Schulen: Lehrkräftemangel bedroht Mehrstufenklassen - FALTER.morgen #467

Versendet am 07.12.2022

In Wien werden 25 Volksschullehrerinnen aus ihren Klassen abgezogen. Sie sollen andernorts Lücken stopfen >> Warum das DÖW aus der City an den Stadtrand übersiedelt >> Geheimes Wien, Folge 7: Ein Penzinger Geselligkeitsverein als Tarnung für CIA-Partisanen >> Kinotipps von Sabina Zeithammer

Wetterkritik: Sonnig und windig bei 6 bis 7 Grad – passt nicht wirklich zu Anfang Dezember, so leid es uns tut.


Guten Morgen!

In den vergangenen Tagen haben mich einige Anrufe und Mails von besorgten Eltern erreicht. Die Situation an den Pflichtschulen sei „unhaltbar”, stand in einer. „Ich bin besorgt um meinen Sohn und seine Mitschüler*innen”, in einer anderen. Der Grund für die Aufregung der Eltern ist ein offenbar eklatanter Personalmangel. In manchen Volksschulklassen ist die „dauerhafte Klassenführung” - so nennt das die Bildungsdirektion - gefährdet. Das heißt: Es würde keine Lehrkraft mehr geben, die eine Klasse fix und dauerhaft unterrichtet. Die Pädagoginnen und Pädagogen würden vielmehr wechseln.

Was die Bildungsdirektion unternimmt, damit es nicht so weit kommt und warum diese Maßnahme zum Problem für Mehrstufenklassen werden könnte, erzähle ich Ihnen gleich.

Außerdem: Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW) muss sein Quartier in der Innenstadt verlassen. Eine neue Bleibe wurde gestern im Kulturausschuss der Stadt gefunden. In Folge 7 unserer Serie über das Geheime Wien erzählt Ihnen Thomas Riegler etwas über die skurrilen Tarnungen von CIA-Partisanen. Und dann gibt es wie jede Woche die besten Kinotipps, diesmal präsentiert von Sabina Zeithammer.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl


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Mangelerscheinung

In Wien werden 25 Volksschullehrerinnen und -lehrer aus ihren Klassen abgezogen. Die Bildungsdirektion will so personelle Lücken stopfen. Eine dauerhafte Lösung ist das nicht.

Wenn es um ihre Kinder geht, wird Alexandra Feldhofer emotional. Sie sagt Sätze wie: „Das Schulsystem bricht auseinander.” Und: „Es ist ein Gefühl absoluter Verzweiflung, weil wir nicht mehr wissen, an wen wir uns wenden sollen.”

Feldhofer hat zehnjährige Zwillinge, die seit vier Jahren eine integrative Mehrstufenklasse in der Volksschule Zinckgasse in Rudolfheim-Fünfhaus besuchen. Dort werden sechs- bis zehnjährige Kinder gemeinsam unterrichtet, es sind auch Kinder mit sonderpädagogischen Förderbedarf darunter. Durchaus eine Herausforderung: Deswegen stehen normalerweise auch mindestens zwei Lehrkräfte in einer Mehrstufenklasse – zumindest im „pädagogischen Idealfall”, wie es in einer Aussendung der Bildungsdirektion heißt.

Aber der Personalmangel droht gerade zum Existenzproblem für viele Mehrstufenklassen in Wien zu werden. Am Freitag erhielten Feldhofer und die anderen Eltern der Klasse in der Zinckgasse eine Nachricht. Sinngemäß war darin zu lesen, dass eine Lehrerin ab 5. Dezember in eine andere Volksschule versetzt wird.

Die Eltern in der GTVS Landstraße haben Ende voriger Woche eine ähnliche Nachricht bekommen. Die Volksschullehrerin einer Integrations-Mehrstufenklasse müsse in eine andere Schule wechseln. Und das sind nur zwei von mehr als zwei Dutzend Fällen. Insgesamt sind laut der Initiative „Bessere Schule Jetzt” bis zu 27 Lehrerinnen und Lehrer von Versetzungen betroffen. Die Bildungsdirektion bestätigt das: „Es geht um rund 25 Pädagog:innen”.

