FALTER.morgen-Jahresrückblick: Drei Geschichten – und wie es mit ihnen weiterging - FALTER.morgen #477

Versendet am 21.12.2022

Ein herzloses Pflegeheim, desaströse Zustände an der Jugendpsychiatrie, Drogen-Hotspot Keplerplatz: Drei Geschichten aus dem FALTER.morgen im vergangenen Jahr – und wie es mit den Betroffenen weiterging >> Geheimes Wien, Folge 9: Ein Sowjet-Spion mit NS-Vergangenheit in Rudolfsheim-Fünfhaus >> Kino-Tipps von Michael Omasta

Wetterkritik: Heute um 22:48 Uhr beginnt der Winter – aber nur astronomisch. Temperaturmäßig endet er nämlich gleichzeitig. Nach einem kalten Tag mit gefrierendem Nieseln wird es in der Nacht spürbar milder: Die bereits angekündigte Warmfront ist da.


Guten Morgen!

Erinnern Sie sich noch? Im Frühjahr haben wir über die Seniorenresidenz in der Josefstadt berichtet, die ihre Pflegeabteilung schloss und die betagten Bewohner vor die Tür setzte. Im Juni hat meine Kollegin Lina Paulitsch desaströse Zustände in der Jugendpsychiatrie am Rosenhügel aufgedeckt. Und im September haben meine Stadtleben-Kolleginnen Katharina Kropshofer und Daniela Krenn eine Reportage über den Drogen-Hotspot Keplerplatz geschrieben. Für uns Journalistinnen ist die Arbeit mit der Veröffentlichung einer Geschichte meistens abgeschlossen. Für die Mitarbeiter und Kinder der Psychiatrie, die Senioren im Altersheim und die Sozialarbeiter am Keplerplatz geht das Leben aber natürlich weiter. 

Wir haben deshalb nochmal bei den Betroffenen nachgefragt. Wie die Situation in der Josefstadt, am Keplerplatz und am Rosenhügel heute ist, lesen Sie gleich.

Außerdem: Vor ein paar Tagen wurde bekannt, dass in Wien ein russischer Agent spioniert haben soll. Das passierte freilich nicht zum ersten Mal. In Folge neun unserer Serie über das geheime Wien erzählt Ihnen Thomas Riegler etwas über sowjetische Spione in Rudolfsheim-Fünfhaus. Und Michael Omasta weiß, welche Filme Sie sich über die Feiertage ansehen sollten.

Einen schönen Tag wünscht

Soraya Pechtl


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Öffnungszeiten um Weihnachten

Was wurde eigentlich aus ...

Im vergangenen Jahr berichten wir über Drogenkriminalität auf Wiens Straßen, Versorgungsmängel in Psychiatrien und profitgetriebene Heimbetreiber. Hat sich seit der Veröffentlichung etwas verändert?

  • Haben Sie ein neues Pflegeheim gefunden, Frau Zeller?

Nur vier Monate nach ihrem Einzug zogen Christa Zeller (80 Jahre) und ihr Mann Friedrich (92 Jahre) diesen Sommer aus ihrem Appartement in der Seniorenresidenz Josefstadt aus. Die Schweizer Betreibergesellschaft war in die Miesen gerutscht und zog sich zurück. Die Eigentümer des Gebäudes führen die Residenz zwar weiter, haben aber die teure Pflegeabteilung geschlossen. Aus dem Altersheim wurden Luxuswohnungen. Die Zellers mussten sich nach einer neuen Bleibe umsehen. (FALTER.morgen #312, #316, #326, #380)

Nach nur vier Monaten in der Seniorenresidenz Josefstadt sind Christa (80) und Friedrich Zeller (92) ins burgenländische Weiden übersiedelt © Heribert Corn

„Wir wohnen seit August wieder in unserem Haus im Burgenland. Friedrich will nicht mehr umziehen, und mir hat die Erfahrung mit der Seniorenresidenz Josefstadt auch gereicht. Aber die aktuelle Situation ist sehr belastend für mich. Friedrich hatte in den vergangenen Wochen zwei Schlaganfälle und eine Covid-Erkrankung. Er ist schwach und klagt über Schmerzen in der Hüfte. Das Krankenhaus kann nichts für ihn tun, für eine Reha ist er nicht fit genug. Also pflege ich ihn allein mit der Unterstützung einer Haushälterin. Vom Verein Weiden hilft Weiden kommt dreimal in der Woche eine Freiwillige, die uns unterstützt und Besorgungen erledigt. Wenn das nicht mehr ausreicht, muss ich mir etwas überlegen. Dann muss ich schauen, dass noch jemand kommt. Aber ein Heim kommt nicht mehr infrage. Ich kann ihn nicht irgendwo hin verfrachten, wo er nicht hinwill.“

  • Gibt es heute eine bessere Versorgung auf der Kinderpsychiatrie am Rosenhügel, Herr Frottier?

