„Gift in mir“

Afrikaner-Gene, Tierbordelle und Giftspinnen. Wovon die FPÖ-Spitzenkandidatin Susanne Winter träumt.

DONJA NOORMOFIDI
STEIERMARK, POLITIK, FALTER 47/07 vom 20.11.2007

Bürgermeister Siegfried Nagl hat sogar eine Negerin in seinem Gemeinderat“, schrie Susanne Winter, freiheitliche Spitzenkandidatin für die Gemeinderatswahlen, kürzlich in die spärliche Zuschauermenge am Grazer Tummelplatz. Die blonde Zahnarztgattin hält nichts von politischer Korrektheit, wie sie immer wieder klarmacht, wettert gegen die angebliche „Zuwandererflut“ und ruft indirekt zur „Islam-Bekämpfung“ auf. Der Menschenrechtsbeirat, der den Wahlkampf beobachtet, fasste es kürzlich so zusammen: „Egal welches Thema analysiert wird, es wird immer rassistisch, ausgrenzend, ausländerfeindlich, aggressiv und hetzerisch behandelt.“

Klaus Starl vom Europäischen Trainingszentrum für Menschenrechte (ETC) weist zudem auf die Nähe des FPÖ-Slogans „Sozial geht nur national“ zum Nazi-Jargon hin: „Das erinnert sehr an Hermann Göring, der bei einer Rede 1938 gesagt hat: ,Wir sind die nationalen Sozialisten.‘“ Fred Ohenhen vom Integrationsverein ISOP hat sich trotz allem dazu bereit erklärt, als Überraschungsgast am Falter-Interview teilzunehmen. Denn trotz des rassistischen Wahlkampfes könnte Frau Winter nach der Wahl Stadträtin werden, ihre Umfragewerte liegen bei 13 Prozent. Fred Ohenhen ist gebürtiger Nigerianer, längst Österreicher geworden und arbeitet als Leiter des IKU-Projekts mit Kindern an Schulen, gegen Rassismus und für Integration. Frau Winter ließ sich im Gespräch mit Herrn Ohenhen nicht davon überzeugen, das diskriminierende Wort „Neger“ nicht mehr zu verwenden, und stellte abwegige Theorien über seine Gene auf. Starl dazu: „Das ist eine abstruse, sozialdarwinistische Idee, die sich wissenschaftlich nicht nachweisen lässt.“

Falter: Sie kennt im Unterschied zu Herrn Ohenhen in Graz kaum jemand. Warum sind Sie nicht so gut integriert wie er?

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