Weltmusikwunder Wien

Dass die Klassik, der Jazz und die Elektronik in Wien zu Hause sind, weiß man. In den letzten Jahren ist die Stadt – dank Musikern wie Fatima Spar, Krzysztof Dobrek oder Martin Lubenov – aber auch mehr oder weniger unbemerkt zu einem Zentrum für innovative Weltmusik vor allem aus Südosteuropa geworden.

Klaus Taschwer
FEUILLETON, FALTER 16/06 vom 18.04.2006

„Wien ist eine super Stadt für Tschuschen“, sagt Martin Lubenov. Der Mann hat leicht loben. Seit 2001 lebt der Akkordeonist in Wien und hat innerhalb weniger Jahre groß Karriere gemacht: Der dreißigjährige Spross einer Roma-Musikerdynastie aus Sofia musste zwar zunächst auf Hochzeiten in Gürtellokalen sein Geld verdienen. Mittlerweile hat er aber mehrere erfolgreiche Bandprojekte unter eigenem Namen laufen und von seinen drei Platten europaweit rund 25.000 Stück verkauft. Zu guter Letzt hat er mit seiner aktuellen Formation Jazzta Prassta, die Jazz mit bulgarischen und Roma-Einflüssen verbindet, nun auch noch den österreichischen Weltmusikpreis gewonnen.
Auch die Sängerin Níhal S¸entürk, besser bekannt unter ihrem Künstlernamen Fatima Spar, wohnt erst seit einigen Jahren in Wien und ist mit ihrer Band, den Freedom Fries, auf dem besten Weg, international Karriere zu machen. Mit der Aussage ihres Kollegen tut sie sich hingegen ein bisschen schwer. Zum einen, weil ihre Familie zwar aus Istanbul stammt, sie selbst aber gebürtige Lustenauerin ist und sie sich „irgendwo dazwischen“ zu Hause fühlt. Zum anderen gebe es da schon auch einiges, was sie hier politisch stört, weshalb eine Nummer auf ihrem famos swingenden Plattendebüt auch „Istanbul darf nicht Wien werden“ heißt.
Fatima Spar und Martin Lubenov sind zwei der vielen Musiker, die mit dazu beigetragen haben, dass sich Wien in den letzten Jahren zu einem lebendigen Zentrum für „Weltmusik“ aller Art entwickelte – egal, was auch immer man genau unter dem Begriff verstehen mag. Tatsache ist, dass sich mehr und mehr Musiker aus dem Ausland hier niederlassen, um vor allem die ethnisch geprägten Musiken ihrer vormaligen Heimat, mitunter aber auch andere regionale Musikgenres weiterzuentwickeln, mit Pop, Elektronik oder Jazz zu kreuzen und etwas ganz Neues zu kreieren.

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