Gemeinderat: Schlagabtausch um die Wien-Energie - FALTER.morgen #415

Versendet am 22.09.2022

Hitzige Debatte im Gemeinderat: Wie sich die Rathausregierung verteidigt und was hinter den Angriffen der Opposition steckt >> Ein Wiener Traditions-Ausflugsziel erfindet sich neu – was kann die „Weitsicht Cobenzl“? >> Der Fassadenleser über ein ländliches Haus mit monarchistischen Referenzen

Wetterkritik: Willkommen in der Übergangsjackenzeit – es bleibt mit maximal 17 Grad frühherbstlich frisch, die meiste aber Zeit trocken und sonnig. Wobei: Ein paar Regentropfen können zwischendurch auch dabei sein.


Guten Morgen!

Ich leihe mir heute eine Analogie von Kollegen Florian Klenk. Unser Chefredakteur verwendet gerne die Metapher der Vorder- und Hinterbühne, um das Handeln politischer Akteure anschaulich zu beschreiben. Ein geheimes Politiker-Video habe ich heute nicht für Sie, aber der Theater-Vergleich passt genauso gut auf die Rathaus-Politik. 

Die Hinterbühne sind Ausschüsse und Gremien, in denen die Abgeordneten beraten und Gesetze diskutieren. Medien haben keinen Zutritt zur Hinterbühne, die Politiker müssen die Öffentlichkeit (ergo potentieller Wähler) hier nicht von sich überzeugen. Entsprechend gesittet geht es zu. Von einem konstruktiven Arbeitsklima” ohne Polemik sprach ein Oppositioneller nach der Sitzung des nichtöffentlichen Finanzausschusses zum Thema Wien Energie.

Gestern war das anders. Die Abgeordneten hatten ihren Auftritt auf der Vorderbühne: Bei der 26. Sitzung des Wiener Gemeinderats. Die Szenerie: Kameras sind auf die Rednerpulte gerichtet. Journalisten sitzen mit Ihren Laptops auf den oberen Zuschauerrängen. Hin und wieder gesellen sich ein paar Politikinteressierte und Oberstufenschüler dazu. Also: Die Gelegenheit für Politiker, sich öffentlichkeitswirksam zu positionieren. Nicht selten mit Geschrei, schweren Anschuldigungen und Beleidigungen. Kurz gesagt: Sehr unterhaltsam. 

Wie es bei der gestrigen Sitzung zum Thema Wien Energie zuging, erzähle ich Ihnen gleich.

Maik Novotny hat sich dann noch angesehen, was nach dem Umbau aus dem Cobenzl am Wienerwald wurde. Und Klaus-Jürgen Bauer hat ein ländliches Haus mit außergewöhnlicher Fassade entdeckt.

Einen schönen Tag wünscht Ihnen

Soraya Pechtl


Sie lesen den FALTER.morgen, den Früh-Newsletter aus der FALTER-Redaktion. Melden Sie sich hier an:

Flaniermarkt in der Neubaugasse

Am 30.9. & 1.10.2022 verwandelt sich die Neubaugasse in einen der größten Märkte Österreichs und lädt zum Flanieren ein.

Zu entdecken gibt es alte Schätze, neue Schnäppchen, Kulinarisches für jeden Geschmack und den beliebten Kinderflohmarkt. Besonderes Highlight: Das abwechslungsreiche Kultur- & Kinderprogramm, unterstützt vom Kulturbezirk Neubau. Alle Infos gibt es hier.

Sit­zungsbericht

Im gestrigen Gemeinderat gab es eine hitzige Debatte zur Wien Energie. Welche Narrative die Fraktionen bedienten und welche Strategien dahinter stecken. 

1. Alternativloses Handeln vs. Lügende SPÖ

Die Vorgeschichte: Bürgermeister Michael Ludwig hatte am 15. Juli und am 29. August zwei Kreditlinien in Höhe von 1,4 Milliarden Euro per Notverordnung für die Wien Energie freigegeben. Die Öffentlichkeit erfuhr erst zwei Monate später davon (wie es zur Schieflage kam, lesen Sie hier). Die SPÖ begründete das damit, dass der Bürgermeister zum raschen Handeln gezwungen gewesen sei.

