Spion vs. Spion: Elektronische Duelle in Donaustadt - FALTER.morgen #465

Versendet am 05.12.2022

Auf Dächern im 22. Bezirk spitzeln Geheimdienste gegen Diplomaten, Satelliten und Datenleitungen – und duellieren sich mit elektronischen Waffen >> „Grüß Gott!“: Ein Politdrama in drei Akten >> Bei der Untersuchung der Causa Wien Energie sorgt der Vorsitzende für positive Überraschung. Wer ist Martin Pühringer? >> „Ich bin nicht der Mundl“: Karl Merkatz, 1930 - 2022

Wetterkritik: Es gibt Wetterlagen, zu denen fällt einem nichts ein. Heute ist so eine – meist neblig mit möglichen Auflockerungen am Nachmittag bei viel zu milden 7 bis 9 Grad. Bääh.


Guten Morgen!

Wien, Welthauptstadt der Spionage: Das ist mehr als bloß ein gut gepflegter Mythos. Dass Wien die höchste Dichte akkreditierter Diplomaten weltweit hat, ist ein Faktum. Dass die „Kulturattachés“ gewisser Staaten ihren angeblichen Job häufig nur vom eigenen Türschild kennen, gilt als offenes Geheimnis. Und dass man es als Journalist fast zwangsläufig irgendwann mit den diskreten Herrschaften zu tun bekommt, weiß auch jeder in der Branche.

Mit den gängigen Klischees der Vergangenheit (tote Briefkästen! Geheimtinte!) haben die Geheimdienstler-Umtriebe aber selten zu tun. Zumindest nicht die wirklich Bedeutsamen. Die spielen sich nicht in dunklen Tiefgaragen, auf einsamen Parkbänken oder in diskreten Innenstadtcafés ab – sondern ganz unromantisch beispielsweise auf diversen Dächern in Donaustadt.

Wir haben vor ein paar Tagen schon einmal kurz darüber berichtet, das Thema hat uns aber nicht losgelassen. Also, was ist da los? Das haben wir den Fachjournalisten Erich Moechel gefragt, der sich intensiv mit den elektronischen Umtrieben diverser Geheimdienste in Wien beschäftigt. Ein Interview mit ihm gibt’s gleich unten. Dass derartige Aktivitäten eine analoge Tradition haben, wird hier übrigens am Mittwoch ein Thema sein: Da gibt's die nächste Folge von Thomas Rieglers Serie „Geheimes Wien“, und in der geht es um antikommunistische CIA-Untergrundkämpfer, die sich in Penzing als biedere Vereinsmeier tarnten.

Außerdem im FALTER.morgen: Soraya Pechtl porträtiert Martin Pühringer, der als Vorsitzender der Untersuchungskommission im Fall Wien Energie mit Sachlichkeit und Schmäh eine gute Figur macht. Und Florian Holzer nimmt Sie auf Grätzelrundgang ins Schleifmühlviertel mit.

Einen schönen Tag wünscht

Martin Staudinger


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„Elektronische Spionage im großen Stil“

Der Geheimdienstexperte Erich Moechel über die elektronischen Gefechte zwischen Russland und den USA in der Donaustadt.

Seltsames geht vor auf den Dächern Transdanubiens: Auf manchen Gebäuden sind in den vergangenen Jahren immer mehr Antennen, Sat-Schüsseln und seltsame kleine Zubauten aufgetaucht; und zwar mitnichten, weil die Bewohner dort so gerne fernsehen. Wobei – gewissermaßen geht es doch auch wieder um Fernsehen, nur nicht im herkömmlichen Sinne.

Das wissen Auskenner wie der Fachjournalist Erich Moechel: Sie können anhand von hochauflösenden Fotos ziemlich genau sagen, wozu die ganze Technik auf den Dächern gut ist und wer sie wofür verwendet.

FALTER.morgen: Was geht da vor in Transdanubien?

Erich Moechel: Die Russen und die Amerikaner betreiben elektronische Spionage im großen Stil – gegen andere Nationen, vor allem aber auch gegeneinander.

Was deutet darauf hin?

