Tier der Woche: Urtiere


Peter Iwaniewicz

Stadtleben, FALTER 14/00 vom 05.04.2000

Auch für Wörter gilt die Evolutionstheorie. In letzter Zeit wurde eine Vorsilbe zum steigerungsfähigen Eigenschaftswort hin entwickelt, so dass man nun mit neuer Leichtigkeit seine Aussagen durch heftige Beugung des Präfixes "Ur" betonen kann. Zum Beispiel spricht man von einer "uren Action" oder gar davon, dass es "urst super" war. Was war so urst super? Das vergangene Wochenende! Da gabs eine beachtenswerte Frühlingsinszenierung mit allem, was Herz und Nase erfreut: also Tiere und Pollen. Passend dazu wurde vom Österreichischen Naturschutzbund auch ein Insekt des Jahres gekürt: der größte Schmetterling Europas, das Wiener Nachtpfauenauge. Was hat dieser, was die anderen Nominierten wie Hornisse und Gottesanbeterin nicht hatten? Hohen Popularitätsfaktor durch sein gefälliges Design, saugt durch einen Rüssel manierlich Blütensäfte, wehrt sich nicht, wenn ihn Menschen attackieren. Bleibt nur zu hoffen, dass er nicht wegen seiner schlechten Kinderstube geoutet wird, denn die bis zu zwölf Zentimeter lange Raupe frisst die Blätter von Obstbäumen. Da verstehen die Bauern- und Jägerverbände keinen Spaß. Wurde doch erst vor kurzem das von der EU-Kommission angeordnete Abschussverbot für Krähen, Raben und Elstern als millionenschwere Fehlentscheidung angeprangert. Die Salzburger Volkszeitung schrieb dazu sogar: "Man kann nur hoffen, dass Alfred Hitchcocks ,Vögel'-Alptraum nicht bald auch in Salzburg wahr wird."

Ich hingegen hoffe, dass Sie nicht unter solchen Ängsten leiden, sondern vielmehr an einer Tierbeobachtungsmanie laborieren. Erleichterung können Sie sich dann nämlich dadurch verschaffen, dass Sie diese Wahrnehmungen mit mir teilen. Berichten Sie mir von Ihrer Begegnung per Mail, schicken Sie das glücklich entschlafene Tier per Post oder deponieren Sie das noch lebende Subjekt in artgerechtem Behältnis an der Rezeption. Als Gegenleistung für Ihr aktives Leserverhalten winken Ihnen weder Gratis-Handys noch Traumreisen, sondern vielmehr eine traumhafte Dreisamkeit mit dem liebenswürdigen Hermes Phettberg und mir. Die Unterhaltung wird u.a. tierisch-menschliche Beziehungen betreffen, aber auch das Thema "Eierlikör als Code sublimer Fantasien" berühren.

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