Strom und Gas: Was tun gegen hohe Vorauszahlungen? - FALTER.morgen #466

Versendet am 06.12.2022

Ärger über hohe Strom- und Gas-Vorauszahlungen bei der Wien Energie: Was dahintersteckt und was Sie tun können >> Die neuesten Pläne für den Naschmarkt-Parkplatz >> Mediziner und Lehrer gegen dicke Luft in den Klassenzimmern >> Vogel der Woche: Die Sumpfohreule

Wetterkritik: Von allem ein bisschen – das mag am Buffet ein gutes Motto sein, beim Wetter ist es eher nervig. Vormittags ist es bewölkt, regnerisch und so kühl, dass es in den Außenbezirken sogar schneien kann. Ab Mittag wird es dann ein bisschen sonnig, dafür aber ziemlich windig.


Guten Morgen!

Also, mir hat es im ersten Moment ehrlich gesagt die Schlapf’n ausgezogen – ein routinemäßiger Blick auf’s Konto, und dort ist plötzlich weniger als nichts. Sattes Minus. Alles rot.

Bevor Sie jetzt Vermutungen anstellen: Keine finanziellen Exzesse im Vorfeld, kein Schampusbrunnen für die verwöhnten FALTER-Kolleginnen und -Kollegen, kein Luxusurlaub. Ich habe meine Kontodaten auch nicht an den nigerianischen Prinzen weitergegeben, der mir immer wieder dringend acht Millionen Dollar überweisen will.

Nein, mir war bloß von der Wien Energie als Neukunde der Teilbetrag Gas für November abgebucht worden: 860 Euro, bitte danke.

Zuerst dachte ich a) an ein Missverständnis und b) an einen Einzelfall. Eine schnelle Rundfrage im Bekannten- und Social-Media-Kreis ergab aber: Weder, noch. Ganz vielen Leuten, die aufgrund der steigenden Energiepreise von privaten Anbietern zur stadteigenen Wien Energie gewechselt sind, geht es gerade ähnlich. Und das war dann doch ein Grund, eine Ausnahme vom ehernen Grundsatz zu machen, als Journalist nicht über Angelegenheiten zu schreiben, die einen selbst betreffen. Was dabei herausgekommen ist: Es hat schon alles seine Richtigkeit. Aber es ist trotzdem problematisch. Mehr darüber gleich.

Danach erzählt Ihnen Soraya Pechtl noch etwas über die neuen Pläne für die umstrittene Umgestaltung des Naschmarkt-Parkplatzes. Nina Horaczek berichtet über eine Initiative für bessere Luft in den Klassenzimmern. Und Klaus Nüchtern beschreibt diesmal einen Vogel, der tief in die Abgründe Ihrer Seele blickt: Die Sumpfohreule.

Einen schönen Tag wünscht

Martin Staudinger


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Ratenspiele

Vielen Neukundinnen der stadteigenen Wien Energie werden schockierend hohe Vorauszahlungen abgebucht. Wie kommt das?

860 Euro mehr oder weniger haben: Das macht auch für ein Haushaltsbudget mit einem gewissen Sicherheitspolster einen substanziellen Unterschied. Dabei sind 860 Euro im Vergleich zu anderen Vorschreibungen nicht einmal besonders viel. Auf meine Rundfrage hin meldeten sich binnen kürzester Zeit ein gutes Dutzend Leute, denen nach dem Wechsel zur Wien Energie Beträge bis 1.200 Euro (zehnmal pro Jahr, Strom und Gas) oder mehr in Rechnung gestellt und abgebucht wurden – was selbst angesichts der derzeit extrem hohen Energiepreise überdurchschnittlich viel ist. Und angesichts der Tatsache, dass in den vergangenen Monaten zehntausende neue Verträge bei der Wien Energie abgeschlossen wurden (Ende August war die Rede von 30.000) dürfte das eine große Zahl an Menschen betreffen.

Enthalten im Moment oft unangenehme Nachrichten: Kuverts der Wien Energie © APA/BARBARA GINDL

Wie kommen solche Vorschreibungen zustande? Das habe ich die Wien Energie gefragt und gemeinsam zwei Fälle aufgedröselt, die detailliert nachvollziehbar sind.

