Django mit Herz

Film. Als zweitbester Gitarrist der Welt ist Sean Penn in "Sweet and Lowdown" der bessere Woody Allen.


Wolfgang Kralicek

Kultur, FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Der Held kann stundenlang dabei zusehen, wie Züge an ihm vorbeifahren, und nichts liebt er mehr, als auf Müllhalden ein paar Ratten abzuknallen. Die Rede ist weder von "Trainspotting" noch von "Rozznjogd", sondern von "Sweet and Lowdown", dem neuen Film von Woody Allen. Der Mann mit den seltsamen Hobbys heißt Emmet Ray, ist ein begnadeter Jazzgitarrist und ein ungemein sympathisches Arschloch. "Sweet and Lowdown" (zu Deutsch: süß und fies) handelt von einem in Vergessenheit geratenen Musiker, der in den Dreißigerjahren als nach Django Reinhardt "zweitbester Gitarrist der Welt" galt. Wie "Zelig" (1983) ist "Sweet and Lowdown" eine Fake-Dokumentation; eine Form, die Allen schon bei seinem Debüt, "Take the Money and Run" (1969), eingesetzt hat, als die Eltern der kriminellen Hauptfigur interviewt wurden und dabei - um die Anonymität zu wahren - Groucho-Marx-Masken trugen. Diesmal kommen echte Fachleute - darunter Woody Allen und der amerikanische Jazzkritikerpapst Nat Hentoff - zu

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