Im Juni berichtete der Falter über Missstände an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hietzing. Regelmäßig müssten bedürftige Kinder weggeschickt werden, erzählten die Ärzte der Station. Es gab nur wenige Fachärzte, die Assistenzärzte hätten in heiklen Situationen allein entscheiden müssen. (FALTER.morgen #338)

„Ja. Zum damaligen Zeitpunkt waren − außer mir selbst − nur noch drei Facharztstellen am Rosenhügel voll besetzt. Acht Fachärzte hatten in den Monaten davor gekündigt. Gleichzeitig befanden sich zehn Assistenzärzte in Ausbildung. Ich übernahm das Primariat, trotz meiner eigentlichen Leitungsfunktionen beim Psychosozialen Dienst. Zwei Ziele wurden verfolgt: erstens die Sicherstellung der Akutversorgung − externe Ärzte sollten helfen, das Nachtdienstrad zu bespielen. Anfangs waren nur Freunde dazu bereit, altersentsprechend waren das mehrheitlich leitende Ärzte anderer Einrichtungen, ich selbst übernahm bis zu sieben Dienste im Monat. Diesem Vorbild folgend haben sich später auch andere Fachärzte bereiterklärt, Nachtdienste zu übernehmen. Zweitens musste die Ausbildung der Assistenzärztinnen und -ärzte gesichert werden, dies konnte in enger Kooperation mit dem AKH gewährleistet werden. Derzeit sind fünf Facharztstellen in Vollzeit besetzt. Es sind vier Kinder- und Jugendpsychiater und eine allgemeine Psychiaterin, die einfach helfen wollte. Im Frühjahr ist eine derzeitige Assistenzärztin dann fertige Fachärztin, zusätzlich werden drei Assistenzärztinnen ihre Ausbildung beginnen. Auf der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hietzing werden dann mehr Ärzte arbeiten als im Mai 2022. Das Primariat am Rosenhügel ist derzeit ausgeschrieben. Der Rosenhügel lebt also und kann die an ihn gestellten Aufgaben erfüllen.“

  • Ist der Keplerplatz noch gefährlich, Herr Sönmez?

Drogendealer, Polizeikontrollen, Frauen und Ältere, die sich nicht mehr auf den Keplerplatz trauen: Aufgrund zahlreicher Beschwerden gibt es dort seit 22. Oktober eine Schutzzone. Sozialarbeiter Erdal Sönmez kritisierte schon damals, dass sich wenige Sozialarbeiter um Jugendliche kümmern, und fehlende Anlaufstellen für Obdachlose und Menschen mit Drogenproblemen. (Falter 36/2022)

„Der Keplerplatz war nie gefährlich. Seit der Schutzzone hat sich die Situation hier weder verbessert noch verschlechtert. Durch die kalte Jahreszeit ist derzeit viel weniger los. Tagsüber halten sich aber immer noch viele Leute auf dem Platz auf. Ich verstehe, dass Menschen Angst haben. Aber durch die Schutzzone löst sich die Problematik nicht in Luft auf. Dann sitzen die Leute eben gegenüber der Schutzzone, so ist es auch am Prater­stern, dort besteht seit April 2018 ein Alkoholverbot. Die Leute trinken jetzt in den Nebenstraßen. Es gibt nur eine Lösung für drogen- und alkoholkranke Menschen: Es braucht mehr soziale Arbeit. Ein Verbot heilt sie nicht.“

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Tagelang war spekuliert worden, wer Martin Kušej nach seinem nicht ganz freiwilligen Abgang als Intendant des Burgtheaters folgen wird. Seit gestern Abend gibt es eine Antwort: Es ist Stefan Bachmann, derzeitiger Leiter des Theaters Schauspiel Köln.

Kušej war 2017 von damaligen Kulturminister Thomas Drozda (SPÖ) für eine fünfjährige Amtszeit (von 2019 bis 2024) bestellt worden – und eigentlich gerne noch länger geblieben. Bereits im Sommer hatte er angekündigt, sich für eine weitere Periode bewerben zu wollen.

Aber an seiner Amtsführung gab es heftige Kritik. Es hieß, er habe beleidigt auf die Schließungen während der Corona-Pandemie reagiert und sich in sein Kärntner Haus zurückgezogen, anstatt in Wien für seine Belegschaft da zu sein. Zudem berichtet das Magazin profil von einer „Atmosphäre der Angst“ am Burgtheater. Kušej fehle es an „integrativen und kommunikativen Fähigkeiten“.