  • Fall 1: 860 Euro für Gas

Mein Fall ist wahrscheinlich gar nicht so untypisch: Wechsel zur Wien Energie Ende September, tatsächlicher Lieferbeginn Mitte Oktober. Einstufung durch die Wiener Netze, die den Verbrauch kontrollieren. Prognostizierter Jahresverbrauch rund 12.000 kWh. Für Oktober kann die Wien Energie aufgrund des Umstiegszeitpunktes noch keinen Teilbetrag abbuchen. Im Dezember ist keiner mehr fällig, weil nur zehnmal pro Jahr abgebucht wird). Die nächste Ablesung, die Aufschluss über den tatsächlichen Verbrauch geben könnte, ist Anfang Jänner geplant.

Also holt sich die Wien Energie bei erster Gelegenheit (im November) das Geld für die Zeit von Oktober bis Anfang Jänner von mir. Allerdings: Die Kosten für den erwarteten Jahresverbrauch werden dabei nicht gleichmäßig auf zehn Raten verteilt, sondern deutlich höher angesetzt – mit dem Argument, dass ja auch der Verbrauch in der kalten Jahreszeit höher ist. Eigentlich sollte das den Kundinnen und Kunden vorab kommuniziert werden, das Schreiben an mich ist aber nie angekommen. Bei der nächsten Ablesung Anfang Jänner werde das korrigiert und eine allfällige Überzahlung refundiert, verspricht die Wien Energie.

  • Fall 2: 1.200 Euro für Strom und Gas

Der zweite Fall betrifft eine Studentin in einer Zwei-Zimmer-Wohnung: Neukundenvertrag bei Wien Energie im August, wie üblich ebenfalls Einstufung durch die Wiener Netze – und die kommen, aus welchen Gründen auch immer, auf sagenhafte 6.810 kWh Strom und 23.413 kWh Gas (der Durchschnittsverbrauch liegt laut Wien Energie bei 2.000 kWh Strom und 8.000 kWh Gas). Anruf bei der Wien-Energie-Hotline, Ratschlag von dort: Vorerst nicht einzahlen, Vorauszahlung wird neu berechnet. Wenig später bucht die Wien Energie trotzdem 1.200 Euro ab. Weitere Anrufe und Mails mit Fotos der tatsächlichen Zählerstände bringen vorerst nichts.

Laut Wien Energie wurden die Teilbeträge auf Basis der Verbrauchsprognose „korrekt berechnet“. Die gute Nachricht: Dieser Tage findet in der Wohnung die Ablesung statt, nach der man weiß, was seit August tatsächlich verbraucht wurde. Die schlechte: Die Teilbeträge bleiben gleich, weil noch kein gesamter Jahresverbrauch ermittelt wurde (Anmerkung: Die Wien Energie hat die Beträge in diesem Fall inzwischen reduziert).

Was tun in solchen Fällen?

Man kann die Teilbeträge anpassen lassen – entweder über die Hotline der Wien Energie 0800 500 800 (Mo-Fr 07:30–18:00 Uhr), via Kontaktformular oder selbständig über das eigene Kundenkonto auf der Website. Allerdings sind online maximal Reduktionen um 20 Prozent möglich – wer noch weniger vorauszahlen möchte, muss sich das mit den Beraterinnen und Beratern der Wien Energie direkt ausschnapsen.

Warum?

Um zu verhindern, dass aufgrund unrealistisch niedriger Teilbeträge bei der Jahresabrechnung das böse Erwachen kommt, weil plötzlich hohe Nachzahlungen fällig werden.

Und wenn sich alles nicht mehr ausgeht?

Bei Rückständen sind zinsfreie Ratenzahlungen über bis zu 1,5 Jahre und auch Stundungen möglich. Und für soziale Härtefälle gibt es eine eigene Ombudsstelle, die mit den Sozialeinrichtungen in Wien zusammenarbeitet und sich um noch individuellere und langfristige Lösungen bemüht: Kontakt hier.

Was bleibt?

Einerseits, dass letztlich schon alles korrekt läuft. Andererseits aber doch die Vermutung, dass die Wien Energie ihren Kundinnen und Kunden vorab tendenziell lieber zu viel Geld abknöpft als zu wenig – und sich damit de facto ein Darlehen ohne Zinsen holt.

