wie es gehen könnte  >> Was Lehrerinnen und Lehrer lernen, wenn sie ein Jahr aus der Schule in die Privatwirtschaft versetzt werden >> Grätzelrundgang rund ums Stadionbad

Wetterkritik: Die Sommerferien enden mit einem Wetter-Seufzer – in der Früh mancherorts Hochnebel, danach ein paar Wolken, im Großen und Ganzen aber sonnig bei 25 Grad.


Guten Morgen!

Jetzt geht der alte Trott wieder los – zumindest, wenn Sie schulpflichtige Kinder haben und in Ostösterreich wohnen, wo heute die großen Ferien enden. Wobei: In diesem Fall haben Sie vermutlich gerade wenig Zeit, den FALTER.morgen zu lesen, es sei denn, Sie gehören zu den seltenen Prachtexemplaren von Eltern, die schon alles für das neue Schuljahr parat haben, inklusive g’schmackig geschmierten Jausenbroten.

Ein bisschen vom alten Trott im guten Sinne wäre inzwischen aber eigentlich wieder fein: Nach einem sonnigen Sommer einen knackig-kühlen Herbst zum Beispiel, und dann einen angemessen kalten Winter. Ob es das spielen wird, angesichts des Klimawandels? Und ob man tatsächlich darauf – also auf tiefe Temperaturen – hoffen soll, angesichts der allgemein steigenden Energiekosten? Hoffen wir mal, dass die Strompreisbremse, auf die sich die Regierung gestern geeinigt hat (erste Details hier) allen dabei hilft, über den Winter zu kommen.

So schnell geht’s, und man ist vom Schulbeginn bei einem Thema, das uns gerade in mehrfacher Hinsicht beschäftigt: Etwa in Form der Kalamitäten bei der Wien Energie, die gerade den Bund um Kreditlinien in Milliardenhöhe anschnorren musste, weil Geschäfte an der Strombörse (für die der SPÖ, hätte jemand anderer diese Geschäfte betrieben, gewiss das Adjektiv „spekulativ“ einfallen würde) außer Kontrolle geraten waren – wir haben ausführlich berichtet. Aber damit verschone ich Sie heute, neue Informationen über diese Affäre, die laut Rathaus gar keine ist, gibt es im nächsten Falter.

Mein Kollege Paul Sonnberger blickt aber noch weiter in die Zukunft. Damit wir in Österreich künftig gar nicht mehr auf Ersatzkraftwerke für fehlendes russisches Gas angewiesen sind (und natürlich auch im Hinblick auf den Klimawandel), braucht es dringend die Energiewende. Konkret heißt das: Weg von der Gastherme, von der Ölheizung, von Elektroradiator. Klingt gut, ist in vielen Wiener Wohnhäusern aber ein Problem. Dass das Umrüsten viel Geld kostet, ließe sich ja noch durch Förderungen abfedern. Viel schwierigerer ist es, die Logistik zu stemmen, hunderttausende Wohnungen an neue, effizientere und nachhaltigere Heizsysteme anzuschließen.

Und dann gibt es da einen kleinen Dachboden im 2. Bezirk, der ein Beispiel dafür sein könnte, dass das auch in einer Millionenstadt möglich ist. Wie und warum, erzählt er Ihnen gleich.

Nina Horaczek wiederum kommt mit ihrer Geschichte ganz an den Anfang des heutigen FALTER.morgen zurück. Es geht darin um Lehrerinnen und Lehrer, die die Schule verlassen, um zu lernen – und zwar in der Privatwirtschaft.

Einen schönen Tag wünscht ihnen

Martin Staudinger


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Geht doch!

Ein unscheinbares Mietshaus in der Leopoldstadt zeigt, wie die Energiewende schneller und unkomplizierter als gedacht funktionieren kann.

von Paul Sonnberger

Von außen sieht das gelbe Haus in der Miesbachgasse Nummer 10 im 2. Bezirk nicht besonders hübsch aus. Fünf Stockwerke hoch, errichtet 1966 – ein klassischer Betonbau, wie es unzählige in Wien gibt. Betrieben wird das Gebäude von der Sozialbau AG, dem größten Vermieter von Sozialbauwohnungen in Wien. 

Doch der äußerliche Anschein trügt, denn das Haus gilt als Vorzeigeprojekt der Energiewende. Zur Erinnerung: Ab kommendem Jahr dürfen in Neubauten keine Gasthermen mehr eingebaut werden. Ab 2040 soll der Betrieb von fossilen Heizungen (Kohle, Öl und Gas) überhaupt verboten werden. Darauf hat sich die Bundesregierung in ihrem Erneuerbare-Wärme-Gesetz geeinigt. Der dazugehörige Ministerialentwurf befindet sich gerade in der Begutachtungsphase. Die parlamentarische Mehrheit ist danach wohl nur noch ein Formalakt. 

