Bahn, Brauereien, Spitäler: Die neue Streiklust und ihre Gründe - FALTER.morgen #459

Versendet am 25.11.2022

Warum die Arbeiterinnen und Arbeiter heuer besonders protestbereit sind >> Wirbel um kritische FALTER-Recherche über das Rathaus >> Klenk+Reiter, Folge 8: Das gestohlene Gerippe der Mary Vetsera  >> Grundkurs Kochen: Spaghetti mit feinster Fischsauce

Wetterkritik: Wir sind mit der Wochenendprognose zufrieden: Heute Sonne bei 9 Grad – perfekt für einen Kaffee im Schanigarten. Morgen bewölkt und Regen – Zeit für ein Buch. Sonntag dann wieder sonniges Ausflugswetter. Für alle was dabei.


Guten Morgen!

Haben Sie auch dieses Gefühl, dass dieser Herbst so richtig heiß ist? Nicht wegen der Temperaturen. Überall halten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Streiks oder Betriebsversammlungen ab (die Gewerkschaften legen viel Wert auf diese Unterscheidung, mehr dazu gleich). 

Vorgestern wurde in einigen Wiener Ordensspitälern die Arbeit niedergelegt, vor einem Monat hat das Personal der Sozialwirtschaft demonstriert. Nachdem am Dienstag am Flughafen Wien Betriebsversammlungen abgehalten, folgt das Personal am Salzburg Airport diesem Beispiel. Am Montag dürften Eisenbahnen und Brauereien in ganz Österreich stillstehen, Anfang Dezember hat der Handel Warnstreiks angekündigt, und auch die Fahrradkuriere bei Mjam wollen dann wieder demonstrieren.

Und das, obwohl Streiks eigentlich nicht in der Natur der österreichischen Arbeitnehmer liegen: Im Jahr 2021 wurde hier nur durchschnittlich 0,2 Minuten pro Arbeitnehmer gestreikt.

Was ist heuer anders? Was bringen die Streiks? Und was passiert, wenn es so richtig eskaliert? Darüber habe ich mit dem Arbeits- und Sozialrechtler Martin Gruber-Risak von der Universität Wien gesprochen. Wo Sie im Bahnverkehr eventuell mit Verzögerungen rechnen müssen, lesen Sie natürlich auch.

Außerdem: Auf meine Recherche über die Vergabe lukrativer Informationskampagnen der Stadt Wien an Agenturen aus dem Dunstkreis der SPÖ gab's gestern heftige Reaktionen aus dem Rathaus und von der genannten Medienholding, heute gibt's eine Antwort von uns darauf. Die achte Folge unseres Gerichtsmedizin-Podcasts Klenk+Reiter beschäftigt sich mit dem tragischen Fall von Mary Vetsera und Kronprinz Rudolf – und seiner bizarren Fortsetzung nach 130 Jahren, dem Diebstahl eines Skeletts 1992. Und im Grundkurs Kochen servieren wir heute Spaghetti mit feinster Fischsauce.

Ein schönes Wochenende wünscht Ihnen

Soraya Pechtl


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Eskalation bis zum Zwiegespräch

Derzeit kommt es in vielen Branchen zu Warnstreiks und Betriebsversammlungen. Denn die Kampfbereitschaft bei Gewerkschaften und Arbeitnehmern ist heuer besonders hoch.

Was haben die Proteste gemeinsam? Die Forderung nach höheren Löhnen. Die Gewerkschaftsvertreter wollen eine Abgeltung über die Inflation hinaus. Die Arbeitgeber wollen nicht so viel bezahlen. Betriebsversammlungen und Streiks scheinen eine logische Folge zu sein. 

Nur lagen das Angebot der Arbeitgeber und die Forderung der Gewerkschaft auch in den Vorjahren mitunter deutlich auseinander. Zudem sind Streiks hierzulande vergleichsweise selten. Auf 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer kamen zwischen 2011 und 2020 nur zwei Streiktage. In Deutschland waren es 18, in Belgien 97 und in Frankreich 93. 