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Soraya Pechtl

Der Masterplan für den Naschmarkt-Parkplatz liegt vor – und die Zusammenfassung könnte lauten: Planungsstadträtin Ulli Sima (SPÖ) versucht, es allen recht zu machen. 

Ein Überblick:

  • Der 12.000 Quadratmeter große Naschmarkt-Parkplatz wird in zwei Flächen aufgeteilt: 58 Prozent werden zu einem gekühlten und begrünten Freiraum mit Baumpflanzungen am Rand und Gräserbeeten in der Mitte. Die übrigen 42 Prozent bleiben für den Flohmarkt, wo jeden Samstag Händler Krimskrams und kleine Schätze verkaufen. An Flohmarkt-freien Tagen soll es zudem die Möglichkeit für Lesungen, Outdoor-Yoga und ein Freiluftkino geben. 

  • Der Masterplan sieht auch die Gestaltung der 5.000 Quadratmeter großen Fläche östlich der U4-Station Kettenbrückengasse vor. Dort, wo derzeit jeden Samstag Bauern aus der Region ihre Produkte anbieten, soll ein zweiter Eingang zum Naschmarkt entstehen - inklusive der Möglichkeit einer Bebauung”. Wie diese Bebauung konkret aussieht, ist laut Sima Sache des Realisierungswettbewerbs, der Anfang kommenden Jahres starten soll. Der Bauernmarkt bleibe aber selbstverständlich im aktuellen Flächenumfang” bestehen.

Der Masterplan für den Naschmarkt-Parkplatz © Stadt Wien

Beim Wort Bebauung schrecken einige Anrainer fast reflexartig auf. Sie erinnern sich vielleicht: Im Frühjahr 2021 hat Sima Pläne veröffentlicht, die eine überdachte Markthalle am Naschmarkt-Parkplatz vorsahen. Anrainer, die Grünen und die Partei Links protestierten dagegen. Sima dürfe den Platz nicht noch mehr zubauen, Grünraum müsse her. Der Widerstand gegen die Halle wuchs, die Bürgerinitiative Freiraum Naschmarkt gründete sich. Aus Protest hängten zahlreiche Anrainer gelbe Fahnen in ihre Fenster. Und Sima rückte schließlich von der Idee ab.

Zufrieden ist die Bürgerinitiative Freiraum Naschmarkt mit den aktuellen Plänen trotzdem nicht. In einer Aussendung warnt die Sprecherin vor einer Markthalle mit Gastro-Zone. Davon ist im Masterplan keine Rede. Naja, man kann es eben doch nicht allen Recht machen.


Mehr als drei Dutzend Schüler sind an einer Mittelschule in Wien über den Zeitraum von 15 Jahren Opfer von sexuellem Missbrauch geworden: Das ist die traurige Bilanz, die eine von der Bildungsdirektion Wien eingesetzte Untersuchungskommission zieht. Es habe ein „Systemversagen auf allen beteiligten Ebenen“ gegeben, so die Kommission in ihrem Bericht.

Zwischen 2004 und 2019 soll ein Wiener Lehrer 40 Schüler – 25 konnten bislang identifiziert werden, es sind allesamt Burschen – mit K.O.-Tropfen betäubt und sexuell missbraucht haben: Etwa, indem er gemeinsam mit den Minderjährigen duschte und dabei kinderpornographisches Foto- und Videomaterial von ihnen anfertigte. Auch an einer Volksschule unterrichtet der Mann. Ob er sich dort ebenfalls an Kindern vergangen hat, konnte die Untersuchungskommission nicht herausfinden. 

Die Bildungsdirektion hat nun sieben Anzeigen bei der Staatsanwaltschaft eingebracht – und zwar gegen zwei mögliche Mittäter und den ehemaligen Schulleiter, weil er von den Neigungen und Taten gewusst haben könnte. Ermittlungen wurden mangels Anfangsverdacht vorerst nicht eingeleitet. Der betroffene Lehrer beging im Jahr 2019 Suizid, nachdem er wegen Missbrauchs angezeigt worden war und eine Hausdurchsuchung bei ihm stattgefunden hatte.


