Don Merton und die Chathamschnäpper - FALTER.natur #59

Benedikt Narodoslawsky
Versendet am 13.05.2022

Am Mittwoch saß ich bei einem Interview unter einem Baum, mitten im Gespräch hat mir eine Krähe auf den Arm geschissen, es war sehr unangenehm. Ich kann es nicht beweisen, aber ich glaube, sie hat es mit Absicht gemacht; Krähen sind extrem kluge Tiere. Als meine Gesprächspartnerin und ich uns wegsetzten – das war meiner Ansicht nach der Wunsch der Krähe –, beobachteten wir einen weiteren Luftangriff auf eine junge Dame, die auf der Bank nebenan saß. Auch sie flüchtete. Die Krähe hatte gewonnen.

Ich kann es der Krähe nicht verübeln. Denn die Menschen sind nicht nett zu Vögeln. Laut einer neuen Studie schrumpft die Population jeder zweiten Vogelart auf der Welt, während sich der Bestand von nur sechs Prozent aller Vogelarten vergrößerte. Alleine in der EU verschwanden zwischen 1980 und 2017 bis zu 620 Millionen Brutvögel. Laut Birdlife sank die Zahl der heimischen Feld- und Wiesenvögel in nur zwei Jahrzehnten um unglaubliche 40 Prozent. Das einst häufige Rebhuhn ist binnen weniger Jahre nahezu verschwunden. Warum die wunderschöne Blauracke gerade in unserem Land ausstirbt, habe ich hier beschrieben. Es würde mich also nicht wundern, wenn sich die Vögel nun im Rahmen ihrer Möglichkeiten an uns rächen.

Der Rückgang der Vögel ist deshalb von so großer Bedeutung, weil Vögel bestens erforscht sind (falls Sie der Wissenschaft helfen wollen: dieses Wochenende findet das Birdrace statt, bei dem Sie Vogelbeobachtungen melden können). Vögel gelten als Indikator, wie es um die Artenvielfalt insgesamt steht. Gar nicht gut.

Dieser Newsletter will aber nicht nur schlechte Nachrichten überbringen, sondern auch Mut machen (und Sie in weiterer Folge zu einem FALTER-Abo bewegen). Deshalb will ich Ihnen von Don Merton und dem Chathamschnäpper erzählen. Der Chathamschnäpper lebte auf mehreren neuseeländischen Inseln, dann kam der Mensch und brachte Tiere wie Katzen und Ratten mit. Der einheimische Vogel war nicht an die neuen Fressfeinde angepasst – und damit leichte Beute.

1972 fand man weltweit nur noch 18 Chathamschnäpper auf einer einzigen Insel namens Little Mangere Island. 1975 waren es nur noch 7 – davon zwei Weibchen. Merton und sein Team brachten sie in einer spektakulären Rettungsaktion inklusive waghalsiger Kletteraktion und einer Überfahrt in stürmischen Gewässern auf eine andere Insel. Aber aus den Weibchen der Eier schlüpfte kein Kücken. 1979 waren nur noch 5 Chathamschnäpper übrig. Die Wende brachte das Weibchen namens Blue.

Obwohl Chathamschnäpper treu sind, verließ sie ihren unfruchtbaren Partner und schnappte sich einen Jüngeren. Als sie Eier legte, entnahm Mertons Team diese, zerstörte das Nest und jubelte die Eier anderen Vögeln unter. Also baute Blue mit ihrem Partner ein weiteres Nest und legte wieder Eier. Wieder zerstörten die ArtenschützerInnen das Nest und schoben die Eier anderen Vögeln zum Brüten unter. Blue legte nochmal zwei Eier. Als die Kücken in den anderen Nestern schlüpften, brachte man sie Blue zurück, die nun – mithilfe des Artenschutz-Teams – sechs statt der üblichen zwei Kinder aufzog. Merton ist vor elf Jahren gestorben, aber der Chathamschnäpper hat überlebt.

