Tier der Woche: Schlepperbande

Peter Iwaniewicz
Stadtleben, FALTER 47/99 vom 24.11.1999

"Wo gehts denn hier nach Panama?", fragte der kleine Bär.

"Nach links", sagte die Kuh, "denn rechts wohnt der Bauer."

Aus: "Oh, wie schön ist Panama" von Janosch Vor 120 Jahren, als großtechnische Projekte noch bewunderte Meisterleistungen der Ingenieurskunst darstellten und gestaltungswilligen Politikern noch nicht bei jedem Assuan-Staudamm oder Suezkanal von Umweltschützern die Ohren vollgeheult wurden - in der guten alten Zeit also -, beschloss man einen Durchstich zwischen dem Atlantischen Ozean und dem Pazifik zu schaffen. Man beauftragte daher Ferdinand Vicomte de Lesseps, jenen Mann, der bereits zehn Jahre zuvor mit dem 160 Kilometer langen Suezkanal eine Verbin-dung zwischen zwei bis dahin vollkommen getrennten Faunengebieten, geschaffen hatte.

Doch die Ausgangssituation im damaligen Kolumbien war bedeutend schwieriger, denn es galt, Höhenunterschiede von mehr als dreißig Metern durch zahlreiche Schleusenanlagen zu überwinden und einen Regenwald niederzuholzen. Lesseps scheiterte nach zehn Jahren, die Vereinigten Staaten pachteten das Gebiet entlang der Kanaltrasse, baggerten 143 Millionen Kubikmeter Erde um und eröffneten 1914 die mittlerweile zu Panama gehörende Wasserstraße. Bislang hat aber neben Frachtschiffen nur eine einzige, kleine pazifische Fischart die 81 Kilometer lange Strecke bewältigt, denn die dazwischen liegenden Süßwasserstauseen stellen eine effektive Ausbreitungsbarriere für Meerestiere dar.

Ganz anders als im Fall des Suezkanals, denn obwohl zwischen dem mediterranen und dem Roten Meer beträchtliche Unterschiede im Salzgehalt, im Nährstoffangebot und in der Wassertemperatur liegen, haben bis heute ungefähr 500 verschiedene Tierarten die Einwanderung und dauerhafte Ansiedlung im Mittelmeer geschafft. Eine zweifelhafte Bereicherung, aber Panama will da nicht zurückstehen und plant einen weiteren Kanal auf Meereshöhe. Das hätte ebenfalls einen intensiven Artenaustausch zwischen den Ozeanen zur Folge und brächte eine unabsehbare Dynamik ins Spiel vom Leben und Sterben der Lebewesen. Man vermutet, dass sich durch den entstehenden Verdrängungsdruck die Fauna und Flora zu beiden Seiten Panamas um 1000 bis 5000 Arten reduzieren würde. Viv la vida loca! iwaniewicz@falter.at

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