Die Slowenen-Macher

Auch wenn die FPÖ es immer wieder behauptet: Steirische Slowenen gibt es leider wirklich nicht. Wie wohlmeinende Grazer eine Minderheit erfanden – und an ihrem Erfolg scheiterten.

Norbert Mappes-Niediek
STEIERMARK, POLITIK, FALTER 49/05 vom 06.12.2005

Es waren schöne O-Töne zusammengekommen. Alle Anwesenden hatten ausführlich die – zumeist bedrohte – Lage ihrer Volksgruppe geschildert, das multinationale Zusammenleben gepriesen und den Druck beklagt, der darauf lastet. „Und jetzt“, bat der Reporter des Schweizer Rundfunks zum Schluss des Interviews mit dem österreichischen Volksgruppenzentrum, „möchte ich Sie alle bitten, mir vielleicht ein paar Worte in Ihrer Muttersprache ins Mikro zu sprechen.“
Das war der Punkt, an dem es Christian Promitzer zu viel wurde. Der junge Historiker saß als Vertreter des „Artikel-VII-Kulturvereins“ in der Runde, einer Organisation zur Pflege von Mehrsprachigkeit und Slowenentum in der Steiermark. Im Slowenischen war der in Graz aufgewachsene Promitzer zwar durchaus flüssig. Gelernt hatte er die Sprache aber erst im Studium. Promitzer sagte sein slowenisches Sprüchlein auf, stieg dann aber aus. „So weit, dass ich meine eigene Biografie fälschte, wollte ich das Missverständnis nicht treiben“, sagt der inzwischen zum angesehenen Slowenienforscher Gereifte heute.
Die Szene ist zehn Jahre her; seither hat sich viel getan. Die steirischen Slowenen sind eine anerkannte „Volksgruppe“ mit eigenem Vertreter im „Volksgruppenrat“ geworden. Von der Förderung über das Büro bis hin zu Sitz und Stimme in einem Staatsorgan verfügen sie über fast alles, was zu einer ordentlichen ethnischen Minderheit gehört. Sie stehen sogar in der Verfassung. Nur Slowenen hat es keine – jedenfalls keine, die ihre Rolle wenigstens ein bisschen überzeugender spielen könnten als einst der skrupulöse Christian Promitzer.

ANZEIGE
  1624 Wörter       8 Minuten

Sie haben bereits ein FALTER-Abo?


Sie nutzen bereits unsere FALTER-App?
Klicken Sie hier, um diesen Artikel in der App zu öffnen.

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Jetzt abonnieren und sofort weiterlesen!

Print + Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • Wöchentliche Print-Ausgabe im Postfach
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren

1 Monat Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
Jetzt abonnieren

Digital

  • FALTER sofort online lesen
  • FALTER als E-Paper
  • FALTER-App für iOS/Android
  • Rabatt für Studierende
Jetzt abonnieren
Diese Artikel könnten Sie auch interessieren:

Alle Artikel der aktuellen Ausgabe finden Sie in unserem Archiv.

12 Wochen FALTER um 2,17 € pro Ausgabe
Kritischer und unabhängiger Journalismus kostet Geld. Unterstützen Sie uns mit einem Abonnement!