Was ist dieses Jahr also los? Zuerst ein kurzer Überblick, wie es zu Streiks kommt: 

Mitte dieser Woche hat das Personal der Wiener Ordensspitäler einen Warnstreik abgehalten © APA/EVA MANHART

Gewerkschaften haben unterschiedliche Maßnahmen und Eskalationsstufen, um Druck aufzubauen. Betriebsversammlungen sind eine der ersten und gar nicht so selten: „Betriebsversammlungen sind im Arbeitsverfassungsgesetz verankert und dienen eigentlich dazu, die Mitarbeiter über den Stand der Lohnverhandlungen zu informieren. Bei einem Streik enthalten die Beschäftigten hingegen dem Arbeitgeber die Arbeit vor”, sagt Martin Gruber-Risak, Arbeitsrechtsexperte an der Universität Wien. Und bei Streiks gibt es wiederum unterschiedliche Eskalationsstufen: Den zeitlich befristeten Warnstreik, den unbefristeten Streik sowie den Vollstreik, bei dem eine ganze Branche die Arbeit niederlegt und den Generalstreik, bei dem das ganze Land die Arbeit verweigert.  

So weit wird es aber höchstwahrscheinlich nicht kommen. Denn in Österreich ist der Gipfel der Eskalation ein Zweikampf: „Die letzte Eskalationsstufe ist jene, bei der ein Spitzenfunktionär der Wirtschaftskammer und der ÖGB-Präsident miteinander Spitzenverhandlungen führen”, sagt Gruber-Risak. 

Wie sehr die Verhandlungen eskalieren, hängt übrigens nicht so sehr von den Inhalten ab - beim Flughafenpersonal haben die Gespräche etwa noch gar nicht begonnen - sondern vom Kampfgeist der Mitarbeiter. Und der ist heuer besonders hoch. Bei Lohnerhöhungen wird die Teuerung der vergangenen zwölf Monate abgegolten, die Preise dürften im kommenden Jahr aber noch weiter steigen. Und viele Mitarbeiter kommen jetzt schon kaum über die Runden. 

„Der Druck durch die Teuerung ist groß. Viele Mitarbeiter arbeiten am Anschlag. In dieser Situation muss die Gewerkschaft etwas machen, sonst denkt sich die Basis: „Was tut’s ihr eigentlich für mich?’”, sagt der Experte. 

Die Warnstreiks und Betriebsversammlungen sollen also nicht nur Druck auf die Arbeitgeber ausüben, sondern auch die Basis nach innen beruhigen.

Dass die Streikbereitschaft hierzulande vergleichsweise gering ist, liegt übrigens an den Sozialpartnern. „Der Dauerkontakt der Gewerkschaftsfunktionäre mit den Arbeitgebern dämpft die Eskalationslust”, sagt Gruber-Risak. 

  • Wie Sie von den Streiks betroffen sein könnten: 

Das Flughafensicherheitspersonal in Salzburg hält heute Betriebsversammlungen ab. Zu Einschränkungen für Fluggäste wird es aber nicht kommen, meint ein Pressesprecher. 

Am Montag wollen die Eisenbahner einen Warnstreik abhalten. Ob es im Bahnverkehr am Montag Ausfälle geben wird, ist nicht klar. Die Verhandler suchen derzeit nach einem neuen Verhandlungstermin – und sollte der gefunden werden, könnten die Streiks auch noch abgeblasen werden. Die ÖBB werden die Fahrgäste jedenfalls rechtzeitig über etwaige Fahrplanänderungen informieren. 

Am 2. und 3. Dezember will der Handel streiken. Fix ist auch das noch nicht. Die fünfte Verhandlungsrunde findet nämlich am 29. November statt – sollte es eine Einigung geben, sind auch dort Kampfmaßnahmen vom Tisch. 

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Für einige Aufregung im Rathaus und in der Werbebranche sorgte unsere dieswöchige Recherche darüber, wie der Presse- und Informationsdienst (PID) der Stadt Wien Informationskampagnen vergibt – und dass Agenturen aus dem Dunstkreis der SPÖ dabei finanziell oft besser aussteigen als andere (hier geht's zur Geschichte im FALTER, hier zur Kurzfassung im FALTER.morgen).

