Der freche Böhm

BARBARA COUDENHOVE-KALERGI
Politik, FALTER 04/02 vom 23.01.2002

ANALYSE. Immer noch betrachten Österreicher die Tschechen unterschwellig als Untergebene, denen man mehr anschaffen kann als anderen Völkern. Das hat historische und tiefenpsychologische Wurzeln. 

Die Tschechen haben sich "erfrecht", ein Atomkraftwerk in Betrieb zu nehmen, ohne die Österreicher um Erlaubnis zu fragen. Und dann hat sich der tschechische Ministerpräsident auch noch "erfrecht", auf Jörg Haiders Pöbeleien mit gleicher Münze zu antworten. Das kann man nicht dulden. Diese Frechheit hat Hunderttausende Österreicher zur Unterzeichnung des Anti-Temelín-Volksbegehrens getrieben. Die Tschechen müssen lernen, tönte die Krone, dass sie sich solche Frechheiten nicht erlauben dürfen.

  Die Wörter "erfrechen" und "Frechheit" sind bei zwischenstaatlichen Konflikten normalerweise nicht üblich. Aber der Konflikt zwischen Österreichern und Tschechen ist eben kein normaler und üblicher, sondern einer, der tiefe Wurzeln in der Geschichte und auch in der kollektiven österreichischen

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