Der Chaosmanager

Der Kunsthistoriker Dieter Bogner schenkte dem Mumok seine Kunstsammlung. Er ist die graue Eminenz der hiesigen Museumslandschaft, Naturschützer und Modernisierer in einer Person. Ein Porträt.

Matthias Dusini
FEUILLETON, FALTER 40/07 vom 02.10.2007

Der Beginn einer neuen Ära liegt weit zurück. Im niederösterreichischen Kamptal treffen sich 1980 Umweltschützer, um gegen die Errichtung von Staumauern zu protestieren. Rasch wird ein Kunsthistoriker zum Organisator; er hält Pressekonferenzen ab, verhandelt mit Politikern und beschwichtigt die anfangs feindlich gesinnte Bevölkerung. Dieter Bogner war damals ein 38-jähriger Assistent am Kunsthistorischen Institut, Eigentümer des Kamptaler Schlosses Buchberg, Mitbegründer des dortigen Kunstraums. Vergangene Woche eröffnete im Museum moderner Kunst (Mumok) eine Ausstellung mit einer kleinen Auswahl jener Werke, die er mit seiner Ehefrau Gertraud im Laufe der letzten dreißig Jahre zusammengetragen und nun dem Museum überlassen hat. Es handelt sich dabei um eine an keinerlei Bedingungen geknüpfte Schenkung von Werken abstrakter Kunst. In dem ökologischen Engagement wie in der mäzenatischen Geste äußert sich das Selbstverständnis eines liberalen, am öffentlichen Leben teilnehmenden Bürgers.
Bogner ist ein Pionier des Museumsconsultings in Europa, er beriet Dutzende Institutionen wie das Grazer Joanneum oder die Baseler Fondation Beyeler; die Planung des Wiener Museumsquartiers (MQ) trägt seine Handschrift; sein größtes aktuelles Projekt ist ein Museumsquartier in Kiew. Die von Kulturministerin Claudia Schmied in Angriff genommene Neuordnung der Bundesmuseen deckt sich mit den seit Jahren immer wieder von Bogner artikulierten Forderungen. „Kein Direktor weiß, was von ihm verlangt wird – außer Quote“, kritisierte Bogner letzten Herbst im Falter.
Gleichzeitig mit der Natur wurde in den Siebzigerjahren aber auch die Altstadt als schützens- und lebenswerter Raum entdeckt. Linke Gesellschaftskritik bildete keinen Widerspruch zum Engagement für die Erhaltung der Biedermeierhäuser am Spittelberg oder des barocken Augartens. So konnte sogar das Museum zum Träger gesellschaftlicher Öffnung werden. Es sollte sich aus der staatlichen Bürokratie lösen und durch besser vermittelte Inhalte breitere Bevölkerungsschichten erreichen.

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