Abgang: Kušej bei der Programmvorstellung für die Saison 2022/23 © APA/TOBIAS STEINMAURER

Nachdem sich abgezeichnet hatte, dass Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer (Grüne) Kušej wohl nicht wiederbestellen würde (ein Fehler, wie unser Theaterkritiker Martin Pesl im FALTER vor zwei Wochen argumentierte), kam der Regisseur einer Absage zuvor: Gestern gab er offiziell bekannt, dass er seine Bewerbung für eine weitere Amtszeit zurückzieht.

Wenig später sickerte via ZiB 2 der Name seines Nachfolgers durch: Stefan Bachmann. Der aus der Schweiz stammende Regisseur hat in der Vergangenheit bereits zahlreiche Inszenierungen am Burgtheater verantwortet – zuletzt Elfriede Jelineks „Winterreise“ am Akademietheater

Doch wie Kušej musst sich auch der zweifache Nestroy-Preisträger Bachmann in der Vergangenheit schon Vorwürfe gegen seinen Führungsstil gefallen lassen. Laut Süddeutscher Zeitung war etwa die Rede von einer „Angstblase“ unter den künstlerischen Mitarbeitern. So gingen Bachmann in Köln binnen fünf Jahren zwei Chefdramaturgen, eine Pressesprecherin und eine Regisseurin verloren. Kritik gab es auch daran, dass er als Intendant immer wieder die Theaterschauspielerin Melanie Kretschmann engagierte, mit der er verheiratet ist.


Gestern haben wir über Massenkündigungen beim Nachhilfe-Startup GoStudent berichtet. Heute liefern wir Ihnen die versprochene Stellungnahme des Unternehmens.

GoStudent verweist darin auf die Wirtschaftslage und die Kaufkraft, die sich in den vergangenen Monaten verschlechtert habe: „Das bedeutet, dass wir, wie viele andere Unternehmen auch, unsere Pläne für das kommende Jahr neu evaluieren müssen. Im Jahr 2023 werden wir uns voll und ganz auf unser zentrales Angebot konzentrieren: Die Bereitstellung von qualitativ hochwertiger Nachhilfe. Leider bedeutet dies auch, dass wir unser Unternehmen umstrukturieren müssen.”

Damit verbunden seien auch die erwähnten Kündigungen. Wie viele Mitarbeiter davon betroffen sind, konnte das Unternehmen aber nicht sagen - laut Insidern handelt es österreichweit um 100 bis 200 Personen. „Diese Entscheidung ist uns sehr schwer gefallen. Wir sind allen betroffenen Mitarbeiter*innen für ihre harte Arbeit und ihren Einsatz sehr dankbar”, schreibt eine Sprecherin von GoStudent.


Der Donaupark im 22. Bezirk wird 2023 ein bisschen größer und ein bisschen grüner. Dafür wird kräftig entsiegelt: Die teils zehn Meter breiten Wege werden verschmälert, der Schotterparkplatz bei der Liliputbahn-Remise aufgelassen, begrünt und in den Park integriert. Der Umbau soll planmäßig drei Jahre dauern und rund 2,1 Millionen Euro kosten. 

Die „Brigittenauer Eisenbahn” war die erste Straßenbahn in Wien. Wie wurde sie betrieben?

1. Mit Pferden

2. Mit Kohle

3. Elektrisch

Auflösung von gestern: Der Bau der Kaiser-Ferdinand-Wasserleitung wurde 1841 gestoppt, weil Schwierigkeiten bei der Finanzierung auftraten. Es war fraglich, ob das Projekt, mit dem erstmals die gesamte Stadt eine Wasserversorgung bekommen sollte, überhaupt vollendet werden könne (Baumängel oder ein erkrankter Bauherr waren nicht der Grund). 1843 wurde die Verantwortung für den Bau dem Magistrat übergeben, der die Wasserleitung 1846 fertigstellte.

Obdach- und wohnungslose Menschen gehören gerade in den Wintermonaten zu einer besonders vulnerablen Gruppe.

Viele sind auch bei eisigen Temperaturen auf der Straße, verbringen die Feiertage allein und ohne die Wärme ihrer Liebsten. So kommen immer mehr Menschen mittags ins neunerhaus Café. Sie kommen allein oder mit ihren Kindern. Im neunerhaus Café bekommen sie eine warme Mahlzeit und bei Bedarf Unterstützung unserer Sozialarbeiter*innen.

