Icebreaker - FALTER.natur #60

Benedikt Narodoslawsky
Versendet am 20.05.2022

Die Artenvielfalt lebe hoch! Wir feiern sie offiziell am Sonntag, dem internationalen Tag der Biodiversität. Das ist auch nötig, denn die Alpenrepublik wird ihrem überholten Ruf als Umweltmusterland kaum noch gerecht. Woran es hakt, haben wir zur Gründung des Natur-Ressorts in einer großen Recherche aufgeschrieben. Analysen der vier großen Umweltorganisationen Global 2000, Greenpeace, Umweltdachverband und WWF finden Sie kostenlos hier.

Anstatt Alarmismus zu verbreiten, wollen wir Sie heute aber in Feierlaune bringen. Damit die Party auf Touren kommt, hier neun faszinierende Geschichten aus der Tierwelt, Eisbrecher, die sich dazu eignen, andere Gäste für die Artenvielfalt zu begeistern.

Icebreaker 1
Welcher Mann kennt es nicht: Nach dem Sex will dich die Frau töten, um dich aufzufressen. Kräuselradnetzspinnenmännchen haben deshalb eine kluge Überlebensstrategie entwickelt. Damit das Weibchen dem Männchen nicht habhaft wird, katapultiert sich das sechs Millimeter lange Insekt nach dem Geschlechtsverkehr mit einer Geschwindigkeit von 65 Zentimeter in der Sekunde weg, um schnell mal Zigaretten zu holen.

Icebreaker 2
Tüpfelhyänen sind ziemliche Machos, und zwar die Weibchen. Sie sind größer, aggressiver und durchsetzungsstärker als die Männchen, führen die Gruppe an und ... gebären durch einen Scheinpenis.

Icebreaker 3
Es geht auch romantischer. Um Weibchen anzulocken (und um sein Revier zu verteidigen), beherrscht ein einzelnes erwachsenes Nachtigallmännchen rund 180 Strophentypen. Bislang sind 1868 unterschiedliche Strophentypen von der Nachtigall insgesamt bekannt. Wem da nicht das Herz schmilzt, hat keines.

Icebreaker 4
Apropos Tonqualität: Blütengrillenweibchen stehen auf Artgenossen, die am lautesten zirpen können. Leise Männchen mit Hirn wissen sich aber zu helfen. Sie basteln sich einen Verstärker, indem sie ein Loch in ein Blatt beißen und mit den Vorderbeinen und dem Kopf durchzwängen. Das wirkt wie ein Megaphon. Ein Hoch auf die Technik!

Icebreaker 5
Es kommt aber nicht immer aufs Hirnschmalz an. Die Ameisenart Harpegnathos saltator hängt weniger stark von der Königin ab als andere. Wenn die Königin stirbt, geht nicht das Volk unter, sondern bestimmte Arbeiterinnen lassen ihr Hirn schrumpfen - wohl um Energie zu sparen - und zugleich ihre Eierstöcke wachsen. Als "Pseudoköniginnen" können sie so Nachkommen produzieren. Werden sie als Ersatzkönigin nicht mehr gebraucht, wächst ihr Hirn wieder auf die normale Größe an – und sie gehen wieder arbeiten.

Icebreaker 6
Man sollte also nicht den Kopf verlieren. Beim Körper ist das hingegen nicht so genau. Die Schlundsackschnecke kann nämlich ohne Körper überleben. ForscherInnen beobachteten, dass sie mit einer Art Kopfgeburt nach drei Wochen den ganzen Körper nachgebildet hat, bereits nach einer Woche war das Schneckenherz nahezu wiederhergestellt.

Icebreaker 7
Mit über 100 km/h sprintet der Gepard durch die Savanne. Wie schafft er es zum schnellsten Landtier? Seine Wirbelsäule ist extrem elastisch, durch seine spezielle Galopp-Lauftechnik berühren die Beine kaum den Boden, und wenn doch, dann stößt er sich vor allem mit seinen starken Hinterbeinen ab. Gegen den Wanderfalken ist er trotzdem Marke Schneckenpost. Die stürzen sich nämlich mit 360 km/h in die Tiefe. Damit kommen sie an den Geschwindigkeitsrekord in der Formel-1-Geschichte ran.