Bauten, Satellitenschüsseln und Antennen auf zwei Gebäuden: Aus der russischen Uno-Botschaft in Aspern und auf dem EY-Tower (dem früheren IZD-Tower, Anm.) gleich neben der Uno-City, wo der amerikanische Nachrichtendienst NSA einen Horchposten betreibt.

Rusissche (l.) und amerikanische Spionagetechnik in der Donaustadt © FM4/Nomen Nescio

Was machen die dort?

Die Russen saugen offenbar Daten von Satelliten ab, die strategisch wichtige Länder in Afrika und im Nahen Osten versorgen, in denen Breitband-Verbindungen am Boden Mangelware sind. Über diese Satelliten laufen Unmengen von Daten, die Übertragungen sind aber kaum gesichert. Das macht die NSA gemeinsam mit dem österreichischen Heeresnachrichtenamt über die Lauschstation Königswarte aber auch nicht anders. Russland führt auf diese Weise aber derzeit auch aktiv Krieg. Der Kreml-Geheimdienst hat es beispielsweise zu Beginn der Invasion in der Ukraine geschafft, die Internetkommunikation der ukrainischen Fronttruppen lahmzulegen  – durch einen Angriff auf einen Datensatelliten.

Und dann?

Wurde die Software der tragbaren Bodenstationen der Ukrainer durch eine als reguläres Software-Update eingeschmuggelte Schadsoftware zerstört. Herausgekriegt, welche Transponder und welches Equipment die Ukrainer benutzen, haben die Russen über Beobachtungsschüsseln wie in Wien.

Woraus schließen Sie das?

Aus Ausrichtung der Schüsseln lässt sich ziemlich genau nachvollziehen, auf welchen Satelliten sie zielen.

Und die Amerikaner?

Die betreiben auf dem IZD-Tower einerseits Empfangsanlagen, die offenbar Mobilfunknetze anzapfen: Im Umfeld der Uno-City haben ja zahlreiche Staaten – etwa der Iran – Niederlassungen, in denen viel telefoniert wird. Anderseits sind US-Geheimdienstantennen auf die russische Uno-Botschaft gerichtet. Die ist zwar 3,8 Kilometer Luftlinie entfernt, man hat vom IZD-Tower aber freie Sicht dorthin. Und wenn man freie Sicht hat, ist das perfekt, um Signale und Daten abzufangen.

Das gilt umgekehrt dann aber auch.

Klar. Es ist davon auszugehen, dass die Russen und die Amerikaner sich dabei beobachten, wie sie sich beobachten. In erster Linie sind sie hinter Daten her. Aber wenn sie sich übereinander ärgern, schicken sie sich vielleicht zwischendurch einen Datenburst …

Was ist das?

Eine Datensendung mit so hoher Leistung, dass die andere Station kurzfristig blind ist. Auch das ist eine Möglichkeit, miteinander zu kommunizieren. Spione spielen manchmal sehr seltsame Spiele.

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Wer aus der Provinz nach Wien zugezogen ist (also die überwiegende Mehrheit der Bevölkerung), hat mit hoher Wahrscheinlichkeit beim Grüßen mit dem G-Wort schon mal auf eine erkennbar hochgezogene Augenbraue geblickt. Aus diesem Spannungsfeld entwickelte sich über das Wochenende ein Drama in drei Akten, das wir hier in voller Länge publizieren:

„In Wien heißt das nicht Grüß Gott, sondern Guten Tag.“

SPÖ-Fraktionsführer Kai Jan Krainer am Freitag im parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum niederösterreichischen ÖVP-Landesgeschäftsführer Bernhard Ebner

„Dass Krainer nun offenbar allen Menschen in Wien die Grußformel ‚Grüß Gott‘ verbieten will, ist eine massive Grenzüberschreitung.“

ÖVP-Abgeordnete Corinna Scharzenberger am Samstag in einer Presseaussendung

„Grüß Gott und einen schönen guten Morgen!“

SPÖ-Bürgermeister Michael Ludwig am Sonntag in der ORF-Pressestunde

Womit eigentlich alles über alle gesagt ist.