  • Kurt Stürzenbecher (SPÖ): „Aufgrund der Wartung der Pipeline Nord Stream 1 gab es extreme Preisentwicklungen am Energiemarkt. Margin-Zahlungen wären da fällig geworden. Und die Versorgungssicherheit von zwei Millionen WienerInnen stand auf dem Spiel. Die Notkompetenz war alternativlos. Das ist so."

Die Opposition wollte das so nicht stehenlassen.

  • Dominik Nepp (FPÖ): „Als der Skandal ausbrach, war der Bürgermeister der Apnoetaucher der Innenpolitik. Er war drei Tage nicht da. Dann hat er die Öffentlichkeit, die Medien und die Opposition beinhart belogen. Er hat ständig gelogen.

  • Peter Kraus (Grüne): „Wenn man vor dem 15. Juli schon von den massiven Liquiditätsproblemen wusste, warum wartet man dann bis August, wo keine andere Möglichkeit mehr besteht, als zur Bundesregierung zu gehen? Das ist für mich eine Verschleppung, die die Stabilität der Wien Energie gefährdet hat. 

  • Karl Mahrer (ÖVP): Es ist das System der SPÖ, große Mauern zu bauen. Fernab vom Koalitionspartner. Fernab der Opposition. Fernab der Menschen. … Diese Argumentation, dass er am 15 Juli nur ein paar Stunden Zeit hatte, glaube ich ihm nicht. Das glaubt doch niemand. (Alle Fraktionen der Opposition applaudieren). 

Die Situation der Wien Energie und die Milliardenhilfen der Stadt wurden gestern intensiv diskutiert © Falter

2. Notwendiger Alleingang vs. Bruch der Stadtverfassung

Ludwig hat die Kreditlinien im Alleingang freigegeben. Die Notkompetenz ist in der Stadtverfassung verankert (Paragraph 92) und erlaubt das in dringlichen Fällen”, wenn die Entscheidung nicht abgewartet werden kann und wenn der Gemeinderat unverzüglich” informiert wird. SPÖ-Darstellung: Dieser Alleingang sei notwendig gewesen.

  • Katharina Weninger (SPÖ): „Die Notkompetenz ist extrem wichtig, um schnell handlungsfähig zu sein. Sie (gemeint ist die Opposition) sind gerade dabei, die Meisterschaften des Nebelgranatenweitwurfs zu gewinnen. Sie übertreffen sich gegenseitig mit absurden Anschuldigungen.

Konter der Opposition: Ludwig habe die Stadtverfassung gebrochen.

  • David Ellensohn (Grüne): „Jeder Mensch weiß, was unverzüglich heißt. Das heißt, so schnell es geht.” 

  • Markus Wölbitsch (ÖVP): „In diesem Fall hat der Bürgermeister die Notverordnung nicht nur zu Unrecht gezogen, sondern auch wissentlich zu Unrecht.

3. Neos am SPÖ-Gängelband vs. Arbeitsscheue Opposition

Nicht nur für die regierende SPÖ ist die Causa Wien Energie ziemlich unangenehm. Die Vorwürfe von Heimlichtuerei und der Intransparenz treffen auch die Neos in ihrem Selbstverständnis. In dieser Wunde wollte die Opposition gestern bohren. FPÖ und Grüne haben nämlich einen Initiativantrag eingebracht: Die Untersuchungskommission soll auch ausgelagerte Betriebe wie die Wien Energie prüfen können (das sieht die Stadtverfassung derzeit nicht vor). Dafür braucht die Opposition aber die Unterstützung der Neos (oder der SPÖ).

Das Narrativ der Opposition (auch, um Druck auf die Pinken aufzubauen, dem Initiativantrag zuzustimmen): Die Neos seien am Gängelband der SPÖ und würden ihre Werte verraten:

  • David Ellensohn (Grüne): „Das Transparenzpaket (Anmerkung: Die Regierung hat vor zwei Wochen Maßnahmen, u.a. eine Stärkung des Interpellationsrecht, angekündigt) ist ein Paket mit schönem Mascherl, aber wenn man es öffnet, ist es leer. Würdest du das zu Weihnachten machen, hättest lauter plärrende Kinder daheim sitzen.

