Tier der Woche: Worans krankt

Peter Iwaniewicz
Stadtleben, FALTER 39/99 vom 29.09.1999

Unser Herr Bundeskanzler musste ins Krankenhaus eingeliefert werden! Diese Nachricht erschütterte letzte Woche schon zu früher Morgenstunde Österreich. Nichts Genaues wusste man nicht, und so warteten alle voller Spannung darauf, dass der behandelnde Arzt vor die Fernsehkameras trat: Lungenentzündung light, wurde dann verlautbart. Da unser HBK - wie es sich für einen solchen gehört - ein vor Vitalität und Befindlichkeit geradezu strotzender Mann ist, hielt man es für notwendig, eine Erklärung zur Ursache der Erkrankung an die Diagnose anzuhängen. Lungenentzündung ist nämlich unter den Infektionskrankheiten in den Industriestaaten die häufigste Todesursache, vor allem bei alten, geschwächten Menschen. Um den Verdacht der Bettlägrigkeit (horribile dictu!) vom Kanzler zu nehmen, säuselte der Mediziner in die Mikrofone, dass wohl der intensive Kontakt mit dem "Volk" der Grund gewesen sei. Ja, die Infektionsgefahr bei Wahlkämpfen infolge zu heftigen Küssens kleiner Kinder und Schüttelns alter Leute Hände wird offenbar immer noch unterschätzt.

Aber auch andere Bakterien - die früher animalcula, also kleine Tierchen, genannt wurden - können Politiker beeinträchtigen: Denn Menschen, die ihre Füße längere Zeit in festes Schuhwerk packen, entwickeln oft ein gesellschaftlich peinliches Phänomen, Schweißfüße. "Der Schweiß an des Neides Fuß ist wie das Gift der Schlange und des Molchs", wusste schon der Dichter William Blake. Wir wissen noch mehr, nämlich dass ein bestimmtes Bakterium, Micrococcus sedentarius, für die unangenehmen Gerüche verantwortlich ist. Es verursacht die so genannte narbige Keratolyse oder Hornhautablösung an Hautstellen, die ausreichend feucht und ohne Belüftung sind. Dabei wird von den Mikroben Methandiol ausgeschieden, jene Substanz, die den charakteristischen käseartigen Geruch solcher Füße bestimmt.

Die Firma Scholl hat eine Studie in Auftrag gegeben, die auf zehn besonders übel riechenden Füßen weitere Mikroorganismen ausfindig machen soll. Wir dürfen auf diese Ergebnisse genauso gespannt sein wie auf jenes des nächsten Sonntags, denn eines ist klar: Mikroben, nicht Makroben regieren die Welt. peter.iwaniewicz@falter.at

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