Tier der Woche: Megageil

Peter Iwaniewicz
Stadtleben, FALTER 39/98 vom 23.09.1998

Die Protokolle über das Paarungsverhalten Bill Clintons wurden zuerst weltweit via Internet und kurz darauf in jeder größeren Zeitung veröffentlicht. Leider war das Dokument in den entscheidenden Passagen nicht sehr ausführlich ("... berührte mehrmals ihre Genitalien ...") und ließ wichtige Fragen offen, an deren Aufdeckung zweifellos ein legitimes Interesse der Weltbevölkerung existiert. Deswegen - dachten viele - wurde nun eine entsprechende Videodokumentation nachgereicht, die aber wieder nicht den erhofften Einblick in die Szenen des "unangemessenen Verhältnisses" bot. Der erste Hahn im Staat zeigte sich nur wenig kooperativ, seine maskulinen Rituale der Öffentlichkeit preiszugeben.

Der Falter bietet Ihnen daher - exklusiv - Einblick in die tatsächlichen Vorgänge auf dem Hühnerhof, wo ein Hahn seine Gunst im Durchschnitt auf circa zehn bis fünfzehn Hennen zu verteilen pflegt. Die Kopulationsanbahnung beginnt damit, daß der Hahn die Henne mit dem Versprechen auf einen besonderen Leckerbissen, den er im Schnabel trägt, wirbt, oder er lockt die Ausgewählte mit gurrenden Tönen auf ein Nest in einer dunklen Ecke des Stalles. Zeigt sich diese noch nicht beeindruckt, beginnt der Hahn einen tapsigen Stolpertanz, bei dem er versucht, auf die nach unten abgespreizten Flügel zu steigen. Der darauf folgende eigentliche Akt, das Treten, ist schnell vollzogen, denn die meisten Vögel haben aus Gründen der Gewichtsreduktion auch bei den Geschlechtsorganen gespart. Die Weibchen besitzen daher nur einen funktionstüchtigen Eierstock, den Männchen mangelt es gar am Basalen. Penislos wird auf die Henne aufgesprungen, die multifunktionalen Körperöffnungen, die der Ausscheidung von Kot, Urin und Samen oder Eiern dienen, werden aneinandergepreßt, und nach einem Augenblick kurzen Geflatters gehen beide wieder ihren sonstigen Geschäften nach.

Kann das sein, daß es dem mächtigsten Mann am Gemächt mangelt? Oder handelt es sich bei diesem dann nicht eher um einen Schwan, denn diese Tiere verfügen als Ausnahme unter den Vögeln über einen wohldimensionierten Penis. In diesem Fall haben wir möglicherweise bereits auch seinen Schwanengesang gehört.

ANZEIGE

Fanden Sie diesen Artikel interessant? Dann abonnieren Sie jetzt und bleiben Sie mit unserem Newsletter immer informiert.

Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Stadtleben-Artikel finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!