Eine Wärmepumpe beheizt über den Kamin die Wohnungen in der Miesbachgasse © FALTER/Sonnberger 

Dass die Energiewende nicht nur aus ökologischer Sicht unbedingt notwendig ist, hat der blutige Angriffskrieg auf die Ukraine gezeigt. Die hohe Abhängigkeit von russischem Gas gefährdet die Versorgungssicherheit Österreichs. Alleine in Wien heizen 420.000 Haushalte mit Gas. Die sowieso schon kalten Monate drohen in diesem Jahr noch kälter zu werden.

Auch die Bewohner in der Miesbachgasse Nummer 10 heizten bis vor kurzem noch ausschließlich mit Gas. In jeder Wohnung befand sich eine Therme, über den Kamin wurden die Abgase ausgestoßen. „2019 haben wir dann beschlossen, das Heizsystem vollkommen umzustellen”, erklärt Ernst Bach, Direktor für Bestandsmanagement bei der Sozialbau AG, bei einem FALTER.morgen-Lokalaugenschein. 

Der Schlüssel zur Energiewende in der Miesbachgasse findet sich am Dachboden: Dort wurde eine Wärmepumpe eingebaut. Ein großer Schacht versorgt die Pumpe über das Dach mit Frischluft. Kleinere Aluminiumrohre führen über den Kamin direkt in die Wohnungen. Das Heizsystem wird also über den Kamin zentralisiert. Zwei Drittel der Gasthermen konnten so im Haus schon ersetzt werden. 

Der große Vorteil eines zentralisierten Heizsystems ist die Flexibilität bei der Energiequelle. „In der Miesbachgasse haben wir uns für eine Wärmepumpe entschieden. Genausogut könnte man über den Kamin die Wohnungen auch mit Fernwärme beheizen”, sagt Ernst Bach. Produziert die Wärmepumpe im Sommer einen Überschuss an Wärme, wird diese in zwei Erdsonden in 80 Metern Tiefe gespeichert. Läuft die Wärmepumpe im Winter bei zu kalten Temperaturen nicht mehr voll an, wird die Wärme in den Sonden freigesetzt. 

So eine Zentralisierung kostet 3.000 bis 5.000 Euro pro Wohneinheit. Pro Sonde kommen noch einmal 8.000 Euro hinzu. Die Vorteile eines zentralisierten Heizsystems liegen für Ernst Bach trotz dieser Kosten klar auf der Hand: „Wir haben hier eine Möglichkeit geschaffen, wie Wohnhäuser schnell und einfach einen großen Schritt in Richtung Energiewende machen können.”

In der Miesbachgasse will man jetzt sogar noch weitergehen und die Wohneinheiten im Sommer über das zentrale Heizsystem kühlen – mit einer Wärmepumpe ist das möglich. Dafür sollen die Heizkörper in den Wohnungen gegen Radiatoren ausgetauscht werden, die kühle Luft in die Räume blasen.

Inzwischen hat die Sozialbau AG so schon 18 Häuser umgerüstet, weitere 15 sind im Bau und nochmals doppelt so viele in Planung. Laut Berechnungen des Unternehmens könnten in ganz Wien mehr als die Hälfte aller Wohnhäuser auf ein zentralisiertes Heizsystem wechseln. Die Häuser wären dann startklar, mit erneuerbaren Energieträgern zu heizen. Und so könnte ein unscheinbarer Dachboden in der Leopoldstadt vielleicht noch ganz große Auswirkungen auf die Energiepolitik der kommenden Jahre haben.

Genug vom endlosen Schmökern in viel zu dicken Erziehungsratgebern? Der „Kind in Wien”-Newsletter informiert einmal in der Woche kurz, prägnant und kostenfrei alle, die in Wien mit Kindern im Alter von null bis zwölf Jahren zu tun haben.
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Wer zwischen Marchegg und Wien pendelt, muss in den kommenden Wochen mit Einschränkungen beim öffentlichen Verkehr rechnen. Zwischen Dienstag, 6. September, und Montag, 26. September, finden auf der Strecke zwischen Stadlau und Marchegg Bauarbeiten statt, und es kommt zu folgenden Fahrplanänderungen:

  • Die Züge der Linie R81 und REX 8 entfallen zwischen Erzherzog-Karl-Straße und Raasdorf. Die S80 zwischen Aspern Nord und der Erzherzog-Karl-Straße entfällt ebenfalls. Die ÖBB richten für den genannten Zeitraum einen Schienenersatzverkehr mit Bussen ein (Achtung: Die Busse fahren zum Teil zu anderen Zeiten ab, die Haltestelle Hirschstetten wird gar nicht angefahren).