Lenkerinnen und Lenker, denen ihr Auto lieb ist, sollten künftig lieber runter vom Gas: Verkehrsministerin Leonore Gewessler (Grüne) hat gestern die Gesetzesnovelle zur Beschlagnahme von Raser-Fahrzeugen präsentiert. Und die sieht so aus:  

  • Ab einer Geschwindigkeitsübertretung von 60 km/h im und 70 km/h außerhalb des Ortsgebietes kann die Polizei das Auto an Ort und Stelle für zwei Wochen beschlagnahmen sowie den Führerschein des Lenkers einziehen.

  • Ob die Raser ihr Auto wieder bekommen, hängt davon ab, mit welcher Geschwindigkeit sie unterwegs waren und wie oft sie bereits beim Heizen erwischt wurden. Wiederholungstäter oder Raser, die die Geschwindigkeit extrem überschreiten - etwa mit 130 km/h im Ortsgebiet oder mit 220 km/h auf der Autobahn - bekommen ihre Karre nicht wieder. Die Behörde versteigert das Fahrzeug, 70 Prozent des Erlöses gehen an den Verkehrssicherheitsfonds. Das gilt übrigens nicht bei Miet- oder geliehenen Autos – dafür droht dem Fahrer in diesen Fällen ein lebenslanges Lenkverbot.

… bei Peter Hochegger

© APA/Hans Klaus Techt

Florian Scheuba berichtet von einem Krone-Kolumnisten, der Klimaaktivisten „lustvoll in die Fresse hämmern“ und per Schneefräse beseitigen lassen will. Mit Peter Hochegger bespricht er dessen „Drehbuch für Korruption“ - den „Masterplan Novomatic“ - und wie verdeckte Parteienfinanzierung in der Praxis funktioniert. Hier geht's zum Podcast.

Nina Horaczek

Atembeschwerde

Eine Initiative fordert CO2-Messgeräte in den Klassen, um die Luft- und damit auch die Unterrichtsqualität zu verbessern

Haben Sie schon einmal Ihrem Kind das Turnsackerl nachgetragen und die Tür zum Klassenzimmer geöffnet: Dicke Luft – stimmt’s? Dort, wo man eng an eng sitzt und die Kinderköpfe rauchen, sinkt die Luftqualität rapide. Das riecht nicht nur grauslich. Eine erhöhte CO2-Konzentration in der Luft führt auch zu Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Leistungsabfall. Außerdem können Krankheitserreger so leichter über Aerosole übertragen werden.

Da kann es schnell mal dicke Luft geben: Klassenzimmer in Wien © APA/Herbert Pfarrhofer

Die „Initiative Gesundes Österreich“ möchte den Mief im Klassenzimmer bekämpfen. Denn Schülerinnen und Schüler verbringen bis zur Hälfte ihres Tages in Schulgebäuden. „Wissenschaftliche Studien attestieren darüber hinaus, dass die Raumluft in Kindergärten und Schulen durch nicht ausreichende Belüftung mit Schadstoffen angereichert wird. Erhöhte Schadstoffbelastungen können wiederum zu akuten oder chronischen Atemwegsbeschwerden führen“, sagt der Lungenfacharzt Arschang Valipour vom Karl Landsteiner Institut für Lungenforschung.

Die Initiative fordert sogenannte CO2-Messgeräte in jedem Klassenzimmer des Landes. Diese Kohlendioxid-Ampeln schlagen Alarm, wenn die Luftqualität im Klassenzimmer zu stark absinkt. „Wir wissen aus Untersuchungen, dass einfach nur alle zwanzig Minuten die Fenster aufreißen zu wenig ist, um eine gute Luftqualität zu haben“, sagt der Lehrer und Gewerkschafter Hannes Grünbichler.

Die Initiative hat auch durchgerechnet, was das Nachrüsten in Österreich insgesamt kosten würde. „Wenn in jedem Klassenzimmer so ein Gerät steht, wären das etwa elf Millionen Euro“, sagt Grünbichler: „Aber der Staat würde auch sparen, weil durch so effizientes Lüften die Heizkosten sinken würden.“ Langfristig wären solche CO2-Messer auch eine Investition in eine bessere Bildung, argumentiert der Lehrergewerkschafter. Denn bei besserer Klassenluft würden die Schülerinnen und Schüler auch mehr lernen, „weil sie sich weniger oft mit einer Viruserkrankung anstecken und zu Hause bleiben müssen“.