Es war Mord: Zu diesem Urteil kamen die Geschwornen im Prozess um den gewaltsamen Tod der 13-jährigen Leonie. Der 24-jährige Hauptangeklagte wurde des Mordes schuldig gesprochen, die beiden Mitangeklagten (19 und 20 Jahre alt) des Mordes durch Unterlassung (sprich: dafür, dass sie die Tat nicht verhindert haben).

Die drei Männer, sie stammen alle aus Afghanistan, erhielten Haftstrafen zwischen lebenslang und 19 Jahren.

Die Urteile sind noch nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft gab keine Erklärung ab. Der Erstangeklagte erbat sich drei Tage Bedenkzeit. Der Zweitangeklagte akzeptierte das Urteil, der Drittangeklagte meldete Berufung an. Eine Gerichtsreportage von Kollegen Lukas Matzinger ist im nächsten FALTER geplant.

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Winter im MuseumsQuartier hier geht’s zum Programm!

Soraya Pechtl

Der humorvolle Pragmatiker

Vorsitzender Martin Pühringer führte locker und sachlich durch den ersten Sitzungstag der Wien-Energie-Kommission. Wer ist der Mann? 

Eigentlich wollte ich Ihnen einen launigen Bericht vom ersten Sitzungstag der Untersuchungskommission zum Fall Wien Energie liefern. Inhaltlich gibt es aber nicht viel Launiges zu berichten. Die Abgeordneten haben am Freitag darüber abgestimmt, welche Beweise und Zeugen zugelassen werden. Das lief großteils so: Der Vorsitzende Martin Pühringer las knapp vor: „Antrag 192 – Prüfberichte von Wirtschaftsprüfungsinstituten". Alle Abgeordneten zeigten auf. „Antrag einstimmig angenommen”. Weiter in der Tagesordnung. 

Stimmten die Regierungsfraktionen SPÖ und Neos einem Antrag oder Zeugen nicht zu – etwa weil sie die Geschäftsgeheimnisse der Wien Energie in Gefahr sahen – wurde kurz diskutiert und der Antrag dann dem Schiedsgremium zugewiesen. Dieser dreiköpfige Richtersenat wird in den kommenden Wochen über die Zulässigkeit entscheiden. Die brisanten Anträge zur Offenlegung von Chats, Kalendern und Mails kamen erst gar nicht zur Abstimmung sondern wurden auf kommende Sitzungen verschoben. „Ich möchte das zurückstellen, weil ich mir noch nicht klar bin, wie ich das rechtlich zu bewerten habe”, begründete Pühringer seine Entscheidung. Nachsatz: „Ich will lieber eine gute Entscheidung treffen als eine schnelle.”

So weit, so unspannend. Langweilig wurde es in dem kleinen Sitzungssaal im Arkadenhof des Rathauses trotzdem nicht. Und der Grund dafür war der Vorsitzende selbst. 

„Ich will lieber eine gute Entscheidung treffen als eine schnelle", sagt der 38-jährige Jurist Martin Pühringer © David Bohmann / PID

Denn Pühringer sorgte mit seiner Vorsitzführung immer wieder für Gelächter. Nicht unfreiwillig, wie das unter Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP) im U-Ausschuss im Parlament schon mal vorkommt. Sondern mit lockerem Schmäh. Etwa als er zu Sitzungsbeginn feststellte, dass insgesamt 138 Beweisanträge eingelangt sind: „Es gibt kein Mitarbeitsplus für die Fraktion, die am meisten Anträge eingebracht hat”, kommentierte er trocken. Oder als sich ein Abgeordneter über die unpräzise Formulierung eines Antrags beklagt: „Die Qualität der Beweisanträge beurteile ich nicht. Also, das mach' ich schon, aber nur für mich selbst.”

Wer ist der Mann?

Martin Pühringer arbeitet eigentlich als Richter am Wiener Verwaltungsgericht, vorher war er beim Verwaltungs- und Verfassungsgerichtshof. Dass sich der 38-Jährige im kommenden Jahr mit der Wien Energie auseinandersetzt, hat er, wie er selbst sagt, nicht „meinem Engagement” zu verdanken, sondern einer Auslosung. Das war nicht immer so.

