Die verlorene Tochter

Ein Ehepaar adoptiert zwei afrikanische Waisenkinder. Als eines Deutsch zu sprechen beginnt, deckt es seine Verschleppung nach Niederösterreich auf. Der Fall erschüttert das Vertrauen in Auslandsadoptionen.


FLORIAN KLENK

POLITIK, FALTER 02/08 vom 08.01.2008

Nachdem sie all die Klagen, Briefe, DNA-Gutachten und Artikel wieder in die vielen Ordner gepackt hat, führt Martina Bauer mit leisen Schritten in den ersten Stock ihres Hauses. „Jetzt“, flüstert sie und knipst kurz das Licht an, „zeige ich Ihnen noch meinen Schatz.“ Friedlich schlummert der sechsjährige Noah in seinem Bettchen. Frau Bauer sagt: „Vielleicht wurde auch er in Afrika gestohlen, so wie seine Schwester.“

Frau Bauer heißt nicht Bauer. Auch der kleine Noah trägt einen anderen Namen. Die wahre Identität dieser Familie muss zum Schutz der Kinder geheim bleiben. Nur wenige Nachbarn wissen vom Drama, das die Bauers seit drei Jahren zermürbt.

„Ist er nicht wunderbar?“, fragt Frau Bauer und dreht das Licht wieder ab. Wie wäre sein Leben verlaufen, wäre er nicht hier zu dieser Familie gebracht worden? Wie gut es Noah hier doch geht. Bilder aus dem Familienalbum: Noah und der Nikolo. Noah im Garten. Noah als Maus verkleidet beim Kinderfasching. Ein schwarzes, ein österreichisches Kind. Frau Bauer ist seine Mutter, zumindest auf dem Papier. Sie hat ihn adoptiert. So soll es auch bleiben – auch zu Noahs Wohl.

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