Die Initiative „Bessere Schule Jetzt” hat gestern vor der Wiener Bildungsdirektion gegen die Versetzungen protestiert © Bessere Schule Jetzt

Was ist da los? Warum müssen die Lehrer überhaupt die Schule wechseln?

Der Grund ist einer, der derzeit viele Branchen trifft: Personalmangel.

Anfang des Schuljahres fehlten in Wien insgesamt rund 280 Pädagoginnen und Pädagogen. Wie viele es aktuell sind, darüber gibt die Bildungsdirektion auf FALTER.morgen-Anfrage keine Auskunft. Thomas Krebs von der Gewerkschaft für Pflichtschullehrerinnen und Pflichtschullehrer meint, die Zahle liege im dreistelligen Bereich. Dass der Personalmangel mitten im Schuljahr evident wird, erklärt er so: „Viele Lehrer lösen ihren Dienst auch wieder auf, wenn die Bedingungen nicht passen. Pendler wechseln in ihr Heimatbundesland, wenn sie von dort ein Angebot bekommen.”

Die Bildungsdirektion versucht nun, personelle Lücken zu stopfen, damit Klassen nicht ganz ohne Lehrer dastehen. Lehramtsstudierende werden aus dem Hörsaal in die Schule geholt und Pädagogen von „gut besetzten Schulen” in weniger gut besetzte versetzt.

Im Beamtensprech der Bildungsdirektion klingt das so: „Für eine dauerhafte Klassenführung ist es derzeit notwendig, dass ausgebildete Pädagog:innen – die bisher zu zweit oder dritt in einer Klasse unterrichtet haben – den Schulstandort wechseln.” Ob alle Mehrstufenklassen in der aktuellen Form weiter bestehen können, beantwortet die Bildungsdirektion nicht. Nur so viel: „Selbstverständlich wird so rasch wie möglich Ersatz für Unterstützungstätigkeiten zur Verfügung gestellt. Die Bildungsdirektion ist mit allen betroffenen Schulen im Austausch.”

Eine Lösung sei die Versetzung dennoch nicht. „Man versucht nur, das Problem zu minimieren”, sagt Gewerkschafter Krebs, der bereits im Sommer vor dem Personalmangel gewarnt hat. Krebs fordert die Bildungsdirektion auf, offen zu kommunizieren, wie viele Pädagogen derzeit fehlen und was man dagegen zu unternehmen gedenke.

Die Parteien schieben sich derweil gegenseitig den schwarzen Peter zu. Die Verantwortung für den Lehrermangel habe „einzig und allein” der Bund, sagte Vizebürgermeister Christoph Wiederkehr (Neos) im Oktober im Landtag. Die Volkspartei konterte: „Anstatt sich neuerlich wieder einmal auf den Bund auszureden, sollte der verantwortliche Bildungsstadtrat endlich selbst aktiv werden und gegen den massiven Lehrermangel in Wien vorgehen“, so der Wiener ÖVP-Chef Karl Mahrer.

Feldhofer hat dafür kein Verständnis: „Die Einsparungen beim Personal werden auf dem Rücken der Kinder ausgetragen”, sagt die zweifache Mutter. 

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Erde brennt, Hörsaal besetzt

© APA/TOBIAS STEINMAURER

In der aktuellen Folge berichtet FALTER-Journalistin Katharina Kropshofer von den Hörsaal-Besetzungen in Wien (Foto: die seit gestern, Dienstag, besetzte Angewandte). Sie hat mit Aktivistinnen, Aktivisten und Experten über den Protest und die Ziele der Bewegung gesprochen.

Es ist die Institution, wenn es um die Aufarbeitung des Nationalsozialismus und die Beobachtung rechtsrechter Umtriebe in Österreich geht (und sie ist in einschlägigen Kreisen entsprechend unbeliebt): Das Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstands (DÖW), das seit seiner Gründung in den 1960-er Jahren im Alten Rathaus im 1. Bezirk residiert. Jetzt soll es raus aus der City an den Stadtrand ziehen – aber das ist eine gute Nachricht.