Vor einem Jahr hat die rot-pinke Stadtregierung mit Unterstützung der Grünen eine Reform der U-Kommission beschlossen (wir haben berichtet). Die Folge: Am Kopf der u-förmigen Tafel im Arkadenhof des Rathauses sitzt kein Politiker, sondern ein pragmatischer Jurist wie Pühringer, der die Objektivität der Verfahren gewährleisten soll.

Und diese Objektivität will Pühringer gleich zu Beginn außer Zweifel stellen: „Wir haben den wesentlichen Sachverhalt zu ermitteln, die U-Kommission ist kein Gericht. Die politische Beurteilung obliegt dem Gemeinderat”, sagte er. Er sei verantwortlich, „auf die Einhaltung der Verfahrensbestimmungen zu achten und für einen respektvollen Umgang in der Untersuchungskommission, insbesondere gegenüber geladenen Personen, zu achten”. 

Und so endet der erste Tag ohne lange Debatten. Ohne viel Polemik. Und mit einer guten Portion Schmäh.

PS: Wir haben am Freitag geschrieben, dass die Mehrheit der Abgeordneten (also die Mitglieder von SPÖ und NEOS) in der Untersuchungskommission einen Beweisantrag ablehnen kann und dieser danach an das Schiedsgremium zugewiesen wird. Das Wort ablehnen ist in diesem Zusammenhang nicht ganz richtig: Die Mehrheit kann lediglich einem Antrag nicht zustimmen und die Entscheidung dann für eine rechtliche Beurteilung an das Schiedsgremium weitergeben.

„Wenn der Vorhang fällt, ist es zu Ende“

Karl Merkatz, 1930 - 2022

© APA/Hans Klaus Techt

Manchmal litt er wohl auch ein bisschen unter dem Erfolg seiner bekanntesten Rolle: Das Publikum identifizierte Karl Merkatz dermaßen mit der Figur des Edmund „Mundl“ Sackbauer, dass es ihm kaum abnahm, zu einem geraden Satz auf Hochdeutsch und ohne Verbalinjurien fähig zu sein.

„Ich bin nicht der Mundl“, lautete nicht von ungefähr der Titel eines Interviews mit dem Schauspieler, das aus Anlass seines 90. Geburtstags vor zwei Jahren im FALTER erschienen ist. Merkatz spricht darin unter anderem über sein Berufsverständnis.

Hier ein Auszug:

FALTER: 2011 drehten Sie einen besonders beeindruckenden Film, „Anfang 80“. Er handelt von einem Liebespaar. Ein Mann und eine Frau, beide Anfang 80, verlieben sich auf den ersten Blick ineinander. Der Mann, den Sie spielten, verlässt seine Ehefrau. Seine neue Gefährtin, gespielt von Christine Ostermayer, ist sehr krank, doch sie ziehen trotzdem zusammen, obwohl ihnen alle davon abraten. 

Merkatz: Es hat sich eine Symbiose entwickelt, sodass wir zusammen, meine Kollegin und ich, die gleichen Empfindungen hatten. Darum waren die Situationen fast privater Natur. Aber wir sind namentlich, berufsmäßig Schau-Spieler und wir spielten diese Empfindungen, die wir plötzlich hatten. Dadurch kamen bestimmte Szenen so stark zum Vorschein, sodass man sie fast für echt empfindet. Aber wenn sie fertig gespielt sind, sind sie nicht mehr vorhanden. 

Wie meinen Sie das?

Wenn der Vorhang fällt, ist es zu Ende. Das ist wie ein hypnotischer Vorgang. Wenn es so macht (klatscht), ist es aus. Die Figur ist dann vorhanden. Die kann ich dann 30 Mal, 40 Mal spielen, aber ich bin sie nicht mehr. Man steigt in das Kostüm und spielt die Figur. Aber vorher ist man diese Figur. Ehe ich so eine fertige Figur hatte, war ich daheim nicht auszuhalten. Weil die letzten acht Tage war ich jemand anderer. 