"Don Merton revolutionierte die Methoden, die den Chathamschnäpper von einem einzigen Weibchen auf einer abgelegenen Insel in den Chathams zu einer florierenden Population von heute mehr als 200 Tieren zurückbrachten", schrieb das neuseeländische Department of Conservation in einem Nachruf. Tatsächlich war Merton mit der Übersiedelung und dem Nestklau neue Wege im Artenschutz gegangen, die zum Glück zum Erfolg führten. Wie schäbig sich Merton vorkam, als er die Eier stahl und die Nester zerstörte, lässt sich im "Buch der Hoffnung" von Jane Goodall nachlesen.

Mertons Vermächtnis ist für mich eine Geschichte der Ermächtigung. Denn sie beweist, dass einzelne Menschen einen großen Unterschied machen können.

Benedikt Narodoslawsky

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Apropos Scheitern: Elisabeth Köstinger (ÖVP) tritt als Landwirtschaftsministerin zurück. Was ist ihr politisches Vermächtnis? "Köstinger war bei den ihr anvertrauten Themen nicht auf der Höhe der Zeit, weder als Ministerin für Nachhaltigkeit (bis 2020) noch als Agrarministerin. Was mit der Klimakrise und dem Artensterben wirklich auf uns zukommt, was diese für unsere Kinder und auch Köstingers kleinen Sohn mit sich bringen werden, scheint nie richtig bei ihr angekommen zu sein", kommentiert unsere Landwirtschaftsexpertin Gerlinde Pölsler im aktuellen Falter. Zuletzt verärgerte Köstinger NaturschützerInnen, als sie dafür stimmte, für die Artenvielfalt so wichtige Brachflächen einzuackern. Pölslers kritische Bilanz lesen Sie hier. Möge Köstingers Nachfolger Norbert Totschnig mit Weitblick gesegnet sein.

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Der Mai fühlt sich an wie Hochsommer, in Indien und Pakistan sterben immer mehr Leute an der langen Hitzewelle, WissenschaftlerInnen haben berechnet, dass wir 2026 schon das Pariser Klimaziel verfehlen könnten (das besagt, dass wir die Erderhitzung auf 1,5 Grad einbremsen müssen, um die schlimmsten Folgen der Klimakrise zu verhindern). Währenddessen deckte der Guardian auf, dass fossile Unternehmen in der Energiekrise gerade Milliardengewinne einfahren und weiter in neue klimaschädliche Projekte investieren, mit denen wir uns das Pariser Klimaziel sowieso aufmalen können.

Auch in Österreich inseriert die fossile Lobby-Organisation namens Wirtschaftskammer (WKO) gerade viel Geld in Medien, um fossile Energieträger billiger zu machen. Klimabewusste Wirtschaftskammermitglieder sind darüber erbost und haben nun die Petition "Unternehmer:innen wollen raus aus Gas und Öl – Nicht meine Wirtschaftskammer!" gestartet. Hier kann man sie unterstützen.

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. HOFER ist sich dieser Tatsache bewusst und trägt daher gemeinsam mit seinen Kundinnen und Kunden aktiv zur Bewahrung des wertvollen Klimas und unserer Umwelt bei. Jeder Beitrag HEUTE ermöglicht ein lebenswertes MORGEN.

Gratulation an den ORF! Das größte Medium des Landes hat ein neues News-Format gegründet, es heißt "ZiB Magazin Klima" und wird von Gerhard Maier gestaltet. Die aktuelle Folge dreht sich um die Seen in Niederösterreich, die sich aufgrund der Trockenheit in kleine Lacken verwandeln.

Auch der Neusiedler See trocknet aus, im Mai gab es einen historisch niedrigen Wasserstand. Clara Porák reiste für den Falter ans Ufer des Neusiedler Sees, um herauszufinden, warum dem See das Wasser ausgeht und beschreibt dabei den Plan der Burgenländischen Landesregierung, den See mit Wasser aus der Donau zu speisen. Warum das vielleicht doch keine so gute Idee ist, lesen Sie hier.