  • Maximilian Krauss (FPÖ) zu den Neos: „Das ist ein unwürdiges Schauspiel von Ihnen” (Er übergibt den Neos ein neues Türschild mit der Aufschrift „SPÖ-Sektion N vormals N Neos Wien”). „Kollege Taucher, Gratulation du hast 8 neue Mandatare. Das ganze ist so traurig.”

Die Neos wollen das nicht auf sich sitzen lassen und entgegnen, dass ÖVP und FPÖ gar nicht an einer Aufklärung interessiert seien, weil sie nicht beim Stadtwerke-Ausschuss vorige Woche dabei waren („Arbeitsverweigerung”, nennt Neos-Mandatar Stefan Gara das). 

  • Bettina Emmerling (Neos): „Wir als Fortschrittskoalition haben bei der Transparenz schon viel weiter gebracht … (verhaltenes Klatschen in den Neos-Reihen, nach einem auffordernden Nicken von SPÖ-Klubchef Joe Taucher stimmen auch die SPÖ-Hinterbänkler mit ein). Ich stimme zu, dass wir Einblicke in ausgelagerte Betriebe brauchen. Aber das müssen wir gemeinsam angehen und sie haben diese Möglichkeit nicht wahrgenommen”.

Die nächste Gemeinderatssitzung ist am Freitag. Wenn Sie Lust auf mehr Theater haben, können Sie diese auf der Stadt Wien Homepage streamen. Aber es ist ein bisschen wie Frühstücksfernsehen. Spätestens nach einer Stunde wiederholen sich die Argumente.

Heute ist der Autofreie Tag! Eine perfekte Gelegenheit um mit dem Rad zu fahren. Damit das Radfahren das ganze Jahr in der Stadt gut möglich ist, wächst das Netz an Radwegen laufend. Alleine in diesem Jahr entstehen 17 Kilometer verbesserte, neue Infrastruktur fürs Radfahren. Für dich & fürs Klima. #radliebewien

Infos zum Radfahren in Wien und einen kostenlosen Routenplaner gibt´s auf www.fahrradwien.at.

Wenn Sie öfter mal in der Innenstadt unterwegs sind, haben Sie es sicher schon bemerkt: Die Touris sind wieder da, und zwar mehr denn je. Der Stephansplatz, die Seitengassen in der City, die Lokale – alles bummvoll. Der Eindruck, dass zeitweise mehr Besucherinnen und Besucher nach Wien kommen als vor der Pandemie, lässt sich zumindest für den Juli mit Zahlen belegen. Da lag der Netto-Nächtigungsumsatz nach Angaben von Wien Tourismus mit 85,7 Millionen Euro um 1,6 Prozent über dem Niveau von 2019. Insgesamt verzeichnete Wien zwischen Jänner und August 7.816.000 Nächtigungen. Die meisten Gäste stammten aus Deutschland und Italien.

Panorama in Beige

Am Montag wurde die Weitsicht Cobenzl eröffnet: Das aufgefrischte Ausflugsziel balanciert auf der Kippe zwischen lässiger Urbanität und Hochzeitsfoto-Bravheit. Falter-Architekturkritiker Maik Novotny hat sich das angesehen.

Er ist eines der bekanntesten Ausflugsziele Wiens: Der Cobenzl am Wienerwald. Anders als sein Gipfelnachbar, der Kahlenberg mit seinen Menschenmassen und Parkplatzwüsten, haftete ihm immer etwas Altmodisches und Langsames an. Die Bauten, die am Cobenzl herumstanden, fielen in punkto Schönheit allerdings weit hinter das Stadtpanorama zurück. Ein Café, dessen Nachkriegs-Charme in muffigem und vollgestopftem Interieur längst erstickt war. Ein kitschiges Schlossimitat im Minimundus-Format, das aussah, als sei es aus einer niederösterreichischen Einfamilienhaussiedlung herauftransportiert worden.

Dabei hatte der Cobenzl eine lange Vorgeschichte.

