„Was habe ich gesagt?“

Die Grazer Autorin Olga Flor über ihren neuen Roman „Talschluss“, das zunehmende Abrutschen der Gesellschaft, die Fetischisierung des Essens, den Schönheitswahn der Männer und das weltfremde Frauenbild der ÖVP.

Werner Schandor
STEIERMARK, FEUILLETON, FALTER 13/05 vom 29.03.2005

Die Lüge unter der Oberfläche des Seins ist ein zentrales Thema der österreichischen Nachkriegsliteratur. Der inhaltliche Schwerpunkt hat sich in den letzten Jahren der demografischen und gesellschaftlichen Entwicklung entsprechend auch in der Literatur verschoben – weg von Massenmord und Naziwahn, hin zum Wohlstandsirresein. Literatur enthüllt dabei eine Form der Wirklichkeit, die vom täglichen Medientsunami einfach weggespült wird. Man kann diese Wirklichkeit in einem Land, in dem der Begriff Verdrängung eine so große Rolle spielt, Psyche nennen. Die Autorin Olga Flor weitet in ihren Texten den Riss, der sich in der Psyche auftut, zu einem Spalt aus, und sie wendet dabei von Text zu Text immer zugänglichere literarische Mittel an. Ihr Romandebüt „Erlkönig“ ist 2002 bei der Steirischen Verlagsgesellschaft erschienen. Die folgenden kurzen Texte „Fleischgerichte“ und „Wiederkehr“ öffneten Olga Flor das Tor zu einem breiteren Publikum. Nach der Lektüre der „Fleischgerichte“ in der Wagenbach-Anthologie „Zum Glück gibt’s Österreich“ lud Bachmann-Jurorin Daniela Strigl die Autorin zu den „Tagen der deutschsprachigen Literatur 2003“ vulgo Bachmannpreis ein. Dort konnte sich Flor beim Wettlesen tapfer halten. Sie wurde in Klagenfurt zwar hochgelobt, ging aber leer aus; quasi als Trostpflaster erhielt sie wenig später jedoch den Wiener Reinhard-Priessnitz-Preis.
Ende Februar ist „Talschluss“, Flors zweiter Roman, bei Zsolnay erschienen (Rezension im Falter 13/2005). Die mitunter rigide Systematik ihrer früheren Texte ist in den Hintergrund getreten und wird von gesellschaftskritischen Motiven auf metaphorischer Ebene überlagert, was den Lesern den Zugang zum Text erleichtert.

Falter: Wie kamen Sie auf die Idee, eine fürs Wochenende gemietete, speziell präparierte Almhütte als Schauplatz Ihres Romans zu wählen, der von einer Familienzusammenkunft vor dem Hintergrund einer ausbrechenden Seuche erzählt?

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