Mit 9 Euro spenden Sie ein Mittagessen und sozialarbeiterische Begleitung in der Krise.

Thomas Riegler

Der SS-Mann und die russischen „Illegalen“

In Rudolfsheim-Fünfhaus wohnte einst ein sowjetischer Spion mit NS-Vergangenheit.

2011 gingen den deutschen Behörden in Hessen große Fische ins Netz: Andreas und Heidrun Anschlag entpuppten sich als „Illegale“. Darunter versteht man russische Spione, die unter kunstvoller Tarnung im Ausland leben – ohne, dass die Spur zurück nach Moskau führt. Die Serie „The Americans“ hat diese „Illegalen“ bekannt gemacht. Tatsächlich gibt es sie seit der Revolution 1917, als die westlichen Staaten keine Beziehungen mit Sowjetunion unterhielten und diese ihre Agenten insgeheim einschleuste.

Anfang der 1950er Jahre war Adolf Slavik in der Talgasse im 15. Bezirk gemeldet © Thomas Riegler

Im Falle der Anschlags konnten deren richtige Namen nie ermittelt werden. Sie waren 1988 als „falsche“ Österreicher nach Deutschland gekommen. Diese „Legende“ war aufwendig gestrickt: Fälschungen wiesen Andreas als aus Argentinien stammenden Sohn steirischer Auswanderer aus. Seine Frau Heidrun wiederum war angeblich 1965 als Tochter einer Österreicherin in Peru geboren worden. Staatsbürger wurden sie aber erst durch Mithilfe eines Wieners mit geheimnisvoller Vergangenheit.

Dieser Adolf Slavik, Jahrgang 1918, hatte er als Jurist promoviert und war seit seiner Jugend Nationalsozialist. 1938 trat er der SS bei und stieg zum Obersturmführer auf. 1948 wurde Slavik zu zwei Jahren Haft verurteilt, kam aber bereits 1949 wieder frei. Im Gefängnis soll er erste Kontakte zu den sowjetischen Geheimdiensten geknüpft haben. Diese scheuten nicht zurück, „ehemalige“ Nationalsozialisten für ihre Zwecke zu rekrutieren.

Im Falle Slaviks hatte man größeres vor: Er wurde 1950 Kopf einer Kleinpartei, der Nationalen Liga, die Stimmen im Lager der Ex-Nazis fischen sollte. Zu diesem Zweck wurde Slavik über die KPÖ unterstützt. Das Programm der Nationalen Liga lehnte dementsprechend die US-Marshallplanhilfe ab und forderte ein strikt neutrales Österreich. Die Adjustierung der Jugendorganisation „Nationale Jugend“ war aber von der Hitlerjugend abgekupfert. Die Kleinpartei blieb irrelevant. Gerade einmal 4.200 Mitglieder waren es 1953. Zwei Jahre später folgte die Selbstauflösung.

Für Slavik ging es aber erst so richtig los: Von 1957 bis 1960 war er in Casablanca, von wo aus er die algerischen Rebellen mit Ostblock-Waffen belieferte. Während dieser Zeit übernahm er auch Jobs für den heimischen Auslandsnachrichtendienst, das heutige Heeresnachrichtenamt. Und das, obwohl dessen Leiter gewarnt worden war, dass Slavik unzuverlässig sei.

Nächste Station war Istanbul, wo Slavik eine Import-Export-Firma übernahm. Auch hier war er dick im Spionage-Business und beschaffte von zwei Parlamentariern Berichte. Eine weitere Quelle war ein pensionierter Luftwaffenoffizier, der aber alles dem Geheimdienst MIT meldete. 1967 tappte Slavik in eine Falle und wurde festgenommen.

Sechs Jahre später kam er frei und sein Leben verlief bis zum Tod 1992 in ruhigeren Bahnen. Einen letzten Dienst erwies Slavik Moskau aber noch, wenn gleich nicht selbst. Seine Frau Helene wurde 1984 im Gemeindeamt Wildalpen vorstellig – mit Andreas Anschlag im Schlepptau. Für ihn und Heidrun stellte ein Beamter Staatsbürgerschaftsurkunden aus und kassierte dafür 3.000 Schilling.

Damit begann die 20-jährige Spionagetätigkeit der Anschlags. 2011 war Schluss. Zwei Jahre später wurden die beiden nach Russland abgeschoben.

