Selim sucht Stimme

Carsten Fastner
Kultur, FALTER 19/06 vom 10.05.2006

OPER Die "Entführung aus dem Serail" am Burgtheater ist sehr sehens-, aber weniger hörenswert.

Nicht einmal auf dem Klavier will Bassa Selim eine Melodie gelingen, geschweige denn mit seiner Stimme - Mozart selbst hat ihm den Gesang verwehrt: Die zentrale Figur der "Entführung aus dem Serail" (1782) ist eine Sprechrolle, und selten wird dieser seltsame Umstand so betont wie in diesem Bild, in dem der gütige Renegat (Burgschauspieler Nicholas Ofczarek) vor stummer Tastatur an seinem Schicksal verzweifelt.

Dass Karin Beiers Inszenierung vergangene Woche (als Co-Produktion mit der Staatsoper) am Burgtheater Premiere hatte, passt gut: weil das Stück in der Vorgängerinstitution, dem alten Burgtheater, uraufgeführt wurde; vor allem aber, weil sich die deutsche Regisseurin - ausgehend vom (genregemäß) starken theatralischen Moment des Singspiels - in kargem Bühnenbild (Jens Kilian) auf die schauspielerischen Leistungen des Ensembles konzentrierte. Der differenzierten Darstellung des vermeintlichen

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