  • Die Züge der Linie REX8 zwischen Wien und Bratislava werden zwischen Stadlau und Marchegg umgeleitet. Auf dieser Strecke wird für die kommenden Wochen kein Zwischenhalt angefahren. Mit Ihrem ÖBB-Ticket können Sie auf die U-Bahn-Linie U2 ausweichen. 

  • Reisende von und nach Schönfeld-Lassee sowie Siebenbrunn-Leopoldsdorf sollten die Züge der Linie R81 nutzen.

„Der Wiener SPÖ-Finanzstadtrat Peter Hanke sollte nicht reden wie EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen, er sollte ihr vehement widersprechen! Und nicht erst, wenn es zu spät ist.

Armin Thurnher analysiert die Debatte über die Wien Energie und die Reaktionen auf das aktuelle Falter-Cover. Seine Seuchenkolumne können Sie hier kostenlos abonnieren.

Nina Horaczek

Schulausflug

Ein Projekt versetzt Lehrerinnen und Lehrer für ein Jahr in die Privatwirtschaft, um dort Erfahrungen zu sammeln.

Wenn heute wieder tausende Schülerinnen und Schüler im Osten Österreichs zurück in die Schulen pilgern, haben auch sechs Lehrerinnen und Lehrer einen ganz besonderen ersten Schultag: Sie tauschen das Klassenzimmer für ein Jahr mit der Privatwirtschaft. Initiator dieser ungewöhnlichen Initiative ist der pensionierte Wiener Schuldirektor Erwin Greiner. „Ich habe es immer schon als großes Manko empfunden, dass wir die Kinder und Jugendlichen in der Schule auf die Berufswelt vorbereiten sollen, aber selbst davon wenig Ahnung haben“, sagt er. Denn eine typische Laufbahn einer Lehrperson führt von der Matura zur Pädagogischen Hochschule und dann gleich ins Klassenzimmer – und da verlässt man den Kosmos Schule die gesamte Ausbildungs- und Berufslaufbahn nicht.

In Greiners Projekt Seitenwechsel können Lehrerinnen und Lehrer ihre schulische Tätigkeit für ein Jahr unterbrechen und Erfahrungen in der Privatwirtschaft sammeln. Diese soll dann wieder in den Unterricht einfließen. Heuer sind unter anderem Unternehmen wie A1, der österreichische Buchverlag, der Lebensmitteldiskonter Hofer oder das oberösterreichische Industrieunternehmen Amag Austria Metal dabei. Sie zahlen den Lehrerinnen und Lehrer das Grundgehalt, das sie auch in der Schule bekommen würden, und setzen sie in unterschiedlichen Bereichen ihrer Unternehmen ein.

„Ich kann den Kindern nach diesem spannenden Jahr ganz viel Neues aus dem Berufsalltag erzählen“: Die Deutsch- und Geolehrerin Anna Pajkic hat ein Jahr bei der Amag praktiziert © Seitenwechsel

Mitra Kaffash Bashi verschlug es ins Risikomanagement. Nach fünfeinhalb Jahren als Lehrerin in einer Mittelschule in Wien-Hernals wechselte sie voriges Jahr zu Schulbeginn zur B&C Industrieholding. Die B&C ist eine Managementgesellschaft, die Anteile an zahlreichen Industrieunternehmen wie der Amag oder der Lenzing AG hält. „Dort habe ich zum Beispiel Recherchen durchgeführt und Berichte für die Aufsichtsratssitzungen mitverfasst“, erzählt die Lehrerin. „Außerdem konnte ich bei B&C im PR-Bereich arbeiten, habe zum Beispiel einen Podcast mit dem Bankmanager Andreas Treichl zum Thema Finanzbildung für den Schulbereich gestaltet.“

Nicht nur, einmal ein eigenes Büro mit großem Schreibtisch zu haben, sei eine tolle Erfahrung gewesen, erzählt sie. Denn im Lehrerzimmer ist für jede Lehrkraft meist nur ein A4-Blatt Platz, um sich auf die nächste Stunde vorzubereiten. „Auch die Erfahrung, selbst wieder Schülerin zu sein und nicht diejenige, die anderen alles erklärt, war zum Teil schwierig, aber auch sehr wichtig“, sagt Kaffash Bashi: „Jetzt komme ich wieder mit neuer Kraft und Energie zurück in die Schule.“