Wir wollen Sie jetzt nicht über Gebühr mit dem Hickhack behelligen, das danach folgte. Nur soviel: Sowohl der PID, als auch die genannten Agenturen wurden von uns selbstverständlich mit allen relevanten Fakten konfrontiert und hatten genügend Zeit, sich dazu zu äußern. Ihre Stellungnahmen wurden korrekt wiedergegeben, die genannten Zahlen sind öffentlich auf der Website der Stadt Wien einsehbar, die vier Kampagnen haben wir in einem ausführliche Gespräch mit dem PID besprochen. Daran ändert auch eine nachträgliche Presseaussendung des PID nichts, in der von „Fehl-Berichterstattung” die Rede ist.

Die Kobza Media Group (auch sie wurde bei der Recherche von uns kontaktiert und in der Geschichte zitiert) hat eine sieben Punkte umfassende Stellungnahme veröffentlicht, die in der teilweise ein falscher Eindruck über unsere Berichterstattung vermittelt wird. Wer die Vorwürfe und unsere Antwort lesen möchte – bitte hier lang.

Mythen rund um die Migration

Martin Staudinger (li.) und Thomas Faist (re.)

Soziologe und Buchautor Thomas Faist räumt mit Missverständnissen und Fehlinformationen in unserer Migrationsdebatte auf. Ein Gespräch mit FALTER-Journalist Martin Staudinger im Bruno Kreisky Forum.

Ab Samstag hier zu hören.


Rebellische Demokratie oder autoritäre Wende?

Der Buchautor und Soziologe Oliver Nachtwey („Gekränkte Freiheit“) seziert die Radikalisierung rund um die Corona-Proteste und sucht im Gespräch mit Robert Misik nach Auswegen aus der großen Verunsicherung.

Ab Sonntag hier zu hören.

Miriam Hübl

Das gestohlene Gerippe der Mary Vetsera 

Wie Dr. Christian Reiter einen k. u. k.-Krimi untersuchte.

In dieser Folge reisen wir rund 130 Jahre in die Vergangenheit: Es geht um einen jungen, feinsinnigen Mann, der von seinem Vater gedrillt und misshandelt wird, unter den psychischen Folgen dieser Behandlung leidet und dem Alkohol verfällt. Mit nur 30 Jahren wird er leblos aufgefunden und mit ihm eine erst 17-jährige Frau und ein Revolver. 

Die Toten: Kronprinz Rudolf von Österreich und Ungarn und seine Geliebte, Baroness Mary Vecera. Was ist geschehen? 

Schädelknochen und Schuhe der Baroness Mary Vetsera © Christopher Mavrič

Sie wollen das alles lieber hören als lesen? Hier gehts zur aktuellen Folge!

Dieser historische Fall, der die Monarchie erschütterte und dem herrschenden Adelsgeschlecht ein nur allzu menschliches Antlitz verleihen sollte, harrte längste Zeit seiner Aufklärung. 

Nicht zuletzt, weil der Wiener Hof nach dem Auffinden des toten Kronprinzen im Jagdschloss Mayerling, rund 40 Kilometer südwestlich von Wien, eine veritable Vertuschungsaktion starten wollte: Zum einen war der Kronprinz nämlich mit Stefanie von Belgien verheiratet. Zum anderen war die Art seines Ablebens - ein Suizid - ein heikles Thema für den Hof, weshalb es nicht verwundert, dass schon bald Gerüchte kursieren, der Kronprinz sei vergiftet worden. 

„Selbstmorde wurden damals geächtet und ein kirchliches Begräbnis war deshalb nicht möglich”, erklärt der Gerichtsmediziner Dr. Christian Reiter die weitreichenden Konsequenzen für die Monarchie: „Der Kronprinz hätte also nicht in der Kapuzinergruft begraben werden können.” 

Aber auch andere Mutmaßungen rund um das Enfant terrible der Habsburger, Rudolf, und Mary, die nach heutigen Maßstäben als IT-Girl bezeichnet werden könnte, machten die Runde. 