Denn das DÖW hat ein virulentes Problem: Seine Räumlichkeiten sind längst zu klein geworden. Dort befinden sich nicht nur die Sammlung und das Archiv mit rund 40.000 Akten und Exponaten, sondern auch die umfangreiche Bibliothek sowie ein Schauraum. Und geforscht wird ebenfalls.

Deshalb wird das DÖW auf das Gelände des Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe in Wien-Penzing übersiedeln – ganz konkret in den Pavillon 15. Das hat der Kulturausschuss des Gemeinderats gestern beschlossen.

Künftige Heimstatt des DÖW: Der Pavillon 15 auf dem Gelände des Otto-Wagner-Spitals auf der Baumgartner Höhe © Heribert Corn

Weil die dort befindliche Klinik Penzing bis 2032 komplett stillgelegt wird, entsteht auf dem Gelände genügend Platz für einen Forschungs- und Archivbetrieb nach modernen Maßstäben.

Der Pavillon 15 hat eine dunkle Geschichte. Hier befand sich in der Nazi-Zeit die „Kinderfachabteilung“, in der 7.500 Menschen mit Krankheiten oder Behinderungen – darunter hunderte Kinder – ermordet wurden. Nach dem Zusammenbruch des Dritten Reichs wurden in dem Gebäude zwar keine Patientinnen und -patienten Opfer getötet, brutale Übergriffe durch das Personal sind aber bis weit ins 20. Jahrhundert dokumentiert.

Gegenüber dem Standard, der gestern als erstes über die Übersiedlung berichtete, erklärte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ), die Wahl der Örtlichkeit sei „ein Bekenntnis, auch in Zukunft niemals zu vergessen und die Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus am Areal zu bewahren“. Das DÖW sei im Grunde „der einzig passende Nutzer für den Pavillon 15“, sagte auch Kulturstadträtin Veronica Kaup-Hasler (SPÖ).

Finanziert werden sollen der Umzug, die Sanierung und Adaptierung der neuen Unterkunft von Stadt und Bund, den Trägern der Stiftung, als die das DÖW organisiert ist. Die Stadt Wien hat bereit neun Millionen Euro dafür bereitgestellt, wie viel der Bund beisteuert, war vorerst nicht klar. Die konkrete Umsetzung beginnt mit einer Machbarkeitsstudie „zu Raumbedarf und Realisierbarkeit“.

Apropos, weil zu Beginn die Rede davon war, dass das DÖW in einschlägigen Kreisen unbeliebt ist: Der FPÖ fiel zur Übersiedlung auf den Steinhof vorerst nur ein, dass das Areal „nicht zur linken Ideologiespielwiese“ einer „kommunistischen Tarnorganisation“ werden dürfe.


Wie konnte es dazu kommen, dass dutzende sexuelle Übergriffe eines Wiener Sportlehrers gegen minderjährige Burschen (war haben gestern über den Fall berichtet) 15 Jahre lang nicht von den Behörden verfolgt wurden? Dieser Frage geht seit gestern das Justizministerium nach.

Bereits im Jahr 2013 hatte ein Betroffener auf einer Polizeidienststelle in Niederösterreich Anzeige gegen den Mann erstattet. Laut Landeskriminalamt wurde diese auch an die Justiz weitergeleitet. Danach geschah allerdings – nichts mehr. Keine Staatsanwaltschaft nahm sich des Falles an, der Pädagoge konnte weitermachen.

Jetzt soll ein Fachaufsichtsgremium klären, was da passiert ist. Die Staatsanwaltschaft Wiener Neustadt hat inzwischen ebenfalls Ermittlungen zu der verschwundenen Anzeige eingeleitet.

Wo wurde im Jahr 1797 zum ersten Mal der Begriff „Wiener Walzer“ erwähnt?