Und danach können Sie die Figur jederzeit abrufen?

Jederzeit. Wenn sie heute drankäme, würde ich nachdenken, Text, ah, den hab ich wieder vergessen. Aber man ist diese Figur nicht. Ich war nie der Bockerer, ich war nie der Mundl. Ich bin es auch heute nicht. Ich kann Ihnen jederzeit Antwort geben auf diese Art oder jene Art, das ist mir kein fremdes Ding. Aber ich bin es nicht.

Gestern früh ist Karl Merkatz im Alter von 92 Jahren gestorben.

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In der Schleifmühlgasse

© ARGE KARTO

Die Schleifmühlgasse war eigent­lich immer schon die Szene­lokalachse des vierten Bezirks, also zumindest seit den 80ern. Trotz szenegastro­nomischer Vollerschließung hat sich hier dieser Nimbus eines selbstverwalteten Grätzels irgendwie erhal­ten.

Das Amacord, ein Urgestein der Wiener Lokalszene, wurde 1987 von Dieta Eder und Erhard Auer gegründet. Irgendwann einmal begannen die Amacord­-Leute auch richtig gut zu ko­chen und interessante Weine auszu­schenken, das blieb bis heute. Die Rösterei Alt Wien war 2000 die erste Wiener Kleinrösterei moderner Generation, mittlerweile bekommt man Alt Wien­-Kaffee gefühlterma­ßen in jedem zweiten Wiener Beisl. Eine Erfolgsgeschichte. Otto e Mezzo setzte früh auf Pizza. Vor kurzem begann man im Pizza­ofen übrigens auch Pinsa Romana zu machen, was natürlich ein bisschen eine Chuzpe gegenüber dem Pinsatore ist, das Lokal, das Anfang 2020 hier wohl als erstes in Wien diese Flaumteigpizza anbot.

Und wann wurde das Café „Anze“ Anzengruber eigentlich zum Hobby­raum von Wiens Literatur­, Kultur und Kreativszene? Schwer zu sagen, der Prozess passierte irgendwie flie­ßend, und plötzlich bekam man hier als Nicht-Literat oder Nicht-Kulturmanager keinen Platz mehr. Einzigartig auch die Vollpension, ein kulinarisches Integrationsprojekt gegen Alterseinsamkeit, bei dem Seniorinnen Kuchen und Kekse nach ihren ganz speziellen Omama-Rezepten backen und so mit interessierter Kundschaft in Kontakt kommen. Großartig.

Den gesamten Grätzelrundgang von Florian Holzer lesen Sie hier.

Warum mussten im Jahr 1910 die Bauarbeiten am Looshaus in der Innenstadt gestoppt werden?

1) Wegen Einsturzgefahr nach einem Erdbeben im Wiener Becken

2) Weil der schlichte, ornamentlose Stil dem Kaiserhaus und der Bevölkerung missfiel

3) Weil ein Stockwerk mehr errichtet wurde, als von der Baubehörde genehmigt worden war

Auflösung von Freitag: Bis Mitte der 1950-er Jahre konnten in vielen Wiener Parks bei den sogenannten „Sesselfrauen“ Stühle zum Niedersetzen ausgeborgt werden (nicht Regenschirme oder Hunde zum Spazierengehen).

Lisa Kiss

Kunst

Seit 2018 fördert die Kiewer Galerie The Naked Room junge ukrainische Positionen. Ihre Ausstellung „Der Tod und das Mädchen“ im Kunstforum Tresor präsentiert vier Künstlerinnen, deren Arbeiten um kulturelle Identität und Folklore, Flucht und Isolation kreisen. Keine Schau über den Krieg, vielmehr gute Kunst mit existenziellem Hintergrund. (Nicole Scheyerer)

Kunstforum Tresor, 10.00 bis 19.00 (bis 15.1.)

Drago Jančar & Klaus Detlef Olof: Nordlicht

Jemand muss Erdmann eine Falle gestellt haben. Er wurde in seine ehemalige Heimatstadt Marburg gelockt und dort allein gelassen. So torkelt der ahnungslose Ich-Erzähler durch ihm seit seiner Jugend bekannte nationale Konflikte und soziale Spannungen in die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs.