Eigentlich heißt er ja Reisenberg – hat seinen umgangssprachlichen Namen aber von dem österreichischen Diplomaten und Staatsmann Graf Johann Philipp Cobenzl, der Ende des 18. Jahrhunderts dort ein Schloss und eine Meierei errichten ließ. Diese wurde 1809 von Napoleons Truppen verwüstet, es folgten Umbauten zum Hotel und diverse Verkäufe, bis sich die Stadt Wien 1907 das Areal sicherte. 1952 kam ein Cafépavillon dazu. Das Schlosshotel wiederum verfiel und wurde abgerissen, das Restaurant brannte 1980 ab. Der Unternehmer Olaf Auer baute es wieder auf, als eine Art wiedergeborener Schloss-Zombie in Kitschgelb, das nicht gut alterte.

Dazu kam ein langwieriges juristisches Geplänkel, da sich Auer weigerte, das Schlössel aufzugeben, nachdem die Stadt Wien wegen Eigenbedarfs den Pachtvertrag mit ihm gekündigt hatte. Nach jahrelangem Rechtsstreit wurde schließlich der Räumungsklage stattgegeben. Es folgte eine Zwischennutzung, die die ländliche Schnitzel-Strudel-Streichelzoo-Atmosphäre mit vom Tal herauf importierten Hipstern urbanisierte.

Ein Schritt voran vom morbiden Kitsch zu einem städtischen Ort: Die neue Weitsicht Cobenzl © Weitsicht Cobenzl

Den Architekturwettbewerb für den Neubau gewann 2018 das Team aus mostlikely architecture (Mark Neuner) Wien, und dem Berliner Team Realarchitektur um Petra Petersson. „Der Entwurf schafft ein neues städtebauliches Ensemble, einen neuen Raum, der die Anforderung des Gesamtkonzepts ,Weitsicht Cobenzl’ perfekt erfüllt,“ lobte damals die Stadt Wien.

Noch war das rettende Ufer aber nicht erreicht. Der erste Pächter Martin Rohla sprang in der Corona-Pandemie ab, Bernd Schlacher (Motto am Fluss) übernahm und modifizierte den Umbau gemeinsam mit Interior Designer Conrad Kroencke nach eigenen Prämissen.

Am Montag fand schließlich das Soft Opening der „Weitsicht Cobenzl“ statt. Das Schlössl wurde renoviert, der Baumarkt-Schönbrunn-Kitsch aus den 1980er Jahren diskret entfernt.

Mit seinem hohen Ballsaal-Interieur dürfte es zu seiner früheren Bestimmung als Hochzeitslocation zurückkehren, von außen bildet es einen eher unauffälligen, man könnte auch sagen, etwas faden Hintergrund fürs Hochzeitsfoto. Milchkaffeebeigefarbene Fassade mit einem Kranz aus niedrigem Deko-Gebüsch zu den Füßen, das Schlachers kleiner Hund sofort seiner Bestimmung zuführt.

Das mehrgeschossige Seminargebäude direkt daneben lässt seine übereinandergeschichteten Terrassen weit ausschwingen, hier ahnt man schon die mit weißen Hussen bedeckten Stehtische, an denen sich die Teilnehmer von Marketingseminaren und Firmen-Workshops bei Tschick und Bier vom thinktanken erholen. Das ist alles sehr solide gemacht und erinnert in seiner Kombination aus Holz, Terrazzo und Beton etwas an die frühen Nullerjahre, steht aber räumlich und stilistisch in etwas ratloser Nachbarschaft zum Schlössl. Die Verbindung zwischen all den Einzelteilen des Cobenzl-Ensembles soll der Garten leisten, hier wurde die alte Steinmauer erhalten und ergänzt, die weißen Lampen kehren als Replik zurück, ein recht aufdringliches weißes Geländer wirbelt kreuz und quer durch alles hindurch und um alles herum.

Das Café schafft die Balance zwischen Erinnerung und Ausblick am besten: Es ist mit Kurvenschwung und Neo-Fifties-Möbeln als bessere Version seiner selbst wiederauferstanden. Im Inneren ist der Muff einer luftigen Mid-Century-Eleganz gewichen, und die frei zugängliche Dachterrasse ist die Cocktailkirsche auf dem Panorama.