Bewerben könne sich prinzipiell jede Lehrperson, die an einer Mittelschule, einem Gymnasium oder einer Berufsschule arbeiten, sagt Initiator Greiner: „Wichtig ist nur, dass sie das Projekt verstehen: Es geht nicht darum, dass die Lehrerinnen und Lehrer ein Jahr Auszeit machen. Sondern dass sie diese Chance nutzen, um nach einem Jahr in der Privatwirtschaft als kompetentere Lehrerinnen und Lehrer zum Nutzen ihrer Schülerinnen und Schüler in ihre Klassen zurückkehren.“

Das hat auch Anna Pajkic vor. Die Deutsch- und Geolehrerin ging voriges Schuljahr zur Amag, einem Unternehmen, das Aluminium recycelt. „Ich war dort in der Personalentwicklung im Bereich digitales Lernen“ tätig“, erzählt sie. Ein Jahr etwas ganz anderes zu arbeiten bringe einem auch viele neue Ideen für den eigenen Unterricht, sagt sie: „Gerade im Fach Berufsorientierung kann ich den Kindern nach diesem spannenden Jahr ganz viel Neues aus dem Berufsalltag erzählen.“

Wenn Sie auch Lust auf einen Seitenwechsel haben: Die Bewerbungsphase für das nächste Schuljahr startet am 3. Oktober.

Wie wurde die Ringmauer (eine 1200 errichtete Befestigungsanlage in Wien) finanziert?

1. Mit erpresstem Lösegeld

2. Indem ein gestohlener Schatz verscherbelt wurde

3. Mit einer Sondersteuer für den Bau von Befestigungsanlagen

Auflösung von Freitag: Als „Antabushüttn“ wurde im Volksmund nicht der Betriebsbahnhof Floridsdorf oder das Schutzhaus Heustadlwasser bezeichnet, sondern die Suchtklinik Kalksburg (das heutige Anton-Proksch-Institut). Grund: Das zur Therapie eingesetzte Medikament Antabus, das bereits beim Konsum geringer Mengen von Alkohol starke Übelkeit erzeugt.

Rund ums Stadionbad

© ARGE Karto

Hier ist alles voller Sport. Das Stadion, die Trainingsplätze, der Cricketplatz, das Rugbyfeld, die Trabrennbahn, die Hakoah, Tennisplätze ohne Ende, es gibt sogar ein Haus des Schachsports, das Radstadion ja leider nicht mehr. Und natürlich die Hauptallee, Wiens Marathon-Hauptverkehrsroute.

Die Distanzen sind hier im grünen Prater doch eher weiter, die zwei Kilometer zum Schutzhaus Heustadlwasser lohnen sich aber. Am Mittwoch ist hier Schnitzeltag, Schulterscherzl mit Kürbis, Eierschwammerlgulasch oder Wildschwein mit Rotkraut, Speck und Pilzen gibt’s aber auch.

Ganz anders die nächste Station: Im Marina-Tower hat vorige Woche das Anabol eröffnet. Das Lokal ist groß, hell und modern, der Name stammt aus seiner früheren Zeit als Kantine eines nahen Fitnessstudios. Dort entwickelte Andreas Pürzel über Jahre hinweg ein Programm, das es ermöglicht, Gerichte aufs Gramm genau nach ihren Nährwerten zu analysieren, und nicht nur das, auch mittels App die jeweiligen Gerichte nach individuellen Bedürfnissen zu „customizen“.

Und jetzt wird’s wunderbar und schrecklich zugleich: Das Gasthaus Mehler gibt es seit 140 Jahren, der Fachwerk-Turm hat die Zeit überdauert, der schattige Hof ist eine Zeitreise, in der gut erhaltenen Stube geht einem das Herz auf. Allerdings nur mehr bis Dezember, dann wird der Mehler abgerissen und Immobilienentwickler bauen dort noch ein Hochhaus neben den zukünftigen Fernbusbahnhof hin. Bravo. Endlich noch mehr spekulativer Vorsorge-Leerstand, dieselbetriebene Busse und „entwickelte“ Immobilien statt Gstätten und 140 Jahre alter Gasthäuser. Wien, die Stadt, deren Planung in den 90ern verharrt.

Den gesamten Grätzelrundgang von Florian Holzer lesen Sie hier.