In anderen Ländern wird bereits an der Verbesserung der Luftqualität in Schulen gearbeitet. So rüstet etwa Großbritannien alle Klassenzimmer mit derartigen Messgeräten aus. Auch in Belgien sind Messungen Pflicht.

In Österreich verweist Gesundheitsmininister Johannes Rauch (Grüne) beim Thema gesunde Klassenzimmerluft hingegen auf das Bildungsministerium. Dieses sei zuständig dafür, ob es in den Klassen mieft oder nicht. „Derzeit liegt keine aktuelle Studie zur Luftqualität in den Klassenzimmern vor“, sagt ein Sprecher von Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP). Aber im Schuljahr 2023/24 sei eine Studie über die Luftqualität in Klassenräumen geplant. Danach werde entschieden, ob auch Österreichs Klassenräumen nachgerüstet werden.

Dieser Samurai hat es in sich, Oida!

Der beliebte ORF-Star Günther Mayr bietet in seinem ersten Kriminalroman Hochspannung zwischen Wien und Japan.

Die traditionsreichen Tugenden eines Samurai vereinen sich mit österreichischer Lebensart.

Ein außergewöhnlicher Kriminalfall, der mit Kreativität und viel Witz gelöst wird.

Günther Mayr, HERR KURANAGA

220 Seiten | € 22,–

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Wieviele Bezirke hatte Wien bis zum Jahr 1954?

1) 18

2) 21

3) 26

Auslösung von gestern: Die Bauarbeiten am Looshaus in der Innenstadt mussten 1910 gestoppt werden, weil der schlichte, ornamentlose Stil dem Kaiserhaus und der Bevölkerung missfiel (und nicht wegen Einsturzgefahr nach einem Erdbeben oder weil ein Stockwerk zuviel errichtet wurde). Nachdem der Architekt Adolf Loos widerwillig Blumenkästen angebracht hatte, durfte es weitergehen. Im Volksmund wurde das Gebäude trotzdem lange Zeit als „Haus ohne Augenbrauen“ bespöttelt.

Lisa Kiss

Konzert

Auf mehreren Alben und unzähligen Konzerten kombinierten Ernst Molden (Gitarre, Gesang), Willi Resetarits (Gesang, Harmonika, Ukulele), Walther Soyka (Akkordeon, Gesang) und Hannes Wirth (Gitarre, Gesang) emotionales Liedgut mit Wiener Färbung und ausgelassenere Momente. Nach Willi Resetarits’ tragischem Tod machen Molden – Soyka – Wirth als Trio weiter, wobei der Spirit des Kollegen natürlich noch zu spüren ist.

Orpheum, 19.30

Pija Lindenbaum: Franziska und die Wölfe (ab 4 Jahre)

Franziska ist ein sehr schüchternes Kindergartenkind, das sich wenig traut. Bei einem Ausflug bleibt das Mädchen allein im Wald zurück -und wird plötzlich von einem Wolfsrudel umkreist. Aber die Wölfe sind noch schüchterner als sie und Franziska wird die Spielkameradin der wilden Tiere. Franziska und die Wölfe ist eine echt lustig-skurrile Geschichte, die fast nur aus Dialogen besteht und sich besonders gut als Vorlesebuch eignet. Am Ende findet das Mädchen alleine nachhause. Die Wölfe trauen sich nämlich nicht aus dem Wald hinaus. (Nina Horaczek)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Demeter-Weihnachtsmarkt: bei Naturkost St. Josef in Wien, Freitag, 9. Dezember, Zollergasse 26, 11-19 Uhr

Demeter-Buffet & Glühwein, Schmankerl, Weine, Geschenke, …

Imkerei Honigstadt/ Biohof Schloffer/ Wegwartehof/ DieSpezerey/ BioWeingutLehner/ Nikolaihof/ Weingut Trapl/ Bioweinhof Monschein/ Familienweingut Wimmer-Czerny / Kräuterhof Rossnagl/ Imkerei APIS-Z/ Helga Bernold/ Reinsaat/ MEINKLANG Hofladen

Special Guests: Resislowfashion (Visible Mending) & Café Drechsler

Mehr Informationen finden Sie hier.