Könnte es eine Verschwörung gegen den Kronprinzen gegeben haben? Ließ man einen hinterhältigen Mord wie den verzweifelten Freitod zweier Liebender aussehen? War es ein Abtreibungsversuch?  

Und tatsächlich blieben auch abseits wilder Verschwörungstheorien viele Details ungeklärt: Handelte es ich um einen gemeinschaftlichen Suizid oder um einen Mord und anschließenden Suizid? Wer drückte den Abzug, in welcher Reihenfolge schieden die beiden aus dem Leben?

Eine Chance, diese Fragen zu beantworten, erhielt Dr. Christian Reiter, als sich ein zweites Verbrechen ereilte. 1992 wurde der Sarg von Mary Vetsera aus seiner Gruft in Heiligenkreuz gestohlen, von einem Linzer Möbelhändler namens Helmut Flatzelsteiner

Auch ihn trieben Fragen nach dem mysteriösen Tod von Mary Vetsera um. Weshalb er beschloss, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Was die gerichtsmedizinischen Untersuchungen ergaben und was mit dem Linzer Grabräuber und den Gebeinen der Mary Vetsera passierte, erfahren Sie in der neuen Folge von „Klenk und Reiter. Der FALTER-Podcast aus der Gerichtsmedizin”.

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Mit welcher Weltneuheit wurden im Jahr 1882 die Redoutensäle in der Hofburg ausgestattet?

1) Mit elektrischen Lustern

2) Mit einem Haustelefon

3) Mit einer Klimaanlage

Auflösung von gestern: Bauarbeiter arbeiteten bis zum Jahr 1885 bis zu 18 Stunden täglich (nicht 12 oder 15). Am 9. März 1885 wurden dann der elfstündige Arbeitstag, die Sechs-Tage-Woche und eine 24-stündige Sonntagsruhe gesetzlich festgelegt.

Lisa Kiss

Diskussion

Wann wurde eigentlich die Selbstbestimmung entdeckt? Die deutsch-britische Historikerin Andrea Wulf hat dazu ein neues Buch geschrieben: „Fabelhafte Rebellen: Die frühen Romantiker und die Erfindung des Ich“. Sie skizziert darin den Jenaer Kreis rund um die Brüder Schlegel, Fichte und Novalis als Beginn eines Denkens, das das Individuum  ins Zentrum des Denkens stellt. Heute Abend diskutiert Wulf gemeinsam mit dem Schriftsteller Daniel Kehlmann im Weltmuseum in Wien. Moderiert wird die Veranstaltung des Instituts für die Wissenschaft des Menschen (IWM) über die Ansätze der literarischen Annäherung an das Leben und Wirken großer Persönlichkeiten zwischen Fiktion und historischer Aufarbeitung vom Historiker Philipp Blom.

Säulenhalle des Weltmuseums, Fr. 19.30 Uhr


Musik

Die Wiener Musikerin Violetta Parisini steht für feinsin­nigen Erwachsenenpop. Ihre Texte erzählen in alltäglicher, gleichzeitig poetisch aufgeladener Sprache von Beziehungen und Gemütszuständen, die Arrangements von Tastenmann Sixtus Preiss sind songdienlich auf das Nötige reduziert. (Sebastian Fasthuber)

Sargfabrik, Fr 19.30


Theater

Der Autor Thomas Arzt hat Fragmente aus der Dramengeschichte genommen und mit eigenen Texten kommentiert. Aufgeführt werden sie mit Bildern und Puppen im kleinsten Theater Wiens; Julia Reicherts gewitzte Regie bringt die herrlich grotesken Miniaturen zum Blühen. Für die allerletzte Spielserie wurde „Das abgebrochene Drama“ um ein Fragment von Heiner Müller erweitert. (Sara Schausberger)