Bis zu 70 „Illegale“ soll es heute geben. 2018 konnte eine „falsche“ Peruanerin gerade noch aus Italien entkommen. Nach Ausbruch des Ukraine-Krieges folgten zwei weitere Enttarnungen in Norwegen und den Niederlanden. Jener Spion, der vor wenigen Tagen in Österreich für Schlagzeilen gesorgt hat, war im Vergleich ein eher kleines Rädchen. 

Thomas Rieglers gerade erschienenes Buch „Österreichs Geheime Dienste. Eine neue Geschichte“ kann man übrigens auch über faltershop.at beziehen.

„Fabelhafte Rebellen“

Die deutsch-britische Historikerin Andrea Wulf ist der Entdeckung des Individuums als Zentrum des menschlichen Handelns auf der Spur: Die deutschen Frühromantiker in Jena waren die Avantgarde. 1799 sind alle da: Die Brüder Schlegel, Novalis, Fichte und ihre Frauen. Goethe gibt den Jungen väterlichen Rat. In der aktuellen Podcast-Folge spricht Wulf mit FALTER-Politikchefin Eva Konzett.

Lisa Kiss

Jazz

Der US-Tenorsaxofonist Mars Williams leitet seit vielen Jahren eine Albert-Ayler-Tributeband, die rund um Weihnachten traditionell in Chicago ein Konzert unter dem Motto An Ayler Xmas spielt, bei dem sie Werke der Free-Jazz-Ikone (1936–1970) mit Weihnachtsliedern kombiniert, die ganz in Aylers Geiste interpretiert werden. 2016 kam Williams damit erstmals nach Europa. Nun ist er erneut auch in Wien zu erleben. (Sebastian Fasthuber)

Martinschlösl, 19.00

Jonas Vogt: Der Kernöl-Kommunismus

Der Wiener Journalist Jonas Vogt (Der Standard, Datum, Die Zeit) hat ein Buch über die Geschichte der KPÖ in Österreich und im Speziellen jene der steirischen Kommunisten veröffentlicht. Er erzählt die Biografie von Elke Kahr, die von ihrer Mutter gleich nach der Geburt zur Adoption freigegeben wurde und dann in bescheidenen, aber glücklichen Verhältnissen aufwuchs. 

Ohne zu werten, beleuchtet Vogt Aussagen und Argumente von allen Seiten - sich ein Urteil zu bilden, überlässt er jedoch der Leserschaft. (Gerlinde Pölsler)

Die gesamte Rezension und mehr über das Buch unter faltershop.at

Michael Omasta

Aftersun

Die elfjährige Sophie und ihr Vater, Calum, verbringen einen gemeinsamen Urlaub in einem türkischen Resort - eine wertvolle Zeit, da Sophie sonst bei ihrer Mutter lebt. Das Verhältnis von Vater und Tochter ist nah, doch immer wieder schleicht sich eine gewisse innere Abwesenheit Calums in die Beziehung ein. Regisseurin Wells lässt auch Bilder der erwachsenen Sophie, selbst Elternteil geworden, in ihrem Langfilmdebüt aufblitzen. Ein melancholischer (Rück-)Blick auf eine Kindheit.

Regie: Charlotte Wells, GB/USA 2022


Avatar 2: The Way of Water

© Verleih

Mehr als zehn Jahre nach den Ereignissen des ersten Films haben Jake (Sam Worthington) und Neytiri (Zoe Saldana) eine Familie gegründet. Doch ihre Heimat ist weiterhin nicht sicher vor den Machenschaften der Resources Development Administration, die fremde Planeten ausbeutet und dort für die Menschen wichtige Ressourcen abbaut. Visuell beeindruckende 192-Minuten-Sequel des kommerziell „erfolgreichsten Films aller Zeiten", aber die zweite der drei Stunden zieht sich über Gebühr.

Regie: James Cameron, USA 2022


Ein Triumph

Der arbeitslose Schauspieler Étienne (grumpy: Kad Merad) nimmt das Angebot an, in der Strafanstalt von Lyon einen Theaterworkshop zu leiten. Die Herren mit Freiheitsentzug sind des Memorierens von Fabeln überdrüssig, bis sich Étienne der Absurdität der Situation bewusst wird: Wer wäre besser als sie geeignet, um Samuel Becketts „Warten auf Godot" darzustellen? Er verbeißt sich in das Projekt, fordert mehr Probenzeit von der harten, aber herzlichen Leiterin der Strafanstalt (Marina Hands) ein, um eine einmalige Vorstellung außerhalb der Gefängnismauern zu ermöglichen. Nach wahren schwedischen Begebenheiten steuert die französische Sozialkomödie geradlinig auf das vermeintliche Bühnenfinale hin. (Martin Nguyen)

Regie: Emmanuel Courcol, F 2021


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