Tier der Woche: Hundeliebe

"Heute ist Grolli Ausländerfeind und mit zwei Schweinen befreundet" - "Format", Nr. 5/01


Peter Iwaniewicz

Stadtleben, FALTER 06/01 vom 07.02.2001

Ein Jahr nach der Wende deckten zwei unerschrockene Reporter auf: Der einstige enge Vertraute von Exbundeskanzler Klima, der kaukasische Hirtenhund Grolli, lebt zurückgezogen und elend im südburgenländischen Ausgedinge. Vorbei die Zeiten, als man ihm einen eigenen Comic-Strip widmete, das Politbüro des Kanzlers Leserbriefe in seinem Namen verfasste und an die Zeitungen schickte und man Sozialdemokratie noch mit Großbuchstaben schrieb.

Wir sind natürlich geschockt und fühlen uns gleichermaßen verstoßen. Auch Socks, einstige First Cat, durfte nicht mit Bill Clinton nach New York übersiedeln. Obwohl der Expräsident an einer Katzenallergie litt, ließ er in besseren Tagen die Presse wissen, dass er sich nie von seinem Kater trennen würde. Das Pariser Musee Grevin setzte daraufhin der Wachsfigur Clintons auch einen wächsernen Socks auf die Schulter. Auch das, vorbei.

Das mediale Interesse an den Haustieren hoher Tiere hat lange Tradition: 1952 berichtete die New York Post über den republikanischen Senator Richard Nixon, dass dieser 18.000 Dollar an Spendengeldern angenommen, aber nicht versteuert hätte. Nixon musste sich angesichts der Woge moralischer Entrüstung, die ihm entgegenschlug, der Öffentlichkeit stellen. 750 Radiostationen und 62 Fernsehsender übertrugen seine Rede, in der er sich sehr ausweichend und den eigentlichen Vorwurf völlig ignorierend äußerte.

Zum Punkt der inkorrekten Spendenannahme sagte er nur: "Das Einzige, was ich jemals als Senator geschenkt bekommen habe, ist ein Hund von einem Mann aus Texas. Es ist ein kleiner Cockerspaniel, schwarz mit weißen Flecken. Und unsere kleine Tochter Tricia, unsere Sechsjährige, nannte ihn Checkers. Und sie wissen ja, meine Kinder lieben den Hund, wie alle Kinder ihre Hunde lieben, und deshalb will ich das hier auch ganz deutlich sagen: Egal, wie die Leute das finden, wir werden ihn behalten."

Diese rührselige Geschichte erwärmte die Herzen der US-Amerikaner, und selbst die Demokraten wollten sich nun nicht mehr so kleinlich zeigen und Kindern einen unversteuerten Hund zur Last legen. Nixon blieb im Amt, der Rest ist Geschichte.

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