Ums Wasser geht's auch in Doris Knechts aktueller Kolumne: Im Waldviertel will das Energieversorgungsunternehmen EVN das Kraftwerk Rosenburg ausbauen. Es soll mehr grünen Strom bringen, aber gleichzeitig wird der Eingriff in die Natur erheblich sein. "Kann man angesichts dieser Zerstörung noch von grüner Energie sprechen?", fragt sich Doris Knecht. Der FALTER hat bereits hier und hier über das Projekt berichtet.

Wie der Mensch Flusslandschaften auf der ganzen Welt verändert, schildert übrigens die australische Doku "River", die gerade im Kino läuft. Sabina Zeithammer beschreibt die Doku in ihrer Filmkritik als "Konzertfilm fast ohne musikalische Pause". Den Trailer mit spektakulären Aufnahmen sehen Sie hier.

Sonne & Stahl ist der neue Klima-Podcast von Erklär mir die Welt-Macher und Standard-Journalist Andreas Sator. Warum fährt in Münster die halbe Stadt mit dem Rad und in Wien nicht? Der Podcast für alle, die bei der Klimakrise Teil der Lösung sein möchten. Hier auf Spotify abonnieren. Zur Homepage. Auf Instagram liken.

Natur und Stadt, geht das zusammen? Ja. Katharina Kropshofer ist mit der Pflanzenwissenschaftlerin Birgit Lahner und der Stadtführerin Cristina-Estera Klein durch Wien gewandert und erzählt, dass die Pflanzenvielfalt in der Stadt sogar größer ist als in einigen ländlichen Gebieten. "Denn wo Landwirtschaft dominiert, spritzt der Mensch auch gegen ungewolltes Kraut. In Wien wird das strenger gehandhabt", erklärt Kropshofer. Die Botanik im Beton finden Sie hier, den neuen Wien-Reiseführer "Botanische Spaziergänge" von Lahner und Klein gibt's hier.

Peter Iwaniewicz geht in seiner Tierkolumne diesmal einer sehr delikaten Angelegenheit nach: nämlich Ruhestörung durch quakende Frösche. Was kann man dagegen tun, damit einem nicht Quaxi den Schlaf raubt, wollte eine Leserin von Iwaniewicz wissen. Seine Antwort lesen Sie hier.

Tierwelt Herberstein

Das oststeirische Ausflugsziel beteiligt sich als wissenschaftlich geführter Zoo an 22 nationalen und internationalen Erhaltungszuchtprogrammen.

Bei diesen Programmen stellen Koordinatoren Paare bzw. Zuchtgruppen zusammen, um eine möglichst große genetische Vielfalt erhalten zu können.

Der erste Zuchterfolg im Jahr 2022: ein Faultier Baby

Genießen Sie es auch, wieder unter Leuten zu sein? Klar, Corona ist nicht vorbei, aufpassen muss man nach wie vor. Aber ein bisschen Freiheit tut der Seele schon gut. Und in den nächsten Wochen ist einiges in puncto Nachhaltigkeit am Start. In Steyr geht am 21. Mai das Klimafest über die Bühne, am 24. 5. steht in St. Virgil in Salzburg die Österreichische Armutskonferenz unter dem Motto "Es brennt. Armut bekämpfen - Klima retten". Innsbruck bereitet sich schon auf die Eröffnung der Nachhaltigkeitsmesse Öko Fair am 10. Juni vor. Am selben Tag veranstaltet der Verein SOL – Menschen für Solidarität, Ökologie und Lebensstil das Symposium "Wachstum im Wandel – Wirtschaft anders denken".  Noch mehr Veranstaltungstipps finden Sie übrigens in unserem Falter-Programm-Heft, das jedem FALTER beiliegt. Sie finden es online auch hier.


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