So macht die Weitsicht Cobenzl einen Schritt voran vom morbiden Kitsch zu einem städtischen Ort – mit einigen Restbeständen beiger Bravheit.

Österreich, Russland und die Ukraine

Das Sittenbild eines Landes nach den ukrainischen militärischen Erfolgen und vor dem Hintergrund der Enthüllungen im ÖVP-Untersuchungsausschuss. In der aktuellen Folge diskutieren Nationalratsabgeordnete Stefanie Krisper (NEOS), Generalleutnant Phillip Segur-Cabanac, ORF-Moskau-Korrespondentin Carola Schneider und Falter-Politikchefin Eva Konzett.

Familie Reiter

Nachdem Lukas Reiter zwei Jahre im Meidlinger Markt-Beisl Heu und Gabel gekocht hat, hat er sich im Frühling gemeinsam mit seiner Partnerin Marlies Mayer dazu entschlossen, was Eigenes zu machen: was Kleines, was Überschaubares, was Unhektisches, etwas, das man zu 100 Prozent selbst machen kann. Die beiden übernahmen das ehemalige Café Mimi und machten ein hübsches, helles, ein bisschen sehr farbenfrohes Tageslokal mit Markisenterrasse draus.

Hauptthema ist eigentlich das Frühstück, und mit seiner durchaus modern angelegten Frühmahlzeit aus hauptsächlich regionalen und Bio-Zutaten hat er da ein gewisses Alleinstellungsmerkmal in der Gegend. Außerdem gibt’s eine attraktive, kleine Tageskarte, auf der sich etwa ein Wildkräutersalat findet, der neben eingelegten Maiwipferln und frischen Feigen nämlich wirklich aus recht vielen Wildkräutern besteht (€ 4,50).

Die gesamte Lokalkritik von Florian Holzer lesen Sie hier.

In Wien gibt es über 40 Friedhöfe. Wie viel Prozent der Fläche der Stadt machen sie aus?

1. 1,3 Prozent

2. 5,8 Prozent

3. 11,5 Prozent

Auflösung von gestern: 2021 sank die Temperatur auf einen Tiefstwert von minus 11,3 Grad (nicht minus 5,2 oder minus 20,2).

Der Wetterbericht für das Wochenende ist, nun ja, durchwachsen, aber das macht nichts: Da kommt uns der Tag des Denkmals am Sonntag gerade recht – man muss nicht raus aus der Stadt und kann sich da und dort sogar unterstellen. Mit Hilfe der Veranstalter haben wir ein paar Wahrzeichen für Sie ausgesucht, die man garantiert nicht auf einer Touri-Tour zu sehen bekommt. Und: Sie sind allesamt nur am 25. 9. geöffnet. Die Gelegenheit sollte man sich also nicht entgehen lassen. Informationen über weitere Denkmäler (auch in den Bundesländern) gibt’s hier.


Hans Hollein Lokal Retti: Kleines Kerzenfachgeschäft im 1. Bezirk aus dem Jahr 1966 des damals erst 32-jährigen Architekten Hans Hollein, mit dem international renommierten Reynolds Memorial Award ausgezeichnet.

© Tag des Denkmals

Info: https://tdd2022.appwebit.at/denkmal/684


Hofburg Betriebsfeuerwehr: Spezialführungen zum Thema 30 Jahre Redoutensaalbrand, die einen Einblick in die Chronologie des Brands, in die Brandermittlung und in die Wiederherstellung des Redoutensaals geben. Anmeldung erforderlich.

Info: https://tdd2022.appwebit.at/denkmal/711


Österreichische Nationalbibliothek - Sammlung alter Handschriften: Spezialführung "Mensch gegen Natur": Alte Drucke und Handschriften werden vorgestellt, die zeigen, wie man sich in vergangenen Jahrhunderten vor der Bedrohung durch Naturkatastrophen zu schützen versuchte. Anmeldung erforderlich.

Info: https://tdd2022.appwebit.at/denkmal/628


Augarten: Augartengold – auf den Spuren des Hofimkermeisters Anton Janscha (1734 - 1773), dem Pionier der Bienenzucht. Führungen durch die seit 1770 bestehende Schau-Imkerei. Anmeldung erforderlich.

