Standpunkt

Ab ins Verlies!

Politik, FALTER 48/07 vom 28.11.2007

Alle Kinderquäler in den finstersten Knast und die Schlüssel am besten wegwerfen. So ähnlich denkt sich das BZÖ-Chef Peter Westenthaler, wenn er nach dem Todesfall des kleinen Luca die Verdoppelung des Strafrahmens bei Gewaltdelikten gegen Kinder fordert. Die üblichen Verdächtigen, allen voran die Kronen Zeitung, sind natürlich gleich bei der populistischen Scharfmacherei dabei. Als ob härtere Gesetze alleine Gewalt gegen Kinder verhindern können. Es ist zwar durchaus vernünftig, dass SPÖ-Justizministerin Maria Berger jetzt einmal genau prüfen lässt, wie es mit dem derzeitigen Strafrahmen ausschaut und ob es Anpassungsbedarf gibt. Wer Kinder aber tatsächlich besser schützen will, muss bei ihren Eltern ansetzen - und zwar, bevor etwas Schlimmes passiert. Denn viele sind mit ihrem Nachwuchs heillos überfordert. Es sind allerdings nicht nur die ganz jungen Leute aus schwierigen Verhältnissen, die die Nerven wegen des schreienden Kindes wegwerfen und zuschlagen, auch saturierte Bürger prügeln ihren Nachwuchs. Hilflose Eltern bekommen generell zu wenig Unterstützungsangebote, die Jugendämter sind total überlastet und unterbesetzt. Das weiß man nicht erst seit Luca. Ein grundsätzliches Problem können aber auch mehr Sozialarbeiter und strengere Strafen nicht lösen: dass manche Eltern ihre Kinder quasi als privates Eigentum betrachten. J. O.

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