1) In Györ

2) In Breslau

3) In Potsdam

Auslösung von gestern: In der Nazi-Zeit hatte Wien 26 Bezirke – unter anderem gehörten Schwechat (damals der 23.) und Mödling (24.) dazu. Die Eingemeindungen wurden 1954 (wir haben gestern irrtümlich 1956 geschrieben) großteils wieder rückgängig gemacht.

Thomas Riegler

Der Partisanenstützpunkt des Innenministers

In Wien-Penzing tarnten sich einst Untergrundkämpfer als biedere Vereinsmeier

In einer Gemeindewohnung in der Penzingerstraße 33 hatte ein seltsamer Verein seinen Sitz: Der Österreichische Wander-, Sport- und Geselligkeitsverein (ÖWSGV). Dieser war am 28. Juni 1952 gebildet worden. Zweck war laut Statuten, „durch Wandern und Sport die physischen Kräfte des arbeitenden Menschen zu stärken und durch gesellige Zusammenkünfte den Kontakt der Mitglieder untereinander zu fördern.“ Aber so harmlos wie sich der ÖWSGV nach außen gab, war dieser nicht.

Penzingerstraße 33: Hier residierte ein angeblicher Wander- und Geselligkeitsverein, der in Wahrheit eine Partisanentruppe der CIA war © Thomas Riegler

In Wirklichkeit diente der Verein zur Tarnung der Aktivitäten einer kleinen, aber schlagkräftigen Partisanentruppe. Diese wäre im Falle eines kommunistischen Putsches oder des Einmarschs der Roten Armee zum Einsatz gekommen. Die Initiative dazu soll von heimischen Entscheidungsträgern aus dem Regierungs- und Gewerkschaftsapparat ausgegangen sein. Die Finanzierung – angeblich zwischen acht und zehn Millionen Schilling – erfolgte aber über den US-amerikanischen Geheimdienst CIA und eine antikommunistische US-Gewerkschaft.

Seit Ende der 1940er Jahre koordinierte der US-Geheimdienst ähnliche Widerstandsgruppen wie den ÖWSGV in Westeuropa. Weil sich deren Mitglieder im Falle eines sowjetischen Angriffs „überrollen“ lassen sollten, um im Rücken der Front Sabotageakte durchzuführen, sprach man von „stay behind“. Noch bekannter ist heute der Codename des italienischen Verbandes: „Gladio“.

Der ÖWSGV wurde von der CIA als „GRDAGGER“ bezeichnet. Das war eine Kombination aus „GR“, dem Kürzel für Österreich und „Dagger“, englisch für Dolch. Es war also kein Pfadfinderspiel, sondern bitterer Ernst. Man übte Judo und den Umgang mit Plastiksprengstoff. Das Arsenal bestand aus Funkgeräten, Schnellfeuergewehren, Faustfeuerwaffen und Tränengasbomben.

Personell verfügte der ÖWSGV in der größten Ausbauphase über rund 2.700 Mitglieder. Diese kamen primär aus Gewerkschaftskreisen und waren Kriegsveteranen. Kopf des Unternehmens war niemand geringerer als der Präsident des Österreichischen Gewerkschaftsbundes (ÖGB), Franz Olah. Der verwahrte im Stahlschrank seines Büros selbst „einen kleinen Vorrat an Waffen bis hin zu Maschinenpistolen, um uns im Notfall den Weg freizumachen“. Seine Leute seien „für den ersten Schreck“ geschult worden: „Zur Verteidigung vielleicht von wichtigen Gebäuden, Amtsgebäuden, Gewerkschaftsgebäuden usw.“

Anlass dafür gab es nie. Trotzdem blieb die Untergrundtruppe bestehen, während Olahs Macht weiter zunahm. Er förderte finanziell die Gründung der „Kronen Zeitung“ und wurde 1963 Innenminister. Olah blieb aber nur ein Jahr im Amt. Er hatte sich mit innerparteilichen Gegnern überworfen und driftete endgültig nach rechts ab. 1969 wurde Olah wegen Veruntreuung zu einem Jahr Haft verurteilt.

