Rußland in der Krise

Ausland: Ob unter Jelzin oder nach Jelzin, in Rußland herrscht ein autoritärer Mafiakapitalismus. Droht nun ein neuer Nationalismus?


Raimund Löw

Vorwort, FALTER 36/98 vom 02.09.1998

Egal, ob Boris Jelzin im Amt bleibt oder ob er demnächst zurücktritt: Die Auslieferung der Regierungsmacht an den infolge des Meltdowns der russischen Staatsfinanzen von der Finanzoligarchie vorgeschickten Viktor Tschernomyrdin beendet eine Ära. Jelzins politisches Kapital beruhte auf seiner Rolle als Held der russischen Demokratie in den Umbruchjahren des sowjetischen Imperiums. Anders als die demokratische Intelligenz in Moskau sprach er die Sprache des Volkes, ohne jedoch je von seiner prowestlichen Orientierung abzuweichen. Jetzt ist er der Gefangene des Machtpokers zwischen den Magnaten der russischen Finanzoligarchie und der von revanchistischen Kommunisten und antiwestlichen Nationalisten beherrschten Duma.

Jelzin-Tochter Tatjana Djatschenko, der politische Kopf des Clans, verhandelt mit den neuen Machthabern über Fragen des elementarsten Überlebens: eine sichere Pension, und zwar nicht in Rubeln, sondern in harter Währung, sowie ein Immunitätsgesetz, das eine spätere strafrechtliche

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