Kabinetttheater, Fr, Sa 19.00


Musik

Seit 2008 lebt die iranisch-kanadische Sängerin, Multiinstru­mentalistin und Komponistin Golnar Shahyar in Wien. Stilistisch bewegt sie sich zwischen Ethno und Jazz, wobei gängige Genrebezeichnungen zu kurz greifen, sucht sie doch intensiv nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten. Nun präsentiert Shahyar unter dem Namen GolNar ihr Solodebüt „Teardrop“. Freilich nicht allein, sondern mit großer Besetzung. (Sebastian Fasthuber)

Porgy & Bess, So 20.30

Thomas von Steinaecker: Stockhausen – Der Mann, der vom Sirius kam

Der voluminöse Band ist nur Teil eins einer großen Bilderzählung. Gemeinsam mit dem Ilustrator David von Bassewitz hat Steinaecker in jahrelanger Arbeit eine mehrbändige Graphic Novel über Stockhausen konzipiert, die keine konventionelle Biografie auftischt. Sie zeigt zwar ausschnitthaft auch Stationen aus dem Leben des Komponisten, ist im Grunde aber eine Feier der Strahlkraft seiner abstrakten Musik und exzentrischen Arbeitsmethoden.

Grandios sind Bassewitz' Visualisierungen der Kompositionen als Wirbel aus Bildern, Zahlen und Worten. Zugleich erzählt das Buch die Geschichte einer Freundschaft. Steinaecker näherte sich seinem Superhelden einst als Fan, woraus in dessen letzten Lebensjahren eine enge Beziehung erwuchs. (Sebastian Fasthuber)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

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Mit CORSAGE gelingt Marie Kreutzer die Neuerfindung der „Sissi” mit der fabelhaften Vicky Krieps in der Hauptrolle: Sisi als eigenwillige, widerständige Frau, die sich gegen die in sie gesetzten Erwartungen stellt.

Nominiert für den Europäischen Filmpreis 2022 für: Bester Film, Beste Regie, Beste Darstellerin.

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Super Spaghetti für die Haberer mit feinster Fischsauce aus Cetara

© Shutterstock

Die Geschichte der italienischen Fischsauce Colatura ist einfach zu schön, um sie nicht zu erzählen. Würzsaucen auf Basis von Sardellen gab es schon in der römischen Antike, die Römer nannten sie „garum“ oder „liquamen“. Sie waren so etwas wie das Maggi der Antike. Auch die Griechen bereiteten sie zu, indem sie Fische mit Salzlake vermischten und in offenen Becken teilweise monatelang der Sonne aussetzten, um sie zu fermentieren.

Im Mittelalter wurde diese Art der Würzsauce -so zumindest die Legende -von italienischen Mönchen wiederentdeckt. Die Beste stammt aus dem kleinen Fischerdorf Cetara an der Amalfiküste in der Region Kampanien. Sie herzustellen ist aufwendig. Die Sardellen -gefangen zwischen dem Fest der Verkündigung des Herrn am 25. März und dem 22. Juli, dem Gedenktag der Heiligen Maria Magdalena – werden geputzt und für 24 Stunden in Behälter mit viel Meersalz eingelegt, damit sie an Wasser verlieren. Dann werden sie in Fässer aus Kastanien-oder Eichenholz, den Terzigni, mit Salz eingeschlichtet und gepresst. Die dabei austretende Flüssigkeit wird in großen Glasflaschen aufgefangen und über den Sommer in die Sonne gestellt, damit sie verdunstet und eindickt. Im Oktober und November gießt man sie erneut in die Holzfässer, damit sie noch mehr Fischgeschmack aufnimmt, filtert sie und hat – rechtzeitig zu Weihnachten – die perfekte Sardellen-Essenz.

In Wien kriegt man eine Colatura di Alici von Acqua Pazza zum Beispiel bei Monte Ofelio in der Oberen Augartenstraße 70. Wir verwenden sie als Würze für simple Spaghetti, die wir mit Petersilie und frischen, klein gehackten Chili anrühren.

Der Text stammt aus der Serie „Grundkurs kochen". Das gleichnamige Büchlein von Christopher Wurmdobler (Falter Verlag, 112 Seiten, 4,90 Euro) ist im faltershop erhältlich.


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