Lisa Kiss

Giacomo Puccinis „La Bohème“ beruht auf dem 1847 bis 1849 entstandenen Fortsetzungsroman „Scènes de la vie de Bohème“ von Henri Murger: Vier junge Künstler schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Da tritt die Liebe in Person der Näherin Mimì (Anna Netrebko) in das Leben des Dichters Rodolfo (Vittorio Grigolo). Doch das Glück ist getrübt: Mimì ist schwer krank. Puccini schuf ein Meisterwerk lyrischer Stimmungskunst in der wunderbar altmodischen Inszenierung von Franco Zeffirelli. (Miriam Damev)

Staatsoper, 18.30

Hamig Ismailov: Wunderkind Erjan

Keine Weltgegend ist so weit von allen Meeren entfernt wie die Steppe Kasachstans. Geflügelte Geister und zwei Bahnwärterfamilien bevölkern die Station Qara-Shagan. Als sich die junge Qanyshat in der staubigen Idylle verirrt, wird sie von einem Wirbelwind geschwängert. Sohn Erjan erweist sich als Wunderkind auf Dombyra und Geige. „Ay, qara küsh! Ay, qara dybys! Ei, welche Himmelsmacht! Welcher Himmelsklang!”, jubelt der Großvater. Als Erjan beim Schulausflug in die Atombombentestzone in einen türkisblauen See „schweren Wassers” springt, hört er auf zu wachsen.

Dem usbekischen Autor Hamid Ismailov, der als Regimekritiker seit den 1990er-Jahre im Westen lebt, gelingt ein düsteres Märchen ohne Kitsch, voller Witz, das mit dem Blechtrommler spielend mithält … (Erich Klein)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

@ Habe psychisch und physisch sehr gelitten” von Soraya Pechtl, FALTER.morgen #397 

Vielen Dank, dass Sie das Thema sexuelle Übergriffe und Gewalt bei Nachhilfe aufgreifen. 

Eigentlich völlig unverständlich, weshalb man Kinder und Jugendliche einer Gruppe von Nachhilfelehrer:innen aussetzt. Ohne geregelte Ausbildung, ohne Standards und Eltern dafür irre viel Geld ausgeben müssen! 

Ich weiß nicht, weshalb Sie nur GoStudents so kritisieren, es gibt viele dubiose Institute, private Personen, Lerncamps, …

Die beste ursachenbezogene Maßnahme wäre ein gutes Schulsystem, das keine Nachmittagsbetreuung, keine Nachhilfe von Lehrer:innen in Pension, Karenz, … und kürzere Ferien braucht. Cui bono? Nachhilfe hilft jenen am meisten, die (oft Steuer-freundlich) Nachhilfe anbieten. 

Gerlinde Wittich


@ Rotes Blackout von Martin Staudinger, FALTER.morgen #399

Sie gehen in Ihrer Beschreibung sorgsam mit dem Begriff Spekulation um. Finde ich gut, weil es meiner Ansicht nach völlig missverständlich gebraucht wird.

Um das zu verdeutlichen, stelle ich Ihnen folgende, einfache Frage:

Wer spekuliert eigentlich mehr, mit größerem Risiko?

Bauer A, der im Winter seine Ernte an Kartoffeln auf Termin zu einem Fixpreis verkauft?

Oder

Bauer B, der nach der Ernte zum Großhändler pilgert und dort seine Kartoffeln zum Marktpreis verkauft?

Wenn Sie zu B tendieren, dann verstehen Sie auch den Grund, warum es Terminbörsen gibt. Warum diese Börsen zu einem notwendigen Instrument in unserer Gesellschaft geworden sind.

Für diese Börsen gilt, sie sind wie das scharfe Messer in der Küche, es schneidet verschiedene Arten von Fleisch.

Ob die Wien Energie spekuliert hat, kann ohne einen genauen Blick in die Bücher keinesfalls festgestellt werden. Und selbst dann, ist alles auch noch eine Interpretationssache.

Martin Neubauer


@ Volle Klassen, Leere Kassen von Simon Steiner, FALTER.morgen #400

Zum Thema Kosten zum Schulstart möchte ich etwas sagen: Ja, es fallen Kosten an, aber sicher nicht jedes Jahr in diesem Ausmaß. Dinge wie Wasserfarben, Lineale, Stifte, Spitzer und Zirkel sollten mehrere Jahre halten, und Kinder tunlichst dazu erzogen werden, ihre Sachen entsprechend pfleglich zu behandeln. (Ich benötigte meine gesamte Schulzeit von doch 12 Jahren einen Zirkel, zwei Sets Wasserfarben, und meine Jolly Buntstifte aus dem Gymnasium habe ich, nur minimal ausgedünnt, noch immer). Die Plastikeinbände für Hefte sind ohnehin zu hinterfragen, und es müssen nicht immer dir teuren Markenartikel sein. Wer über 100 Euro zum Schulstart ausgibt, ist (Ausnahmen in bestimmten Schulformen bestätigen die Regel) selbst schuld.

Katrin Forstner


FALTER
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