Ein Tag wie jeder andere

MICHAEL LOEBENSTEIN
Kultur, FALTER 04/02 vom 23.01.2002

FILM. Weniger poetisch als seine berühmten Kollegen Kiarostami und Makhmalbaf zeigt Jafar Panahis "Dayereh" den bedrückenden Alltag von Frauen im Iran. 

Das Schwarz der Titelsequenz wird von den Schreien einer Frau begleitet - so lange, bis der erste Schrei eines neugeborenen Kindes sie zum Verstummen bringt. Blende auf Weiß: Eine Stahlklappe wird zur Seite geschoben, eine Schwester ruft die Angehörigen der Mutter an den Türschlitz. Die Frau, deren Geburtswehen wir verfolgt haben, hat ein Mädchen geboren. Eine Nachricht, die die Großmutter vorerst gar nicht zur Kenntnis nehmen will - weiß sie doch aus eigener Erfahrung, was das für die Familie bedeutet.

  "Dayereh" ("Der Kreis") geht gleich in medias res: In fünf miteinander verbundenen Episoden erzählt er von der Katastrophe, im Iran als Frau geboren zu werden und ein Leben zu führen, dessen Radius wie der einer Schraube beständig enger wird. Die alte Frau verlässt den Wartesaal der Klinik über eine gewundene Treppe; die

  526 Wörter       3 Minuten
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