Klaus Nüchtern

I'll Be Watching You!

Die Sumpfohreule

Wer ihr je in die Augen geblickt hat, fühlt sich bis auf den Grund seiner kleinen schäbigen Seele durchschaut: Die Sumpfohreule © FALTER/Nüchtern

Ich knüpfe diesmal geografisch und thematisch an die Vorwoche an – um dann doch  woanders zu landen. Zur Erinnerung: Wir hatten den Flussregenpfeifer. Stichworte: Augen und Neusiedler See. Und, um auch einmal ein brutales Faktum – die Vogelwelt ist kein Ponyhof! – ins Feld zu führen: Es ist nicht ganz auszuschließen, dass der kleinere der beiden Vögel  – und das ist eindeutig der Flussregenpfeifer – im Magen des größeren landet. Die unverdaulichen Teile, im vorliegenden Falle: Knochen und Federn, würden bis zu zehn Stunden im Magen verweilen, um dann als Gewölle hochgewürgt und ausgespien zu werden. Das der Sumpfohreule, deren Nahrung zu überwiegenden, aber eben nicht ausschließlichen Teilen aus Wühlmäusen besteht, ist übrigens dunkelgrau.

„Wer zum ersten eine Sumpfohreule im Fernglas zu sehen bekommt, wird das Bild nicht so schnell wieder vergessen: Die strengen, gelben Augen schauen glatt durch einen durch“, schreibt Paul Böhre in dem wunderbar gestalteten und illustrierten Band „Greifvögel und Eulen“.  Der FaVoWa kann das nur vollinhaltlich bestätigen. Wer je einer Sumpfohreule in die Augen geblickt hat, fühlt sich bis auf den Grund seiner kleinen schäbigen Seele durchschaut. (Die namensgebenden Federohren sind übrigens meist nicht sichtbar und haben mit den eigentlichen Hörorganen nichts zu tun).

Meine erste und bislang einzige Begegnung mit einer Sumpfohreule ist mir noch in lebhafter Erinnerung. Wenige Tage vor dem ersten Lockdown schnürte ich durch eine Feuchtwiese bei Rabensburg an der Thaya, als sich nur wenige Meter neben mir auf einmal drei beeindruckende, braun gefleckte Vögel erhoben. Dankenswerterweise ließ sich ein Exemplar unweit von mir auf einem Stipfl nieder, den es, wie die sichtbaren Kotspuren verrieten, regelmäßig als Ansitzwarte nutzte. Dort saß die Sumpfohreule. Saß und schaute. Im Sitzen und Schauen sind Sumpfohreule absolut Weltklasse!

Eulen haben die Augen an der Kopfvorderseite, wodurch sie Menschen ähnlicher sind als die meisten Vögel. Vielleicht ist das auch der Grund, warum sie sowohl für weise gehalten als auch als unheimlich empfunden werden. Die Augen selbst sind unbeweglich, dafür haben Eulen 14 Halswirbel (Säuger wie wir: 7) und einen Kopfwendewinkel von 270 Grad (don’t try this at home!).

Mit meiner Sumpfeulensichtung hatte ich übrigens gleich doppeltes und dreifaches Glück gehabt. Nicht nur hatte mich die von Böhre als „furchtlos“ apostrophierte Eule darauf verzichtet, mich zu attackieren – Sumpfohreulen legen ein stark territoriales Verhalten an den Tag und gelten als recht aggressiv –, sie war auch noch in fotogener Positur minutenlang auf ihrer Warte verweilt. Außerdem befindet sich ihr einziges Brutgebiet in Österreich eigentlich im Gebiet des Waasen – Hanság südöstlich des Neusiedler Sees. Allerdings unternehmen Sumpfohreulen, die zu den wenigen tagaktiven Vertretern ihrer Ordnung zählen, nomadische Streifzüge und bilden auf diesen immer wieder Versammlungen. Das collective noun für Eulen lautet übrigens „parliament“, weswegen eine Sumpfohreulenversammlung im Englischen als „a parliament of short-eared owls“ bezeichnet wird.

 Übrigens: Klaus Nüchtern zwitschert als @ClousInTheSky auf Twitter.


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