Tatsächlich erinnert das packende Buch an Musil und Kafka, vor allem aber an Hermann Broch. Das über Mitteleuropa im Februar 1938 irritierend aufflammende Nordlicht erscheint darin als Vorbote des Untergangs … (Thomas Leitner)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

@ „Weitere 70,5 Millionen für die Stadtstraße: Wirklich ein Skandal?” von Soraya Pechtl, FALTER.morgen # 464

Wenn man nur Wochen nach dem letzten, enttäuschenden COP27, und mit schlechten Ausblick, was die bisherige Erfolge im Kampf gegen die Klimakatastrophe angeht, 70 Millionen für eine Straße statt für klimaneutralere Verkehrskonzepte ausgibt, ist das jedenfalls ein Skandal. Wie viele Kilometer sichere Radwege wären sich um die Summe ausgegangen? 

Johannes Kleinrath 



@ Debatte über den Klima-Aktivismus – Florian Klenk vs. Benedikt Narodoslawsky, FALTER.morgen #462 und #463

Euer Artikel über die Klimaaktivisten wurde von mir aufmerksam gelesen und gleichzeitig von eben solchen Aktivisten widerlegt.

In der heutigen Krone wird schon über absichtliche Sachbeschädigung in Form von Sachbeschädigungen durch Aktivisten in Innsbruck berichtet. Das ist erst der Anfang von feigen Anschlägen die noch folgen werden. Diese selbsternannten Klimaaktivisten sind nichts als billige Mitläufer und Rowdys, die heimlich öffentliches und privates Gut zerstören. Nicht vergleichbar mit den tapferen Vorkämpfern in ihren alten Schlauchbooten die illegalen Walfangflotten die Stirn boten, auch nicht mit Umweltschützern die Giftmülldeponien aufdeckten usw. Sie schaden der Sache und beginnen eine Eskalationsspirale, die zu immer radikaleren Angriffen und Abwehrreaktionen führen wird.

Am Problem das die Energiewende für die meisten Menschen einfach nicht leistbar ist, ändert das gar nichts. Viele Menschen haben nur die Wahl zwischen weniger heizen oder bankrott; die Wahl, ihr Geld den Energiekonzernen oder den Banken für die Kredite zum Heizungsumbau zu spenden. Und viele haben es satt, zu all diesen Sorgen auch noch selbsternannten Ökonarzissten zuzuhören.

Josef Kerschbaum


@ „Die letzten Fahrgäste” von Soraya Pechtl - FALTER.morgen # 461

Ich lese ja stets im Zug eure Morgenlektüre. Und da stand, dass am Montag alles relativ normal ablief auf den Straßen und Bahnhöfen. Ich fand es nicht normal. Ich wohne in Gänserndorf und arbeite in Hernals als Kindergartenpädagogin. Wenn ich zu spät komme, fehle ich, da keine Pädagogin meinen Platz einnimmt.

Gestern musste ich mit dem Auto fahren: Die Empfehlung, eine Fahrgemeinschaft zu bilden oder homeoffice zu nehmen, ist nett, aber nicht möglich. Ich fuhr 100 Minuten in die Arbeit mit extrem viel Stau. Ich fuhr ca. 100 Minuten nach Hause mit extrem viel Stau. 

Heute habe ich Frühdienst. Zwei hintereinander folgende Züge sind gecancelt. In den Medien stand, dass heute alles normal weitergeht. Die Eltern stehen vor der Türe. Und das schon des öfteren. Eine Entschuldigung bei der Chefin und den Eltern wird bald nicht mehr ausreichen.

Es ist ein Hohn zu schreiben, dass alles gar nicht so arg war.

Ursula Riedl


Ich habe den gestrigen Tag im Homeoffice verbracht. Hatte ich aber ohnehin geplant. 

Einer meiner Mitarbeiter hat sich spontan frei genommen. Alle Nicht-Wiener meiner Abteilung, die normalerweise per Zug kommen, haben im Homeoffice gearbeitet. 

Julia H.


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