Seine Privatarmee bestand zu diesem Zeitpunkt nicht mehr. 1967 war der ÖWSGV per Beschied aufgelöst worden. Mitglieder seien keine mehr „vorhanden“ und am Weiterbestand bestünde „kein Interesse“. Olah stellte sicher, dass von den Unterlagen zu seinem „Sonderprojekt“ nur ein „riesiger Berg von Papierschnitzeln“ übrigblieb. Bis zu seinem Tod 2009 gab er kaum etwas preis: „Es gibt gewisse Dinge in einem Staat, über die redet man überhaupt nicht. Auch nachher nicht.“

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Mehr Bilder und Infos auch auf Facebook und Instagram.

Lisa Kiss

Konzert

Der Wiener Dialektsänger Voodoo Jürgens hat vergangenen Freitag sein neues Album „Wie die Nocht noch jung wor“ veröffentlicht und parallel dazu eine große Österreichtournee gestartet. Die Wienpräsentation findet nun im noblen Konzerthaus statt, ob sich der Songwriter an das Rauchverbot auf der Bühne hält, kann freilich nicht garantiert werden. Ein Gespräch über die neue Platte, den Wert von Kultur, Stress wegen Nick Cave, menschliche Zirkuspferdchen und den Sinn des Lebens können Sie in der Falter:Woche 48/22 nachlesen. 

Konzerthaus, 21.00

Almudena Grandes: Die drei Hochzeiten von Manolita

Grandes’ Roman spielt im und in den Jahren nach dem Spanischen Bürgerkrieg. Kurz nach dessen Ende, im Frühjahr 1940, ist Manolita gerade 17 und von einem Tag auf den anderen für vier jüngere Geschwister zuständig. „Diese Aussicht war derart erschreckend, dass ich nachts keinen Schlaf mehr fand.“ Ihr Vater, Gewerkschafter und Sympathisant der Sozialisten, sitzt im Gefängnis, ebenso die dünkelhafte Stiefmutter, „eine echte Gaunerin“. Und ihr Bruder Tonito, der einer aktiven Gruppe von Kommunisten und Anarchisten angehört, ist angesichts des Sieges der Franquisten dauerhaft in den Untergrund abgetaucht. (Julia Kospach)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Sabina Zeithammer

Call Jane

„Jane“ nennt sich die Frauenorganisation, die 1968 in Chicago Schwangeren die Möglichkeit zu einer verbotenen Abtreibung bietet. Regisseurin Phyllis Nagy erzählt die Geschichte der Vorstadthausfrau Joy (Elizabeth Banks), die sich in der Organisation – geleitet von der toughen Virginia (Sigourney Weaver) – bald selbst aktiv engagiert, als Kampf gegen innere Zweifel und äußere Widerstände.

© Verleih

Die gegenwärtige Debatte über Abtreibungsverbote in US-Bundesstaaten sorgt für Aktualität. Toll besetzter Film mit eindeutiger Botschaft. (Michael Pekler)

Regie: Phyllis Nagy, USA 2022


Mehr denn je

Bei Héléne (Vicky Krieps) wird eine seltene Lungenkrankheit diagnostiziert, was ihr Leben und das ihres Freundes Matthieu gehörig auf den Kopf stellt. Die junge Frau sucht Antworten und landet schließlich bei dem norwegischen Blogger Mister. Umgeben von der faszinierenden, skandinavischen Natur beschließt sie, ihren letzten Weg ohne ihren Partner zu gehen.

Regie: Emily Atef, NOR/LUX//D/F 2022


Pacifiction

Auf Tahiti, der größten Insel Französisch-Polynesiens, geraten die Einheimischen in Unruhe: Gerüchte gehen um, dass die Atomversuche wieder aufgenommen werden sollen. De Roller, Hochkommissar Frankreichs, versucht zu beschwichtigen. Freilich zieht er im Hintergrund auch noch andere Fäden. Serra schuf einen breit angelegten Thriller, der die tropische Hitze seines Spielorts förmlich aus der Kinoleinwand dampfen lässt.

Regie: Albert Serra, F/E/D/P 2022


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