Icebreaker 8
Um sich vor Feinden fernzuhalten, kamen Mähnenratten auf eine gute Idee. Sie kauen die Rinde und Zweige eines giftigen Baumes und spucken sich damit auf den Rücken. Das Gift wird in der Rückenmähne gespeichert. Und die Ratten werden als Mahlzeit für Fressfeinde damit eher unbekömmlich.

Icebreaker 9
Sollte das alles noch nicht genützt haben, schweigen Sie bedeutungsschwanger, zücken Sie Ihr Handy und zeigen Sie Ihrem Gegenüber auf der Party wortlos dieses Video von Tierfilmer-Legende David Attenborough. Wenn selbst dann noch keine Faszination für die Natur entflammt ist, wechseln Sie lieber auf eine andere Party.

Benedikt Narodoslawsky

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Kaum jemand kann so faszinierend über Tiere schreiben wie Peter Iwaniewicz. Wöchentlich liefert er dem FALTER eine Tierkolumne, geballtes Iwaniewicz-Wissen finden Sie in seinen Büchern hier und hier. In seiner aktuellen Tierkolumne plädiert er angesichts des Tags der Biodiversität dafür, Artenkenntnis und Artenschutz in die Lehrpläne aufzunehmen. Denn es ist bereits einiges an Grundwissen verloren gegangen. "Eine aktuelle deutsche Studie fragte in einem Test an bayrischen Gymnasien anhand von Fotos die Namen von 25 Tierarten ab. Nur knapp die Hälfte der Tiere wurde erkannt", schreibt Iwaniewicz. "Die bekanntesten Tiere waren Eichhörnchen und Maulwurf. Vögel wie Buchfink, Bussard, Rebhuhn und Star waren nicht einmal einem Fünftel der Getesteten bekannt." Ehrlich gesagt wäre ich wahrscheinlich auch durchgeflogen. Wenn's Ihnen ähnlich geht, aber Sie wissen wollen, wie die Tiere aussehen, einfach draufklicken: Buchfink. Bussard. Rebhuhn. Star.

Die Klimakrise ist eine der größten Herausforderungen unserer Zeit. HOFER ist sich dieser Tatsache bewusst und trägt daher gemeinsam mit seinen Kundinnen und Kunden aktiv zur Bewahrung des wertvollen Klimas und unserer Umwelt bei. Jeder Beitrag HEUTE ermöglicht ein lebenswertes MORGEN.

Vogelfreund Klaus Nüchtern hätte sie alle erkannt. Für den aktuellen FALTER hat Birder-Klaus die niederösterreichische Eulen- und Greifvogelstation Haringsee besucht, in dem Bartgeier, Seeadler und Waldohreule gepflegt und wieder aufgepäppelt werden. "Tatsächlich wird hier aber so ziemlich alles vorbeigebracht, was kreucht und fleucht – inklusive der Spinne aus dem eigenen Badezimmer", schreibt Nüchtern über die Wildtierstation, die von der Umweltorganisation Vier Pfoten betrieben wird. Sein Porträt lesen Sie hier.

Und weil wir gerade von Tieren sprechen, die Hilfe brauchen: Sollten Sie heute Nacht schlecht schlafen wollen, dann schauen Sie sich dieses Video über Tierversuche an – aber eigentlich rate ich Ihnen dringend davon ab und warne Sie. Denn das Video ist schrecklich und ich persönlich habe nach wenigen Sekunden wieder abgedreht, weil es mir zu viel wurde. Um die Dramatik zu begreifen, reicht es, wenn Sie sich die Reaktionen von InfluencerInnen ansehen, die der Verein gegen Tierfabriken in diesem Video zur Kampagne "Schau nicht weg" festgehalten hat. Die Tierschutzorganisation mobilisiert damit für die Europäische Bürgerinitiative gegen Tierversuche, die Sie hier unterschreiben können. Wenn Sie mehr über das Thema wissen wollen, empfehle ich Ihnen den Mitschnitt dieser Podiumsdiskussion anzuschauen, die meine Kollegin Gerlinde Pölsler moderiert hat.

Tierwelt Herberstein

Das oststeirische Ausflugsziel beteiligt sich als wissenschaftlich geführter Zoo an 22 nationalen und internationalen Erhaltungszuchtprogrammen.