Info: https://tdd2022.appwebit.at/denkmal/873


Ehemaliges Finanzamt in 1070 Wien: 1907 als repräsentatives und modernes Wohn- und Atelierhaus geplant. Als Beispiel für die Kunstfertigkeit des Ateliers wurden das Entree, das Stiegenhaus, die Wohnungen sowie die Fassade mit Stuckatur und Dekoration der besonderen Art geschmückt. Diese Verzierungen wurden jetzt wieder entdeckt und sind erstmals zu besichtigen. Anmeldung erforderlich.

Info: https://tdd2022.appwebit.at/denkmal/845

Barbara Fuchs

Literatur

Tanja Raich agiert erfolgreich auf beiden Seiten des Literaturbetriebs. Nachdem sie die Literaturschiene bei Kremayr & Scheriau aufgebaut hat, leitet die Südtirolerin nun das Literaturprogramm des Leykam-Verlags. Raich hat ein sehr gutes Gespür für Bücher, die am Puls der Zeit sind. Und sie schreibt auch selbst. Im neuen Roman „Schwerer als das Licht“ lebt eine Frau auf einer tropischen Insel. Berichtartig gibt sie Auskunft über die seltsamen Dinge, die dort passieren. Ein Live-Soundtrack der Schlagzeugerin Aurora Hackl Timón begleitet die Lesung. (Sebastian Fasthuber)

Literaturhaus, 19.00

Thomas Stangl: Quecksilberlicht

Thomas Stangls „Quecksilberlicht“, soeben für den Österreichischen Buchpreis nominiert, spielt mit vielen Versatzstücken der Literatur. Die naheliegende Vermutung, dass es sich dabei um einen Abgesang auf die längst wieder aus der Mode geratene Postmoderne handle, unterläuft der Autor, indem er alles, was nur Reflexion und Zitat zu sein scheint, mit beträchtlichem Ernst wieder zum Leben erweckt. Frei nach Adorno -Literatur ist das Ernsteste überhaupt, aber so ernst wiederum auch nicht. (Erich Klein)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Klaus-Jürgen Bauer

Historismus im kleinen Maßstab

Ursprünglich waren hier Äcker, die von Bauern aus dem nahegelegenen Dorf Lainz bewirtschaftet wurden. Nicht weit von dieser Stelle entfernt befand sich südlich der Gloriette der ummauerte Fasangarten, eine Art gerastertes Feld, das bis zum Ende der Monarchie eine Jagdfläche der Habsburger war. Die Fasangartengasse – in der dieses Haus steht – hat davon ihren Namen bekommen.

Ursprünglich waren hier Äcker, die von Bauern aus dem nahegelegenen Dorf Lainz bewirtschaftet wurden © Klaus-Jürgen Bauer

Irgendwann gegen Ende des 19. oder Anfang des 20. Jahrhunderts wurden dort die Äcker aufparzelliert und entlang neu geschaffener Straßen entstanden damals Häuser wie diese. Es ist vom Typus her eindeutig eine ländliche Hausstruktur: breit gelagert, sechs Fensterachsen, zwei Geschoße, traufständiges Satteldach, Heiligenfigur in einer Nische und Einfahrtstor.

Allerdings sorgte hier vermutlich auch die räumliche Nähe zum Kaiserhaus für die Anbringung eines anspruchsvollen Fassadendesigns. Die Fenster der Bel Etage und auch des Erdgeschoßes bekamen eine phantasievolle, annähernd neobarocke Umrandung. Aufwendige Gesimse, eine barock geschweifte Gaupe und vor allem der kanonische Farbcode Ocker & Grün kann man gewiss als Referenz an die noble Nachbarschaft lesen. Nur das Garagentor, das irgendwann die alte Einfahrt ersetzt hat, bleibt innerhalb dieser traulichen Welt ein bisschen fremd.


FALTER
Das FALTER-Abo bekommen Sie hier am schnellsten: falter.at/abo
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde und er Ihnen gefällt, können Sie ihn hier abonnieren.
Weitere Ausgaben:
Alle FALTER.morgen-Ausgaben finden Sie in der Übersicht.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!