Bei diesen Programmen stellen Koordinatoren Paare bzw. Zuchtgruppen zusammen, um eine möglichst große genetische Vielfalt erhalten zu können.

Der erste Zuchterfolg im Jahr 2022: ein Faultier Baby

"Gemma Bleaml schaun!" in Oberösterreich, "So wird mein Garten klimafit!" in Vorarlberg, "Ein Insektentag für die ganze Familie" in der Steiermark: In der Woche der Artenvielfalt können Sie aus einem reichen Naturvermittlungsangebot schöpfen. Einen Überblick über Aktionen in allen Bundesländern liefert Ihnen der Naturschutzbund hier.

Noch ein Terminhinweis für NachhaltigkeitsfreundInnen: Die Universität für Bodenkultur in Wien veranstaltet am 24. und 25. Mai in der Aula der Wissenschaften die "Zukunftskonferenz" mit einem vielversprechenden Programm. Vorträge halten etwa Klimavolksbegehren-Sprecherin Katharina Rogenhofer, Klimaökonom Gernot Wagner, Historiker Philipp Blom und der Agrarwissenschaftler Urs Niggli. BesucherInnen können auch ihre eigenen Ideen für eine nachhaltige Zukunft einbringen. Alle Infos dazu gibt's hier.

Stärker als viele denken

Die PET-Flasche ist alles andere als eine „Flasche“! Warum? Weil sie nicht einfach so den Geist aufgibt bzw. wenn sie das tut, als recycelte Flasche wieder aufersteht.

Stabile Sache so eine PET-Flasche, oder?

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"Brauchen wir Wildtiere und Urwald?" Dieser grundsätzlichen Frage geht das Wissenschaftsmagazin Heureka aus dem Falter Verlag nach. Das Heft widmet sich ausführlich dem Thema Biodiversität und behandelt unter anderem das Artensterben in Österreich, vermisst den Zustand der großen heimischen Beutegreifer Wolf, Bär und Luchs und dokumentiert, wie Wildtiere wieder ein Zuhause in der Stadt finden können. Heureka liegt dem aktuellen FALTER bei, alle Geschichten darin finden Sie auch online hier.

Für mehr Wildnis im Garten sorgt die No-Mow-May-Initiative, die dafür plädiert, Wiesen im Mai nicht zu mähen, um für Insekten wichtigen Lebensraum zu erhalten. Doris Knecht hat sich der Initiative angeschlossen – und bemerkte, dass es ihr als Vorarlbergerin emotional gar nicht so leicht fiel, zugunsten der Artenvielfalt ein Stück Wildnis wuchern zu lassen. "Bei jedem Blick aus dem Fenster meldet sich erbarmungslos der von klimapolitischen Überlegungen völlig unbeeindruckte Ländle-Urinstinkt: Hier gehört gemäht! Sofort! Bevor hier alles verkrautet!", schreibt Knecht in ihrer Kolumne. Warum es sich trotzdem auszahlt (Spoiler: Mähroboter werden zum Killerroboter für Säugetiere, Reptilien und Insekten im eigenen Garten), erfahren Sie hier.

Wohl kaum ein Insekt im Land lässt die Emotionen derzeit so hochgehen wie die Kärntner Biene, auch Carnica genannt. Im Süden Österreichs streiten Imker erbittert um die Frage, welche Vormachtstellung diese sanfte, ertragreiche und vitale Biene haben soll. Meinen Bericht über den bizarr anmutenden Imkerstreit, der auch die Kärntner und Steirische Landesregierung ins Schwitzen bringt, lesen Sie hier.

Für die kommende FALTER-Ausgabe bereiten wir gerade etwas sehr Großartiges, sehr Besonderes im Natur-Ressort vor. Als NaturfreundIn sollten Sie sich Heft 21/22 - das nächsten Mittwoch erscheint – also nicht entgehen lassen. Wenn Sie in Zukunft keine Ausgabe mehr verpassen wollen, lege ich Ihnen übrigens ein Abo ans Herz. Nicht nur, weil wir JournalistInnen uns jede Woche sehr um unsere LeserInnen bemühen, sondern vor allem auch, weil die MitarbeiterInnen unserer Abo-Abteilung extrem toll, höflich und spitze sind. Sie sollten sie unbedingt mal kennenlernen...


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